Dekolonialisierung der Phantastik – Teil 0: Einleitung

Es ist ein neues Jahr und damit möchte ich eine neue Weblog-Reihe anfangen, zu der ich einmal im Monat etwas schreiben werde: Dekolonialisierung der Phantastik.

Die Folgen des Kolonialismus

Kolonialismus beschreibt im allgemeinen, wenn ein Land oder eine Kultur sich abseits seiner normalen Grenzen Land „sichert“ und eine Kolonie dort etabliert. Eigentlich sowohl auf Land, auf dem bisher niemand lebt, als auch Land, das vorher schon bewohnt ist. Im speziellen redet man jedoch vor allem von Kolonialismus in Bezug auf die europäische Kolonialzeit, in der europäische Mächte (auch Deutschland!) Gebiete vor allem auf den amerikanischen Kontinenten und dem afrikanischen Kontinent eingenommen und besiedelt haben und in diesem Prozess die dort eigentlich lebende Bevölkerung vertrieben, getötet und unterdrückt haben.

Dies endete für die meisten Länder effektiv am Ende des zweiten Weltkriegs. Nicht etwa, weil man einsah, dass Kolonialismus beschissen war, sondern weil den meisten Ländern nach dem Krieg das Geld ausgegangen war. Doch auch wenn die meisten Länder nicht länger besetzt sind: Der Kolonialismus lebt weiter. Sei es darin, wer in Amerika lebt und dort Gesetze schreibt, sei es durch Neokolonialismus, sei es durch die Verarmung und fortlaufende Ausbeutung vieler Länder im subsaharischen Afrika, sei es in einer kolonialistischen Art zu denken, die die meisten von uns verinnerlicht haben.

Diese Art zu denken, zeigt sich in vielem. Darin, wie wir andere Menschen in Gruppen einteilen. Darin, wie wir über die genannten Länder und Regionen denken. Darin, dass bei Podiumsdiskussionen zu diesem Thema irgendwie immer nur weiße Männer auf der Bühne stehen. Darin, wie verbreitet Rasissmus, vor allem internalisierter Rassismus ist. Und darin, wie für uns so viel an Eigentum gebunden ist.

Kolonialismus und die Phantastik

Und diese Art zu denken zeigt sich natürlich ebenfalls in allem, was wir aufschreiben. Egal in was für einem guten Glauben und in welcher guten Absicht das auch geschieht. Weil es einfach etwas ist, dass Teil von unserer Gesellschaft und unserer Art zu denken ist. Und ja, ich schließe mich selbst da ein – denn egal, wie sehr man versucht sich selbst zu hinterfragen, fällt man doch ab und an in Stolperfallen.

Allerdings sind nicht zuletzt auch die phantastischen Genre (also all die Buchgenre, die nicht in realen Aspekten unserer Welt verwurzelt sind), namentlich Fantasy, Science Fiction und Horror sehr stark von diesen Denkmustern beherrscht. Dies gilt speziell für die Phantastik, die wir hier in Deutschland oder „dem Westen“ (wieder so ein Konzept) konsumieren. Ja, in den letzten paar Jahren kommt mehr und mehr eine Gegenbewegung auf – doch diese steht noch immer in den Kinderschuhen.

Und genau deswegen möchte ich mich hier mit dem Thema auseinandersetzen. Da ich es für wichtig halte und es außerdem ein spannendes Thema ist, Aspekte, die wir für einen selbstverständlichen Teil der Phantastik halten, zu hinterfragen.

Der obligatorische Disclaimer

An dieser Stelle sei noch einmal sehr deutlich gesagt: Ich bin weiß. Zwar trifft das nicht auf meine Familie komplett zu, doch für sämtliche kulturell relevanten Aspekte bin ich weiß. Das heißt: Ich habe weißes Privileg. Anders gesagt: Viele Aspekte hier werde ich nicht als Own Voice schreiben, sondern als weiße Person, die zwar von manchen, aber eben nur sehr wenigen Teilen selbst betroffen ist.

Aus diesem Grund werde ich auch im Rahmen der Einträge Seiten verlinken, die über diese Themen aus Own Voice Sicht sprechen, die jedoch meistens auf Englisch sind. Ich möchte außerdem versuchen – einmal sehen, ob es klappt – ein paar Own Voices speziell in den Sommermonaten zu plattformen.

Aber ich bitte wirklich im Kopf zu behalten, dass ich weiß bin und mit diesen Einträgen vor allem Aufmerksamkeit auf diese Aspekte bringen will. Ich bitte euch daher, neben den Artikeln, die ich diesbezüglich verlinken werde, euch auch selbst mit dem Thema auseinandertzusetzen und betroffenen Zuzuhören. Okay?

Ablauf

Wie schon gesagt: Der Plan ist es für die nächsten Monate jeweils einen Eintrag zum Thema „Dekolonialisierung der Phantastik“ hochzuladen. Dabei möchte ich mich allerdings aus zeitlichen Gründen nicht festlegen, wann im Monat ich die Einträge hochladen werde. Ich hoffe, das ist verständlich. Es sei zudem gesagt, dass der Januarbeitrag aufgrund des Umfangs auf drei Beiträge aufgeteilt werden wird – von denen der erste zwar im Januar online gehen wird. Für die anderen beiden kann ich dasselbe jedoch nicht garantieren.

Es sei auch dazu gesagt: Manche der Einträge werden mehr über Folgen der Kolonialisierung allgemein sprechen, die jedoch so in unseren Denkweisen verankert sind, dass sie sich auch in der Phantastik zeigen.

Geplante Beiträge:

  • Januar: Geschichte des Kolonialismus – Teil 1, Teil 2, Teil 3
  • Februar: Das Problem der phantastischen „Rassen“
  • März: Der weiße (und/oder menschliche) Retter
  • April: Mal eben die Galaxie beherrschen
  • Mai: Von großen Männern und anderen Menschen
  • Juni: Kolonialismus und die queeren Identitäten
  • Juli: Das schneeweiße Mittelalter
  • August: Kulturelle Aneignung
  • September: Europäische Narrativen
  • Oktober: Kolonialisierte Magie
  • November: Von wahren Königen und Erbrecht
  • Dezember: Gemeine Sprachen und Kulturen

Es wird außerdem einen Exkurs zum Thema Rollenspiel und Kolonialismus geben, aber ich weiß noch nicht, wann dieser gepostet werden wird.

Ich hoffe ihr findet das Thema genau so interessant – und wichtig – wie ich.


Das Beitragsbild stammt von Unsplash.