Fantasy Subgenre – Eine Übersicht

Im Rahmen des NaNoWriMo dachte ich, es wäre einmal an der Zeit, etwas zu posten, das ich schon lange Teilen wollte: Die Subgenre der Fantasy nach Alpaka. Denn eine Sache direkt vorweg: Ja, es gibt zig verschiedene Definitionen.

Subgenre – wer braucht sowas?

Wer sich ein wenig mit der Fantasy als Genre beschäftigt hat, weiß um die vielen, vielen Subgenre, die man hier finden kann. Häufig kommt die Frage auf: „Wer braucht so etwas? Reicht es nicht das Fantasy einfach Fantasy ist?“

Zu der Frage kann ich nur sagen: Nein, reicht es nicht. Denn verschiedene Leute lesen nun einmal unterschiedliche Dinge gern – und wenn wir keine Subgenre nutzen, ist es schwer etwas zu finden, das man selbst mögen würde. Immerhin gibt es Fantasy in diversen Geschmacksrichtungen. Ich persönlich bin bspw. kein großer Fan von Elfen, Zwergen, Orks (aus schon einmal genannten Gründen) und vermeide daher meistens High Fantasy. Viele andere mögen dann doch lieber ein mittelalterliches Setting und machen daher schon einmal einen Bogen um Urban Fantasy.

Allerdings muss ich auch offen sagen, dass man es ein wenig zur Weit treiben kann. Persönlich kenne ich es aus der Urban Fantasy, die manche Leute von der Contemporary Fantasy abtrennen wollen und gleichzeitig auch noch je nach Art der magischen Wesen unterteilen wollen. Das geht dann auch mir zu weit.

Ich erhebe bei dieser Liste weder einen Anspruch darauf komplett zu sein, noch, dass alle Leute diesen Definitionen zustimmen – doch vielleicht hilft sie dem ein oder anderen, die eigene Geschichte einzuordnen.

Übrigens: Die „-punk“ Genre, die zur Fantasy gehören, werden hier nicht aufgeführt, da es für sie einen eigenen Beitrag gibt.

High Fantasy

Fangen wir mit dem Subgenre an, an das viele zuerst denken, wenn der Begriff „Fantasy“ fällt: High Fantasy. Obwohl man meinen sollte, dass gerade bei dem zentralen Fantasy-Subgenre es eine klare Definition gibt, auf die sich alle einigen können, ist dem nicht so. Dennoch gibt es ein paar Dinge, auf die die meisten sich einigen können:

High Fantasy spielt in einer eigenen Welt, die sich von unserer in mehreren Punkten unterscheidet. In High Fantasy Welten ist Magie oder zumindest die Existenz magischer Wesen etwas, das als normal betrachtet wird. Die Geister scheiden sich jedoch daran, ob diese Welt zwangsweise einen mittelalterlichen technischen Stand haben muss.

Meist gibt es in High Fantasy andere magische Spezies, die Seite an Seite mit Menschen leben. Häufig sind Abenteuerreisen im Zentrum einer High Fantasy Geschichte. Ebenso haben High Fantasy Welten recht häufig ein „großes Böses“, auch wenn dies nicht zwingend der Fall sein muss.

Beispiele: Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien, Mistborn von Brandon Sanderson, Die Chroniken von Erdsee von Ursula K. Le Guin

Heroic & Epic Fantasy

Ein weiteres Thema, wo sich die Meinungen scheiden: Sind Heroic Fantasy und Epic Fantasy einfach nur andere Worte für High Fantasy, etwas eigenes oder vielleicht Subgenre? Ich selbst ordne sie als Subgenre ein. Sie spielen in einer High Fantasy Welt, folgen dabei allerdings im Aufbau der Handlung einem bestimmten Muster.

Heroic Fantasy folgt einer*m Held*in oder einer Gruppe von Held*innen auf ihrem Weg, nun, heldenhafte Dinge zu tun. Vielleicht erfüllen sie eine Prophezeihung, vielleicht zerstören sie ein verfluchtes Artefakt, vielleicht retten sie Prinz oder Prinzessin. Sie sind auf jeden Fall Held*innen und wahrscheinlich folgt der Aufbau der Handlung auch der Heldenreise.

Epic Fantasy kann sich mit Heroic Fantasy überschneiden, muss es aber nicht. Es erzählt eine große, epische Geschichte von großem Ausmaß, inklusive Kriege, Schlachten und allem was dazu gehört.

Beispiele: Der Name des Windes von Patrick Rothfuss, To Ride Hell’s Chasm von Janny Wurts

Low Fantasy

Da sich bei High Fantasy schon die Meinungen zur genauen Definition scheiden, sieht es bei Low Fantasy natürlich sehr ähnlich aus. Eine beliebte Definition ist, dass Low Fantasy in unserer Welt spielt, während High Fantasy in einer anderen spielt – allerdings ordne ich es nicht so ein.

Meine Definition: Low Fantasy spielt in unserer Welt oder einer Welt, die unserer in vielen Punkten, was den Aufbau und die Gesellschaft angeht, sehr ähnlich ist. Es existieren Magie und magische Wesen, jedoch sind sich viele Bewohner*innen der Welt dessen nicht bewusst oder sehen zumindest die magischen Wesen als etwas Fremdes an. Protagonist*innen müssen häufig ohne eigenen Zugriff auf Magie auskommen.

Anders als bei High Fantasy gibt es auch weniger standardisierte Vorstellungen darüber, welche Arten von Handlung in dieser Low Fantasy Welt nun stattfinden. Es ist häufig so, dass Urban Fantasy und Historical Fantasy als Subgenre von Low Fantasy betrachtet werden.

Beispiele:Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch, Dread Nation von Justina Ireland

Sword & Sorcery

Fangen wir mit einer klaren Aussage an: Anders, als es manche deutsche Verlage handhaben und auch manch ein Mensch in der deutschen Buchbubble versucht einem weiß zu machen, ist Sword & Sorcery weder ein Subgenre, noch gleichbedeutend mit Low Fantasy.

Es ist nicht immer ganz leicht, Sword & Sorcery zu definieren, aber prinzipiell lässt es sich so versuchen: Sword & Sorcery Geschichten können in einer High Fantasy oder Low Fantasy Welt spielen und drehen sich um eine*n oder mehrere Held*innen, die auf einer Mission meist persönlicher Natur sind. Die Einsetze sind entsprechend selten weltbewegend oder gar weltendend, sondern meist auf einem individuellen Level. Dabei sind die erzählten Geschichten meist sehr actiongeladen und nutzen sehr schnelles Pacing. Und natürlich: Schwerter und Zauber spielen üblicherweise eine größere Rolle.

Die Welten von Sword & Sorcery haben meist einen älteren Stand an Technik. Sprich: Meist laufen die Held*innen wirklich mit Schwertern als Standardwaffe durch die Gegend.

Beispiele: The Blade Itself von Joe Abercrombie, Tales of Nevèrÿon von Samuel R. Delaney,

Portal Fantasy

Portal Fantasy ist ein Subgenre, das sich sehr gut über seinen Namen definiert: Es geht um Portale. Um genauer zu sein geht es um Portale zwischen verschiedenen Welten.

Anders gesagt ist Portal Fantasy dadurch definiert, dass gleich mehrere Welten nebeneinander existieren. Daher steht häufig ein Konflikt in der Mitte der Geschichte, der auch eine Gefahr für verschiedene Welten darstellt.

Dabei ist es jedoch unterschiedlich, wie die Portale gehandhabt werden. Mal sind diese feste Entitäten, bei denen man wissen muss, wo sie sind. Mal können sie sich zufällig Öffnen und eine*n Protagonist*in verschlingen. Und mal gibt es magische oder technische Mittel, Portale selbst zu erschaffen und das Reisen zwischen den Welten gehört praktisch zum Alltag dazu.

Beispiele: His Dark Materials von Philipp Pullman, The Wayward Children von Seanan McGuire

Isekai

Isekai ist japanisch und bedeutet in etwa nur so viel wie „andere Welt“. Es ist aktuell wohl das beliebteste Genre der japanischen Light Novels. Allerdings ist es auch so prävalent, dass sich der Genrename mittlerweile auch im Westen für eine bestimmte Art von Portal Fantasy durchgesetzt hat.

Isekai beschreibt eine Geschichte, in der di*er Protagonist*in (meist unfreiwillig) aus unserer Welt in eine andere Welt gezogen oder befördert wird – mal, weil die fremde Welt sie*ihn braucht, mal aus gänzlich anderen Gründen. Die Geschichte dreht sich dann vor allem darum, die neue Welt kennen zu lernen und in einigen Fällen auch um die Versuche der*s Protagonist*in, in unsere Welt zurück zu gelangen.

Urban Fantasy

Kommen wir zu meinem Liebling, zu dem es im Blog auch einen ganzen Eintrag zur Definition gibt. Urban Fantasy, von manchen auch Modern Fantasy oder Contemporary Fantasy genannt – oder auch gezielt versucht zu unterscheiden – beschreibt eine Fantasy Geschichte, die zur modernen Zeit in unserer Welt spielt oder einer Welt, die zumindest nach ähnlichen Regeln und auf einem ähnlichen Technologie Level agiert.

Wie der Name des Genres nahelegt, spielen die Geschichten dabei sehr häufig in städtischen Gebieten, meistens Großstädten, doch dies ist nicht zwingend eine Voraussetzung, um sich dem Genre zuordnen zu können. Wichtig ist vor allem, dass es ein modernes Setting ist – auch wenn modern dabei etwa 1980 bis etwa heute beschreibt.

Viele Urban Fantasy Geschichten handeln von Held*innen, die als Detektiv*innen agieren, doch dies ist nicht zwangsläufig notwendig, um in dieses Genre zu fallen. Auch Abenteuer-Urban-Fantasy ist möglich. In vielen Fällen ist es so, dass die magische Welt versteckt existiert, doch auch das ist nicht zwangsläufig der Fall.

Beispiele: Sookie Stackhouse Reihe von Charlaine Harris, The Arcadia Project von Mishell Baker, Die Flüsse von London von Ben Aaronovich

Magical Realism

Magical Realism ist so ein Genre, bei dem ich mich schwer tue, es klar zu fassen. Es fühlt sich für mich persönlich wie ein einfacher Flavor von Urban Fantasy an, doch aufgrund seiner Geschichte ist es nicht richtig, es so einzusortieren. Denn Magical Realism hat eine recht große Bedeutung in der lateinamerikanischen Kultur.

Magical Realism definiert sich dadurch, dass es in einer alles in allem realistischen Welt spielt und auch die Handlung vornehmlich durch realistische Konflikte geprägt ist. Dennoch tauchen übernatürliche und/oder magische Elemente auf. Diese stehen jedoch nicht im Zentrum der Handlung und werden in vielen Fällen dennoch von den Charakteren nicht als etwas besonderes behandelt.

Beispiele: Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez, Kafka am Strand von Haruki Murakami

Historic Fantasy

Kommen wir zu einem Genre, das einfach zu definieren ist: Historische Fantasy. Anders gesagt: Fantasy, die irgendwann in unserer realen Geschichte spielt. Dabei ist es sowohl möglich, dass Magie im Verborgenen existiert und die Handlung daher im verborgenen stattfindet – sprich: Es eine verborgene magische Gesellschaft gibt – aber auch, dass ein bestimmter historischer Abschnitt mit einem magischen Twist sich neu vorgestellt wird.

In zweiterem Fall kann es sein, dass die Geschichte zu einer Alternate History Erzählung wird, also eine Erzählung, in der der Lauf der Geschichte deutlich geändert wird. In diesem Fall häufig durch das einbringen der magischen Elemente, die so natürlich in der realen Geschichte nicht vorhanden waren.

Beispiele: Outlander von Diana Gabaldon, The Golem And The Jinni von Helene Wecker, Die Drachenreiter seiner Majestät von Naomi Novik

Space Fantasy

Space Fantasy, ist wie der Name schon sagt, eine Fantasy-Geschichte im Weltall – selbst wenn viele dieser Geschichten als Science Fiction verkauft werden, ohne wirklich wissenschaftliche Elemente zu beinhalten. Was nicht heißt, dass Space Fantasy nicht doch einen realistischen Raumschiffantrieb beinhalten kann – es ist nur bei Space Fantasy nicht zwingend erforderlich.

Dafür gibt es Magie oder zumindest irgendeine Art magischer Kraft (man könnte es auch „die Macht“ nennen), die von Leuten genutzt werden kann und sehr wahrscheinlich auch eine Rolle in der Handlung spielen wird.

Anders gesagt: Es ist ein Weltraum-Abenteuer, das jedoch deutliche fantastische Elemente beinhaltet. Überschneidungen mit Science Fiction sind möglich, aber nicht zwingend gegeben.

Beispiele: Dune von Frank Herbert, Gideon The Ninth von Tamsyn Muir

Animal Fantasy

Noch ein Genre das Selbsterklärend ist: Animal Fantasy. Fantasy Geschichten mit Tieren in den Hauptrollen. Dabei ist es sowohl möglich, dass diese Tiere sehr antromorph sind, also auch wie Menschen leben, sich eventuell Kleiden und Städte bauen, aber auch, dass es sich um tatsächliche Tiere handelt, die wie Tiere leben und kämpfen, aber dabei zumindest einen höheren Intellekt haben.

Bei antromorphen Geschichten ist es durchaus möglich, dass dies das einzige Fantasy Element ist: Tiere leben wie Menschen. Dennoch kann es natürlich sein das dennoch Hexer, Drachen oder andere Aspekte vorkommen.

Bei den anderen Geschichten haben die Tiere meist selbst ihre eigene Magie und magischen Fähigkeiten. Wie diese genau ausfallen kann jedoch von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich sein.

Beispiele: Redwall von Brian Jacques, Die Eulen von Ga’Hoole von Kathryn Lasky, Silberflügel von Kenneth Oppel

Fantasy of Manners

Machen wir nach diesen eher leichten Definitionen mit einem Subgenre weiter, das in Deutschland wenig bekannt ist, selbst wenn es am ehesten das Fantasy-Genre ist, dass literarisch besprochen wird.

Fantasy of Manners ist eine Mischung von Fantasy mit dem sogenannten „Comedy of Manners“ Genre. Es geht um große Casts an Charakteren, soziale Gefüge und um Intrigen. Oft in der Oberschicht angesiedelt, wo Charaktere oberflächlich höflich miteinander umgehen, während sie jedoch bereits den nächsten Betrug planen.

Fantasy of Manners haben oft recht simpel gehaltene magische Einflüsse. Ja, Magie und fantastische Elemente kommen vor, spielen aber selten eine zentrale Rolle in der Geschichte. Viel eher dienen sie dazu, das Setting ein wenig einzufärben.

Beispiele:Gormenghast von Mervyn Peake, Jonathan Strange & Mrs Norell von Susanna Clarke

Romantasy

Auch Romantasy oder Romantic Fantasy lässt sich an sich leicht definieren: Es ist eine romantische Fantasy-Geschichte oder vielleicht auch eine fantastische Romanze. Anders gesagt: In einem Fantasy-Setting spielt sich eine Romantik-Geschichte ab. Dabei steht eben die romantische Beziehung im Vordergrund der Geschichte.

Es sei dazu noch einmal daran erinnert, dass etwas sich nur dann in das Romantik-Genre zählen kann, wenn die Geschichte ein Happy End hat.

Beispiele: Kushiel’s Dart von Jacqueline Carey, Graceling von Kristin Cashore

Comedic Fantasy

Comedic Fantasy mischt, wie der Name es vermuten lässt, humorvolle Erzählungen mit Fantasy. Dabei können die Geschichten Satiren anderer Fantasy-Geschichten sein, aber auch einfach nur Komödien, die in einer Fantasy-Welt erzählt werden.

Das bedeutet häufig, dass das Genre explizit mit Erwartungen spielt und diese häufig auf humorvolle Weise gegen Leser*innen ausspielt – vielleicht indem Klischees auf übertriebene Weise befolgt werden oder das genaue Gegenteil der Fall ist und die Geschichte eventuell sogar auf unlogische Aspekte von Klischees und Tropes aufmerksam macht.

Beispiel: Schreibenwelt von Terry Pratchett, Good Omens von Neil Gaiman & Terry Pratchett

Dark Fantasy

Kommen wir zuletzt zu Dark Fantasy. Dark Fantasy ist das Fantasy-Subgenre, das vor allem über seine Atmosphäre definiert wird. Entsprechend kann es in jedweden Fantasy-Setting spielen – High Fantasy, Low Fantasy, Urban Fantasy oder auch Animal Fantasy können gleichzeitig durchaus Dark Fantasy sein.

Dabei wird es vornehmlich durch eine düstere, bedrückende Atmosphäre geprägt und bringt nicht selten auch Horror-Elemente mit in die Handlung ein. Dies kann sowohl über Monster und andere Elemente dieser Art geschehen, aber auch über bedrohliche menschliche Situationen.

Beispiel: Ein Lied von Feuer und Eis von George R. Martin, A Ruin of Shadows von L.D. Lewis Novella, The Puppy War von R. F. Kuang


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