Mad Max Fury Road: Max & Furiosa

Heute geht es nicht mehr nur um einen Charakter bei meiner Mad Max Fury Road Reihe, sondern um ein Charakterduo. Speziell geht es heute um Furiosa und Max als Team, um die Beziehung der beiden und wie der Film diese Beziehung durch Musik, Symbolik und Cinematographie stützt. Dabei geht es auch um Gemeinsamkeiten und Gegensätze. Denn ja, die Beziehung zwischen diesen Figuren ist das Herzstück des Films.

Allerdings möchte ich dabei noch einmal anfangen, indem ich eine Übersicht über die wichtigsten Momente zwischen den beiden und wie diese die Dynamik und die Story des Films verändern. Ja, dabei wird sich einiges aus den Charakterbeiträgen wiederholen.

Verfolgung

Es ist bei dem Film immer fraglich, ob man ihn in drei oder fünf Akte einteilen kann. Funktionieren tut beides. Nimmt man eine Fünf-Akt-Struktur, so geht der erste Akt von Beginn des Films bis zu dem Moment, an dem Nux und Max im Sturm crashen und die Szene schwarz wird. Dies eignet sich aus einem anderen Grund gut dazu, als Abschnitt gefasst zu werden, denn bis dahin gibt es keine Interaktion zwischen Max und Furiosa.

Interessant ist es dennoch, Furiosas Einfluss auf Max‘ Geschichte zu betrachten. Denn natürlich könnte er nicht entkommen, hätte sie nicht die Frauen entführt – und hätte Joe nicht schnell genug Eins und Eins zusammengezählt. Ebenfalls sicher nicht uninteressant auch, ist, dass der Film bewusst die beiden im Gegensatz zueinander setzt: Max ist für den größten Teil dieses Abschnitts passiv und reagiert beinahe ausschließlich, während Furiosa den Plot aktiv voran treibt.

Davon abgesehen gibt es eine Art von „Kontakt“, der in diesem Abschnitt stattfindet: Als Nux mit der War Rig aufschließt, treffen sich die Blicke von Max und Furiosa kurz. Dabei merkt man ein stilistisches Mittel des Films: Die starke Betonung der Augen. Allerdings macht niemand was und der Moment ist im Bruchteil einer Sekunde vorbei.

Wasser

Indirekt rettet Max natürlich Furiosa, indem er sich selbst und Nux rettet, ehe der Unfall ihn ausknockt. Als er aufwacht ist er allein, noch immer an Nux gebunden und durstig. Er findet Furiosa und die Frauen, bedroht sie und es kommt zum Kampf. Innerhalb des Kampfes versucht Furiosa Max zu töten, doch er lässt sie am Ende am Leben – und sei es nur, weil er sie nicht töten muss. Immerhin lässt er sie für Joe zurück.

Wir wissen natürlich: Er kommt nicht weit, ehe der Wagen hält und er mit Furiosa verhandeln muss. Es ist letzten Endes das symbolische Angebot, seine Menschlichkeit zurückzuerlangen, dass ihn davon überzeugt, zu helfen. Wenngleich es widerwillige Hilfe ist. Er sammelt, damit rechnend, dass Furiosa ihm noch einmal in den Rücken fällt, die Waffen ein. Dabei ist auch dies nicht gänzlich ohne Symbolik, da er sämtliche Waffen, bis auf eine, findet. Auch damit zeigt der Film etwas: Nämlich, dass die beiden Figuren durchaus ähnlich denken.

Der große Umschwung kommt, als Max nach hinten geht, um die Kopplung des Anhängers reinzustecken. Er erkennt die weiteren Verfolger. Es ist kein Zufall, dass ihm genau in diesem Moment der Maulkorb abgeht. (Ich möchte immer noch sagen: Ihm zum losemachen die Feile zu geben, ist definitiv ein Boss-Move!)

Verbündete

Was die nächsten zwei Szenen beherrscht, ist die Erkenntnis, zusammenarbeiten zu müssen. Es ist ein notgedrungenes Vertrauen da – selbst wenn man darüber diskutieren kann, worauf Max’ Entscheidung, Furiosa seinen nicht Namen zu nennen, zurückgeht. Dennoch tut er, was sie ihm sagt, startet den Wagen und als die beiden kurz darauf beide in der Führerkabien der Rig sind, reicht er ihr wie selbstverständlich, die Waffe, die er ihr vorher abgenommen hat.

Ab hier betont der Film vor allem stilistisch, dass die beiden sich ergänzen. Beide sind Kämpfer und Fahrer – aber mit unterschiedlichen Stärken. Der Film macht klar, dass Max der bessere Fahrer, Furiosa dagegen die bessere Schützin ist. Dies wird auch dadurch betont, dass Max beinahe immer in kurzen Salven feuert, von denen ein bis zwei Schüsse treffen, während Furiosa Einzelschüsse abgibt und beinahe immer trifft.

Vertrauen

In den folgenden Szenen haben wir vor allem drei Momente, die zum einen Charakter- und Beziehungsentwicklung bringen, aber auch helfen die Beziehung genauer zu definieren.

Die erste, als Agarah überfahren wird. Max weiß, dass sie aufgeschmissen sind, wenn er anhält und dass sie Agarah wahrscheinlich nicht retten können. Furiosa glaubt ihm, als er erzählt, dass sie überfahren wurde.

Die zweite ist natürlich die Szene mit dem Scharfschützengewehr. Er schießt zwei Mal daneben, hat nur einen Schuss. Sie steht dahinter, will allerdings deutlich nichts sagen. Dann gibt er ihr die Waffe, sie nutzt seine Schulter, um die Waffe zu stabilisieren und trifft.

Die dritte Szene wäre Max „Rache“ kurz darauf. Als der Bulletfarmer sie blind weiterverfolgt. Hier sind einige interessante Aspekte: Maxs Selbstverständliche Aussage, dass sie weiterfahren sollen, wenn er nicht zurückkommt, Furiosas Überraschung und Unsicherheit darüber. Auch ihre Reaktion, als er zurückkommt, insbesondere die Feststellung, dass es nicht sein Blut ist, ist nicht ohne Aussage.

Was der Film mit diesen Szenen macht, ist ein Bild eines größtenteils wortlosen Vertrauens zu bauen. Ein Vertrauen, das von allem was wir sehen, sehr darauf aufbaut, dass die beiden einander ähnlich sind und ähnlich denken. Und ja, ein Teil ist eben auch der Mangel an Alternativen. Denn um die ganze Sache durchzustehen, müssen sie zusammenhalten.

Hoffnung

Ich habe hinten noch einen Abschnitt zum Thema Musik, doch hier möchte ich es das erste Mal reinbringen. Denn als Max aufwacht und mit Furiosa über eine Chance auf „Erlösung“ (es gibt keine gute deutsche Übersetzung zu „redemption“) spricht, spielt ein Stück im Hintergrund. Ein Stück, dass passenderweise „Redemption“ heißt. Dieses Stück wird sowohl für Max, als auch für Furiosa in diesem Abschnitt verwendet – was ihre Arcs noch stärker miteinander verbindet.

Dieser Abschnitt baut zwischen den beiden wieder die Gegensätze auf. Denn während Furiosa bereit ist, zu hoffen, selbst wenn ihre Hoffnung zerstört wurde, ist Max dazu nicht bereit. Jedenfalls sagt er dies so. Hier haben wir eben die gegensätzlichen Interessen: Furiosa will Max dabei haben. Max will eins: Überleben. (Erneut etwas, das über den Soundtrack vermittelt wird.) Dies sind der Grund für seine Warnung, aber auch für ihr Angebot.

Es ist erst, als er die anderen fahren sieht, dass ihm klar wird, dass seine eigene Chance auf „Redemption“ mit ihnen fährt. Seine „Redemption“ liegt darin, Furiosa und den Frauen zu helfen. Gleichzeitig ist die Szene, in der man sich auf seinen Plan einigt, dass erste Mal, dass sie nicht nur durch Umstände, sondern durch eine freie Entscheidung von beiden Seiten.

Blut

Die nächste Action-Sequenz ist bezüglich des Themas weniger spannend. Sie dient vornehmlich dafür zu zeigen, wie das Team (und das bezieht sich auf das gesamte Team) jetzt zusammenarbeitet und einander ergänzt. Der eine wirklich interessante Aspekt bzgl. des Duos ist eben, dass Max genau rechtzeitig auf Joes Wagen ist, um Furiosa zu fangen, ehe sie unter die Räder kommt.

Nein, die eigentlich interessante Szene ist die Duologie und der Soundtrack. (Ich sagte ja, dass der wichtig wird.) Denn wer genau hinhört, wird feststellen, dass das Stück eine Variation von „Redemption“ ist und das ist natürlich nicht ohne Grund. Spulen wir ein paar Szenen zurück zu Max‘ Aufforderung, zur Zitadelle zurückzufahren und was er Furiosa sagt: „And [we might] maybe in the process come accross some sort of redemption together.“ Und genau dies ist die Szene.

Denn die zentrale Gemeinsamkeit, die Max und Furiosa haben, ist, dass sie beide Dinge haben, die sie sich selbst nicht verzeihen können. Die „Vergebung“, die sie suchten, war nie in den Augen anderer sondern in ihnen selbst, so schmalzig das jetzt auch klingt. Sie mussten sich selbst vergeben. Furiosa konnte dies dadurch, sich de facto selbst zu opfern dafür den Tyrannen (also Joe) zu ermorden. Max derweil erlangt seine Erlösung dadurch, ihr Leben zu retten.

Davon abgesehen ist die Szene natürlich gleichzusetzen mit einem symbolischen Vorschlaghammer. Er gibt ihr sein Blut und seinen Namen. Subtil ist etwas anderes. Doch die Moral am Ende ist, dass sie dadurch, gemeinsam zu kämpfen einander gerettet und beide als Personen ein bisschen besser geworden sind.

Symbolik und visuelle Aspekte

Wie schon gesagt: In einiger Hinsicht ist der Film nicht subtil, was die Symbolik angeht und das ist bezüglich der beiden und ihrer Beziehung am deutlichsten. An einigen Stellen erschlägt der Film einen beinahe mit einem Teil der Symbolik – während ein anderer Teil deutlich besser versteckt ist. Denn wie schon gesagt: Max‘ Blutspende ist sehr deutlich und sollte den meisten auffallen. Genau so, wie es eben andere Aspekte im Film gibt, die sehr deutlich sind. (Stichwort: Muttermilch.)

Ein wichtiger Aspekt dahingehend ist vor allem am Anfang zu finden. Denn wie gesagt, die Szene mit den Waffen hat mehr als eine Aufgabe im Film. Eine davon ist eben so zu kommunizieren, dass die beiden einander ähnlich sind. Doch auch andere Szenen haben Symbolik. Die Szene mit „Don’t Breathe“ sei hier genannt, da sie so viele unterschiedliche Ebenen hat. Eine davon ist eben das gegenseitige Vertrauen und die Zusammenarbeit der beiden Figuren.

Was ich persönlich interessant jedoch finde, ist, dass letzten Endes das Design von Furiosa so deutlich geändert wurde. Denn wer sich im Artbook die Charakterdesigns anschaut, wird merken, dass man auch hier versucht hat Parallelen zu ziehen. Ursprünglich sollte Furiosa ein sehr ähnliches Kostüm zu Max haben. Dies wurde jedoch sehr spät verworfen. Die Aussagen zum „Warum“ sind dabei sehr vage, doch ich denke, die Entscheidung war richtig. Denn ja, die beiden haben viele Ähnlichkeiten. Das ist ein Aspekt. Aber Furiosa ist eben nicht „Max, aber in weiblich“.

Cinematographie

An dieser Stelle möchte ich auch etwas anderes ansprechen: Die Cinematographie, über die ich leider keinen eigenen Blog machen kann, da es zu schwer zu beschreiben wäre. Doch hier möchte ich es kurz anmerken: Es gibt einige Filmanalysen, die eine Sache deutlich sagen: Statt, wie 90% aller Hollywood Produktionen, eine Variante von „Male Gaze“ als Cinematographie zu nutzen, nutzt der Film „Female Gaze“ – und es ist nicht, was ihr denkt.

Warum ich es hier hereinbringe? Nun, weil „Female Gaze“ bedeutet, dass weniger Fokus auf den Körperformen, als auf den Gesichtern und speziell den Augen der Figuren liegt. Und genau das spielt besonders in der Kommunikation zwischen Max und Furiosa eine große Rolle. Wie schon gesagt: Das erste Mal, dass die beiden einander bemerken, ist während der Verfolgung – und hierbei ist der Fokus eben auf den Blicken, die sich treffen.

Das ist etwas, das sehr viel genutzt wird, um die Kommunikation der beiden zu zeigen. Denn beide reden im Film nicht viel. Stattdessen wird gestikuliert und es werden einander Blicke zugeworfen – worauf die Kameraeinstellungen großen Fokus legen.

Musik

Damit kommen wir zum Soundtrack, zu dem es im nächsten Beitrag auch einen ganzen Exkurs geben wird. Denn auch hier wird eine Parallele zwischen den beiden aufgebaut. Die Instrumente wurden durchweg via Synthicizer erzeugt, doch gibt es tatsächlich eine instrumentale Zuordnung nach Charakter. Beide Figuren werden als Streicher dargestellt. Max durch einen Kontrabass und Furiosa, wenn ich mich nicht gänzlich irre, durch ein Cello.

Wer nun genau hinhört, wird feststellen, dass sich die Art, wie diese beiden Instrumente im Verlauf des Films miteinander „unterhalten“ ändert. Denn in den ersten Stücken spielen sie unabhängig voneinander, dann oftmals eher entgegen einander. Dies beginnt sich mit „Brothers in Arms“ (aka der Canyon Szene) zu ändern. Hier fangen beide zumindest an dieselbe Melodie zu spielen, aber oft unterschiedliche Abschnitte, ehe sich die Instrumente immer mehr synchronisieren und immer mehr miteinander harmonieren.

Wie gesagt: Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Stück „Redemption“, das eben auch im Stück „My Name is Max“ gespiegelt wird. Denn hier wird die Melodie streckenweise von beiden Streichern getragen.

Abschließend

Ich weiß, dieser Beitrag wiederholt viel, was ich bereits in den einzelnen Beiträgen erwähnt habe. Da bezüglich der Beziehung allerdings so viele kleine Symboliken wichtig werden und die Szenen ihre Bedeutung leicht verändern, fand ich es dennoch interessant – zumal es eine Möglichkeit bietet, ein paar der technischen Aspekte näher anzusprechen.

Es fiel mir übrigens beim Schreiben sehr auf, wie sehr Heteronormativität und die Normalisierung von Romantik in jedem Kontext im Kopf sitzen. Denn auch wenn zumindest laut „Word of God“ die Möglichkeit für eine romantische Beziehung zwischen den beiden am Ende des Film bestanden hätte, so ist da keine Romantik. Aber weil es ein Mann und eine Frau die eng miteinander arbeiten und einander vertrauen sind, klingt irgendwie doch alles irgendwie danach.

Nun, egal. Im nächsten Eintrag geht es um den Soundtrack des Films.

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