Mad Max Fury Road: Max

Kommen wir zum vierten Eintrag meiner Reihe zu Mad Max: Fury Road. Heute reden wir über Max. Eigentlich sollte es ein Beitrag zu Max und Nux sein, doch da beides zusammen sehr lang geworden wäre, bekommt Nux einen eigenen Beitrag und wir kümmern uns heute um Max, den wichtigsten Nebencharakter der Geschichte.

Wie immer: Übersicht aller Beiträge zum Film findet ihr hier.

Und wer sich jetzt fragt: Aber warum kommt Max, der Titelcharakter des Films, erst im vierten Eintrag vor? Nun, Max ist der Deuteragonist der Handlung. Furiosa die Protagonistin. Daher machte es mehr Sinn mit ihr anzufangen, dann über den Antagonist zu sprechen und erst jetzt zum Deuteragonist zu kommen.

Wer ist Max?

Fangen wir mit einer nicht unwichtigen Frage an: Wer ist Max eigentlich? Und warum ist er „mad“? Denn die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, wie man glauben mag. Denn ja, natürlich, Fury Road ist der vierte Teil einer Filmreihe. Doch wer genauer hinschaut, wird feststellen, dass da bestimmte Dinge nicht zusammenpassen. Denn im ersten Teil ist Max ein Polizist, kurz vor der Apokalypse. In Fury Road wird dies von Max im Eröffnungsmonolog sogar referenziert. Doch danach herrscht bereits Apokalypse und diese scheint alt genug zu sein, als dass es für die meisten die einzige Lebensrealität ist. In Fury Road wird klar, dass weder Furiosa, noch Joes Frauen eine andere Welt kennen. Die einzigen, die sich an die alte Welt erinnern, sind „Keeper of the Seeds“ und Mrs Giddy. Beides sehr alte Frauen.

Aber Max scheint nicht viel älter als Furiosa zu sein. Wie kann es also sein, dass er sich an die alte Welt erinnert? Wurde das nicht durchdacht? Nun, doch. Und es gibt eine einfache, offizielle Erklärung von George Miller: Die Geschichte im Film ist eine Legende der Post-apokalyptischen Welt. Genau so wie die anderen Filme. Max ist ein wiederkehrender Charakter in vielen Legenden des Ödlands. Selbst wenn bei den Ereignissen, die diese Legenden inspiriert haben, jemand anderes diese Rolle gespielt hat.

Es sei allerdings gesagt, dass diese Erklärung Fans nicht vom Spekulieren abgehalten hat. Da gibt es einiges. Max ist einer der Reiter der Apokalypse. Max in Fury Road ist das Kind aus „Beyond the Thunderdome“, das die Identität Max‘ angenommen hat und dank der psychischen Belastung mittlerweile glaubt, diese Person zu sein.

Letzten Endes ist es aber auch egal: Max in diesem Film ist einfach nur Max. Ein Mann, der viel verloren hat, der ewig allein durchs Ödland gezogen ist, Menschen nicht vertraut und zu viel Gewalt erlebt hat, zu viele Leute nicht hatte retten können. Das zerrt an seiner Psyche. Er hat audiovisuelle Halluzinationen, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, mehr sind.

Verwildert

Als wir Max am Anfang des Films sehen, ist er komplett verwildert. Ungepflegt, er hört permanent Stimmen, isst lebende Tiere … Dank der Stimmen bemerkt er die War Boys erst zu spät. Er versucht zu entkommen, es funktioniert nicht und er wird als Gefangener in die Zitadelle gebracht. Dort erfahren wir dank dem Tattoo, das ihm gestochen wird, dass er ein Universalspender ist. (Wichtiger Plotpunkt.) Als man ihm das Brandmal geben will, schafft er es jedoch, sich loszureißen.

Wir sehen eine kurze Flucht durch die Zitadelle, bei der zwei Dinge weiter unterstrichen werden: Seine Wildheit – er agiert beinahe ausschließlich instinktgesteuert – und seine Halluzinationen, die letzten Endes seine Flucht erschweren. Dank seiner Instinkte trifft er teilweise auch sehr wahnwitzige Entscheidungen. Und dennoch wird er am Ende gefasst.

Als wir ihn das nächste Mal sehen, ist er in einem Käfig, samt Maulkorb. Er wird wortwörtlich als Blutbeutel verwendet und als Blutbeutel wird er dann auch, als die Verfolgung losgeht, auf Nux‘ Wagen gepackt und auf die Verfolgungsjagd mitgenommen. Hierbei sehen wir einen kurzen Schimmer in seinen Augen: Seine Chance zu entkommen.

Verfolgung

Auf der Verfolgungsjagd ist Max, aufgrund seiner Position natürlich erst einmal komplett passiv. Er ist festgebunden und wird so durch die Gegend gefahren, in einer Position, dass jeder Crash ihn wahrscheinlich tötet. Interessant ist auch hier der Moment, in dem Nux beinahe die War Rig eingeholt hat und sich für den Bruchteil einer Sekunde die Blicke von Max und Furiosa treffen. Ein Moment, auf den ich im nächsten Eintrag noch mehr eingehen werde.

Übrigens. Auf der Verfolgung gibt es einen kleinen Moment, der mich stört. Max‘ Kommentar als er die Interceptor – seinen Wagen – bei den Verfolgern sieht. Dieser Kommentar ist deutlich späteres Voice Over und passt nicht ganz zu Max Entwicklung. Denn ansonsten verwendet er zu diesem Zeitpunkt im Film keine Sprache. Nur Grunzlaute. Wie gesagt: Er ist verwildert. Entsprechend passt die Sprache nicht gänzlich dazu.

Doch ja, als einer der Reifen kaputt geht, wird Max nach hinten geholt. Ein Fehler. Sofort sehen wir an Max Zügen, dass er genau weiß, dass er jetzt entkommen kann. Recht einfach wird er Slit los. Dagegen ist jedoch Nux, der sicher im inneren des Wagens sitzt und einen Kamikaze-Angriff auf die War Rig plant ein größeres Problem. Es endet im Crash der Beiden und einem „Fade zu Black“.

Gestrandet

Als Max zu sich kommt, rauscht das Blut in seinen Ohren. Noch immer hängt er an der Bluttransfusion. Er zieht die Nadel raus und versucht die Kette, die ihn mit Nux verbindet loszuwerden. Erneut sehen wir sehr tierisches Verhalten, als er es mit reißen und beißen probiert, ehe er auf ein Werkzeug – die Waffe zurückgreift. Nichts funktioniert. Dann wird er auf die nicht sehr weit entfernte War Rig aufmerksam.

Auch als er Furiosa und die Frauen konfrontiert ist er noch immer sehr instinktiv. Doch ist es das erste Mal – abgesehen von dem seltsamen Quip – dass er redet. Zwar ist „Draufzeigen und Grunzlaute“ noch immer seine Hauptform der Kommunikation, doch spricht er, wenngleich nicht viel. Es kommt zum Kampf, den ich aus der anderen Perspektive schon recht ausführlich beschrieben habe. Interessanter für Max ist ohnehin das Ende.

Zum einen: Er tötet Furiosa nicht, obwohl er die Möglichkeit hätte und sie vorher versucht hat ihn zu töten. Etwas, das einen Teil seiner noch verbliebenden Menschlichkeit beweist. Auch will er seine Jacke von Nux zurück. Dies ist hier tatsächlich kein Zufall. In älteren Mad Max Filmen waren „Dinge“/„Besitztümer“ einfach nur Motivation. Hier jedoch haben sie allesamt eine Bedeutung. Die Jacke ist ein Teil von Max‘ Identität und er versucht sie bei sich zu behalten, damit seine Identität zu wahren.

In dieselbe Richtung schlägt allerdings auch, was kurz darauf folgt. Max flieht in der War Rig oder versucht es zumindest. Furiosas Individualisierung der Maschine verhindert seine Flucht. Die beiden verhandeln, wobei Max erneut etwas spricht. Doch vernünftige Argumente scheinen an ihm abzuprallen. Bis Furiosa ihm eine Methode bietet, den Maulkorb loszuwerden. Daraufhin hört er zu diskutieren auf und lässt sie Frauen einsteigen. Und natürlich geht es symbolisch gesehen nicht um den Maulkorb, sondern um das, für was er steht. Der Maulkorb hat Max symbolisch zum Tier gemacht – Furiosa bietet ihm einen Weg, seine Menschlichkeit wiederzuerlangen.

Zusammenarbeit

Max sammelt die Waffen ein, sie stellen fest, dass sie gleich zweifach verfolgt werden. Dann fängt der Tankanhänger an zu ziehen. Max geht das ganze ansehen – etwas, das er nicht müsste. Es ist kein Zufall, dass das der Moment ist, in dem er seinen Maulkorb loswird. Denn hier beginnt er damit, nicht länger nur für sein eigenes Leben zu kämpfen. Er repariert das Problem mit dem Tankanhänger, bemerkt dabei eine weitere Verfolgertruppe und warnt die anderen vor.

Was auffällig ist: Wir sehen keine Halluzinationen von ihm mehr, noch länger Verhalten, dass auf solche Halluzinationen schließen lässt. Es ist relativ schnell klar: Sein Überleben und das der Frauen hängen aneinander. Entsprechend widerspricht er auch nicht, als Furiosa ihn im Wagen lässt – weigert sich jedoch ihr seinen Namen zu geben. Etwas, das nicht ohne Signifikanz ist. Denn ein Name ist ein zentraler Teil einer Identität und diese hat er eben an dieser Stelle noch nicht wiedergefunden. Er zweifelt noch an seiner Menschlichkeit.

Dennoch fährt er die War Rig, als der Plan schief geht. Das die kurz vorher eingesammelten Waffen weggenommen wurde, ist auch schon vergessen. Er und Furiosa bewaffnen sich beide, um die War Rig zu verteidigen. Es steht nicht länger zur Debatte, ob sie teil desselben Teams sind. Er wird verletzt, macht jedoch weiter.

Aussagestark dabei ist die Szene, bevor Splendid stirbt. Denn als kurz alle denken, sie wäre vom Felsen erwischt, sieht sich auch Max besorgt um, lächelt, als er sieht, dass sie sich doch gerettet hat und bedeutet ihr, einzusteigen. Es ist an der Stelle, dass er zeigt, dass seine Begleiter mehr als nur eine Überlebensgarantie sind. Er fängt an, für ihr Überleben zu kämpfen. Dies bedeutet leider nur auch, dass er weiterfährt, als Splendid doch fällt, da er weiß, dass er sie nicht retten kann, die anderen aber schon.

Nachtfahrt

Es kommt die nächtliche Durchqueerung des „grünen Ortes“, die vor allem durch mehr Zusammenarbeit geprägt ist. Besonders bedeutend und einprägsam ist hier die Szene mit dem Scharfschützengewehr. Die Canyon-Szene zuvor hat eine Sache deutlich gemacht: Max ist der bessere Fahrer, Furiosa die bessere Schützin. Sie sind beide in beidem gut, doch die Stärken sind eben entgegengesetzt. Deswegen feuert Max normalerweise auch kurze Salven, statt Einzelschüsse – übrigens etwas, das in USA und auch Australien üblich für Polizeitraining ist.

Hier hat Max die Waffe, versucht den Bulletfarmer und sein Suchlicht abzuschießen – doch er trifft zwei Mal nicht, hat damit nur noch einen Schuss. Das ist der Moment, in dem er die Waffe an Furiosa abgibt. (Erneut eine Szene, die vor allem für die Dualität zwischen ihnen große Relevanz hat.)

Allerdings schalten sie damit den Bulletfarmer nicht aus. Stattdessen fängt er an wahllos zu schießen, während sie damit kämpfen, die War Rig zu befreien – was schließlich mit Nux Hilfe gelingt. Max jedoch kommt nicht mit ihnen mit sondern geht mit einem Kanister los, um Bulletfarmer zu konfrontieren. Er weißt die anderen an notfalls ohne ihn weiterzufahren. Wieder ein wichtiger Moment: Für ihn ist diese Flucht nicht länger für sein Überleben – sondern das Überleben der Gruppe.

Auch dieser Aspekt wird symbolisch untermalt, als er zurückkehrt. Er hat Bulletfarmer (off-screen) erledigt und Ausrüstung und Munition von ihm gestohlen. Als er zurückkehrt wäscht er das Blut von seinem Gesicht – mit Muttermilch. Wahrscheinlich der deutlichste „Ich bin symbolisch“-Moment des Films. Doch symbolisch wofür? Zu meiner Interpretation kommen wir später.

Hoffnung ist ein Fehler

Nachdem Furiosa das Steuer wieder übernommen hat, schläft Max ein, wird jedoch irgendwann von Albträumen – wieder Stimmen der Menschen, die er nicht hat retten können – geweckt. Es kommt zum „Vergebungsgespräch“, ehe sie die Vouvalini erreichen. In den kommenden Szenen spielt Max eine geringe Rolle. Stattdessen sehen wir ihn in der kommenden Nacht da sitzen und an einer Karte des Gebietes, das sie bisher abgefahren sind, arbeiten. Als ihm die Tinte ausgeht, nutzt er sein eigenes Blut.

Hier kommt Furiosa zu ihm, bietet ihm an, dass er mit ihnen kommen kann, da sie über das Salz fahren wollen. Max lehnt ab. Nicht etwa, weil er für sich einen besseren Plan hat, sondern aus einem anderen Grund: „Hoffnung ist ein Fehler. Wenn du nicht reparieren kannst, was kaputt ist, wirst du irgendwann verrückt.“ In diesen Worten liegt mehr, als eine Warnung für Furiosa – sondern seine eigene Erfahrung. Er hat, das ist klar, oft versucht, Menschen zu retten, hat jedoch immer und immer wieder versagt, bis er „verrückt“ wurde. Deswegen hat er Angst zu hoffen und deswegen lehnt er das Angebot ab, mitzukommen. Er beruhigt sich damit, dass er die Frauen in Sicherheit gebracht hat und will wieder zu seinem Einsiedlerleben zurückkehren.

Die Rückkehr der Stimmen

So fahren also am nächsten Tag die Frauen und Nux gemeinsam los, während Max erneut dort steht – in einer Einstellung, die die erste wirklich gedrehte Szene des Films widerspiegelt. Und wie in jener ersten Szene sind sie prompt wieder da: Die Stimmen. Die Stimmen, die verschwunden waren, als er mit den Frauen gemeinsam gearbeitet hat. Er hört Stimmen und sieht das Mädchen, dass ihn „Papa“ nennt. Und dieses Mädchen gibt ihm einen deutlichen Weg vor: Zu den Frauen. An dieser Stelle wird klar: Max weiß mehr über den Status der Welt, als viele anderen. Denn er ahnt, dass die Frauen zu keinem Ziel kommen werden.

Deshalb folgt er ihnen, schneidet ihnen den Weg ab und gibt damit den Stimmen in seinem Kopf Recht. Wir sehen die Signifikanz der Karte vom Vorabend, denn auf einmal hat er eine andere Idee: Sie können zurückfahren und versuchen die Zitadelle, wo es Essen und Wasser gibt, einzunehmen. Und in dieser Szene gibt er sich dann auch dem Wunsch auf ein anderes Charakterziel hin: Vergebung. Er ist derjenige, der ebenfalls Vergebung braucht. Nicht nur Furiosa. Deswegen das Angebot: „Lass uns zusammen Vergebung finden.“

Der letzte Kampf

Ich muss auch hier wieder sagen: Der letzte Kampf ist vor allem interessant aus der Sicht, wie viele Payoffs es zu bisher eingebrachten Themen und Elementen vorkommen. Bei Max findet man diese vor allem an drei Stellen:

Als er hinten auf der War Rig ist und einer der War Boys mit einer Armbrust auf ihn schießt, hat er – das einzige Mal in einem Kampf, bei dem die Frauen an sich sind – die Halluzination des Mädchens. Diese, das haben wir bis dahin häufiger gesehen, sorgt dafür, dass er instinktiv seine Hand vor seinen Kopf hebt. Damit rettet ihm hier die Halluzination das Leben, da er durch diese Geste den Pfeil abfängt.

Kurz darauf, als er beinahe von der War Rig fällt und Furiosa ihn hält, wird die Interceptor (Max‘ Wagen) zwischen der War Rig und dem Wagen des Menschenfressers eingeklemmt. Die hier verletzte Furiosa lenkt den Wagen nun so, dass die Intercepter zwischen den beiden größeren Fahrzeugen zerschrottet wird. Etwas, das Max nicht einmal beachtet. Die „Dinge“, die für ihn so lange zentral waren (was speziell für die Interceptor gilt) spielen nicht länger eine Rolle.

Und dann haben wir Max‘ Kampf nach vorne. Denn er kämpft sich dann vom Wagen des Menschenfressers durch zum vordersten Fahrzeug: Joes Wagen. Nur um genau in dem Moment da zu sein, als Furiosa abrutscht, und sie daran zu hindern. Erneut etwas, das nicht ohne Bedeutung ist.

„Mein Name ist Max“

Joe ist besiegt. Die Gruppe fährt zur Zitadelle. Furiosa liegt im Sterben. Hier sehen wir eine andere Seite von Max – nämlich einen Max, der durchaus Ahnung von Medizin hat und weiß, wie er sie behandeln kann. Er hindert ihre Lunge am kollabieren, doch das ändert nichts daran, dass sie noch immer unter enormen Blutverlust leidet und dennoch beinahe stirbt. Sie versucht mit ihm zu sprechen, bittet ihn, die jungen Frauen nach Hause zu bringen – zur Zitadelle. Als ein weiterer doppelter Payoff reinkommt:

Der Film hat zu beginn etabliert, dass Max Universalspender ist. Wir haben ebenso gesehen, dass er Nadeln und Schlauch, die ihn und Nux vorher verbunden haben, eingesammelt hat. Diese nutzt er nun, um ihr eine Transfusion zu geben und ihr damit tatsächlich das Leben zu retten. Und dies ist das erste Mal im gesamten Film, dass er im Film jemand anderen seinen Namen nennt: Max.

Diese Szene ist natürlich von großer Signifikanz in doppelt und dreifacher Hinsicht. Nimmt man sie im Kontext zum Kampf zuvor zeigt es Max, der wirklich versucht Furiosa zu retten, es jedoch erst schafft, als er etwas von sich aufgibt. Sein Blut. Dies hat besonders Signifikanz, wenn man es als allgemeines Thema durch den Film sieht: Denn fast alles, was ihm am Anfang von Joe und den War Boys gewaltsam genommen wird, gibt er später im Kampf und eben an dieser Stelle freiwillig auf.

Und dann ist da sein Name, der ebenfalls ein wichtiges Symbol ist: Ein Symbol dafür, dass er zu seiner Menschlichkeit oder zumindest zu einem Teil davon zurückgefunden hat. Er hat wieder eine Identität und, ja, auch ein wenig Vergebung.

Das Ende

Damit kommen wir auch zum Ende – des Films, nicht des Beitrags. Denn am Ende, nun … Während die anderen zur Zitadelle hochgefahren werden, verschwindet Max in der Menge unterhalb der Zitadelle. Wohin er geht? Nun, das lässt die Geschichte offen. Aber den Zuschauer hinterlässt es mit einer Frage: Warum geht er?

Nun, dies ist eine Frage, die von Cast und Crew mehrfach in Interviews und Erweiterungsmaterialien zum Film aufgegriffen wurde: Max ist an dieser Stelle nicht bereit die Geister der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er geht, weil er sich nicht vorstellen kann, ein ruhiges Leben zu führen, mit anderen Menschen zusammen. Deswegen bleibt er beim Leben als Straßenkrieger.

Erweiterungsmaterialien

Das ist eventuell ein guter Moment, um allgemein über die Erweiterungsmaterialien zu sprechen, die vor allem Max als Charakter noch weiter ausbauen. (Einen Kommentar darüber, dass das Videospiel natürlich vom Deuteragonisten handelt und nicht etwa von der Protagonistin verkneife ich mir an dieser Stelle.) Sie geben ihm ein wenig mehr direkten Hintergrund, abseits der vorherigen Filme, die erklären, woher dieser Max kommt und warum er zu beginn von den War Boys verfolgt wir.

Diese Erweiterungsmaterialien sind für Max die Comics und das Videospiel (das ein klassisches Open World, erobere die Türme usw. Spiel ist), wobei besonders das Videospiel versucht, ein paar zentrale Fragen zu beantworten, wie bspw. wer die Geister sind, die ihn jagen. Allerdings sei auch gesagt, dass die Frage nach dem Kanon ein wenig offen ist. Denn in diversen Aspekten widerspricht das Spiel auch dem Film.

Nichtsdestotrotz: Laut Spiel und Comics hat sich Max eine Weile vorher in der Gegend um die Zitadelle herumgetrieben – ironischerweise eigentlich, um von dort wegzukommen, indem er seinen Wagen wieder zum Laufen bekommt. In dem Kontext hat er auch eine Frau und ein Kind getroffen und damit eine Chance auf eine neue Familie bekommen. Seine Psyche zu Beginn dieser Geschichte ist schon fragil, was auch dazu führt, dass er die beiden sitzen lässt, was wiederum im Tod der beiden endet. Er rächt sich (an einem weiteren Sohn Joes), aber seine Psyche ist danach halt komplett in dem Zustand, den wir im Film sehen.

Doch wie gesagt: Kanonzität ist etwas zweifelhaft.

Wer ist Max?

Doch kommen wir zum Anfang der Geschichte zurück: Wer ist Max? Oder vielleicht eher: Wer ist dieser Max? Und was sagt sein Charakterarc jetzt eigentlich aus?

Nun, wir wissen, dass Max jemand ist, der schon lange in der Wildnis des Ödlandes lebt. Wir wissen auch, dass er gebildeter ist, als viele Menschen im Ödland. Er hat medizinische Kenntnisse und er scheint zu wissen, was es mit der Salzebene auf sich hat. Aber er ist auch jemand, der in seiner Zeit im Ödland mit viel – sehr viel – Gewalt konfrontiert war, sehr viele Menschen verloren hat. Diese Erfahrung hat ihn psychisch labil gemacht.

Er ist zu Beginn des Films wirklich auf den Überlebensinstinkt reduziert. Das einzige, wozu er eine enge Bindung hat, ist sein Besitz – der ihm zusammen mit seinem Blut von Joe und seinem Kult gestohlt wird. Seine Charakterreise im Film ist vor allem eine Selbstfindung. Er muss wieder zu sich als Person zurückfinden. Dies tut er, indem er Furiosa und den Frauen hilft und das Überleben anderer vor sein eigenes stellt. Dadurch kann er nach und nach zumindest einen Teil seiner vergangenen Sünden fortwaschen (die Szene mit der Muttermilch) – doch um halt die Vergebung, die auch er eigentlich sucht zu finden, muss er mehr riskieren und sich von einem Teil seines Balasts trennen. Erst so kann er wieder zu sich selbst finden.

Und die Geister? Sind diese real? Nun, wer weiß. Vielleicht sind sie es zum Teil.

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