Konzept, Idee, Prämisse

In diesem Weblog gibt es nun seit einigen Jahren schon Schreibtipps. Dabei befassen sich die meisten allerdings damit, wie man beim Schreiben selbst an verschiedene Themen herangeht. Heute treten wir allerdings einen Schritt zurück und beschäftigen uns mit dem Konzept.

Konzept ist der Kern

Das richtige Konzept kann darüber entscheiden, ob eine Geschichte letzten Endes gut wird oder nicht. Das klingt nun sehr dramatisch, aber viele Geschichten, die nicht funktionieren, haben bereits Probleme auf ihrer konzeptionellen Ebene. Diese Probleme findet man meistens bereits, wenn man die Geschichten nur ein wenig kritischer untersucht.

Deswegen beschreibt Larry Brooks in seinem Buch Story Engineering – Mastering the 6 Core Competences of Successful Writing die Konzeptionierung als eine dieser genannten Kernkompetenzen.

Tatsächlich hilft das richtige Konzept, damit man weiß, was man eigentlich schreiben will. Egal ob Plotter oder Pantser: Es ist wichtig, ein fertiges Konzept im Kopf zu haben, ehe man mit dem Schreiben beginnt. Ohne Konzept verläuft man sich schnell in einem Labyrinth aus Worten und halbgaren Ideen.

Idee, Konzept, Prämisse

Doch um darüber zu sprechen, was ein gutes Konzept ausmacht, müssen wir erst einmal verstehen, was überhaupt ein Konzept ist. Denn ein Konzept ist weder eine Idee, noch ist es die Prämisse der Geschichte. Viel eher lässt sich das Konzept als Ausarbeitungsschritt zwischen diesen beiden Punkten ansehen.

Eine Idee ist eben genau das: Eine Idee. Ein einzelner Gedanke. Eine ganz grobe Einordnung davon, was man eigentlich schreiben möchte, allerdings noch ohne konkrete Pläne für Verlauf oder vorkommende Figuren.

Das Konzept ist der nächste Schritt. Es beinhaltet bereits einige Stichpunkte für die Handlung. Vor allem beinhaltet es genug, als dass bereits Fragen dabei aufkommen. Fragen darüber, was passiert und was für einzelne Punkte für Konsequenzen haben könnten. Idealerweise löst es bei Leser*innen genau diese Fragen und damit ein Interesse aus, mehr lesen zu wollen. Es ist also praktisch wie ein Klappentext.

Die Prämisse geht noch einen Schritt weiter. Sie ist das Konzept zuzüglich grob ausgearbeiteter Figuren, inklusive einer groben Vorstellung, was deren Konflikte und Entwicklung sein sollen.

Wie Brooks in seinem Buch beschreibt: Eine Idee ist es, nach Florida zu fahren. Ein Konzept ist es, nach Florida zu fahren und unterwegs bei jedem einzelnen Nationalpark zu halten. Eine Prämisse ist es, den distanzierten Vater mitzunehmen, um die Sachen zwischen euch auszubügeln.

Idee, Konzept, Prämisse – Beispiele

Um das Ganze besser zu verstehen, lasst uns einmal drei Beispiele durchgehen und uns anschauen, wie diese auf den verschiedenen Entwicklungsstufen aussehen könnten. (Anmerkung dazu: Konzepte und Prämissen sind eigentlich länger. Ich fasse sie hier sehr kurz und beschreibe praktisch nur das Konzept für den Anfang der jeweiligen Geschichten, damit sich niemand gespoilert fühlt.)

Der Schleier der Welt

Fangen wir mit meinem eigenen Buch an.

  • Die Idee: Eine Privatdetektivin trifft auf Werwölfe.
  • Das Konzept: Eine Privatdetektivin wird beauftragt, eine vor zwei Jahren verschwundene Person aufzuspüren. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch als schwer, weil an jeder Ecke Leute versuchen, sie zu behindern. Sie findet einen mysteriösen Friedhof im Wald, der von Wölfen bewacht wird. Als ihr niemand glauben will, fängt sie an, regelrecht besessen von dem Fall zu werden. […]
  • Die Prämisse: Kyra Hare, eine wenig erfolgreiche Privatdetektivin versucht sich mit Jobs über Wasser zu halten, die sie wenig erfüllen. Eines Tages kommt ein Mann zu ihr, der auf der Suche nach einer ehemaligen Kindheitsfreundin ist. Als Kyra den Fall annimmt, denkt sie, er wäre leicht zu suchen, doch scheinbar will niemand über die verschwundene Frau reden. Unwillig aufzugeben, da sie sich beweisen will, folgt Kyra einer Spur in den Trossachs, wo sie einen mysteriösen Friedhof findet. […]

The Southern Vampire Mysteries

Nehmen wir als nächstes ein Buchreihe, die ich hier bereits rezensiert habe: The Southern Vampire Mysteries.

  • Die Idee: Die Existenz von Vampiren wird allgemein bekannt.
  • Das Konzept: Durch die Entwicklung von Kunstblut, können Vampire überleben, ohne von Menschen zu trinken. Dank dessen eröffnen sie der gesamten Welt, dass sie wirklich existieren. Zwei Jahre später trifft eine Kellnerin aus einer Kleinstadt in Louisiana zum ersten Mal einen Vampir und rettet ihm das Leben. Der Vampir ist gerade erst in die Stadt gezogen. Als plötzlich verschiedene Frauen ermordet aufgefunden werden, steht der Vampir dafür unter Verdacht. […]
  • Die Prämisse: Sookie Stackhouse ist eine Kellnerin mit einer besonderen Gabe: Sie ist ein Empath, kann also die Gefühle von Menschen lesen. Seit die Existenz der Vampire allgemein bekannt geworden ist, hat sie noch nie einen Vampir gesehen, bis sie eines Abends dem Vampir Bill das Leben rettet. Anders als bei Menschen, kann sie seine Gedanken nicht lesen, was ein Grund dafür ist, dass sie sich in ihn verliebt. Kurz darauf tauchen Leichen in der Kleinstadt auf. Die Hauptverdächtigen: Bill und Sookies Bruder Jason. […]

Was ist ein gutes Konzept?

Das Konzept ist wichtig, weil es das Skelett der eigentlichen Geschichte ist. Wie ein Körper ohne Skelett in sich zusammenfallen würde, funktioniert auch eine Geschichte ohne ein stabiles Konzept nicht wirklich. Dies bringt allerdings die nächste Frage mit sich: Was ist denn ein stabiles, beziehungsweise ein gutes Konzept?

Grundlegend sollte ein Konzept in irgendeiner Art und Weise originell sein, in sich schlüssig und Spannung bei den Leser*innen wecken.

Originell ist natürlich ein sehr weit gefasstes Wort. Natürlich gibt es in den verschiedenen Genre unterschiedliche Dinge, die originell sind. Was in einem Fantasy Roman abgedroschen ist, kann in einem Liebesroman eine komplett neue Sache sein. Außerdem kann es neben komplett neuen Konzepten auch einfach neue Twists geben. The Arcadia Project ist beispielsweise eine Trilogie mit einem für Urban Fantasy komplett originellem Konzept, während die genannte Southern Vampire Mysteries Reihe vor allem den originellen Twist hat, dass Vampire ihre Existenz offiziell bekannt gegeben haben.

In sich schlüssig ist im Vergleich leichter zu erklären. Wie gesagt: Das Konzept stellt das Skelett der Geschichte dar – eine grobe Vorstellung, worum es gehen sollte und was in etwa passieren soll. Darin sollten keine Widersprüche sein, denn diese Widersprüche würden sich am Ende auch in die Geschichte mit hineinziehen.

Der letzte Aspekt ist, dass ein Konzept, wenn es einzeln präsentiert wird, bei den Leser*innen „Lust auf mehr“ machen sollte. Es sollten sich aus dem Konzept Fragen entwickeln können, die man mit der Geschichte beantworten kann und soll. Diese Fragen sollten auch in Leser*innen aufkommen, konfrontiert man sie mit dem Konzept.

High Concept?

In diesem Zusammenhang sollten wir über einen Begriff reden, der in diesem Zusammenhang häufiger durch die Gegend geworfen wird: High Concept. Dabei handelt sich um einen geflügelten Begriff, der schwer zu definieren ist, allerdings gerne gebraucht wird, um eine Geschichte zu loben und als gut darzustellen.

Was ist also High Concept? Nun, prinzipiell wird dieser Begriff verwendet, um ein Konzept zu beschreiben, das besonders innovativ im Rahmen ihres Genres sind. Der letzte Abschnitt dabei ist wichtig: Denn eine ausgelutschte Geschichte in einem Genre, kann innovativ für ein anderes Genre sein. Nehmen wir beispielsweise Camerons Avatar. Der Film erzählt eine für Western ausgelutschte Geschichte – aber im Genre der SciFi kann man das Konzept als High Concept bezeichnen.

Allerdings heißt es eben nicht automatisch, dass High Concept immer eine bessere Geschichte erzählt. Manchmal kann auch eine ausgelutschte Geschichte so gut erzählt werden, dass sie das Konzept wett macht.

Was wäre, wenn …?

Eine sehr gute Frage, um das Konzept auszuarbeiten, ist die einfache Frage: „Was wäre, wenn …?“ Diese kann genutzt werden, um das Konzept nach und nach auszuarbeiten, indem man immer wieder eine „Was wäre, wenn …?“ Frage stellt und so nach und nach eine grobe Struktur für die Geschichte entwickelt. Ein starkes Konzept lässt sich gut in „Was wäre, wenn …?“ Fragen zusammenfassen.

Nehmen wir uns dahingehend noch einmal The Southern Vampire Mysteries vor, da es sich damit besonders gut zeigen lässt:

  • Was wäre, wenn künstliches Blut entwickelt werden würde?
  • Was wäre, wenn dieses Blut Vampiren als Nahrung dienen kann?
  • Was wäre, wenn Vampire sich daher entschließen, nicht länger im verborgenen zu leben?
  • Was wäre, wenn eine Kellnerin empathische Fähigkeiten hätte?
  • Was wäre, wenn sie einem Vampir das Leben rettet?
  • Was wäre, wenn sie nicht die Gedanken und Gefühle eines Vampirs lesen kann?
  • Was wäre, wenn sie sich deswegen in den Vampir verliebt?
  • Was wäre, wenn kurz nach Erscheinen des Vampirs, mehrere Frauen sterben?
  • Was wäre, wenn der Vampir deswegen ob der Morde verdächtigt wird?
  • usw.

Das lässt sich so auf verschiedene anderen Geschichten übertragen. Viele erfolgreichen Bücher haben ein großes „Was wäre, wenn …“ als Grundlage für ihre Geschichte. Daraus ergibt sich meistens der Rest des Konzepts.

Das passende Konzept für dich

Eine wichtige Sache beim Aufbau des Konzeptes ist es, auch ein Konzept zu finden, dass zu dir als Autor*in passt. Denn ein noch so gutes Konzept kann schnell öde wirken, wenn es nicht zu dir passt und dein Herz nicht dahintersteht. Letzten Endes ist es eben auch wichtig, dass du beim Schreiben Spaß mit der Geschichte und deinen Figuren hast.

Entsprechend ist es hilfreich, euch darüber bewusst zu werden, wer ihr als Autor*in seid. Welche Genre mögt ihr? Welche Arten von Geschichten mögt ihr innerhalb dieser Genre? Welche Genre mögt ihr nicht? Welche Arten von Geschichten mögt ihr nicht? Was für Arten von Figuren mögt ihr? Was ist euch bei euren eigenen Geschichten wichtig? Welche Emotionen ruft ihr gerne hervor?

Aus diesen Fragen könnt ihr euch selbst ableiten, welche Konzepte vielleicht die lohnenswertesten für euch sind. Natürlich kann man auch ein Genre schreiben, das einem selbst weniger liegt, aber eventuell ist man am Ende einfach als Autor*in frustriert.

Von der Idee zum Konzept

Bevor wir diesen Beitrag beenden, lasst uns ein wenig darüber reden, wie wir von einer Idee zu einem guten Konzept kommen. Vieles davon haben wir hier bereits besprochen, doch wollen wir es noch einmal zusammenfassen.

Jeder Roman fängt letzten Endes mit einer Idee an. Diese Idee kann sehr vage, aber teilweise auch schon sehr konkret sein. Um zu schauen, ob man eine Idee oder bereits ein Konzept hat, sollte man prüfen, wie konkret diese Idee ist und ob sie bereits einen Konflikt beinhaltet – denn ein Konflikt gehört auch bereits zum Konzept mit dazu. Das Konzept sollte ein Grundgerüst für eine Handlung bieten können, selbst wenn noch Details zu Figuren und ihrer Entwicklung fehlen.

Hat man ein Konzept, sollte man überlegen, ob dieses bereits originell ist oder ob man vielleicht den ein oder anderen Twist hinzufügen kann, um es ein wenig origineller zu machen. Wie gesagt: Auch wenig originelle Geschichten können gut sein, aber ein wenig Originalität hilft, es zu vermarkten.

Zu guter Letzt ist es ratsam, dass Konzept ein paar Tage ruhen zu lassen, um zu schauen, ob man es nach einer oder zwei Wochen noch immer mag. Wenn das so ist: Zeigt es doch ein paar Leuten (idealerweise nicht nur anderen Autor*innen) und hört euch an, was sie dazu zu sagen haben, um es weiter zu verfeinern.

Vom Konzept zur Geschichte

Zu guter Letzt lasst uns darüber sprechen, wie wir von einem Konzept zur fertigen Geschichte kommen. Denn natürlich manifestiert sich ein fertiges Konzept nicht auf magische Art zu einer Geschichte. Hier ein paar Tipps, wie man von einem Konzept zur tatsächlichen Grundlage einer Geschichte kommt – dies muss nicht unbedingt ein fertiger Plan sein, aber eben genug Gerüst, dass man weiß, was man eigentlich schreiben will.

Der große Unterschied zwischen Konzept und Prämisse und damit der Zwischenschritt dahin, sind die Figuren. Es ist also ein erster wichtiger Schritt, die Figuren auszuarbeiten und sich ein wenig Gedanken darüber zu machen, wer sie sind und was sie motiviert. Immerhin sind Charaktermotivation und Charakterkonflikt zentrale Elemente der meisten Geschichten.

Eine Geschichte ausarbeiten kann man allerdings auch wieder mit den „Was wäre, wenn …?“ Fragen. Hat man Konzept und Figuren, kann man mit diesen von Anfang an anfangen und sich nach und nach mit „Was wäre, wenn …?“ durch die Handlung hangeln, um so zumindest einen groben Plan für die Handlung zu bekommen.

Und ja, ein grobes Gerüst zu haben, ist für Plotter und Pantser wichtig.

Fazit

Das Konzept ist ein wichtiger Grundbaustein für jede Geschichte. Es ist das Skelett einer Geschichte, ohne das alles zusammenbricht. Entsprechend ist es wichtig, ein gutes Konzept auszuarbeiten, ehe man mit dem Schreiben anfängt. Ansonsten läuft man Gefahr, sich in der eigenen Geschichte zu verlaufen.

Ein Konzept ist mehr als eine Idee. Ein Konzept umfasst bereits einen groben Umriss der Geschichte, die man schreiben will – allerdings ohne ausgearbeitete Figuren und deren Motivationen. Es konzentriert sich vor allem auf Handlungselemente und lässt sich häufig gut über „Was wäre, wenn …?“ Fragen zusammenfassen.

Ein gutes Konzept hat Originalität, ist in sich schlüssig und weckt Lust auf mehr. Es sollte idealerweise bereits als ein grober Klappentext oder Elevator Pitch funktionieren können.

Um von einer Idee zu einem Konzept zu kommen, arbeitet man die Idee aus und gibt ihr weitere Elemente. Um von dem Konzept zur Prämisse zu kommen, arbeitet man vor allem die Figuren und die Motivationen aus.

Ein Konzept zu haben, ist wichtig, unabhängig davon, ob man Plotter oder Pantser ist.


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