Weltenbau 101: Queerness & Sexualität

Heute gibt es den ersten Beitrag zum queeren Weltenbau, im Rahmen des Pride Month. Heute soll es um Queerness und speziell sexuelle und romantische Ausrichtungen, Kinks und dergleichen gehen. Dazu sei gesagt: Ja, ein Teil des Beitrags wird sich mit meinem Eintrag rund um das Thema gelebte Sexualität im Weltenbau, sowie um Romantik im Weltenbau überschneiden. Gut? Gut. Dafür wird hier eben Queerness im Vordergrund stehen.

Das ist ja was ganz Neues!

Fangen wir vielleicht mit einem gängigen Vorurteil an. Nämlich, dass gelebte Homosexualität eine historisch gesehen sehr, sehr neue Entwicklung sei. Sowas gab es halt früher einfach nicht. Teilweise wird damit soweit gegangen, zu behaupten, dass es im Mittelalter oder dergleichen wirklich keine Homosexualität gegeben hätte. Was natürlich absoluter Unsinn ist. Homosexualität gab es schon immer – weit bevor es das Wort gab. Entsprechend sollte ein Setting, das etwaig historisch inspiriert ist, niemanden davon abhalten, homosexuelle Charaktere zu haben.

Generell eine Sache vorweg: Hinterfragt, inwieweit eure Welt überhaupt Homophobie kennt und worin diese begründet ist. Denkt daran, dass bei uns ein zentraler Einfluss darauf eben aus der proto-indo-europäischen Kultur kam – eine Kultur, die nicht zwangläufig so bei euch existiert haben wird – und nicht zuletzt durch religiöse Aspekte beeinflusst wurde. Solche Einstellungen existieren nicht im Vakuum. Es sollte in einer Kultur schon nachvollziehbar sein – nachvollziehbarer als „Hmm, ist halt mittelalterlich, da war das so!“ (Was sich auch auf andere Themen beziehen lässt.)

Gibt es ein „anders“?

Eine Frage, die ihr euch bezüglich Sexualität und Romantik stellen solltet, ist die Frage, ob es überhaupt ein „Normal“ und ein „Anders“ gibt. Sprich: Sieht man Alloheterosexualität als „die Norm“ und alle anderen sexuellen und romantischen Ausrichtungen als „anders“ oder ist einfach alles „normal“? Und wenn ihr euch fragt, ob es überhaupt möglich wäre, dass alles normal ist, dann schaut euch ein paar andere Kulturen an. Denn ja, auch in unserer Welt gibt es Kulturen, bei denen es nicht dieses „normal“ und „anders“ diesbezüglich gab.

Im selben Kontext fällt auch dann die Frage, ob es eigene Wörter gibt, um diese Sexualitäten zu unterscheiden und wenn ja, woher diese kommen. Dahingehend kann es auch eine Frage sein, nicht nur ob bspw. homo- und heterosexuell unterschieden wird, sondern ob es eigene Worte für schwul, lesbisch, bi, pan u.ä. gibt. Und das sind nur die Grundlagen bei einem Weltenbau der von einer noch recht binären Geschlechterbetrachtung daherkommt.

Anders ausgedrückt: Wie Heteronormativ ist deine Welt?

Romantisch und/oder sexuell

Ein weiterer Aspekt, den man eventuell bedenken kann, ist der unterschied zwischen romantischer und sexueller Anziehung. Für all diejenigen, die damit wenig Kontakt hatten: Prinzipiell muss die romantische Anziehung, die jemand wahrnimmt, nicht mit einer sexuellen einher gehen. Für viele tut es das, aber eben nicht für alle. Während die meisten, die sich als hetero bezeichnen, damit meinen, dass sie sowohl heteroromantisch, als auch heterosexuell sind, muss es eben nicht passen.

Am ehesten kommt einem diese Unterscheidung wahrscheinlich im Umgang mit der asexuellen Community unter – denn nur weil jemand a-, demi- oder greysexuell ist, heißt es nicht, dass derjenige keine romantische Anziehung spürt. Genau so wie jemand, der aromantisch ist, eventuell dennoch sexuelle Anziehung wahrnimmt. Das ist jedenfalls das Modell, mit dem wir mittlerweile in unserer Welt arbeiten.

Die Frage ist: Wie sieht es in eurer Welt damit aus? Habt ihr euch Gedanken darüber gemacht, inwieweit in der allgemeinen Wahrnehmung romantische und sexuelle Anziehung gleichgesetzt werden? Und inwieweit ist sie es wirklich? (Dies kann auch eine interessante Charakterfrage sein.)

Mono? Poly?

Wieder ein Punkt, der sich bzgl. des Themas Romantik aus dem Februar wiederholt, ist die Frage, inwieweit in eurer Welt Mononormativität vorherrscht? Geht man davon aus, dass eine Person auf dauer nur und genau einen Partner hat? Sprich, dass die Person letzten Endes weder auf Partnerschaft verzichtet – noch mehrere Partner hat? Oder ist es vielleicht genau anders. Eben dass Poly normal ist und es eher selten ist, dass Menschen sich nur mit einem Partner niederlässt?

Dahingehend sollte man bedenken, dass auch dies zwischen Kulturen unterschiedlich ist. Denn ja, es gibt diverse Kulturen, die tendenziell eher Polyamorie und Polygamie (und das nicht nur im Sinne der Polygynie, an die viele hierbei denken) gelebt wird. Es ist nur so, dass vor allen in Europa und Teilen des asiatischen Raums aus diversen historischen und kulturellen Gründen entwickelt hat, dass die Monogamie die gängigste Grundlage von Romanze und Familie war.

Regenbogenfamilien

Die nächste Frage wäre natürlich die, nach den Regenbogenfamilien. Wie sieht es damit in eurer Welt aus? Ist es vom Geschlecht zweier Liebender abhängig, ob diese heiraten dürfen? Gibt es vielleicht je nach Stand Unterschiede? Sollten mehr als zwei Personen heiraten dürfen: Spielt dann das Geschlecht eine Rolle? Und wie ist es bei politischen Heiraten? Werden diese auch zwischen Personen desselben Geschlechts geschlossen? Und inwieweit ist es wichtig, ob aus einer Beziehung Kinder hervorgehen können?

Gleichzeitig gibt es in der Richtung natürlich auch die Frage, ob Kinder adoptiert werden können – sei es von gleichgeschlechtlichen Paaren oder anderen Paaren, die von der etwaigen Norm abweichen. Wenn nicht: Womit wird es begründet? Und ja, man muss natürlich im Kopf behalten, dass Begründungen nicht immer Sinn machen müssen. (Man bedenke, dass bei uns Leute dagegen argumentieren auf der Basis von „Kind braucht Vater und Mutter“, die jedoch dafür sind, dass Alleinerziehende adoptieren können.)

Auch ansonsten kann man Fragen: Gibt es andere besondere Vor- oder Nachteile, die Regenbogenfamilien gegenüber anderen Arten von Familien haben?

Queere Community

Zuletzt sollten wir uns noch die queere Community ansehen. Heutzutage ist die queere Community relativ sichtbar – nicht zuletzt dank dem Internet und solcher Dinge wie Pride Parades. Doch man sollte nicht vergessen, dass ähnliche Menschen auch früher die Nähe voneinander gesucht haben. Betrachten wir historische Personen, die wahrscheinlich queer waren, finden wir oft, dass diese Freunde hatten, die ebenfalls in irgendeiner Form vom cishetero Standard abgewichen sind. Natürlich. Denn gerade wenn es einen Standard gibt, von dem man abweicht, sucht man eben die Nähe anderer. Niemand möchte sich „allein“ fühlen.

Daher auch hier die Frage: Wie steht es darum in eurer Welt? Inwieweit gibt es eine queere Community? Wie sichtbar ist diese in der Welt? Was ist ihre vorrangige Funktion in der Welt? Inwieweit hilft man sich aus? Und inwieweit wird Gatekeeping betrieben? Gibt es Gruppen die man versucht von der queeren Community auszuschließen? Inwieweit gibt es darüber Konflikt?

Die andere Frage wäre ebenfalls: Was kann die Community erreichen? Hat sie politischen Einfluss? Und gibt es eine Pride Parade?

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Das Beitragsbild ist ein Gemälde von Overbeck (gezeichnet 1828) und steht dank des Alters unter Public Domain.