Urban Fantasy und seine anliegenden Genre

Dieser Weblog sollte sich eigentlich auch zentral um Urban Fantasy drehen, aber im letzten und soweit auch diesem Jahr gab es recht wenig zu dem Thema. Das soll sich heute ändern und ich möchte mit euch über Urban Fantasy und die angrenzenden Genre reden.

Urban Fantasy & andere Genre

Urban Fantasy ist ein Subgenre der Fantasy, auch wenn einige das Argument hervorbringen, dass es eigentlich schon fast ein komplett eigenes Genre ist, da es wenig Überschneidungen mit anderen (Sub)genre der Fantasy haben. Immerhin unterscheidet es sich sowohl in seiner Darstellung von Magie, als auch in der Auswahl magischer Kreaturen von anderer Fantasy.

Allerdings gibt es neben der Fantasy einige andere Genre, die eine große Nähe zur Urban Fantasy aufzeigen. Das bringt immer wieder Diskussionen mit sich, ob eine Geschichte nun in die eine oder andere Kategorie einzuordnen ist. Das sorgt häufiger für größere Diskussionen – gerade wenn es darum geht, bestimmte Sachen aus dem Genre ein oder in das Genre einzugrenzen.

Daher wollen wir uns heute noch einmal anschauen, was Urban Fantasy ist, was das Genre ausmacht, wie es sich entwickelt hat und wie es an verschiedene andere Genre angrenzt.

Urban Fantasy – Definition

Bevor wir uns die anderen Genre ansehen, so ist es sinnvoll, Urban Fantasy als Genre zu definieren. Dazu gibt es hier im Weblog bereits einen recht langen Eintrag, doch möchte ich hier das Thema noch einmal zusammenfassen.

Grundlegend ist Urban Fantasy ein Genre, dass unsere moderne, reale Welt mit phantastischen Elementen vereint. Dabei ist es ein wenig strittig, wie „modern“ das Setting sein muss, doch die meisten setzen die Grenze bei den 1970ern oder 1980er Jahren. Sprich: Alles, was danach spielt und phantastische Elemente beinhaltet, kann zur Urban Fantasy gezählt werden.

Obwohl das Genre „Urban“ im Namen hat, ist es nicht zwangsweise notwendig, dass die Geschichten in einer Großstadt spielen. Dies ist zwar häufig der Fall, aber keine zentrale Voraussetzung. Schließlich gibt es bekannte Urban Fantasy Serien, die in Kleinstädten oder sogar in einer eher ländlichen Gegend.

Die Entwicklung der Urban Fantasy

Auch zur Geschichte der Urban Fantasy habe ich bereits einen Artikel geschrieben. Dennoch halte ich es für sinnvoll, hier noch einmal auf diese Geschichte einzugehen. Immerhin hat bereits die Geschichte der Urban Fantasy viele Parallelen zum Thema andere Genre. Denn natürlich gehören die meisten Geschichten auch anderen Genre an.

Das Genre hat seinen Ursprung in den 1980er Jahren mit den Geschichten Moonheart von Charles du Lint und War of the Oaks von Emma Bull. Beide Geschichten spielen in der Welt der damaligen Zeit und beinhalten unter anderem Fae aus der keltischen Mythologie. Auch beinhalten beide Geschichten romantische Subplots – wobei Moonheart vom Autor selbst als Romanze klassifiziert wird.

Richtig aufgelebt ist das Genre allerdings Mitte der 1990er Jahre. Damals waren es gleichzeitig der Release von den Anita Blake Romanen, als auch die Erstausstrahlung von Buffy. Während auch beide dieser Genre romantische Plots haben, bringen sie auch ein anderes Genre mit ein, das große Auswirkungen auf Urban Fantasy hatte: Horror.

Urban Fantasy & Horror / Dark Fantasy

Horror ist ein Genre, dass vorrangig darauf abzielt, der Leserschaft Angst und Ekel einzujagen, sie zu verunsichern und zu gruseln. Dies passiert meistens entweder durch Geschichten über Serienkiller, die ihr monsterhaftes Unwesen treiben, oder über tatsächliche Monster und Ungeheuer, die es auf Menschen abgesehen haben, die ihnen oftmals ausgeliefert sind.

Urban Fantasy und Horror haben tatsächlich häufig viele Parallelen. Nicht zuletzt das die Monster der klassischen Gaslight Horror-Literatur (Vampire und Werwölfe) in vielen Urban Fantasy Serien eine Hauptrolle spielen. Auch ist nicht zuletzt Anne Rice mit ihren Vampirromanen ein großer Einfluss auf die Urban Fantasy Szene gewesen. Nicht zu vergessen: Zwei der frühsten und einflussreichsten Serien der Urban Fantasy (Anita Blake und Buffy) waren dem Horror-Genre mit zugeordnet.

Entsprechend gibt es relativ viele Urban Fantasy Romane, die einen Horror-Einschlag haben. Genau deswegen erscheint mir die Unterteilung in Urban Fantasy und Dark Fantasy oftmals als unsinnig, weil diese düsteren Themen immer schon ein wichtiger Teil des Genre waren. Genau so wie viele Horror-Projekte auch Urban Fantasy Anteile haben (The Magnus Archives sei hier als Beispiel genannt).

Urban Fantasy & Romance

Romance ist tatsächlich das größte und meistverkaufteste Genre der Literatur. In diesem Genre geht es immer um eine Sache: Die Liebe. Im Zentrum der Geschichten steht die Beziehung zwischen zwei (oder mehr) Figuren. Eine übliche Anforderung des Genre ist es außerdem, dass es ein Happy Ending gibt.

Mehr noch als Horror, ist Romance ein Genre, dass fest in der DNA von Urban Fantasy verankert ist. Immerhin waren die beiden ursprünglichen Bücher des Genre – Moonheart und War of the Oaks – beide dem Romance Genre verortet. Auch viele andere Bücher der Urban Fantasy sind Romance oder haben zumindest romantische Subplots.

Dennoch gibt es, spezifisch seit es mehr männliche Autoren in der Urban Fantasy, in den letzten Jahren die Bewegung, Paranormal Romance von Urban Fantasy abzutrennen. Ich sehe dies sehr kritisch, da es letzten Endes wieder einmal darauf abzielt, romantische Geschichten abzuwerten und einen Aspekt, der zentral in dem Genre verortet ist, auf einmal auszugliedern – vorrangig weil es „für Frauen“ ist.

Urban Fantasy & Mystery

Auch Mystery ist ein sehr beliebtes und weit verkauftes Genre. Hier geht es darum, irgendwelche Rätsel zu lösen – häufig in der Form dessen, dass Verbrechen aufgeklärt werden. So gibt es viele Überschneidungen mit dem Kriminalroman. Immerhin werden Detektiv-Klassiker wie Sherlock Holmes auch dem Mystery Genre zugeordnet.

Als sich Ende der 1990er und Anfang der 2000er das Genre der Urban Fantasy weiterentwickelt hat, kamen auch mehr und mehr Mystery Elemente mit hinein. Das Subgenre des Paranormalen Detektivs wurde geboren und gehört mittlerweile zu den beliebtesten Subgenre der Urban Fantasy. Sehr viele Protagonist*innen agieren als Ermittler in übernatürlichen Verbrechen.

Tatsächlich sind die beiden Genre so miteinander verhakt, dass in Deutschland – wo klassische Mystery-Romane meist als „Krimi“ geführt werden – Anfang der 2000er Urban Fantasy unter dem Label „Mystery“ verkauft wurden. Von den häufigsten Subgenre der Urban Fantasy ist es das eine, bei dem es keine Bestrebungen gibt, es in ein anderes Genre abzuspalten.

Urban Fantasy & Magic Realism

Magic Realism (auch Fabularismus genannt) ist ein Genre, das seinen Ursprung im lateinamerikanischen Raum und ist eng mit der Kultur dort verankert, auch wenn es mittlerweile weltweit geschrieben wird. Geschichten des Genre spielen in der realen Welt und haben eine realistischen Atmosphäre, in der dennoch magische Dinge passieren, die mit derselben realistischen Linse betrachtet werden.

Magic Realism und Urban Fantasy liegen sehr nahe beieinander, so dass es Urban Fantasy Geschichten gibt, die eher als Magic Realism gelesen werden können, und Magic Realism Geschichten, die als Urban Fantasy gelesen werden. Dies gilt vor allem für Kurzgeschichten – hier laufen die Genre schnell ineinander über.

Es sei herausgestellt: Anders, als bei den anderen Genre, handelt es sich bei Magic Realism nicht um ein Subgenre der Urban Fantasy, sondern um ein anliegendes Genre. Dabei ist es bei diesen beiden Genre nicht immer leicht, Unterscheidungen zu treffen. Natürlich gibt es Geschichten, die klar dem einem oder dem anderen Genre zuzuordnen sind.

Urban Fantasy & Superheld*innen

Ein letztes Genre, das in diesem Kontext besprochen werden sollte, ist das Superheld*innen-Genre. Denn auch hier gibt es Überschneidungen. Superheld*innen sind Figuren, die übermenschliche Kräfte auf die eine oder andere Art haben. Manchmal sind sie Aliens, manchmal sind sie Supersoldat*innen und manchmal haben ihre Kräfte übernatürliche oder magische Ursprünge.

Manche Autor*innen von Superheld*innen-Büchern ordnen diese Bücher der Urban Fantasy zu, vorrangig weil sich das Superheld*innen Genre in der geschriebenen Literatur nicht wirklich etabliert hat. Letzten Endes ist es ein Genre, dass vorrangig in Comics und natürlich seit nun über einem Jahrzehnt auch in Filmen etabliert ist.

Zugegebenermaßen ist es allerdings auch das eine Genre, bei dem es mir etwas Bauchschmerzen bereitet, es mit Urban Fantasy zusammen zu schmeißen. Natürlich sind auch viele Superheld*innengeschichten etwas, das in unserer normalen Welt mit fantastischen Elementen spielt, doch ist der Fokus ein sehr anderer, als normal bei Urban Fantasy. Statt um die gemeinsame Existenz von magischen und nicht-magischen Elementen sind Superheld*innengeschichten eben genau das: Die Geschichten einzelner, herausragender Held*innen in einer ansonsten normalen Welt.

Fazit

Urban Fantasy grenzt an einige anderen Genre an, was auch eng mit der Geschichte des Genre zu tun hat. Ein zentraler Aspekt dabei ist der Ursprung der Urban Fantasy als das eine Fantasy-Subgenre, das auch im spezifischen Frauen in der zentralen Zielgruppe hatte. Dies sorgt heute für Konflikte bei der Genreeinteilung – zum einen dafür, dass manche die Romantasy aus den Subgenre verbannen wollen, zum anderen aber auch dafür, dass die Autor*innen von eher düsterer Urban Fantasy sich von dem Subgenre distanzieren.

Beide dieser spezifischen Entwicklungen haben sehr viel mit der Wahrnehmung von Urban Fantasy als „Frauengenre“ zu tun, als auch damit, das Genre eben nicht länger als solches sehen zu wollen. Entsprechend spielt leider auch häufig Misogynie eine größere Rolle dabei.

Allerdings gibt es auch andere Genre, an die Urban Fantasy angrenzt, so dass es nicht immer leicht ist eine klare Linie zu ziehen. Die Hauptsubgenre der Urban Fantasy sind allerdings definitiv Urban Horror, Paranormal Romance und der paranormale Ermittler.


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