Wie beschreibe ich Emotionen?

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Geschichten werden von den vorkommenden Figuren definiert und vorangetrieben. Diese wiederum werden nicht zuletzt von ihren Emotionen getrieben. Doch wie drückt man diese am besten aus?

Show, don’t tell

„Show, don’t tell“ ist wohl der am häufigsten genannte Ratschlag, wenn es ums Schreiben geht. Doch was soll das überhaupt bedeuten? Dahingehend gibt es immer viel Diskussion. Dies gilt besonders, wenn es darum geht, wo dieser Grundsatz beim Schreiben von Romanen Sinn ergibt und wo nicht. Wir dürfen schließlich nicht vergessen: Der Ratschlag hat seinen Ursprung im Filmumfeld und lässt sich deswegen nicht eins zu eins auf das Schreiben von Prosa übertragen.

Dennoch sind sich die meisten einig, dass es Kontexte gibt, in denen „Show“ – im Sinne von einem bildlicheren Beschreiben – dem Text mehr Aussagekraft verleiht. Hier kann diese Form von „Show“ es den Leser*innen erlauben, sich Dinge besser vorzustellen oder ihn einfach besser interpretieren zu können.

Einer dieser Kontexte sind Emotionen. Denn „Er sah traurig aus“ sagt genau so, wie „Sie wirkte glücklich“ unglaublich wenig aus. Was an dem Aussehen lässt den Erzähler den vermuten, dass diese Emotionen vorliegen? Lässt der traurige Charakter vielleicht die Schultern und den Kopf hängen? Grinst die fröhliche Person vielleicht und hat einen leichten Schritt? Wenn ja: Warum schreibt man das nicht so?

Und genau darum soll es in diesem Beitrag gehen. Statt eine lange Besprechung gibt es heute einfach nur Listen von Möglichkeiten, wie ihr ein paar ausgewählte Emotionen beschreiben könnt. Ich hoffe, sie helfen euch.

>> Diese Listen sind dem Buch „The Emotion Thesaurus: A Writer’s Guide to Character Expression“ entnommen und nur ins Deutsche übersetzt worden. Ich empfehle jeder*m Autor*in, sich dieses Buch zumindest als Ebook zuzulegen.

Fröhlichkeit

Äußere Zeichen

  • Gehobener Blick
  • Lächeln/Grinsen
  • Summen, pfeifen, singen
  • Leuchtende Augen
  • Entspannte Haltung
  • Lachen/Witze erzählen
  • Schnelle Sprache
  • Helle Stimme
  • Leichter, schwingender Gang
  • Enthusiastische Bewegungen
  • Stellt physischen Kontakt mit anderen her
  • Kann nicht still sitzen/stehen
  • Positive Worte in der Sprache
  • Kein Zögern
  • Ist sehr freundlich
  • Spontanität
  • Gesprächigkeit

Selbstwahrnehmung

  • Gefühl von Atemlosigkeit
  • Wärme in der Brust
  • Kribbeln in den Gliedmaßen
  • Leichtigkeit der Gliedmaßen
  • Allgemeines Gefühl der Leichtigkeit

Mentale Reaktion

  • Positives Denken
  • Wunsch Fröhlichkeit zu verbreiten
  • Wahrnehmen von kleinen positiven Sachen
  • Hilfsbereitschaft
  • Allgemeines Gefühl von Zufriedenheit
  • Gesteigerte Geduld
  • Wunsch mit geliebten Menschen zusammen zu sein
  • Furchtlosigkeit
  • Neigung eher Risikos einzugehen

Trauer

Äußere Zeichen

  • Geschwollenes Gesicht
  • Geschwollene, rote Augen
  • Verwischtes Make-Up
  • Verzerrtes Gesicht
  • Nase hochziehen
  • Hängende Schultern
  • Gesenkter Blick
  • Blick in die Ferne
  • Geknickter Gang
  • Langsame, schlürfende Schritte
  • Arme hängen steif herab
  • Flache, monotone Stimme
  • Gebrochene Stimme
  • Sich selbst bei den Schultern halten
  • Zusammengesunken sitzen
  • Langsamere Bewegungen
  • Beine an den Körper heran ziehen
  • Zitternde Schultern
  • Weinen

Selbstwahrnehmung

  • Schmerzen in der Brust
  • Gefühl der Beengten Brust
  • Brennende Augen
  • Kratzen im Hals
  • Heiserkeit
  • Laufende Nase
  • Der Körper fühlt sich schwer an
  • Der Blick verschwimmt
  • Kältegefühl

Mentale Reaktion

  • Probleme auf Fragen zu antworten
  • Unfähigkeit in die Zukunft zu denken
  • In sich kehren
  • Wunsch, der Traurigkeit zu entkommen (durch Schlafen, Alkohol, Feiern etc.)
  • Wunsch, allein zu seinerseits
  • Wunsch, getröstet zu werden
  • Meidung des Grunds der Trauer

Angst

Äußere Zeichen

  • Blasses/fahles Gesicht
  • Haare an Armen/im Nacken stellen sich auf
  • Körpergeruch durch Angstschweiß
  • Verstärktes Schwitzen → Nasse Finger
  • Zittern
  • Zittern von Lippen/Kinn
  • Erstarren
  • Schnelles Blinzeln
  • Angespannte Schultern
  • Weinen
  • Starren
  • Schnelles Atmen
  • Höhere Stimme
  • Leises Sprechen
  • Stottern
  • Weiße Knöchel
  • Hecktische Bewegungen
  • Lippen werden nervös gelckt
  • Wimmern
  • Flehen
  • Leicht verschreckbar

Selbstwahrnehmung

  • Unfähigkeit (klar) zu sprechen
  • Zitternde Gliedmaßen (vor allem Finger)
  • Unterdrücken eines Schreis
  • Rasendes/bis zum Hals schlagendes Herz
  • Schwindel
  • Schwäche der Beine
  • Harndrang
  • Schmerzende Brustwarze
  • Unbewusstes Luftanhalten
  • Magen fühlt sich hart an
  • Überempfindlichkeit
  • Schauer läuft über den Rücken
  • Kältegefühl

Mentale Reaktionen

  • Bedürfnis davonzulaufen oder sich zu verstecken
  • Das Gefühl, das Dinge zu schnell passieren
  • Bilder von möglichen schlechten Ausgängen der Situation vor dem inneren Auge
  • Wird schlecht darin die Gedanken zusammenzufassen
  • Unüberlegte Entschlüsse fassen
  • Verzerrte Zeitwahrnehmung

Wut

Äußere Zeichen

  • Aufgeblähte Nasenflügel
  • Rotes Gesicht
  • Schweiß
  • In die Seite gestemmte Arme
  • Weit auseinander gesetzte Füße
  • Allgemein sich größer Machen
  • Herausgestrecktes Kinn
  • Hörbarer Atem
  • Ausschweifende Gesten
  • Angespanntes Kinn/aufeinander gepresste Zähne
  • Grobe Behandlung von Gegenständen/Menschen
  • Unterbrechen anderer Menschen
  • Hastige Bewegungen
  • Angespannte Handbewegungen
  • Harter/kalter Ausdruck in den Augen
  • Starren
  • Lippen zusammendrücken
  • Verschränkte Arme
  • Mit der Faust irgendwogegen schlagen
  • Gegen etwas Treten
  • Türen zuknallen
  • Hervortretende Adern an der Stirn/am Hals
  • Tiefere Stimme
  • Zitternde Stimme
  • Lautes Sprechen
  • Sarkasmus
  • Beleidigt andere Menschen/macht sich über sie lustig

Selbstwahrnehmung

  • Anspannung
  • Schneller, trommelnder Herzschlag
  • Muskelzuckungen
  • Hitzewallungen
  • Rasende Gedanken

Mentale Reaktion

  • Gereiztheit
  • Schwierigkeiten anderen zuzuhören
  • Kommt zu voreiligen Schlüssen
  • Irrationale Reaktionen zu selbst kleinen Dingen
  • Verlangt sofortige Reaktion
  • Impulsivität
  • Übertriebenes Handeln
  • Eingehen enormer Risiken
  • Gewaltfantasien

Liebe/Verliebtheit

Äußere Zeichen

  • (Übertriebenes) Grinsen
  • Gerötete Wangen
  • Ausgiebiger Augenkontakt (mit der geliebten Person)
  • Langes Seufzen
  • Tiefes Einatmen (vor allem in der Nähe der geliebten Person)
  • Sehnsüchtiger Blick
  • Über die eigenen Lippen lecken
  • Unterbewusst leicht geöffnete Lippen
  • Nervöses Lachen
  • Höhere Stimme
  • Fidgeting
  • Stärkere Verbundenheit mit Romanzen/Liebesliedern
  • Lässt andere Freund*innen ein wenig zurück
  • Kann nur noch über die eine Person sprechen
  • Sucht die Nähe der geliebten Person
  • Zusammensitzen der Liebenden, so dass sie einander berühren
  • Anlehnen aneinander
  • Einander bei Spitznamen nennen
  • Obsessiv Nachrichten des anderen abwarten
  • Stundenlanges Texten miteinander
  • Händchenhalten

Selbstwahrnehmung

  • Flattern in der Magengegend
  • Weniger Hungergefühl
  • Schneller Herzschlag
  • Hämmernder Herzschlag
  • Starke Wahrnehmung des eigenen Körpers
  • Weiche Beine
  • Schlaflosigkeit ohne Müdigkeit zu verspüren
  • Kribbeln oder wie ein elektrischer Schlag, wenn man sich berührt
  • Schwierigkeiten ein Wort heraus zu bringen

Mentale Reaktionen

  • Euphorie (besonders in der Nähe des anderen Menschen oder bei Berührungen)
  • Positive Weltsicht/alles ist auf einmal schön
  • Schlechtes Zeitgefühl (vor allem wenn man bei der anderen Person ist)
  • Mentale Verwirrungszustände
  • Tagträumerei
  • Verlust der Umgebungswahrnehmung, wenn in Nähe der Person
  • Sucht die ganze Zeit Möglichkeiten die Person auf sich aufmerksam zu machen
  • Macht sich ständig Gedanken, wenn andere Person nicht sofort antwortete
  • Gefühl der Sicherheit, wenn mit anderer Person

Verlegenheit

Äußere Zeichen

  • Leicht gerötete Wangen/gerötetes Gesicht
  • Verstärktes Schwitzen
  • Erstarren
  • Zieht eine Grimasse
  • Macht sich klein
  • Schaut zu Boden
  • Nervöses Beschäftigen der Hände/Fidgetting
  • Sich räuspern
  • Nervöses Hüsteln
  • Reibt sich den Nacken
  • Stottert
  • Leisere Stimme
  • Findet keine Worte
  • Bedeckt das Gesicht mit den Händen
  • Muss sich hinsetzen
  • Versucht den Körper zu bedecken (bspw. Arme verschränken/Jacke zuziehen)
  • Lippenschürzen
  • Geht schneller
  • Schaut weg
  • Bedeckt das Gesicht mit dem eigenen Haar
  • Sucht mit den Augen nach Hilfe

Selbstwahrnehmung

  • Verstärkter Schluckdrang
  • Schwindel
  • Brennen/Kribbeln an Wangen und Nacken
  • Verengte Brust
  • Der Magen fühlt sich hart an
  • Das Gesicht fühlt sich heiß an
  • Verstärkte Atmung
  • Schnellerer Herzschlag

Mentale Reaktion

  • Drang zu Fliehen (Fight-or-Flight)
  • Verwirrte oder panische Gedanken
  • Geistige Schwierigkeiten mit der Realität zu verbinden: „Das kann gerade nicht passieren“
  • Gedanken suchen nach einer Lösung

Genervtheit

Äußere Zeichen

  • Verzogenes Gesicht
  • Übertriebenes Seufzen
  • Aussagen, die für Ungeduld sprechen: „Ich mach’s schon.“
  • Abgewandter Blick
  • Verschränkte Arme
  • Zusammengepresste Lippen
  • Tippen mit dem Fuß oder Finger
  • Ticks kommen durch
  • Angespannter Kiefer
  • Angespannte Hände
  • Beschwert sich über viele Dinge
  • Macht sarkastische Anmerkungen
  • Hat den Kopf auf den Händen abgelegt
  • Schüttelt den Kopf
  • Verdreht die Augen
  • Öffnet den Mund, als wollte si*er etwas sagen
  • Läuft im Zimmer auf und ab
  • Scharfer Unterton in der Stimme
  • Angespannte Körperhaltung
  • Reibt sich die Stirn oder die Seiten der Nase

Selbstwahrnehmung

  • Das Gefühl leichter Kopfschmerzen
  • Spannung im Kiefer und Nacken
  • Gefühl erhöhter Körpertemperatur
  • Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen

Mentale Reaktion

  • Abfällige Gedanken
  • Wandernde Gedanken/verringerte Aufmerksamkeit
  • Denkt über eine Ausrede zu gehen nach
  • Macht unfreundliche mentale Vergleiche
  • Wünsche woanders zu sein/Tagträumen

Schlusswort

Das hier genannte sind natürlich nur eine Auswahl an Emotionen, die eine Figur so spüren kann. Ich hoffe aber, das Prinzip und das, was ich hiermit sagen will, wird klar. Es ist bei Emotionen häufig eleganter, sie mit solchen Worten zu umschreiben, als den Leser*innen direkt aufzubinden, dass jemand so und so aussieht. Denn das kann eben auch viel und gar nichts heißen.

Natürlich kann man über diese Dinge hinaus auch noch Sprachmuster in den Dialogen einbringen, die mit den Emotionen zu tun haben. Seien es viele halbfertige Sätze, wenn jemand unkonzentriert ist, oder kurze Sätze, wenn die Person wütend ist. Auch da gibt es einige Möglichkeiten das ganze weiter auszubauen.

Jedenfalls ist das Buch „ The Emotion Thesaurus: A Writer’s Guide to Character Expression“ von Angela Ackerman und Becca Puglisi eine große Empfehlung, sofern ihr gut genug Englisch versteht. Denn leider gibt es meines Wissens keine deutsche Übersetzung des Buches.


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