Nicht alles ist binär

Ich möchte heute im Rahmen von Pride eine Sache ansprechen, bei der ich schon länger überlegt habe, wie ich sie einbringe: Enby Repräsentation. Also die Repräsentation von nicht-binären Personen. Sowohl in Geschichten, als auch im Markt und bei etwaigen Wettbewerben, Veranstaltungen und Förderpreisen – und allgemein der Gesellschaft. Denn wenn es eine Gruppe gibt, die selbst innerhalb der LGBTQ* Community gern vergessen wird, dann sind es inter* und nicht-binäre Menschen.

Disclaimer: Ich spreche in diesem Beitrag über das Leben und die Probleme als nicht-binäre Person. Es sei dazu gesagt: Auch wenn ich es nicht immer explizit erwähne, trifft vieles davon auch trans Frauen und trans Männer. Halt all diejenigen, die nicht ins binäre Cistem passen.

1        Was bedeutet nicht-binär?

Nicht-binär bedeutet erst einmal, dass eine Person weder 100% männlich, noch 100% weiblich ist, sondern sich irgendwo auf dem Spektrum dazwischen – oder gänzlich abseits davon – bewegt. Manche haben ein genaues Label für ihre Identität, andere nicht. Fakt ist einfach: Die Person ist weder männlich, noch weiblich. Jedenfalls nicht komplett. Über die unterschiedlichen Begriffe hatte ich hier ja bereits gesprochen.

Dabei kann eine nicht-binäre Person trans sein. Sprich: Der Person wurde bei Geburt ein binäres Geschlecht zugeordnet und sie kann dahingehend auch dya sein, identifiziert sich aber nicht (voll) mit dem Geschlecht. Genauso ist es allerdings auch möglich, dass die Person inter* in irgendeiner Form ist. Sprich: Dass an ihren Körper in irgendeiner Form nicht eindeutig binär ist. Beides ist valide – lasst euch von niemanden etwas anderes sagen. Manche sind übrigens auch inter* geboren, finden aber erst viel später heraus. Es ist ja leider nach wie vor üblich und nicht verboten, Kleinkinder dahingehend zu operieren und ihnen später Hormone zu geben.

Es sei dazu gesagt, dass es in vielen Ländern nicht möglich ist, sich als nicht-binär eintragen zu lassen. Auch in Deutschland geht es erst seit kurzem und es ist soweit umstritten, wieweit es trans Enbys miteinschließt. Als trans Enby ist es zudem weiterhin schwer Hormone zu bekommen oder etwaige Operationen unternehmen zu lassen, weshalb viele Enbys sich gezwungen sehen, sich als trans Mann oder trans Frau auszugeben, um Zugriff auf entsprechende Medikamente und Behandlungen zu erhalten.

Wie allgemein beim Thema trans gilt übrigens weiterhin: Nein, es hat nicht zwingend etwas mit der Ablehnung von Geschlechterrollen zu tun, sondern geht oft genug mit Formen der Dysphorie einher.

Außerdem sei noch einmal angemerkt: Binäre Geschlechterrollen sind nicht so natürlich, wie viele glauben. Diverse Kulturen, auch in Europa, hatten lange Zeit dritte Geschlechter, manchmal auch vierte oder fünfte Geschlechter, die gesellschaftlich anerkannt waren. Einige Forscher gehen davon aus, dass das rigide Zwei-Geschlechter-System, das heute vorherrscht, ein Erbstück des Kolonialismus ist. (Ihr findet am Ende des Artikels einige Links dazu!)

2        Ich bin nicht-binär

Das Thema nicht-binär betrifft mich persönlich. Ich bin nicht-binär, auch wenn ich als Mädchen aufgezogen wurde. Dazu sei gesagt, dass ich auch nicht dya bin – etwas, das meine Eltern sehr wahrscheinlich seit meiner Geburt wussten. Ich möchte darüber hier nicht zu weit eingehen, da es ein persönliches Thema ist und ich bisher noch immer nicht ganz genau weiß, wie einige Dinge im Detail damals abgelaufen sind.

So oder so: Ich habe einen Mädchennamen bekommen, habe einen meist weiblich wahrgenommenen Körper und dergleichen, habe mich allerdings bereits in der Pubertät nicht wirklich als weiblich identifiziert. Leider wusste ich nicht, dass nicht-binär oder trans eine Option ist. Ja, ich wusste, dass es inter* gibt, aber für mich waren natürlich auch inter* Menschen binär, selbst wenn sie nicht so aussahen. Deswegen war ich immer „einer von den Jungs“, aber eigentlich doch ein Mädchen. Wie sehr ich mich als Mädchen fühlte, war sehr variabel – etwas, das sich vor allen an meinen Haaren zeigte. Das ging dann immer zwischen extrem kurzen und möglichst langen Haaren hin und her.

Erst als erwachsene Person lernte ich, dass es trans gibt. Ich überlegte lange, ob ich ein trans Mann sei, doch fühlte sich das auch nicht richtig an. Dann kam ich irgendwann darauf, dass es nicht-binäre Identitäten gibt. Seither identifiziere ich mich als genderfluides Demigirl. Das heißt: Meine eigene Geschlechterwahrnehmung ist fluide und variiert. Meistens fühle ich mich zumindest in Ansätzen weiblich, selten aber voll – manchmal fühle ich mich aber auch als Mann oder etwas dazwischen. Davon abhängig ist auch, inwieweit ich Dysphorie verspüre.

3        Nicht-binär in Deutschland

Da unsere Gesellschaft generell von der binären Geschlechtervorstellung geprägt ist, ist es allgemein schwer, nicht-binär zu sein. Doppelt schwer ist es aber, wenn der Staat nicht-binäre Menschen nicht oder zumindest nicht ganz anerkennt. Wenn es lange gebraucht hat, eine dritte Option zu bekommen und selbst jetzt, wo es eine gibt, sich niemand sicher ist, was damit gemeint ist. Wenn das Sprachbild so komplett von der binären Geschlechterwahrnehmung geprägt ist, dass viele Leute sich damit schwertun, davon wegzugehen.

Das betrifft so viele Dinge – nicht nur das Gendermarketing. Für mich, als nicht-binäre Person, ist die Sache mit der Toilette immer wieder kompliziert und war sie auch immer. Wohin gehe ich? Als Kind war ich oft auf dem Männerklo und wusste nicht warum. Fühlte sich richtiger an. Aber manchmal sitzt man auch vor den Toiletten: „Okay. Wo gehe ich drauf?“

Und dann ist da die Sache mit den Pronomen. Im Englischen war das Singular-They schon immer in Verwendung, auch wenn es viele nie wahrgenommen haben. Beschrieb man eine Person, deren Geschlecht nicht bekannt war, war es schon immer „they“. Entsprechend tut man sich leichter, dies zu benutzen. So etwas hat Deutsch aber nicht. „Es“ als Pronomen kommt vielen abwertend vor. Einige nutzen es für sich, ja, aber andere fühlen sich damit nicht wohl. Entsprechend wurden diverse neue Pronomen erfunden. Sier, xier, nin, el und viele mehr. Nun aber Leute davon zu überzeugen, diese zu nutzen, ist oftmals nicht leicht.

Ebenso haben wir sprachlich die Wortendungen. Schauspieler und Schauspielerin. Autor und Autorin. Anwalt und Anwältin. Aber was ist die Endung für nicht-binäre Menschen? Meistens wird dann einfach x verwendet. Im Sinne von Schauspielerx oder Schauspielerix, gesprochen Schauspieleriks. Doch erneut ist es schwer, daran zu gewöhnen. Ein Grund, warum das Gender-Sternchen vielen so wichtig ist.

Und von der „Frau/Herr [Nachname]“ Geschichte fange ich besser gar nicht erst an.

4        Vorurteile gegenüber Enbys

Kommen wir zu ein paar Vorurteilen, die gegenüber/über Enbys existieren. Und ja, davon gibt es ein paar. Dabei möchte ich nicht einmal auf die üblichen Leute, die entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse „Es gibt nur zwei Geschlechter!“ und „Ihr wollt doch nur Aufmerksamkeit!“ brüllen, eingehen. Denn ja, was sagt man den Leuten, außer: Ja, du liegst falsch. Die Medizin erkennt weit, weit mehr als zwei Geschlechter an. Wie gesagt, auch historisch ist es keine neue Entwicklung. Was soll man sonst noch sagen?

Ein anderes Vorurteil gegenüber Enbys ist aber auch, dass die meisten von ihnen afab (also „assigned female at birth“) sind und einfach nur Frauenrollen ablehnen. Deswegen ist die stereotype Darstellung einer nicht-binären Person auch oft eine Figur mit weiblichem Körperbau, aber kurzen Haaren und androgenen Kleidungsstil. Und ja, natürlich gibt es einige Enbys, die darauf passen. Aber eben nicht alle. Nicht-binäre Personen können sich auch deutlich gegendert kleiden, weil sie vielleicht die Kleidung mögen und sich darin wohlfühlen. Das macht sie nicht weniger nicht-binär.

Auch ist es nicht so, dass alle Enbys sich abseits der gängigen Pronomen bewegen. Manche nutzen weiterhin „er“ oder „sie“. Weil sie sich damit wohl fühlen oder weil es ihnen egal ist. Wie schon gesagt: Nicht-Binär ist nicht eine Identität, sondern ein Schirmbegriff für eine ganze Reihe von Identitäten. Manche davon sehen sich auch durchaus in einigen Aspekten als weiblich oder männlich – jedoch nicht genug, um sich komplett als solches zu identifizieren.

5        Nicht-binäre Repräsentation

Kommen wir zum anderen leidlichen Thema. Hier mit Unterpunkten, da es das leichter macht die verschiedenen Punkte zu erklären. Denn ja, wie gesagt, Repräsentation findet man relativ wenig – was natürlich eine Folge dessen ist, dass das Thema wenig Mainstream-Aufmerksamkeit hat. Viele Leute wissen nicht, dass wir existieren.

5.1          Comics, Cartoons, Anime & Manga

Reden wir vielleicht erst einmal über gezeichnete Figuren. Denn an sich könnte man hier viel damit machen – ist man doch nicht den üblichen Regeln unterworfen. Tatsächlich viel gemacht wird allerdings selten etwas. Es gibt hier und da einige Comics, die damit spielen, ja, aber richtig viel wird damit selten gemacht. Jedenfalls in den groß produzierten Serien. Dort ist Loki als genderfluide Entität oft das höchste der Gefühle.

Allerdings können wir hier natürlich Steven Universe anbringen. Die Gems sind hier allgemein agender Charaktere, die sich jedoch größtenteils weiblich identifizieren und präsentieren. Außerdem gibt es hier Stevonnie, eine Figur, die deutlich nicht-binär ist und in der englischen Fassung auch „they“ als Pronomen verwendet.

Technisch gesehen haben wir das Thema häufiger in Anime und Manga, praktisch gesehen wird aber selten was damit gemacht. So haben bspw. Digimon oftmals keine Geschlechter – werden aber oft gegendert gelesen. Ein Thema, dass im Verlauf der Serie allerdings nur zwei Mal aufgebracht wurde. Einmal in Digimon Tamers, wo es im Dialog offen besprochen wird. Und ein zweites Mal in Digimon Xros Wars, das ein paar Mal damit spielt humanoiden Digimon Stimmen und Sprachausdrücke zu geben, die dem Geschlecht passen, das man beim Aussehen erwartet. (Am Meisten sind dahingehend die männlichen Lady Devimon im Kopf geblieben.)

Na ja, und dann seien hier natürlich CLAMP erneut genannt, die das Thema immer mal wieder am Rand hineinbringen, sowie Kaori Yuki, die es ebenfalls oft benutzt. Letztere vor allem in Angel Sanctuary, da dort nicht-binäre Geschlechter und die erzwungene binäre Geschlechterbetrachtung ein zentrales Plotelement sind. Auch wenn das die deutsche Fassung nicht abgehalten hat, viele Charaktere falsch und vor allem binär zu gendern.

5.2          Öffentliches Leben

Normalerweise ist dies ein Thema, das ich auslasse, doch möchte ich es hier ansprechen. Denn zumindest dahingehend hat sich in den letzten Jahren ein wenig was getan, was zumindest mir persönlich hilft. Diverse größere Namen in Hollywood und Co. haben sich als nicht-binär oder genderqueer in irgendeiner Form geoutet und setzen sich für mehr Repräsentation ein.

Die meisten von ihnen sind relativ jung, da es zwischen Millenials und Gen Z akzeptabler geworden ist, sich nicht mehr binär zu verordnen, aber dennoch sei es als positiv angemerkt. Bekanntestes Beispiel wird dahingehend wohl Ezra Miller sein, der weiterhin männliche Pronomen nutzt, sich aber als genderfluid identifiziert und beispielsweise auch schon für den Playboy geposed hat. Und wenngleich weniger bekannt gibt es ebenso Asia Kate Dillon, dier vor allem bereits ein paar nicht-binäre Rollen gespielt hat.

Und wo wir vorhin über Steven Universe gesprochen haben: Rebecca Sugar identifiziert sich ebenfalls als nicht-binär.

5.3          Film und Fernsehen

Im Bereich Film und Fernsehen ist es erstaunlicherweise weitaus leichter geworden, zumindest ein wenig Repräsentation zu finden. Wir haben in einigen Filmen der letzten zwei, drei Jahre verschieden gute Repräsentation bekommen. Oft natürlich von dyacis Schauspielern gespielt – aber nicht immer. Zoolander 2 hatte eine ziemlich miese Repräsentation, da die Figur letzten Endes eine Karikatur war. Dafür hatte Upgrade einen recht lustigen, dabei aber nicht gänzlich respektlos dargestellten enby Charakter. Auch John Wick 3 hatte mit Adjudicator einen nicht-binären Charakter – selbst wenn da leider nicht klar wurde, dass der Charakter enby ist. Kurzum: Gibt es, aber was dabei herauskommt, ist sehr durchmischt.

In Fernsehserien haben wir noch mehr. Die Finanzdrama-Serie Billions hat einen recht prominenten nicht-binären Charakter. One Day at a Time (das leider, leider ja erst einmal abgesetzt ist) hat einen nicht-binären lesbischen Charakter. Ein Charakter aus der Serie Degrassi outet sich später als nicht-binär. The Switch hat sogar zwei nicht-binäre Charaktere. Und dann haben wir nun auch noch Good Omens, das, weil es von Engeln und Dämonen handelt, relativ viele nicht-binäre Charaktere hat – selbst wenn die meisten binär codiert sind.

5.4          Videospiele

Videospiele sind der Bereich, der mich am häufigsten ärgert. Vor allem wenn ich mir einen eigenen Charakter bauen darf und es à la Pokémon mit der Frage, die vielleicht nicht wortwörtlich so gestellt, aber nicht selten so gemeint ist, anfängt: „Bist du ein Junge oder ein Mädchen?“ Das gilt selbst da, wo sich die Spielehersteller als sehr inklusiv sehen. (Bioware sei hier unter anderem genannt.)

Allerdings gibt es zumindest ein paar Spiele, wo es mittlerweile besser ist. Harebrained Schemes hat mit seinem BattleTech Spiel die Möglichkeit eingeführt, vollkommen unabhängig vom genutzten Charaktermodell ein Geschlecht und ein Pronomen auszusuchen. Allgemein findet man im Indy-Bereich hier und da ein paar Charaktere (PCs, wie NPCs), die explizit nicht-binär sind oder zumindest nicht klar binär gegendert sind. Beispiele wären Undertale, Hollow Night, Crypt of the Necrodancer, Transistor, Read Only Memory und noch einige mehr.

Es sei eventuell auch erwähnt, dass gerade einige japanische Spiele auch sonst nicht-binäre Charaktere haben – nur sind diese oftmals eher parodisch und als Witzfiguren dargestellt. Leider.

Persönlich wünsche ich mir oft nichts mehr, als bei Spielen wie Dragon Age, Pokémon oder was auch immer – Spielen, wo ich meinen Charakter eigentlich selbst bestimmen kann – eben auch wirklich einen nicht-binären Charakter spielen zu können.

5.5          Literatur

Damit kommen wir zur Literatur – wo erneut eigentlich der Fantasie wenig Grenzen gesetzt wären. Theoretisch. Praktisch können wir mit Good Omens anfangen, dann einmal wieder Alex Fierro erwähnen, die/der nachwievor großartig ist, und dann eventuell noch die „The Root“ Trilogie erwähnen, die ich bereits vorgestellt habe.

Dann wird es schon dünn.  

Aus dem Stehgreif fallen mir Kinderbücher ein, die nicht-menschliche Figuren beinhalten, deren Geschlecht anders ist, als bei Menschen. Beispielsweise ist das Sams in seinen Büchern ja eigentlich ein „Es“ und erwähnt sogar einmal explizit, kein Junge zu sein. Auch die Boov in „The True Meaning of Smeckday“ (was als der Animationsfilm „Home“ in die Kinos kam) haben ein gänzlich anderes Verständnis von Geschlechtern, als wir. In keinem der beiden Bücher, wird das jedoch groß thematisiert.

Ansonsten: Es gibt fraglos ein paar Bücher, gerade in SciFi und Fantasy, die das Thema beinhalten. Max Gladstone sei hier als Autor genannt, da er immer mal wieder nicht-binäre Charaktere einbaut und generell sehr inklusiv schreibt. Jedoch ist es auf die Größe des Markts gesehen unglaublich, unglaublich wenig.

6        Das Meta-Problem

Und damit kommen wir zu einem anderen Problem, das ich leider häufig habe und häufig sehe und das mich unglaublich traurig macht: Feminismus und nicht-binäre Menschen. Ja, manchmal sogar der intersektionale Feminismus. Gerade auch wenn es um Repräsentation geht, aber auch wenn es um Schutz geht. (Und in vielerlei Hinsicht trifft einiges davon aus trans Männer.)

Das fängt mit den üblichen Sachen an: Selbstbestimmung über den Körper und speziell den eigenen Uterus. trans Männer, inter* Personen und Enbys mit Uterus werden übergangen. Schutz vor Missbrauch und sexueller Belästigung. Trans ist ein Nachsatz, wenn überhaupt, Enbys werden nicht bedacht – auch nicht solche, die einen weiblich gelesenen Körper haben.

Und dann die Sache im Buchmarkt, die mich immer wieder trifft: „Wir fördern Autorinnen.“ Wettbewerbe für Autorinnen. Schutz für Autorinnen. Wir lesen Autorinnen. Der Gedanke dahinter ist verständlich: Abseits von Romantik, Erotik und vielleicht Drama allgemein werden Autorinnen bei Veröffentlichungen oft übergangen. Ebenfalls bei Wettbewerben oder dergleichen. Aber: Vieles davon trifft Enbys auch, gerade wenn diese einen weiblichen Namen haben und aufgrund oben genannter Gründe den Namen nicht so leicht ändern können. Und so werden Enbys, speziell mit weiblichen Namen, gerne doppelt diskriminiert: Einmal weil sie keine Männer sind – auf der anderen Seite aber auch, weil sie keine Frauen sind und damit sich feministische Verlage/Wettbewerbe/Gruppen sich ebenfalls nicht für sie einsetzen.

Und ja, ich habe damit schon Erfahrungen gemacht. Zweimal bei Wettbewerben „für Frauen“. Beide Male: „Hi, ich bin genderfluides Demigirl und weiblich geboren. Darf ich mitmachen?“ Einmal direkt geblockt worden, einmal beleidigt worden. Großartig.

Auch in einem anderen Fall wurde mir vorgeworfen, als ich offen als Enby auftrat, in Schutzräume von Frauen vordringen zu wollen. Dass ich Safe Spaces zerstören will. (Ja, ernsthaft. Und ja, WTF?) Obwohl es auch da um Themen ging, die mich betrafen.

Genau deswegen fühle ich mich oft übergangen. Denn wer misogyn ist, wird mich schnell als gelesene Frau diskriminieren. Nicht nur theoretisch. Praktisch oft genug erlebt. Sowohl bzgl. Büchern, als auch bzgl. des alltäglichen Lebens. Doch wenn ich mich darüber mit Frauen austauschen will, dann bin ich – wenn ich offen als genderqueer auftrete – für einige nicht Frau genug.

Das Ganze gilt übrigens auch für feministischen Aktivismus allgemein: Enbys werden aus der Diskussion oft komplett herausgelassen. Da geht es um Frauen. Meistens cis Frauen. Manchmal werden trans Frauen noch miteingeschlossen, wenn es um so etwas wie sexuelle Belästigung und Paygap geht. Enbys dagegen nicht – obwohl beide Themen sie durchaus treffen, abhängig davon wie die Gesellschaft sie liest. Bei Themen rund um den Uterus fällt es oft schon schwer, trans Männer mit einzuschließen. Enbys sehe ich dabei allerdings noch seltener genannt. Und das ist einfach so eine generelle Sache: Praktisch kein „Frauenproblem“ betrifft nur cis Frauen. Egal was es ist, betrifft irgendeine andere Gruppe mit – und praktisch immer ein paar Enbys. Und ja, das tut weh. Denn es fühlt sich an, als wären wir egal.

7        Fazit

Es gibt nicht-binäre Menschen. Gerade unter den heutigen jungen Menschen sind diejenigen, die sich als nicht-binär identifizieren nicht einmal so selten. Auch inter* Menschen gibt es mehr, als viele es glauben. Dennoch sind wir in Medien und im öffentlichen Leben beinahe gänzlich unsichtbar. Wir werden in wenigen Dingen mitbedacht und allgemein ist die gesamte Gesellschaft um das binäre System von Geschlechtern aufgebaut. Das macht einem vieles schwer.

Daher wünsche ich mir nur eins: Denkt ab und an mal daran, dass es uns gibt. Wir sind hier, wir wären auch gerne in Medien jedweder Art repräsentiert. Wir würden auch gerne gefördert werden. Wir wären gerne vor Diskriminierung oder sexuellen Übergriffen geschützt. Und diejenigen von uns, die einen Uterus haben, würden auch echt gerne bei Notwendigkeit Abtreiben können und hätten auch gern etwaige Hygieneprodukte zu bezahlbaren Preisen. Ach ja, und Toiletten. Toiletten, die wir einfach nutzen können, wären echt nett.


Linksammlung zum Thema:

Dr, Elizabeth Debold: The Subtle Imperialism of Western Gender Identity
Michael Paramo: Transphobia is a White Supremacist Legacy of Colonialism
Suzanne Weiss: 9 things people get wrong about being non-binary
Meredith Talusan: This is what gender nonbinary people look like
Genderfluid Support: List of gender identities
PBS: A Map of Gender Diverse Cultures
Nonbinary Wiki: Nonbinary Representation in Fiction
NiBiSpace: Nicht-binäre Pronomen (Deutsch)