Meine Top 10 Cartoons der 2010er

Die 2010er gehen zu Ende und damit ein ganzes Jahrzehnt – jedenfalls, wenn man die meisten fragt, auch wenn nach historischer Zeitrechnung natürlich das eigentliche Ende des Jahrzehnts der 31.12.2020 wäre. Doch hey, alle machen ihre „Jahrzehnts“-Listicle. Und da ich ein wenig Zeit für mich brauche und Listicles schnell geschrieben sind, schließe ich mich dem an.

Ich fange an mit meinen Top 10 Animationsserien (Anime ausgenommen, da diese eine eigene Liste bekommen), die zwischen dem 1.1.2010 und dem heutigen Tag gelaufen sind. Entscheidungsfaktor ist dabei weniger, wie objektiv „gut“ die Serie war, sondern – wie Marie Kondo es sagen würde – viel viel Freude sie mir bereitet hat.

10. Carmen Sandiego

Das Reboot einer Serie, die ich nie gesehen habe, jedoch aus einer vollkommen anderen Perspektive. Black Sheep war das einzige Kind, das in der Vile-Academy großgezogen wurde. Einer Schule für Superschurken und Diebe. Bei ihrer Abschlussprüfung als junge Erwachsene wird ihr klar, dass Vile tatsächlich eine Gruppe von Bösewichten ist und lässt die Akademie hinter sich, um als Carmen Sandiego gegen Vile zu agieren. Dies bedeutet: Ziele stehlen, bevor Vile an sie herankommt.

Das erste, was ich über Carmen Sandiego sagen kann, ist, dass die Serie so verflucht hübsch animiert ist. Ich liebe den Animationstil der Serie. Es ist großartig. Außerdem freue ich mich sehr über Carmen als eine positive, weibliche Protagonistin. In vielerlei Hinsicht erinnert sie mit ihren Gadgets mich an Totally Spies oder Charlie‘s Angels, nur ohne den dazugehörigen Trash und stattdessen einer verhältnismäßig ernsten Geschichte. Selbst wenn es auch hier weirde, seltsame Bösewichte gibt.

Der Grund, warum die Serie soweit hinten in der Liste ist, ist vornehmlich die Menge an kultureller Aneignung und White Saviorism, der relativ deutlich in dieser Serie ist.

9. Disenchantment

Futurama spielte in der Zukunft, die Simpsons in einer vermeintlichen Gegenwart und Disenchantment rundet das Trio als mittelalterlich angehauchte Märchengeschichte ab. Prinzessin Tiabeanie ist die Tochter des recht tyrannischen Königs von Traumland. Ihre Mutter hat sie nie wirklich kennengelernt und mit Vater und Stiefmutter steht sie auf Kriegsfuß. Immerhin ist sie ein Teenager und muss als solcher praktisch rebellisch sein. Als der Dämon Luci losgeschickt wird, um sie auf Abwege zu leiten, lässt sie sich nicht zwei Mal bitten. Dabei steht auch der Elf Elfo ihr auf den seltsamen Abenteuern „tapfer“ zur Seite.

Wie so häufig bei Serien von Matt Groenning ist auch bei Disenchantment die Frage, ob es den eigenen Humor trifft. Und dazu kann ich halt nur sagen: Meinen Humor trifft es durchaus – häufig genug, als dass ich einige Male lachen konnte, selbst wenn manch ein anderer Witz dennoch einen faden Geschmack hinterlässt. (Gerade Staffel 2 hat einige ableistische Witze, die nicht unbedingt nötig gewesen wären.) Umso mehr ist die Serie in Erinnerung geblieben, da sie aus irgendwelchen Gründen sehr das Interesse unserer Ratten erweckt hatte, die es mit uns gemeinsam geschaut haben.

Allgemein ist die Serie sicher nicht für jeden, aber selbst habe ich an den ersten beiden Staffeln meinen Spaß gehabt.

8. Love, Death + Robots

Gilt „Love, Death + Robots“ als Serie? Nun, es ist meine Liste, also werte ich es einmal so. Denn bei „Love, Death + Robots“ handelt es sich um eine Anthologie verschiedener animierter Kurzfilme aus dem Bereich der Science Fiction. Dabei variieren sowohl die Themen, Genre und Animationsstile zwischen den verschiedenen Kurzfilmen stark. Es findet sich sowohl 3D-Animation, als auch 2D und Stop-Motion in der Sammlung, genau so, wie die Filme zwischen humoristisch, action und bitterernsten Themen wechseln.

Ich habe mich ein wenig in diese Serie verliebt, als sie herauskam – selbst wenn auch hier wieder gesagt sein muss: Ja, einige der Filmchen sind problematisch speziell im Sinne Sexismus (viele der weiblichen Figuren sind arg sexualisiert und ein paar Geschichten zu viel beinhalten zumindest angedeutet sexuellen Missbrauch), aber es sind einfach einzelne Geschichten dabei, die mich sehr überzeugt haben.

Meine Lieblinge waren „Three Robots“, eine Geschichte, die absolut meinen eher nihilistischen Humor traf, „When the Yoghourt Took Over“, ebenfalls etwas, das sehr meinem Humor entsprach, „Sunnies Edge“, was einfach genau die richtige Cyberpunk-Badassness für mich war, und „Good Hunting“, die ich einfach sehr schön erzählt und animiert fand.

7. Gravity Falls

Von einer FSK18 Serie, zu einer Serie vom Disney Channel. Gravity Falls ist die Geschichte von Mabel und Dipper, zwei Zwillingen, die über die Sommerferien von ihren Eltern zum Großonkel Stan in den kleinen Ort Gravity Falls in Oregon geschickt werden. Kurz nach der Ankunft findet Dipper ein geheimnisvolles Buch, das von paranormalen und magischen Ereignissen in Gravity Falls berichtet und tatsächlich muss er bald feststellen, dass dies der Wahrheit entspricht. Gemeinsam müssen die Zwillinge die Geheimnisse der kleinen Stadt lüften.

Gravity Falls kam Mitte des Jahrzehnts heraus und fing mehr oder weniger eine ganze Reihe großartiger Cartoons auf Disney an. Die Show hat einen einmaligen Humor und gerade für jemanden, wie mich, dier sich viel mit paranormalen urbanen Legenden und Geisterjägern beschäftigt hat, gibt es ein paar schöne Spitzen.

Aber ebenso schön waren die Charaktere und der eigentliche Weltenbau in der Serie. Die Charaktere sind beinahe durchweg charmant und gerade über Mabel und Dipper wird eine schöne Coming of Age Geschichte, wie ich sie liebe, erzählt. Eigentlich schade, dass es nur zwei Staffeln waren.

6. Dragon Prince

Wäre Staffel 3 nicht gewesen, wäre es unter Gravity Falls gelandet, doch aktuell ist die Serie – wenngleich nur einen Tacken – über Gravity Falls. In dieser Fantasy-Serie geht es um die Prinzen Ezran und Callum, die während einem Angriff auf ihren Vater gemeinsam mit einer der Assassininnen ein Drachenei finden. Das Ei des Prinzen der Drachen. Dabei tobt der Krieg zwischen Menschen und Elfen nicht zuletzt, weil die Menschen vermeintlich das Ei zerstört haben. Also machen Ezran, Callum und die Elfe Rayla sich auf, den Drachenprinzen mit seiner Mutter zu vereinigen und damit den Krieg zu stoppen.

Staffel 1 der Serie fing nicht so gut an. Zwar waren die Dinge deutlich diverser, als wir es üblicherweise aus solchen Fantasy-Welten kennen (so ist beispielsweise der König ein schwarzer Mann, Ezran, Callums Halbbruder, ebenfalls schwarz, während eine Kommandantin der Arme gehörlos ist), aber weder das Pacing, noch die Animation waren besonders gut. In Staffel 2 wurde es allerdings deutlich besser – in Staffel 3 noch deutlicher. Vor allem aber kam mehr und mehr Diversity dazu.

Es sei auch hier dazu gesagt: Perfekt ist es nicht. Denn wer drauf achtet, wird feststellen, dass soweit jedes nicht-hetero Paar, das zusammen ist, entweder gemeinsam tot ist oder zumindest ein Partner soweit verstorben ist. Ich hoffe, das wird noch besser.

5. Steven Universe

Kommen wir zu einer Serie, die wahrscheinlich jeder hier erwartet hat: Steven Universe. Für diejenigen, die es noch nicht kennen (Ich bin schockiert, sag ich euch! Schockiert!): Die Serie handelt von Steven, dem Sohn eines Menschen und Rose Quartz, der Anführerin der Crystal Gems. Was Crystal Gems sind, fragt ihr? Nun, Gems sind eine Alienrasse, die das Weltall kolonialisieren und dabei Planeten zerstören. Rose Quartz stellte sich gegen sie. Doch um Steven auf die Welt zu bringen, gab sie ihr eigenes Leben auf. Jetzt werden die Herrscherinnen der Gems jedoch auf einmal wieder auf die Erde aufmerksam – so dass Steven und die Crystal Gems sich etwas ausdenken müssen. Dabei leidet jede der Crystal Gems selbst unter Traumata der Vergangenheit …

Steven Universe wäre weiter oben gewesen, wäre das Ende nicht so seltsam gewesen – in Bezug auf Kolonialismus gesehen. Die Show ist jedoch gerade für mich als queeres Alpaka verflucht wichtig. Denn ja, diese Serie ist queer. Es ist mit Abstand die queerste Kinderserie, die in dem Jahrzehnt herausgekommen sind. Unter den Protagonistinnen ist ein lesbisches Paar (das später heiratet) und eine lesbische Frau, die über eine unglückliche Liebe nicht hinwegkommt. Und Steven hat derweil als Junge kein Problem, ein Kleid zu tragen.

Ironischerweise hätte ich die Serie beinahe nicht geschaut. Denn der Anfang hat mich kaum angesprochen, da es hier sehr episodisch und sehr „kindisch“ losging – das Wort fühlt sich falsch an, aber mir fällt nichts besseres ein. Das meiste schien mehr „Problem of the Week“ zu sein. Aber dann kamen die Lapis-Folgen und auf einmal wurde die Serie verflucht cool.

4. Infinity Train

Eine Serie, die gerade so noch in diesem Jahrzehnt herauskam und soweit nur eine Staffel hat. Fing als 10-Minütiger Pilot auf Cartoon Network an und wurde dann zu einer Serie ausgearbeitet. Es geht um Tulip, deren Eltern gerade geschieden sind. Da die Situation für alle noch etwas ungewohnt ist, machen die Eltern einen Fehler in der Absprache und niemand kann Tulip zu ihrem Programmiercamp bringen. Also beschließt Tulip, die irgendwo in Wisconsin lebt, zu laufen – mitten im Winter. Da erscheint plötzlich ein Zug vor ihr, doch als sie einsteigt, wird sie in eine andere Welt transportiert …

Infinity Train war vom Konzept her schon cool, als der Pilot auf dem Youtube-Kanal von Cartoon Network online ging. Sowohl der Humor war interessant, als auch das Konzept der Infinity Train selbst: Ein endloser Zug, in dem jedes Abteil eine eigene, kleine Welt ist. Ein Zug, der verlorene Seelen einsammelt, die in ihrem Leben mit irgendetwas kämpfen.

Die Serie ist nicht lang, weshalb ich nicht viel mehr sagen will, außer: Ich habe Rotz und Wasser geheult. Die Serie hat einen guten Treffer ins Herz gelandet. Wunderbares Coming of Age.

3. She-Ra and the Princesses of Power

Noch eine Netflix Show, denn verflucht, Netflix hat eine Menge guter Sachen gemacht in diesem Jahrzehnt. Und ein weiteres Reboot: Adora ist in der Horde aufgewachsen, die schon seit geraumer Zeit versucht die Welt Eternia einzunehmen. Als sie und ihre Ziehschwester Catra gemeinsam in einem magischen Wald sind, findet sie ein Schwert, das ihren Namen ruft. Sie wird zu She-Ra, der legendären Heldin Eternias. Bald schon kommt die Erkenntnis, dass die Rebellen die Guten und die Horde die bösen sind, doch das heißt auch, dass Adora sich als She-Ra gegen ihre Familie und auch gegen Catra stellen muss. Zusammen mit ihren neuen Freunden, Bow und Glimmer, versucht sie Eternia zu retten und das Rätsel She-Ras zu lösen.

Noch so eine queerpositive Show und soweit auch eine sehr kolonialismuskritische. Ja, diese Aspekte sind mir wichtig, vielen Dank. In dieser Serie ist es mit den queerpositiven umso lustiger, scheint doch das Motto zu sein: Heteros sind die Ausnahme. Denn fast jeder Charakter scheint queer zu sein oder ist zumindest queer codiert. Ein schwules Paar hat Kinder. Alles nichts ungewöhnliches, in Eternia. Und es ist so verflucht angenehm, es auch einmal so herum zu sehen.

Auch davon abgesehen: Die Show ist lustig, spannend, emotional fesselnd, hat eine Menge toller Charaktere – vor allem toller, weiblicher Charaktere, die durchweg sehr divers sind. Und einen Bösewicht mit Motivation, der sogar als Bösewicht sehr überlegt und taktisch klug vorgeht.

2. Star vs the Forces of Evil

Eigentlich habe ich zu Star vs the Forces of Evil bereits ein komplettes Review geschrieben. Doch noch einmal kurz: Star ist die chaotische Prinzessin der Welt Mewni. Als sie endlich ihren Zauberstab erhält, richtet sie einige Zerstörung an und wird daher zur Besserung in unsere Welt auf ein Austauschjahr geschickt, wo sie bei Marco Diaz und seiner Familie einzieht. Dabei folgt ihr jedoch Ludo mit seiner Monsterarmee, der den Zauberstab und die Magie für sich will.

Als Star vs the Forces of Evil anfing, habe ich es geschaut, weil es einfach absolut meinem Humor entsprach. Es parodiert Magical Girl Klischees und Disney Prinzessinnen in einem. Was wollte ich mehr? Und dann … entschied sich die Serie noch viel besser zu werden, indem sie eine Geschichte über Kolonialismus, Rassismus und strukturelle Unterdrückung anderer Kulturen und Gruppen wurde. Inklusive der Anerkennung des Umstandes, das es keine einfache Lösung gibt. Die Serie ist in der Hinsicht wirklich großartig geschrieben, intelligent und sehr zu empfehlen!

1. The Legend of Korra

Und meine liebste Serie von diesem Jahrzehnt ist Legend of Korra. Wer mich kennt, sollte sich das denken können, da die Serie mir so viel mehr bedeutet, als sie nur ist – und in ihrer Existenz wahrscheinlich für einige andere Serien auf dieser Liste verantwortlich war.

Legend of Korra ist die Fortsetzung von „Avatar – The Last Airbender“ und handelt von Korra, der Avatar nach Aang. Um das letzte Element, Luft, zu lernen, kommt sie nach Republic City, wird dort jedoch schnell in die politischen Probleme einer Welt hineingezogen, die sich seit dem großen Krieg technisch massiv weiterentwickelt hat, was zu mehr und mehr Unruhen führt.

Ich mag Legend of Korra lieber, als die Vorgängerserie. Ich mag Korra lieber als Aang. Ich habe Korra als aufbrausenden Hitzkopf so sehr genossen. Sie ist einfach ein Charakter, den man so selten sieht – jedenfalls nicht als junge Frau. Und der Umgang mit diversen Themen wie Trauma und Depression, aber auch den politischen Themen war großartig.

Aber ja, natürlich liebe ich Legend of Korra vor allem für eine Sache: Das Ende. Denn am Ende war Korra bi und lief Hand in Hand mit einer anderen Frau in den mehr oder minder Sonnenuntergang. Etwas, das bis dahin nicht so in einer westlichen Kinderserie passiert war. Etwas, mit dem weder ich, noch kaum wer anderes gerechnet hatte. Etwas, dass mir damals massiv aus einer depressiven Episode geholfen hat. Allein dafür schon ist diese – auch ansonsten tolle – Show mein Cartoon der 2010er!