Weltenbau 101: Familien & Gemeinschaften

Es ist die Zeit der Wintersonnenwende und damit beinahe in jeder Kultur ein Feiertag, bei dem Gemeinschaften zusammenkommen und gemeinsam essen, feiern und oft genug auch Geschenke austauschen. Ich hatte überlegt einen Weltenbaueintrag zu Sonnenereignissen zu machen – doch stattdessen bleibe ich auf meiner kulturellen Schiene und spreche über die Bedeutung von Gemeinschaften.

Was ist eine Gemeinschaft?

Die meisten Menschen in der modernen Welt, sind so gesehen Teil verschiedener Gemeinschaften. Viele arbeiten oder studieren und sind so oft Teil einer Gemeinschaft mit Kollegen oder Kommilitonen. Die meisten haben auch Freunde – online und/oder offline – mit denen sie eine Gemeinschaft bilden können. Und natürlich gibt es Interessengemeinschaften, seien sie Fandoms, Sportvereine oder Vereine der Vogelliebhaber des Saarlands.

Im etymologischen Sinne heißt „Gemeinschaft“ nicht mehr als eine überschaubare soziale Gruppe von Menschen, die miteinander zumindest irgendwie verknüpft ist und gemeinsam Dinge macht. Doch wo genau „überschaubar“ anfängt und aufhört ist immer ein streitbares Thema und kann sehr verschieden ausgelegt werden.

Und dann gibt es natürlich auch die „traditionelleren“ Gemeinschaften. Die Familie als eine Gemeinschaft oder auch – etwas, dass es heute oft nicht mehr gibt – ein Dort als Gemeinschaft oder manchmal auch nur eine Nachbarschaft. Gemeinschaften sind überall da, wo Menschen miteinander Zeit verbringen und miteinander zusammenarbeiten.

In dem Sinne wird es auch in eurer Welt Gemeinschaften geben. Was zu der Frage führt: Welche Arten von Gemeinschaften gibt es dort? Wodurch zeichnen sie sich aus?

Familie als Gemeinschaft

Die Standard-Gemeinschaft, die wir kulturell immer wieder sehen, ist die Familie. In unseren Breiten wird darunter meist eine heteronormative nukleare Familie verstanden, also Vater, Mutter, Kinder und eventuell halt nahe Verwandte, wie Onkel, Tanten, Großeltern, vielleicht noch Cousins und Cousinen, da Onkel und Tante eben auch Kinder haben. Damit hört es jedoch meistens auf.

Die Familie als Gemeinschaft dient natürlich eigentlich erst einmal um eine Umgebung zu bieten, in der ein oder mehrere Kinder sicher aufzuziehen. Das ist zumindest die Theorie dahinter. Böse gesagt: In einem heteronormativen (und cisnormativen) Weltbild machen Vater und Mutter halt die Kinder und haben gemeinsam ein Haus, in dem diese aufwachsen. Dabei war es allerdings bis vor nicht allzulanger Zeit sehr üblich, dass Familie wirklich auch die erweiterte Familie beinhaltet hat, die Häuser nun einmal oft größer waren, als heutige Wohnungen oder Mietshäuser.

Allerdings sollte auch bedacht werden, dass Familie als Begriff und Konzept im Wandel sind und immer im Wandel waren. Während bei vielen die Vorstellung vorherrscht, dass es immer so war, wie es jetzt ist, war es eben oft nicht so. Wie gesagt: Sei es, dass wir davon reden, dass die erweiterte Familie (vielleicht samt Mägden und Stallburschen bei einem Hof) mit im Haus gelebt hat, sei es aber auch, weil eher eine größere, gemeinsam lebende Gemeinschaft als Familie verstanden wurde.

Es braucht ein Dorf …

Es heißt nicht umsonst in einem nigereanischen Sprichwort: „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen/großzuziehen.“ Dieser Spruch kommt nicht von irgendwo. Denn es lange Zeit eben in vielen Kulturen – auch bei uns – üblich, dass Kinder im Dorf erzogen wurden. Dass die Menschen im Dorf sich gemeinsam um die Kinder des Dorfes kümmerten. Allgemein kennen wir das Konzept der Dorfgemeinschaft theoretisch gesehen alle noch. Feiertage werden hier gemeinsam gefeiert, es wird – idealerweise – einander Rückhalt gegeben und eben gemeinsam sich um Kinder, alte Menschen und andere Dinge gekümmert. Jedenfalls in der theoretischen Dorfgemeinschaft.

Genau so, gab es (und gibt es teilweise bis heute) Kulturen, in denen Kinder gar nicht einmal ihren „biologischen“ Eltern zugeschrieben werden, sondern als Kind des Dorfes behandelt werden und oft gemeinsam dort aufgezogen werden. Dies hat den Vorteil, dass Kinder sich auf mehr verschiedene Menschen einstellen und gleichzeitig oft selbst helfen jüngere Kinder der Gemeinschaft zu erziehen, aber auch dass es mehr Bezugspersonen und damit auch mehr Sicherheit für ein Kind gibt.

An dieser Stelle stellt sich nun im Weltenbau die Frage, welche Gemeinschaft beispielsweise eben für Kinder die größere Rolle spielt: Ihre direkte nukleare Familie? Gibt es das Konzept der heteronormativen nuklearen Familie überhaupt? Wie wird vergleichsweise über nicht cisheteronormative Familienbilder gedacht? Wie denkt man über Adoption? Oder gibt es ohnehin eher ein Dorf, in dem gemeinsam Kinder großgezogen werden? Gibt es dahingehend bestimmte Rollen? Wer ist wofür zuständig? Wie wirkt sich das auf Kindheiten aus? Und wie auf das Zusammenleben der Menschen allgemein?

Die Wahlfamilien

Wie wir schon sehen, hängt das Prinzip Familie und Gemeinschaft oftmals zusammen. Was mich natürlich zu einem anderen wichtigen Thema bringt: Einer „Family of Choice“, also einer Wahlfamilie als Gemeinschaft. Denn wie gesagt: Das Familienbild ist immer im Wandel – und dennoch gab es auch den Spruch „Blut ist dicker als Wasser“ schon immer. Ein Spruch, der übrigens genau das Gegenteil sagt, von dem was viele glauben. Blut bezog sich hier auf eine Blutsbrüderschaft. Wasser auf Gebärwasser. Sprich: Ein Freundschaftsschwur ist dicker/haltbarer als das „dünne“ Wasser der Verwandtschaft.

Viele werden hier sicher Leute kennen, die aus dem einen oder anderen Grund mehr Zeit mit einer Wahlfamilie verbringen. Also mit einem Freundeskreis, der die Aufgabe einer Familie übernimmt. Sei es, dass sie in eine Freundesfamilie aufgenommen wurde oder mehrere Freund*innen miteinander die Aufgaben einer Familie übernehmen. Auch das ist eigentlich kein neues Konzept sondern kam immer schon vor. Manchmal ist es einfach so, dass gute Freund*innen die weit bessere Familie sind. Und seien wir mal ehrlich: Diverse Held*innengruppen sind oft mehr Familie, als irgendetwas anderes.

Auch dahingehend ergibt sich eine Frage für den Weltenbau. Vor allem die Frage danach, ob es dieses Konzept in eurer Welt irgendwie gibt? Wie sieht es aus? Wie wird es gegenüber einer gebürtigen Familie von der Allgemeinheit und Kultur bewertet?

Andere Gemeinschaften

Natürlich gibt es noch andere Gemeinschaften, die mal enger, mal weniger eng miteinander verbunden sind. Man kann durchaus auch Fandoms als eine lose – sehr lose – Gemeinschaft sehen, wie auch die Communities diverser Spiele oder Webseiten. Oder, wenn wir ganz modern werden wollen, auch unsere kleinen Filterblasen auf den sozialen Medien.

Traditioneller wird natürlich auch bei Religionen von Religionsgemeinschaften die Rede. Wie auch bei Fandoms stoßen wir hier natürlich an Grenzen, wo im Rahmen des Wortes jetzt eine Grenze bezüglich der „Überschaubarkeit“ gezogen werden kann. Denn die großen Religionen sind so weitreichend, aber auch in so viele Untergruppen aufgespalten, dass es schwer zu sagen ist, wo es eine Gemeinschaft gibt oder nicht. Das werden auch verschiedene Gruppen anders Definieren.

Und dann hätten wir ganz traditionell auch noch Klans als Gemeinschaften, die meist aus einem Zusammenschluss mehrerer Familien bestehen unter einem traditionellen Banner. Meist zu kriegerischen oder defensiven Zwecken.

Daher auch hier die Frage: Welche Gemeinschaften dieser Arten gibt es in eurer Welt? Wie werden sie im Vergleich miteinander gewichtet?

Aufgaben von Gemeinschaften

Gehen wir allgemein von ihrer sozialen Funktion aus, so haben Menschen die Angewohnheit Gemeinschaften zu bilden, da sie nun einmal soziale Geschöpfe sind, die Interaktion mit anderen Lebewesen brauchen, um sich mental zu entwickeln und zu fordern. Außerdem bieten Gemeinschaften per se ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit – nun, jedenfalls sofern man keine negativen Erfahrungen gemacht hat. Speziell gilt diese Sicherheit eben auch für Kinder und damit, rein biologisch gesprochen, auch für die Arterhaltung. Dahingehend stellen Gemeinschaften zudem einen möglichen sozialen Hintergrund dar, um mögliche Partner zum Zeugen von solchen Kindern kennen zu lernen. Soweit jedenfalls rein aus einer biologischen Perspektive betrachtet.

Dahingehend ist eine spannende Frage im Rahmen des Weltenbaus, aber auch der Geschichtenentwicklung, welche Gemeinschaften es gibt und welche Aufgabe sie allgemein übernehmen? Wie wichtig sind sie einfach nur für den sozialen Faktor? Wie wichtig sind sie in Bezug auf den Schutz? (Anmerkung: Bspw. ist auch die queere Community stark durch den Schutz, den ihre Mitglieder füreinander geben können, definiert.) Welche anderen Aufgaben erfüllen Gemeinschaften? Gibt es bspw. magische Aspekte im Rahmen einer Gemeinschaft? Welche Aufgaben erfüllen einzelne Mitglieder innerhalb der Gemeinschaften? Und welche Aufgaben erwarten und erfüllen eure Charaktere von/für die Gemeinschaften, denen sie angehören?

Gemeinschaften und Feste

Dieser Beitrag geht natürlich am Silvestermorgen online. Deswegen möchte ich noch eine Kleinigkeit hier ansprechen, die irgendwie auch mit Gemeinschaften zusammenhängt: Das Feste-Feiern. Ich habe während den Feiertagen so häufig in meiner Timeline gelesen – und Stimme dem auch zu – dass es Leute schade fanden, dass Feste in Deutschland praktisch immer in der Familiengemeinschaft gefeiert werden und das auch von Leuten erwartet wird. Das heißt, wer keine Familie hat, feiert oft allein. Es wird als seltsam angesehen, Freunde einzuladen oder nur unter Freunden zu feiern – jedenfalls oft. Etwas, das in anderen Kulturen nicht zwangsläufig so ist. Wie gesagt: Enge Gemeinschaften sind deutlich kulturell. Wie man Feste feiert ebenso. (Selbst in Deutschland war es bei diversen Festen auch lange der Standard bspw. als Dorf oder Gemeinde zu feiern.)

Daher auch die Fragen: Gibt es bestimmte Feste, die in bestimmten Gemeinschaften gefeiert werden und bei denen Fest und Gemeinschaft zusammenhängen? Wie sieht es aus mit Familienfesten? Welche gibt es? Lädt man andere Leute da mit ein? Wann feiert man traditionelle Feste groß, wann eher in kleiner Gesellschaft?


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