J. K. Rowling ist transfeindlich

Dank dem angekündigten Harry Potter Spiel und den vielen Leuten, die die Problematik dahinter nicht sehen, möchte ich noch einmal darüber sprechen: Warum ist J. K. Rowling problematisch – und warum ist sie im spezifischen transfeindlich?

CN: Transfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit, Erwähnung von Rassismus und Antisemitismus, Vergewaltigung

J. K. Rowling ist problematisch

Fangen wir mit einer simplen Feststellung an: J. K. Rowling ist problematisch und war schon immer problematisch. Dafür braucht es gar nicht ihre „neuste“ Darstellung von trans Menschen und deren Folge.

Ich habe vor einiger Zeit bereits einen Artikel darüber geschrieben, wie viele problematische Themen sich in den Harry Potter Büchern (und Filmen) finden. Allein daran kann man festmachen: Zu allermindest ist Rowling unreflektiert in ihrer Darstellung von diversen Themen. Und – das ist vor allem mit den Pottermore Posts sehr deutlich – sie findet Kolonialismus definitiv gut. Das ist per se schon problematisch, ich denke, darauf können wir uns einigen.

Allerdings ist spätestens seit 2020 ein weiteres Thema hinzugekommen: J. K. Rowling ist offen transfeindlich. Und diese Transfeindlichkeit nimmt weiter und weiter zu. Mittlerweile setzt Rowling einen nicht unerheblichen Anteil ihrer Onlinepräsens dafür ein, trans Menschen zu schaden.

Was ist Transfeindlichkeit?

Lasst uns kurz darüber sprechen, was Transfeindlichkeit eigentlich ist. Denn tatsächlich tun sich viele Menschen schwer damit, es zu definieren – nicht zuletzt, weil sich viele auch nachwievor schwer damit tun, andere *ismen zu verstehen und definieren. Transfeindlichkeit macht es gleich noch einmal schwieriger, da diese sich häufig unter vermeintlicher Besorgnis versteckt.

Eine Sache möchte ich vorweg schieben: Ich schreibe spezifisch Transfeindlichkeit und nicht Trasphobie. Denn ich glaube nicht daran, dass Transfeinde Angst vor trans Menschen haben – sie haben nur eine starke Abneigung gegen sie oder das Konzept von Geschlechtern.

Und das ist die Grundlage: Transfeinde haben in erster Linie eine starke Abneigung gegen das Konzept von Geschlechtern als soziales Konstrukt. Sie sind davon überzeugt, dass entweder Geschlechter prinzipiell fest von den bei der Geburt festgestellten Genitalien abhängen oder dass die Fälle, wo dies nicht der Fall ist, eine sehr, sehr seltene Krankheit ist. Dabei ignorieren sie nicht nur die Existenz von trans Menschen, sondern häufig auch die Existenz von intergeschlechtlichen Menschen.

Wichtig: Transfeinde wollen nicht prinzipiell das alle trans Menschen in Konzentrationslager gesperrt oder hingerichtet werden. Aber sie stellen dennoch trans Menschen negativ dar oder wollen selbst darüber bestimmen, wer trans ist und wer nicht.

Viele Transfeinde verstecken diese Einstellung dahinter, dass sie Sorge um Menschen hätten, die sie gar nicht für trans halten – doch dazu gleich mehr.

Der Anfang der Transfeindlichkeit

Okay, sprechen wir darüber, wie die Sache angefangen hat. Damit meine ich nicht einmal ganz den Anfang – also nicht die Zeit, in der Rowling immer mal wieder transfeindliche Dinge auf Twitter geliket und transfeindlichen Accounts gefolgt ist. Zwar hat sich an dieser Stelle abgezeichnet, dass Rowling transfeindlich war, allerdings kann man über Likes und Follows lang diskutieren.

Nein, richtig angefangen hat es mit Maya Forstater. Als Hintergrundinformation: Maya Forstater ist eine Frau, die für eine Weile auf Kurzzeitverträgen für das Centre for Global Development gearbeitet hat. Irgendwann wurde ihr Vertrag dort nicht verlängert – unter anderem wegen ihrer transfeindlichen Ansichten und weil sie diese sowohl online, aber auch auf der Arbeit verbreitet hat, was soweit ging, dass sie Kolleg*innen misgendert hat und transfeindliche Broschüren verteilt hat.

Das ganze wurde, als Forstater eine Klage gegen ihren Arbeitgeber erhob, zu einem viel diskutierten Thema auf Twitter. Auch Rowling konnte nicht an sich halten, etwas dazu zu schreiben.

Für einige wirkt der Tweet vielleicht unschuldig – doch tatsächlich enthält er direkt mehrere Implikationen. Zum einen, dass eben das Geschlecht nicht änderbar ist und alles andere nur Verkleidung. Zum anderen, dass niemand freiwillig mit einer trans Person schlafen würde. Und natürlich wird Forstaters Verhalten darauf reduziert, dass sie nur behauptet hätte, dass das „biologische Geschlecht“ real wäre.

Nun könnte man natürlich zu Rowlings Verteidigung sagen: Okay, vielleicht war es nur blöd ausgedrückt. Und vielleicht wusste sie einfach nicht wirklich, was bei Forstater auf der Arbeit vorgefallen war – immerhin sind eine Menge wirre Informationen durch die Medien geschwirrt. Tatsächlich hat sich Rowling auch erst einmal nicht weiter dazu geäußert. Weder hat sie etwas richtig gestellt, noch hat sie vorerst die Situation verschlimmert. Vorerst …

Transfeindlichkeit im Pride Month und TERF Wars

Ja, es hätte so schön sein können, wäre es dabei geblieben. Dann aber kam der Juni 2020. Mitten während BLM-Protesten, Pandemie und außerdem dem Pride Month musste sich Rowling darüber auslassen, dass ein Artikel über Menstruation von „Menschen, die menstruieren“, statt „Frauen“ redeten. Hier sei noch einmal gesagt: Ja, es ist wichtig und richtig von „Menschen, die menstruieren“ zu sprechen, weil nicht nur Frauen menstruieren und nicht alle Frauen menstruieren.

Darauf machten sie prompt andere Menschen darauf aufmerksam, dass dies eben so ist und dass ihre Aussagen transfeindlich sind. Daraufhin postete sie diesen Rant:

Darin postuliert sie, dass es keine gleichgeschlechtliche Anziehung geben könnte, gäbe es kein „biologisches Geschlecht“. Außerdem auch, dass die Erfahrungen (im speziellen Unterdrückungserfahrungen) von Frauen ausgelöscht würden, wäre „biologisches Geschlecht“ nicht real. Sie sagt auch, sie würde auf die Straße gehen, würden trans Menschen unterdrückt, womit sie impliziert, dass sie das nicht würden. Zu diesen Aussagen gleich mehr.

Als wäre das nicht genug gewesen, postete sie einige Tage später auf ihrer Webseite einen über 3000 Wörter langen Essay mit dem ursprünglichen Titel „TERF Wars“. Darin beharrte sie, dass sie eigentlich nichts gegen trans Menschen habe, mit dem an dieser Stelle zu erwartenden ABER. Es folgten eine Reihe von transfeindlichen Aussagen:

  • Frauenhäuser seien nicht sicher, wenn trans Frauen dahin dürften
  • Die Existenz von trans Menschen würde medizinische Forschung unnötig schwer machen
  • Trans Menschen seien in irgendeiner Form eine Gefährdung für Kinder (dies führt sie nicht weiter aus)
  • Dass die meisten trans Männer sich nur als trans identifizieren würden, weil sie der Unterdrückung als Frau entkommen wollten, weswegen (laut Rowling) fast 90% von ihnen detransitionieren würden. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf Littman.
  • Dass trans Frauen an Orten wie Umkleiden oder Toiletten eine Gefährdung für Frauen seien

Der Einfachheit halber, gehe ich im nächsten Abschnitt darauf ein, was damit falsch ist. Manchen wir stattdessen kurz noch weiter, was sie sonst noch in 2020 postete.

Denn im Juli setzte sie noch einmal einen drauf. In einem mittlerweile gelöschten Tweet setzte sie Hormonbehandlungen bei Jugendlichen mit Antidepressiva gleich. Als sie daraufhin Gegenwind bekam, postete sie einen längeren Thread, indem sie drei weitere Behauptungen aufstellt:

  • Depressiven Jugendliche würden zu Hormonen und Operationen gedrängt, statt eine richtige Behandlung zu erhalten
  • Homosexuelle Jugendliche würden zur Transition in einer Art der „Conversion Therapy“ gedrängt.
  • Mädchen, die keine geschlechtskonformen Hobbys/Verhaltensweisen haben, würden fälschlicherweise als trans diagnostiziert.

Die transfeindlichen Aussagen – und die Realität

Das sind nun eine Menge transfeindlicher Aussagen. Dann lasst mich an dieser Stelle einmal durchgehen, warum die Aussagen transfeindlich sind – und warum sie falsch sind.

  • Aussage: Frauenhäuser und andere Orte, die Frauen vorbehalten sind, werden durch trans Menschen (speziell trans Frauen) unsicherer.
    Warum ist diese Aussage transfeindlich? Die Aussage impliziert, dass trans Menschen und im speziellen trans Frauen eine große Gefahr für cis Frauen darstellen würden.
    Was ist die Realität? Trans Frauen stellen keine größere Gefahr für cis Frauen dar, als es andere cis Frauen sind. Gleichzeitig stellen jedoch cis Männer eine große Gefahr für trans Frauen dar, da trans Frauen sehr, sehr häufig zum Opfer von Gewalt (auch sexueller Gewalt) werden. Im Schnitt sind trans Menschen vier Mal so häufig wie cis Menschen von Gewalt betroffen. Dies gilt übrigens auch für Gefängnisse: Während es sehr selten ist, dass eine trans Frau übergriffig gegenüber weiblichen Mitgefangenen wird, kommt es sehr häufig vor, dass trans Frauen in Männergefängnissen vergewaltigt und anders misshandelt werden. Auch gibt es in Ländern, die Selbstbestimmungsgesetze haben, keine Hinweise, dass dadurch die Anzahl an sexuellen Übergriffen angestiegen sind. (Was auch kein Wunder ist: Immerhin könnten Männer, wenn sie denn in Frauentoiletten übergriffig werden wollen, dies auch heute tun – schließlich kontrolliert in der Regel niemand, wer ins Frauenklo geht.)
  • Aussage: Trans Menschen erschweren medizinische Forschung.
    Warum ist die Aussage transfeindlich? Es wird dargestellt, als wäre die Gesundheit von trans Menschen der Gesundheit von cis Menschen im Weg stellen – und die Gesundheit von cis Menschen wird als wichtiger dargestellt. Auch geht es häufig mit der „aber eigentlich bist du [bei Geburt zugewiesenes Geschlecht]“ Aussage daher.
    Was ist die Realität? Grundlegend stimmt es: trans Menschen erschweren die medizinische Forschung. Es ist leider traurige Realität, dass die medizinische Forschung lange Zeit zu 100% an weißen, ablebodied, cis Männern orientiert war. Etwaige andere Wirkungsweisen abseits davon wurden nie erforscht. Da cis Frauen aber teilweise anders auf bestimmte Wirkstoffe reagieren und auch andere Symptome bei diversen Krankheiten haben, werden sie oft nicht richtig behandelt. Trans Menschen erschweren dies noch weiter, insbesondere wenn sie auf HRT sind. Der Grund: Ein Teil der Wirkungsweisen von Medikamenten ist hormonell bedingt, ein Teil aber auch durch andere körperliche Eigenschaften. Entsprechend müssen diese Einflüsse noch tiefergehend erforscht werden, um trans Menschen richtig zu behandeln. Entsprechend: Ja, trans Menschen erschweren die Forschung. Das gilt allerdings auch für intergeschlechtliche Menschen, die häufig ebenfalls bei der medizinischen Forschung komplett ignoriert werden.
  • Aussage: Trans Menschen sind eine Gefahr für Kinder.
    Warum ist diese Aussage transfeindlich? Es impliziert (vor allem ohne genauere Ausführung), dass trans Menschen Kinderschänder wären.
    Was ist die Realität? Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass trans Menschen in irgendeiner Form gefährlicher für Kinder seien, als cis Menschen.
  • Aussage: Viele trans Männer und AFAB nicht-binäre Menschen sind gar nicht trans, sondern wollen nur der sexistischen Unterdrückung entkommen und bekommen zu schnell Hormone, weshalb die meisten von ihnen detransitionieren. Sie werden über das Internet mit trans angesteckt.
    Warum ist diese Aussage transfeindlich? Diese Aussage behauptet, dass trans Männer und viele nicht-binäre Menschen gar nicht trans seien, spricht ihnen damit also ihre Erfahrungen ab. Sie impliziert außerdem, dass trans Menschen arme Mädchen davon überzeugen wollen würden, dass diese trans seien.
    Was ist die Realität? Fakt ist: Nur wenige trans Menschen detransitionieren. Je nach Land variiert diese Anzahl zwischen 0,5 und 8%, wobei bei den höheren Zahlen 2/3 später wieder transitionieren. Nur wenige Menschen, die detransitionieren, tun dies, weil die Entscheidung zur Transition falsch war. In den meisten Fällen detransitionieren Menschen aufgrund von Transfeindlichkeit oder Druck aus ihrem Umfeld. Es sei zusätzlich gesagt, dass Rowlings Darstellung, dass Teenager bereits Hormone und OPs bekommen, nicht stimmen. Teenager bekommen Pubertätsblocker, deren Effekte komplett umkehrbar sind, wenn sie abgesetzt werden. Pubertätsblocker wurden schon seit langem auch bei cis und inter Kindern eingesetzt – unter anderem, wenn die Pubertät früher eingesetzt hat. Zwar stimmt es, dass die Anzahl von trans Männern in den vergangenen Jahren gestiegen ist, jedoch wird davon ausgegangen, dass dies in erster Linie daran liegt, dass die entsprechenden Informationen jetzt weiter verfügbar sind. Wer nicht die Worte hat, sich als trans zu bezeichnen, bekommt häufig nicht die notwendige Hilfe. Rowling verweist an dieser Stelle auf die Forschung von Littman, die den Begriff „Rapid Onset Gender Dysphoria“ geprägt hat. Littmans Forschung wird schon lange von anderen Forschenden kritisiert, da Littman zum einen nur die Eltern von trans Kindern interviewt und zum anderen diese sich spezifisch aus Foren aussucht, in denen Eltern unterwegs sind, die davon überzeugt sind, dass ihre Kinder nicht trans sind. Spricht: Littman unterliegt einem „Selection Bias“.
  • Aussage: Depressive Jugendliche werden zur Transition gedrängt, statt richtige Hilfe zu erhalten.
    Warum ist diese Aussage transfeindlich? Auch diese Aussage impliziert, dass die meisten trans Menschen, speziell trans Jugendliche, gar nicht trans seien. Spezifisch impliziert die Aussage, dass Mediziner*innen, die entsprechende Diagnosen aussprechen, entweder unfähig oder sogar böswillig seien.
    Was ist die Realität? Tatsächlich ist das Problem eher umgekehrt. Es ist oftmals sehr schwer, die Diagnose „Transgeschlechtlichkeit“ zu bekommen. Viel eher werden dann andere Dinge, wie eben Depressionen, diagnostiziert, so dass gerade bei Jugendlichen Antidepressiva statt Pubertätsblocker verschrieben werden. Auch ist es eine Erfahrung, dass oftmals versucht wird, erst andere Krankheiten abzuchecken, wie bspw. Autismus, als ob sich Autismus und Transgeschlechtlichkeit ausschließen würden.
  • Aussage: Homosexuelle Jugendliche werden zur Transition gezwungen, um sie heterosexuell zu machen, als eine Art der Conversion Therapy.
    Warum ist diese Aussage transfeindlich? Erneut wird impliziert, dass viele trans Menschen gar nicht trans seien und dass andere Menschen (seien es trans Menschen oder Mediziner*innen) sie überreden würden, sich als trans zu identifizieren. Auch wird trans Menschen damit indirekt Homofeindlichkeit unterstellt.
    Was ist die Realität? Die Realität sieht sehr anders aus. Tatsächlich identifizieren sich nur 19% aller trans Frauen und 23% aller trans Männer als heterosexuell. Die anderen trans Menschen identifizieren ihre sexuelle Identität in irgendeiner Form als queer. Davon, dass die Transition trans Menschen hetero machen würde, kann also nicht die Rede sein.

Was hat Rowling seit 2020 gemacht?

Seit ihrem Ausbruch im Juni/Juli 2020 ist Rowling eine offene Transfeindin. Auch wenn sie am Anfang noch darauf beharrte, sie wäre ja für trans Menschen, so lange es a) „echte trans Menschen“ seien und b) sie keine Frauen gefährden würden (was natürlich beides kompletter Unsinn ist, weil die meisten trans Menschen tatsächlich trans sind und Frauen nicht gefährden), ist sie von dem Narrativ mittlerweile abgewichen.

Es ist in diesem Sinne wohl hinfällig wirklich jeden einzelnen Tweet herauszusuchen, den sie geschrieben hat, in dem Transfeindlichkeit vorkommt. Es wären zu viele und das meiste davon wiederholt letzten Endes die Punkte aus ihrem Essay oder ihren ersten Tweets. Zwei bestimmte möchte ich jedoch dennoch hervorheben.

Zum einen diesen Tweet vom Dezember 2021:

Kurzum: Sie stellt „Frauen mit Penis“ als genau so widersprüchlich da, wie andere Oxymorons, wie dass Krieg ist Frieden sei. Sprich, sie spricht trans Frauen ab, eine Frau zu sein – oder tut das zumindest für trans Frauen, die keine geschlechtsangleichende Operation hatten, auch vollkommen unabhängig, ob sie das noch planen. Und natürlich impliziert sie darin auch den Mythos, dass „echte“ Frauen keine Vergewaltigerinnen sein können – das tut sie auch in der Geschichte rund um Vergewaltigungen an „Frauenorten“.

Zum anderen diesen Tweet vom Weltfrauentag 2022:

Zum Kontext: Es geht um die Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes in Schottland, wo Rowling lebt. Diesbezüglich habe ich das Thema oben bereits aufgegriffen: Es haben bereits eine ganze Reihe Länder Selbstbestimmungsgesetze – negative Folgen für Frauenrechte haben sich daraus bisher nie ergeben. Das liegt auch daran, dass Selbstbestimmungsgesetze vollkommen falsch dargestellt werden. Während es die aufwendige (und teure) Diagnostik aus der Geschlechtsmeldung herausnimmt, heißt Selbstbestimmungsgesetz nicht, dass Menschen frei raus ihr Geschlecht ändern können. Viel eher werden nur die bürokratischen Hürden dafür gesenkt. In welchem Umfang, hängt vom Gesetz der einzelnen Länder ab.

Rowlings politische Allianzen

Nun ist ein häufiges Argument, das von den Harry Potter Fans aufgebracht wird: „Ja, aber was soll’s denn, wenn sie tweetet? Das macht doch keinen Unterschied.“ Nun, zum einen, doch, es macht einen Unterschied. J. K. Rowling ist eine Person des öffentlichen Lebens, die mit 14 Millionen Followern auf Twitter eine große Reichweite hat. Viele Leute, die ihr folgen, kennen nur ihre Narrativen über trans Menschen – aber nicht die von trans Menschen selbst. Vor allem aber: Wenn sie über trans Menschen schreibt, dann geben die Medien dies häufig ohne es zu widerlegen weiter. Also „J. K. Rowling hat XY geschrieben.“ Ohne Richtigstellung. Ohne irgendetwas.

Dies führt auch dazu, dass Politiker*innen, die transfeindliche Gesetze verabschieden, unter anderem Bezug auf Rowling nehmen, wenn sie diese Gesetze begründen. Beispiele dafür gab es unter anderem in Oklahoma, aber auch in den UK wird sie immer wieder referenziert.

In Fragestellungen, wie bspw. dem schottischen Selbstbestimmungsgesetz, supportet Rowling auch öffentlich die Gegenseite – in diesem Fall die Konservative Partei Schottlands. Auch für andere anti-trans Politiker*innen hat sie sich bereits ausgesprochen. Ob sie diese Politiker*innen finanziell unterstützt ist unbekannt – auch, weil sie als Privatperson in den UK ihre politischen Spenden nicht offenlegen muss. Deswegen wissen wir bereits seit 2003 nicht länger, wen sie politisch finanziell unterstützt. Bis 2003 war es die britische Labour Party, die zur Zeit nach Magret Thatcher eine sehr deutlich neoliberale Parteilinie zeigte (sprich: „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, es gibt gar keine strukturelle Benachteiligung von irgendwem“). Mit einigen Politiker*innen aus dieser neoliberalen Ideologie (allen voran Brown) pflegt sie sehr enge Freundschaften. Diese Unterstützung der Partei zog sie allerdings zurück, als Corbyn die Parteiführung übernahm und die Partei weg von der neoliberalen Linie lenkte. Ihre öffentliche Unterstützung spricht sie seither immer noch für einige neoliberale Politiker*innen der Labour Party aus, aber auch immer wieder für konservative Politiker*innen – umso mehr, wenn diese sich transfeindlich äußern.

Außerdem behauptet die transfeindliche Gruppierung LGB Alliance (die übrigens auch sehr deutlich bifeindlich ist), dass Rowling sie unterstützen würde und ihnen gespendet hätte. Rowling hat dieser Behauptung öffentlich weder zugestimmt, noch widersprochen.

Kurzum: Wir können nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob Rowling ihr Geld zur politischen Unterstützung von Transfeindlichkeit einsetzt, aber es gibt einige Hinweise darauf.

Rowling, allgemeine Queerfeindlichkeit & Citizen Go

Ich möchte allerdings auch nicht vorenthalten, dass Rowling sich vor allem in den letzten Wochen vermehrt auch offen queerfeindlich zeigt. Dies wird viele nicht überraschen, immerhin gab es in der Vergangenheit immer wieder Anzeichen darauf – wie unter anderem die Tatsache, dass sie sich beharrlich weigert, in ihren Geschichten queere Menschen darzustellen, und teilweise sehr herablassend auf Fans reagiert hat, die queere Beziehungen in ihre Bücher hineininterpretiert haben (wie bspw. zwischen Sirius und Lupin, sowie Dean und Seamus). Auch die Tatsache, dass das Pseudonym für ihre Kriminalromane „Robert Galbraith“ ausgesucht hat – den Namen von einem der Psychologen, die die Conversion Therapie erfunden haben.

In diesem Kontext fiel nun in den vergangenen Monaten auf, dass Rowling immer wieder Tweets von Mitgliedern der rechten Organisation „CitizenGo“ likte. Diese setzt sich für „traditionelle Familienrechte“ ein – was übersetzt bedeutet: Für frauenfeindliche und queerfeindliche Gesetze. Unter anderem möchte die Organisation Homosexualität und Abtreibung in verschiedenen Ländern wieder unter Strafe stellen lassen. Spezifisch fiel dies auf, als die (queerfeindliche und frauenfeindliche) Aktivistin Caroline Farrow Rowlings „Arbeit“ (also Transfeindlichkeit) lobte – und Rowling dieses Lob zurückgab.

Vielleicht ist es auch aus dem Grund, dass sie damit unbeabsichtigt die Katze aus dem Sack gelassen hat, dass sie gleich ein paar Tage später einen nachsetzte, und die South Wales Police für ihre Anstrengungen lächerlich machte, sich für queere Menschen einzusetzen.

Fazit

Ich hoffe, ich habe in meinem alten Beitrag zu genüge erklärt, warum Harry Potter als Franchise problematisch ist und eine Menge problematischer Inhalte unterstützt. Dies gilt übrigens umso mehr mit den neuen Einträgen, die problematischer werden, statt weniger problematisch. So ist ein zentraler Plotpunkt in den Fantastic Beasts, dass sie versuchen, Grindelwald daran zu hindern, den 2. Weltkrieg und Holocaust zu verhindern. Derweil geht es im neuen Spiel offenbar darum den Aufstand der antisemitisch gezeichneten Goblins zu verhindern, die nebenbei Kinder entführen. Anders gesagt: Beide aktuellen Franchiseeinträge haben antisemitische Themen.

Auch bei Rowling könnte man noch über mehr Dinge reden – denn es scheint immer wieder bei ihr durch, dass sie auch nicht die höchste Meinung gegenüber nicht-weißen, nicht-christliche und slawische Menschen hat. Aber das wäre auch noch einmal ein langes Thema und definitiv für einen anderen Tag.

Vor allem aber ist Rowling definitiv und unbestreitbar transfeindlich. Ihre „Begründungen“, dass es ihr darum ginge, LGB Menschen und Frauen zu schützen, wirken nebenbei sehr unehrlich, wenn man bedenkt, dass sie dabei vermehrten Kontakt zu einem Verein sucht, der queerfeindlich und frauenfeindlich ist.

Insofern: Es gibt eine Menge Gründe, das neue Harry Potter Spiel nicht zu kaufen – und den Fantastic Beasts Film nicht zu schauen. Es gibt eine Menge guter Bücher, Spiele und Filme da draußen. Es gibt wirklich keinen Grund seine gesamte Persönlichkeit rund um eine so problematische Buchreihe von einer so problematischen Frau aufzubauen.


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