Das Gewaltproblem

Es brennt mir gerade unter den Fingernägeln, deswegen: Leute, wir müssen über Gewalt reden. Das heißt Gewalt in der Realität und Gewalt in der Fiktion, ihr Verhältnis zueinander und wie wir bspw. Gewalt im geschichtlichen Kontext bewerten.

Fiktion – wo Gewalt Spaß macht

In den John Wick Filmen, bricht ein junger Mafioso beim „im Ruhestand“ stehenden Auftragskiller John Wick ein, klaut dessen Wagen und tötet seinen Hund. Dies bringt John Wick dazu, sich auf die Suche nach dem Jungen zu machen und sich dabei durch die halbe New Yorker Unterwelt zu morden. Das wiederum führt zu mehr Problemen, mehr Morden und einer Menge super stilistischer Action-Szenen. Ich liebe die Filme. Sie machen Spaß und sind gut inszeniert. (Na ja, zumindest Teil 1 und 2, Teil 3 war weniger meins.)

Recht am Anfang von diesem Blog habe ich über das Thema „Gewalt in der Phantastik“ geschrieben und darüber, wie in der Fiktion Gewalt sehr normalisiert wird. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass Gewalt nun einmal ein recht einfaches und leicht verständliches Mittel ist, um „Stakes“ zu entwickeln. Also mögliche Gefahren, für wenn die Protagonist*innen scheitern. Auf der anderen Seite ist es nun einmal so: Gewalt macht irgendwie Spaß, wenn sie fiktional ist. Seien es gut inszenierte Zweikämpfe, große Explosionen, Schießereien oder Schlachten.

Wenn es um Gewalt in einem fiktionalen Kontext geht, wird diese selten bzgl. ihrer Notwendigkeit oder Angemessenheit hinterfragt. Ja, es gibt einige Filme, wo dies passiert ist – meistens jene, die diese Gewalt zu detailliert zeigen – aber allgemein kommt es eher selten vor. Schließlich sind die Held*innen sympathisch und die Bösewicht*innen, inklusive der einfachen Goons, halt gewissenlose Monster. Es ist nur Fiktion.

Realität – wo es nicht ganz so einfach ist

Anders sieht es damit aus, wenn wir über reale Gewalt sprechen. Ja, auch hier gibt es Szenarien, wo die meisten Leute, vollkommen unabhängig vom Gesetz, zum Ergebnis kommen werden, dass sie moralisch bestimmte Gewalt vertretbar finden – in einigen Fällen wird sie sogar gefordert. Ein Opfer, das sich gegen eine*n Vergewaltiger*in zur Wehr setzt? Finden die meisten okay. Ein Opfer, das später auf Rache aus ist? Können viele auch verstehen. Bei Kinderschänder*innen wird Gewalt nicht selten offen gefordert. Und in den linken Kreisen, in denen ich mich meistens bewege, wird „Nazis hauen“ als legitime Reaktion gewertet.

Anders wird es jedoch, wenn wir uns mit anderer Gewalt beschäftigen – spezifisch, wenn diese organisiert passiert. In den meisten historischen Szenarien, in denen es zu Revolutionen kam, sehen wir die Revolutionen, selbst wenn wir ihre Grundlage verstehen können, als schlecht an. Auf der Basis der Gewalt, die in ihrem Rahmen passierte. Die französische Revolution ist ein klassisches Beispiel. Die meisten Leute verstehen die Gründe für diese – ja, die eigentliche Revolution wird gefeiert. Menschen, die sich gegen Unterdrückung wehren? Ja, absolut. Das Verständnis hört meistens jedoch in dem Moment auf, wo die Guillotine rausgeholt wurde.

Und sicher, die französische Revolution ist später dahingehend eskaliert und war deutlich zu schnell damit, wer den Kopf verlor. Aber für die meisten hört es schon beim Konzept der Guillotine auf – und der öffentlichen Hinrichtungen. Dies ist deutlich Gewalt und laut vielen unnötige Gewalt.

Ähnlich sieht es mit diversen anderen Revolutionen aus. Verständnis für das Grundproblem ist da, ja, da wurden Leute unterdrückt, ja, das war nicht richtig, aber warum denn Gewalt? Wäre das nicht auch ohne gegangen? Und genau das ist eine Grundlage für diverse Betrachtung auch heutiger Konflikte: Sicher, die Problematik wird verstanden – aber Gewalt?!

Was ist Gewalt?

Wer meinen Vortrag zum Thema Gewalt auf einem der LitCamps gehört hat, weiß, dass ich mich dort mit der Frage, was alles Gewalt darstellt, beschäftige. Also lasst es uns hier auch noch einmal tun. Wir können uns problemlos alle darauf einigen, dass Schläge gegen andere Personen/Lebewesen Gewalt sind, dass alles, was Waffen beinhaltet und sich gegen andere Personen richtet, Gewalt ist, das prinzipiell jede Art von physischer, absichtlicher Verletzung Gewalt darstellt. Physische Gewalt ist dahingehend einfach.

Komplizierter wird es, wenn wir in Richtung psychische Gewalt gehen. Denn sobald wir anfangen über bspw. Mobbing zu sprechen, bei dem es keine physischen Handlungen gibt, zweifeln schon die ersten an, dass das wirklich Gewalt ist. Dadurch wird das Mobbingopfer, dass sich gegen Hänseleien und dergleichen physisch wert, meistens im Unrecht gesehen. Auch psychischer Missbrauch wird häufig nicht als solcher erkannt und bewertet, etwaige Reaktionen irgendeiner Art erneut als „übertrieben“ bewertet.

Und dann haben wir da noch kulturelle Dinge, die für viele schnell abstrakt werden. Menschen ihre eigene Kultur zu verbieten (wie im Rahmen des Kolonialismus zuhauf geschehen) ist auch Gewalt, gilt rechtlich sogar als eine Form von Genozid, doch damit tun sich viele schwer. Sicher, geschieht dieses Verbot durch Androhung von physischer Gewalt, ist das Verständnis da, doch ohne? Auch andere Machtausübungen durch Kolonialismus, die eben nicht direkt auf physischer Gewalt aufbauen, werden nicht direkt als solche gesehen. Zwangsumsiedlungen zum Beispiel. Oder, nun, auch das permanente Unterteilen von Menschen in „Klassen“.

Nichthandlung als Gewalt?

Doch gehen wir noch einen Schritt weiter – und nähren und damit den Revolutionen. Fangen wir erst einmal der bekannten und irgendwo auch albernen Frage an: Das „Trolley Problem“. Da sind 2 Gleise. Ein Zug außer Kontrolle. Aktuell rollt er auf ein Gleis zu, auf dem 10 Personen stehen, die vom Zug wahrscheinlich erwischt würden. Auf dem zweiten Gleis ist nur 1 Person. Du hättest die Möglichkeit die Weichen so zu stellen, dass der Zug auf das zweite Gleis rollt und die 1 Person erwischt. Die übliche Frage an dieser Stelle wäre: „Würdest du es tun?“ Aber das ist nicht die Frage, die ich stellen würde. Meine Frage wäre: Welche der Handlungen stellt Gewalt da? Das Handeln? Das Nicht-Handeln? Beides? Gar nichts?

Okay, gehen wir von diesem Problem weg. Machen wir kein „Entweder/Oder“. Sagen wir es so: Auf Gleis 1 ist 1 Person. Auf Gleis 2 ist keine Person. Wäre es in diesem Moment zu verantworten die Gleise nicht zu verstellen? Wäre es nicht auch eine Form von Gewalt, dies nicht zu tun – das billigende in Kauf nehmen, dass die 1 Person stirbt?

Und was ist, wenn auf Gleis 1 dann 10 Personen liegen, auf Gleis 2 nur ein Haufen Geldbeutel, die einer einzigen Person gehören, die auch ohne genug Geld hat … Wäre es dann Gewalt, das Gleis zu verstellen, so dass die Bahn nur das Geld vernichtet?

Stell dir vor Person A hat 10 Brote. Die kann sie nie im Leben alle essen, bevor sie hart werden oder schimmeln. Person B hat kein Brot, keine Möglichkeit eins zu bekommen und ist am verhungern. Ist es nun Gewalt, wenn A alle Brote behält? Wie ist es, wenn B A mit physischer Gewalt oder Androhung dieser A 5 Brote abnimmt?

Kapitalismus als Gewalt

Und das bringt mich zum eigentlichen Grund, warum ich diesen Artikel schreibe: Kapitalismus ist eine Form von Gewalt, insofern, dass er intrinsisch auf Gewalt aufbaut. Hierfür sollten wir uns eine Sache vor Gesicht führen: Fast alle Länder dieser Welt sind aktuell kapitalistisch – allein dadurch, dass dieser von Europa und vor allem den USA oft gewaltsam durchgesetzt wird.

Doch allein das inhärente System ist gewaltsam. Ein System, in dem manche Leute hungern oder frieren müssen, weil es dem System inhärent ist, dass einige Menschen viel zu viel Geld haben, während andere sich Lebensgrundlagen nicht leisten können, ist gewaltsam. Ein System, das, wird es in seiner Reinform ausgeführt wird, dafür sorgt, dass Menschen keine medizinische Versorgung bekommen, ist inhärent gewaltsam. Ein System, das billigend den Tod und die dauerhafte Behinderung von tausenden von Menschen an einer schlimmen Krankheit hinnimmt, um den Profit zu schützen, ist gewaltsam. Ein System, das systematisch die Umwelt und damit den Lebensraum von Menschen und Tieren zerstört, ist gewaltsam.

Darüber hinaus kommt eben dazu, dass aktiv Gewalt im Namen des Kapitalismus eingesetzt wird. Sei es eben in Fällen, wie mit dem Vietnam- und Koreakrieg, sei es in den vielen Fällen, wo die USA demokratisch gewählte Regierungen in anderen Ländern untergraben hat. Sei es aber auch in den vielen Fällen von Sklaverei, die im Namen des Kapitalismus in vielen Ländern des globalen Südens (und teilweise auch in Osteuropa und Asien) beibehalten werden.

Davon ganz zu schweigen, baut Kapitalismus zentral auf Unterdrückung innerhalb der Gesellschaft auf. Kapitalismus hat immer darauf aufgebaut, dass Frauen im Haushalt und der Kindererziehung unbezahlte Arbeit vollrichten. Kapitalismus baut auch zentral auf Rassismus auf, denn er braucht eine weniger gewürdigte Unterklasse, um unterbezahlte Arbeit zu vollrichten. Auch das ist Gewalt.

Gerne wird dabei so getan, als wäre dies nur ein Problem von „irgendwo anders“ und nicht ein Problem des Kapitalismus selbst. Aber das ist schlicht und ergreifend nicht wahr. Kapitalismus funktioniert nur auf der Basis von Gewalt. Kapitalismus kann ohne Unterdrückung, ohne Hunger, ohne Sklaverei nicht funktionieren. Diese Gewalt ist inhärent kapitalistisch.

Gegenwehr

Und damit kommen wir wieder zu der Frage zurück: Was ist Gewalt? Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass es Gewalt ist, Menschen hungern zu lassen und Menschen zu versklaven. Ist es in diesem Zusammenhang Gewalt, wenn ein hungernder Mensch mit der Hilfe einer Waffe sich Geld oder sogar nur Lebensmittel stiehlt? Ist es Gewalt, wenn jemand, der versklavt wird, eine Waffe in die Hand bekommt und die Wachen erschießt, um sich und die anderen Sklav*innen zu befreien?

Ist es Gewalt, wenn Menschen, deren Grundwasser von einer Fabrik vergiftet wird, die nicht vom Staat reguliert wird, diese Fabrik anstecken? Ist es Gewalt, wenn Menschen in einer Diktatur, sich gegen die Diktatur wehren und die mit Waffen stürzen? Ist es Gewalt, wenn sich die Menschen in der Ukraine gegen die russische Armee zur Wehr setzen?

Oder um die Diskussion einmal nach Deutschland zu ziehen: Ist es Gewalt, wenn ein Mensch, dessen Haus wegen dem Kohlebergbau abgerissen werden soll, dieses Haus physisch verteidigt? Was ist mit Menschen, die einen Wald verteidigen? Und was wäre, wenn die Fridays for Futures Jugend, die nun seit Jahren erfolgreich von der Politik ignoriert wird, anfängt Anschläge auf Kohlekraftwerke und Autofabriken zu verüben?

Der Mythos der erfolglosen Gewalt

Gerne wird in diesem Zusammenhang davon erzählt, dass „Gewalt keine Lösung“ sei. Dann wird auf so viele friedliche Proteste verwiesen, die ja viel erfolgreicher waren, als andere gewaltsame Proteste. Es wird verwiesen auf Nelson Mandela, auf Martin Luther King, auf Mahatma Ghandi und auf das Scheitern der französischen Revolution – und genau da kommt der Mythos, wenn nicht die bewusste Lüge ins Spiel.

Denn hier ist die Sache: Die Apartheid wäre nicht beendet worden, hätte es nicht zum einen Druck aus dem globalen Norden gegeben, aber zum anderen auch aktive Gegenwehr – auch mit Waffen – gegen das System. Martin Luther King war zwar nicht Teil, aber enger Verbündeter der auch gewaltbereiten Black Panther Party. Und auch im kolonialen Indien gab es einige blutige, gewaltsame Proteste. Was Frankreich angeht: War die Revolution nicht erfolgreich? Wurde nicht am Ende ein Großteil der Ideale der Revolution durchgesetzt?

Es ist kein Zufall, dass am Ende einer revolutionären Bewegung die friedliche Parallelbewegung in den Vordergrund gerückt wird – denn es ist nicht im Sinne des Systems, darüber zu sprechen, wie es gebrochen wurde. Die Wahrheit ist: Meist werden friedliche Bewegungen ignoriert, bis eine gewaltsame Bewegung auftritt. In dem Fall wird die friedliche Bewegung als das kleinere Übel akzeptiert, aber erst dann.

Ich habe hier in meinem Blog schon viel über Kolonialismus gesprochen und hier ist die Sache: Der Kolonialismus in seiner Reinform wäre ohne gewaltsamer Gegenwehr nicht beendet worden. Gern wird gesagt: „Der Kolonialismus wurde beendet, weil nach dem Weltkrieg die westlichen Mächte keinen Geld mehr hatten, ihn aufrecht zu erhalten.“ Was die Wahrheit ist – nur nicht die ganze. Denn wer genauer drüber nachdenkt, wird schnell auf eine Tatsache kommen: Der Kolonialismus existierte, um Profit aus den Kolonien zu extrahieren. Wie war es also „zu teuer“, sie aufrecht zu erhalten? Die Antwort ist recht einfach: Es gab gewaltsame Gegenwehr in den Kolonien und diese zu unterdrücken war teuer. Deswegen wurden die Kolonien aufgegeben. Nur wird dies verunsichtbart – zum einen, um das Narrativ der erfolglosen Gegengewalt aufrecht zu erhalten, zum anderen, um in der Geschichte des Kolonialismus weiterhin die weiße Perspektive zu zentrieren.

Links und Gewalt

In diesem Zusammenhang ist es oftmals so, dass gerade das linke politische Spektrum Gewalt aller Art verurteilt. Hier sagt man schnell „Nazis boxen“, was einige vielleicht sogar so meinen, ist aber oftmals doch angewidert, wenn Menschen tatsächlich Gewalt einsetzen, um sich gegen Unterdrückung zu wehren. Davon wird sich rasch distanziert. Dann heißt es auf einmal: „Gewalt ist niemals gut“, ohne zu hinterfragen, ob es aus der Situation einen Weg ohne Gewalt gab.

Das sah man 2020 sehr gut, als es nun einmal wirklich passiert ist und einige der BLM Proteste gewaltsam eskaliert sind. Rasch wurde sich von allen Seiten davon distanziert – und ebenso rasch davon gesprochen, dass das ja eigentlich keine der Protestant*innen waren, vollkommen unabhängig davon, ob das stimmt. Die Frage, ob diese Gewalt, die häufig als Form der Gegenwehr gegen gewaltbereite Polizist*innen auftritt, berechtigt war, wird dabei gar nicht gestellt.

Und so häufig wird auch vom „Nazis boxen“ sprechen, so ungerne sprechen wir doch über die Fälle, wo tatsächlich kleine organisierte Antifa-Grüppchen losgezogen sind, um sich eines polizeilich ignorierten Neonaziproblems anzunehmen. Statt über die etwaige Notwendigkeit von Gewalt zu sprechen, wird sich lieber von solchen in der Theorie begrüßten Vorfällen distanziert.

Die Gewalt in der Fiktion

Kommen wir damit noch einmal zu dem Thema zurück, das ich am Anfang angesprochen habe: Gewalt in der Fiktion. Die akzeptieren wir allgemeinhin. So sehr wir auch Gewalt verurteilen, so sehr begrüßen wir sie in Fiktion. Dieselben Leute, die reale Gewalt verurteilen, verteidigen sie häufig, sobald sie funktional ist – und werden sehr kritisch, wenn man hinterfragt, ob man fiktionale Geschichten nicht auch ohne Gewalt erzählen könnte.

An dieser Stelle müssen wir allerdings schauen, wofür Gewalt in den Medien eigentlich eingesetzt wird. Denn wenn wir uns viele Blockbuster anschauen, sehen wir häufig immer wieder dasselbe Muster: Antagonist*innen setzen Gewalt ein, um etwas am Status Quo zu verändern, Protagonist*innen dagegen, um den Status Quo zu verteidigen. Klingt erst einmal sinnvoll, bis man anfängt, den Status Quo zu hinterfragen. Hierzu zwei Beispiele.

Zum einen eins, bei dem wir uns vielleicht mittlerweile einigen können, dass es schlecht ist: Harry Potter. Denn natürlich: Aus der Sicht der Mehrheit ist die Veränderung, die Voldemort durchdrücken will definitiv schlecht (von wegen Unterdrückung von Muggeln und dergleichen). Dennoch muss man auch hier sagen, dass es recht deutlich wird, dass Voldemort der einzige ist, der eben den unterdrückten Minderheiten der Zauberwelt (also den magischen Wesen) einen Ausweg aus der Unterdrückung bietet. Und sicher, an dieser Stelle ist klar: Voldemort muss gestoppt werden. Das Problem ist nur: Voldemort wird gestoppt, um den Status Quo zu erhalten. Einen Status Quo, in dem eine Vielzahl intelligenter magischer Geschöpfe, wie Hauselfen und Kobolde unterdrückt werden. Dennoch endet das Buch auf „Alles war gut“ – nur für wen ist die Frage?

Ein extremeres Beispiel sehen wir dann im MCU, spezifisch in Falcon and the Winter Soldier. Denn hier sollte kein Zweifel daran bestehen, dass die Antagonist*innen einen sehr validen Grund für ihre Revolution haben: Sie sind heimatlose Flüchtlinge und kriegen nicht die Versorgung, die sie brauchen, weswegen sogar einige von ihnen sterben. Sie haben eine Möglichkeit gefunden, sich dagegen zur Wehr zu setzen und tun es. Dies, wohlgemerkt, spielt in einer Welt, in der Gewalt als die einzige valide Lösung für Probleme dargestellt wird. Aber die Gewalt, die sie einsetzen, ist in Ordnung, weil die eigentlichen Antagonisten (die kapitalistische Institution, die die Versorgung der Flüchtlinge übernommen hat) im System arbeiten? Ist das wirklich das richtige? Und das ist allgemein ein Problem im MCU: Der Status Quo ist heilig, selbst dann wenn Antagonist*innen valide Kritik an diesem äußern.

Was bleibt …

Was möchte ich nun hiermit sagen? Möchte ich, dass ihr alle Waffen aufnehmt und die Kohlekraftwerke in Brand steckt? Nein. Alles, was ich möchte, ist, dass ihr anerkennt, dass unser jetziges System inhärent Gewalt an vielen, sehr vielen Menschen verübt und komplett auf dem Leid dieser Menschen aufgebaut ist. Auch möchte ich, dass ihr euch in Fällen, wo eine unterdrückte Gruppe sich zur Wehr setzt, einmal hinsetzt und reflektiert, bevor ihr euch von dieser Gewalt distanziert.

Ich möchte auch, dass ihr einseht, dass Gewalt, die weder direkt physisch ist, noch Waffen benutzt, ebenso Gewalt ist. Sprich: Mobbing ist Gewalt. Psychische Misshandlung ist Gewalt. Sämtliche Formen von *ismus sind Gewalt. In diesem Zusammenhang muss auch verstanden werden, dass jemand, der sich dagegen durch physische Gewalt verteidigt, Selbstverteidigung nutzt – selbst wenn es vor dem Recht nicht so anerkannt wird.

Letzten Endes möchte ich außerdem sagen: Es ist kein Zufall, dass in meiner Solarpunk-Welt dem utopischen Zukunft ein großer Krieg vorhergegangen ist. Denn wirklichen, nachhaltigen Umweltschutz wird es nicht unter Kapitalismus geben – und der Kapitalismus wird nicht ohne eine gewaltsame Revolution enden. Daran glaube ich einfach nicht.

Zu guter Letzt möchte ich euch dieses Video von Philosophy Tube empfehlen, in dem Abigail über das Thema Gewalt und Proteste spricht.


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