Jetzt wird’s spannend: Wie man Actionszenen schreibt.

Hier ist er nun, ein anderer lang gewünschter Artikel für diesen Blog. Wie schreibt man eigentlich Actionszenen? Gerade in der Phantastik gehören sie irgendwie dazu. Doch während viele vom Gefühl her sagen können, ob eine Actionszene gut oder schlecht ist, ist beim Schreiben die Actionszene häufig verhasst.

Die geliebte, gehasste Actionszenen

Actionszenen sind so eine Sache – vor allem in der Phantastik. Egal ob in der Fantasy oder bei Science Fiction: Irgendwie gehören Actionszenen dazu. Irgendwie wird meistens erwartet, dass man zumindest ein, zwei Actionszenen in der Geschichte findet. Dennoch sind sie auch bei vielen Autor*innen verhasst. Schaut man in entsprechende Foren findet man immer und immer wieder die Threads: „Ich hasse Actionszenen“ und „Ich kann das nicht“ und „Wie funktioniert das überhaupt?“

Dahingehend bin ich immer ein wenig die Ausnahme. Denn ich schreibe gerne Actionszenen – vor allem Kampfszenen. Liegt einfach für mich daran, dass ich ursprünglich Anime-Fanfiction geschrieben habe, die in jedem Kapitel Kampfszenen hatten. Darüber übt man das und wenn man es einmal geübt hat, dann lernt man es. Und dann macht es in der Regel auch Spaß.

Fakt ist: Action – egal ob nun in Form einer Kampfszene oder anderer Action – ist eine gute Möglichkeit Spannung in eine Geschichte zu bringen. Fakt ist aber auch: Wenn die Actionszene nicht funktioniert, dann scheitert genau diese Spannung. Also: Was macht eine gute Actionszene?

Arten von Actionszenen

Fangen wir mit einer grundlegenden Frage an: Was ist eine Actionszene? Nun, die erste Antwort, die vielen kommen wir, ist: Kampf. Kampfszenen gehören definitiv zu den Actionszenen und sind wahrscheinlich die in Romanen am häufigsten verwendete Art von Action. Allerdings gibt es auch noch andere Arten von Szenen, die grundlegend der Action zugeordnet werden können.

Allgemein kann man folgende Arten von Szenen/Sequenzen dem Label Action zuordnen:

  • Kampf (Nahkampf, Schießerei, Schlachten)
  • Rettungsaktionen
  • Verfolgungsjagd
  • Wettrennen
  • Sportlicher Wettkampf
  • Raub/Diebstahl (Heist)

Während mich in diesem Beitrag tatsächlich in erster Linie auf die Kampfszenen konzentrieren werde – da ich mit diesen die meiste Erfahrung habe: Die grundlegenden Eigenschaften sind bei allen Actionszenen gleich, wenngleich die Spannung natürlich höher ist, je höher die Einsätze sind.

Charaktere – die wichtige Grundlage

Es schleicht in der Autorenszene immer wieder ein Tipp herum: „Fang mit einer Actionszene an, um die Lesenden zu fangen“. Ich sage es, wie es ist: Ich bin kein großer Fan davon – selbst wenn ich es zwei Mal gemacht habe. Der Grund dafür ist, dass die Spannung einer Actionszene in erster Linie daraus entsteht, dass man die Charaktere, ihre Motivation und ihre Einsätze versteht. Das bedeutet eben auch, dass die einzigen Actionsequenzen, die zum Einstieg wirklich funktionieren, Szenen sind, in denen Charaktere einfach um ihr Leben kämpfen und reagieren. Denn für alles andere fehlt den Lesenden am Anfang das Verständnis.

Generell lässt sich feststellen, dass Actionsequenzen besser funktionieren, wenn man die Charaktere bereits kennt und mag. Denn in erster Linie entsteht die Spannung daraus, dass man versteht, worum es geht, und möchte, dass der vom Charakter gewünschter Ausgang erreicht wird. Dies gilt natürlich umso mehr bei Actionsequenzen, die nicht mit einer direkten Bedrohung für den Charakter ausgehen.

Und natürlich ist es möglich, Charaktere über Actionszenen vorzustellen – denn natürlich sagt auch das Handeln, Reagieren und Denken in einer solchen Szene viel über einen Charakter. Doch es ist allgemein spannender, wenn man die Figuren bereits vorher kennt.

Gefahren und Einsätze

Kommen wir zu dem Wort, das ich jetzt schon mehrfach erwähnt habe: Einsätze, im Englischen „Stakes“. Gemeint ist damit vereinfacht gesagt: Was steht auf dem Spiel? Denn genau das ist, was die Spannung in der Szene ausmacht.

In vielen Kampfszenen sind die Einsätze sehr einfach: Wer verliert, stirbt potentiell – oder zumindest die Protagonist*innen laufen Gefahr zu sterben, sollte es eine Geschichte sein, in der sie sich weigern, selbst zu töten. Und gerade in der Fantasy sind die Einsätze noch einmal größer: Wenn die Protagonist*innen verlieren, dann macht ein großer Bösewicht irgendetwas sehr Böses – im schlimmsten Fall zerstört er die Welt. Der Vorteil von diesen Einsätzen: Sie sind sehr leicht zu verstehen.

Allerdings gibt es auch Actionsequenzen, in denen die Einsätze weitaus komplexer sind, weil eben auch die Ausgänge der Sequenzen unterschiedliche Folgen haben könnten.

Wie schon gesagt: Auch Sportevents können Actionsequenzen sein – und hier ist die Spannung in der Regel nicht „Werden die Figuren sterben.“ Aber selbst in Kämpfen, kann es sein, dass die Figuren eher für Ansehen, für andere Menschen, für bestimmte Politik und ganz andere Dinge kämpfen.

Die emotionale Ebene

Aus den Einsätzen ergibt sich auch etwas, das leider häufig komplett übergangen wird: Die emotionale Ebene. Für viele Figuren ist in so einer Actionsequenz viel Emotion involviert. Angst, Wut, Sorge, Hoffnung sind alles Emotionen, die in so einer Sequenz gespürt werden können und die Handlung antreiben können.

Natürlich ist das etwas, das mehr oder weniger eine Rolle spielt, je nachdem die entsprechenden Figuren vorbereitet und ausgebildet sind. Schauen wir beispielsweise bei mir in Mosaik hinein, haben wir eine Hauptfigur, die über Jahre gelernt hat, ihre Emotionen unter Kontrolle zu halten, während sie in Lebensgefahr ist – was einen guten Kontrast ergibt, wenn sie einmal emotional macht.

Emotionen machen Actionszenen häufig interessanter – vor allem im geschriebenen Wort, weil sie eine weitere Ebene in die Szenen bringen und mehr Möglichkeiten schaffen, sich mit den Charakteren zu identifizieren.

Die physische Ebene

Allerdings dürfen wir natürlich auch die andere Ebene nicht vergessen: Die physische Ebene. Das, was tatsächlich passiert. Denn natürlich sind die meisten Actionszenen sehr, sehr physisch. Was bedeutet, dass letzten Endes Actionszenen vor allem dann besonders gut funktionieren, wenn sie sehr kinematisch sind.

Das bedeutet vor allem auch: Beschreiben. Nur gibt es hierbei eine Herausforderung: Beschreiben ohne zu viel zu beschreiben. Denn das ist bei Actionszenen das Gleichgewichtsspiel. Wird zu wenig beschrieben können die Lesenden sich nicht vorstellen, was passiert und die Szene funktioniert nicht. Wird jedoch zu viel beschrieben, wird das Pacing der Szene selbst zerstört und die Spannung wird gebrochen.

Wichtig ist jedoch, dass die Lesenden sich ein paar Dinge jederzeit gut vorstellen können: Wie sieht die Umgebung aus? Wo befinden sich die teilnehmenden Figuren (und ggf. Fahrzeuge o.ä.) im Verhältnis zueinander? In welchem Zustand sind die teilnehmenden Figuren? Ggf. wie sind die teilnehmenden Figuren gerüstet und bewaffnet?

Aufbau einer Kampfszene

Okay, wenn wir schon über das Pacing sprechen, lasst uns auch darüber sprechen, wie eine Kampfszene aufgebaut ist. Wichtig hierbei ist: Nein, nicht jede Kampfszene muss haargenau so aufgebaut sein – immerhin ist nicht jede Kampfszene direkt das große Finale eines Akts. Doch gerade wenn es ein großer Finalkampf ist und allgemein der Kampf einen wichtige Rolle in der Geschichte spielt, sind diese Stichpunkte oft sinnvoll.

  1. Vorspiel: Die Einleitung/Szene, die zu dem Kampf spielt.
  2. Auslöser: Etwas geschieht, das den Kampf unausweichlich macht. Ggf. versuchen die Figuren sogar einen Umweg zu finden – in welchem Fall ein zweiter Auslöser folgt.
  3. Der erste Angriff: Der erste Angriff wird ausgetauscht. Egal ob es der erste Schlag oder der erste Schuss ist.
  4. Die Komplikation: Aus irgendeinem Grund sieht der Kampf nicht gut für di*en Protagonist*in aus.
  5. Die Krise: Di*er Protagonist*in kommt ins Schwitzen und wird in die Ecke gedrängt.
  6. Die Wende: Irgendwie schafft es di*er Protagonist*in das Blatt zu wenden – sei es durch einen klugen Einfall oder eine gute Unterstützung.
  7. Die Auflösung: Der Kampf wird beendet.

Natürlich kann es absolut auch sein, dass das ganze andersherum laufen kann: Vielleicht sieht es am Anfang gut für die Held*innen aus und am Ende gewinnt di*er Antagonist*in. Das kommt natürlich komplett darauf an, was eure Geschichte braucht.

Recherche nicht vergessen

Eine Sache sollte an dieser Stelle betont werden: Wie fast alles im Schreiben, brauchen auch Actionszenen Recherche – sonst könnt ihr die Szenen sehr schnell für Lesende zerstören, die sich in einem Thema auskennen.

Recherche braucht vor allem das zentrale Thema der Actionszene: Ist die Szene eine Sportszene, müsst ihr euch gut zu dem Sport recherchieren. Ist es eine Heistszene, dann müsst ihr euch mit Sicherheitsvorkehrungen und -maßnahmen auseinandersetzen und wie man diese umgehen kann. Ist es eine Verfolgungsjagd mit Autos, wäre es sinnvoll, wenn ihr euch mit Autos halbwegs auskennt und etwaige Tricks kennt, die die Fahrer*innen einsetzen können. Und bei Kampfszenen gibt es eine ganze Menge, die man recherchieren sollte: Waffen und wie sie funktionieren. Rüstungen und wie sie funktionieren. Übliche Taktiken beim Einsatz der etwaigen Sachen. Physik. Grundlagen der Medizin und was etwaige Wunden für die betroffene Person bedeuten würden.

Dazu sei gesagt: Ja, gerade wenn der Schreibstil sehr cinematisch ist, kommt man mit vielen Sachen über „The Rule of Cool“ durch. Dennoch ist es immer von Vorteil sich mit den Sachen auszukennen, weil es die Szenen glaubwürdiger und damit einflussreicher macht.

Fazit

Fassen wir also zusammen: Auch wenn die meisten Leuten bei „Actionszenen“ in erster Linie an Kampfszenen denken, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Arten von Actionszenen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr physisch sind und meistens auch hohe Einsätze haben.

Damit eine Actionszene Spannung aufbauen kann, ist es wichtig, dass Leser*innen drei Dinge verstehen: Die Charaktere, ihre Motivation und die Einsätze. Kurz: Wer sind die Figuren? Warum nehmen sie an der Actionszene teil? Und was ist das beste und das schlimmste was als Ausgang der Szene passieren kann? Deswegen funktionieren Actionszenen in der Regel auch besser, wenn sie in einer Geschichte mit etablierten Figuren auftauchen. Als Einstiegsszenen eignen sich beinahe ausschließlich Szenen mit sehr simplen, leicht zu verstehenden Motivationen wie „Überleben“.

Es darf nicht vergessen, dass auch wenn Actionszenen sehr physisch sind, sie in der Regel auch emotionale Auswirkungen auf die Figuren haben. Diese sollten nicht übergangen werden. Dennoch sollten sie allerdings – wie auch die Beschreibungen der physischen Ereignisse – nicht so stark in den Vordergrund gerückt werden, dass es das Pacing der Szene stört.


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Das Beitragsbild stammt von Unsplash.