Worldbuilding 101: Von Tod und Toten

Halloween nähert sich und nachdem ich bei #WIPschreiben bereits das als Thema für die aktuellen Fragen genommen habe, bot es sich an, auch bei den Weltenbaueinträgen sich davon inspirieren zu lassen. Also geht es heute und übernächste Woche um Tod und Geister.

⚠️CN: Tod, Krieg, Krankheiten, Suizid, Erwähnung von Kannibalismus ⚠️

Tod – ein ständiger Begleiter?

Fangen wir mit einer Grundsatzfrage an: Sterben alle Wesen in eurer Welt? Sind Wesen prinzipiell sterblich? Gibt es Wesen, die unsterblich sind? Können unsterbliche Wesen dennoch mit Gewalt getötet werden? Denn bei Fantasy und SciFi ist der Tod nicht immer so allgegenwärtig, wie in unserem realen Leben. Vielleicht gibt es magische Unsterblichkeit, vielleicht Unsterblichkeit, die durch Technologie oder Genmanipulation erschaffen wurde. Wenn ja, wäre die wichtigste Frage, inwieweit dies das Verhältnis zum Tod verändert hat.

So oder so: Eine wichtige Frage für jede Kultur sollte sein, wie diese zum Tod und zum Sterben steht. Denn dies kann sehr viel über eine Kultur aussagen. Nicht zuletzt, weil die Bewertung des Todes auch mit der Bewertung des Lebens zusammenhängt und mit der Interpretation des eigenen Daseins. Generell sieht man in vielen Kulturen – nicht immer, doch häufig genug – dass der Tod weniger negativ behaftet ist, je weniger Hierarchie zwischen Mensch und Umwelt besteht. Ist in einem Weltbild der Mensch Teil der Natur, zu der auch der Tod gehört, wird dieser eher akzeptiert. Was natürlich nicht bedeutet, dass nicht über den Tod von geliebten Menschen und Tieren getrauert wird.

Und mit dieser Frage hängt auch eine andere Frage zusammen: Gibt es einen Wunsch nach Unsterblichkeit?

Positiver oder negativer Tod?

Der ein oder andere hat sicher schon von der „sexpositiven“ Bewegung gehört. Es gibt jedoch dazu noch etwas anderes: Eine „todespositive“ Bewegung. Ziel von dieser ist, mehr Akzeptanz in der Gesellschaft gegenüber dem (ohnehin unausweichlichen) Tod zu schaffen und die Leute dazu zu bringen, eher über den Tod zu sprechen. Denn da unsere Gesellschaft im „Westen“ (also den USA und großen Teilen Europas) eher „todesnegativ“ ist, wird darüber nicht gesprochen. Das führt dazu, dass Menschen ihren Nachlass nicht aufsetzen, dass Angehörige nicht wissen, wie ein Mensch beerdigt werden wollte oder ob passive Sterbehilfe erwünscht ist. Der Tod kann sehr plötzlich kommen und der Mangel an vorhergegangener Planung kann die Zeit für Angehörige noch schlimmer machen.

Wir reden nicht gerne über den Tod und viele ekeln sich davor, einen toten Körper zu sehen oder gar anzufassen. Deswegen ist es in den USA beispielsweise sehr häufig so, dass die toten Körper mit Chemikalien zugepumpt werden, damit sie weniger tot wirken und man so eine Zeremonie mit offenem Sarg haben kann. Genau so gibt es eine Faszination mit jenen „Toten“, die nicht so tot aussehen.

Und genau darum sollte man sich ebenfalls Gedanken machen: Wie offen redet man über den Tod? Wie üblich ist es als Lebender Details zu planen, wie man sterben und beigesetzt werden will? Wie wird ein Nachlass aufgesetzt? Wie redet man bspw. auch mit Kindern über den Tod?

Von Tod und töten

Was mit dieser Frage ebenfalls einhergeht, ist die Frage nach Tötungen und wie der Akt des Tötens betrachtet wird. Damit rede ich nicht nur, aber auch von Morden und Gewalttaten. Ein anderer Faktor ist aber auch Töten im medizinischen Kontext. Stichwort: Aktive Sterbehilfe. Denn auch hier kann viel in eine Kultur einfließen.

Erst einmal: Wie wird Mord betrachtet? Wie Totschlag? Gibt es Situationen, in denen es aus gesellschaftlicher Sicht als „angemessen“ betrachtet wird? Wenn ja: Wann? Sind die Unterschiede von der Situation oder von den betroffenen Personen abhängig? Im selben Kontext ist aber auch eine andere Frage relevant: Gibt es eine Todesstrafe? Dahingehend haben wir häufig die Vorstellung, dass jede Kultur irgendwann einmal Todesstrafen für bestimmte Vergehen hatten – doch dies lässt sich schwer nachweisen. Bezüglich Todesstrafe sollte auch hier die Frage gelten: Inwieweit wird das Töten im staatlichen oder gesellschaftlichen Auftrag anders angesehen, als Mord? Was ist mit Soldat*innen, die im Rahmen eines Krieges töten?

Doch genauso ist da die Frage der Sterbehilfe. Was ist, wenn jemand todkrank ist und nur noch leidet und daher sterben will? Wird es als vertretbar für einer:m Ärzt*in angesehen, di*en Sterbenden aktiv zu töten, um sie*ihn von den Schmerzen zu erlösen? Wenn es akzeptiert wird: Ab wann? Wenn es nicht akzeptiert wird: Warum nicht? Wie wird allgemein mit dem Wunsch einer Person, zu sterben, umgegangen?

Der Umgang mit Toten

Von den Fragen nach dem Tod und dem Töten/Sterben selbst: Jemand ist gestorben. Was passiert als nächstes? Wie geht man in der Gesellschaft damit um? Wer ist für die nächsten Schritte zuständig? Denn natürlich sind auch Beisetzungsrituale vollkommen unterschiedlich – genau so, wie die Frage, wer sich um sie kümmert. In Deutschland ist es beispielsweise noch immer der „Standard“ die Toten in einem Sarg zu beerdigen und so unterirdisch verwesen zu lassen. In Amerika ist es oft so, dass die chemisch aufbereiteten Leichen in hermetisch versiegelten Särgen und betonierten Gräbern beerdigt sind. In vielen Ländern ist das Krementieren der Leichen – also das Verbrennen – üblich. Dabei kann es sehr unterschiedlich sein, was mit der Asche geschieht. Wird sie mit heimgenommen? Wird sie verstreut? Wird sie beerdigt? Doch auch andere Arten existieren. Da gibt es „Luftbestattungen“, Mumifizierungen verschiedener Arten, Beisetzung an der Luft, Beisetzungshöhlen und eben auch Formen von Kannibalismus als Methode der Beisetzung.

All das hängt mit verschiedenen Dingen zusammen: Die Betrachtung des Todes. Kultur und Religion. Aber auch, wo und wie eine Kultur lebt, welche Möglichkeiten es gibt und Dinge wie verbreitete Tierarten und/oder Krankheiten.

Ebenso kann es ganz unterschiedlich sein, wer damit betraut ist, sich um den Leichnam zu kümmern. Mal sind es die Angehörigen selbst, mal spirituelle Figuren von religiöser Wichtigkeit (bspw. Priester) und in anderen Fällen können es speziell ausgebildete Menschen sein, wie es bei uns meistens der Fall ist. Übrigens kann auch eine interessante Frage sein, ob es eine Bestattungspflicht gibt, bzw. die Pflicht auf bestimmte Arten zu bestatten. In Großbritannien ist es bspw. so, dass legal gesehen jede Leiche „dem Königshaus“ gehört und es damit ein Verbrechen ist, diese nicht ordnungsgemäß zu bestatten.

Erinnerung an die Toten

Eine weitere Frage ist, wie man der Toten gedenkt. Gibt es Todestage, die gefeiert werden? Tut man dies jedes Jahr oder nur in bestimmten anderen Abständen? Und gibt es so etwas wie „Allerheiligen“ oder andere jährliche Feste, die allgemein dazu dienen den Toten zu gedenken? Sind damit bestimmte Brauchtümer verbunden?

Ähnlich kann auch die Frage sein, wie üblich es ist, Bilder eines Verstorbenen bei sich zu tragen. Denn dies kann man je nachdem positiv oder negativ interpretieren – denn je nach Interpretation ließe sich auch sagen, dass man damit den Verstorbenen nicht weitergehen lässt oder ähnliches. Und was ist mit anderen Trauergegenständen? Früher war es in den frühen USA bspw. recht üblich Schmuck, der aus dem Haar der Verstorbenen angefertigt worden war, zu tragen.

Und natürlich gibt es in unserer Welt auch Traditionen, wie in Japan einen Hausschrein zu haben, an dem sich die Bilder der Verstorbenen befinden, denen man ggf. auch von Zeit zu Zeit Opfergaben hinstellt. Dabei ist Japan nur ein Beispiel für eine solche Tradition.

Eine Empfehlung

Ich hoffe, wie immer, dass die Fragen ein wenig helfen, um ein paar Ideen in die Richtung zu inspirieren. Wie immer sei gesagt, dass natürlich nicht zuletzt die Umgebung eine große Rolle bei solchen Ritualen spielt. Ist es eine Kultur in einer Gegend mit Permafrost? Vielleicht ist Vergraben nicht möglich. Vielleicht wählt man stattdessen Einäscherung oder Seebestattung. Diese natürlichen Voraussetzungen beeinflussen natürlich die Religion und Religion allgemein verändert ebenfalls Rituale.

Ich möchte euch bei diesem Eintrag zum Schluss den YouTube Kanal von Caitlin Doughty empfehlen. Sie ist eine Bestatterin, die dort über unterschiedliche Rituale weltweit spricht, über verschiedene Möglichkeiten der Bestattung in moderner Zeit und auch was mit bestimmten Leichen passiert ist. Der Kanal ist morbide, aber unglaublich interessant. Gerade was diese Themen angeht, kann man dort sehr interessante Informationen finden!

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