Worldbuilding 101 – Liebe und Romantik

Ein Thema das oftmals nicht besonders viel Ausarbeitung in Fantasy und SciFi findet, sofern es nicht zum zentralen Thema ernannt wird, ist das Thema der Liebe. Oder, um weiter zu gehen, die Themen Liebe und Sex. Da heute Valentinstag ist, der – kommerziell oder nicht – für viele ein Tag der Liebe und Paare sind, reden wir doch einmal über das erste Thema.

Hach, die Liebe. Sie ist an sich ein wichtiges Thema in vielen Geschichten, auch wenn nur selten darauf eingegangen wird, was für eine Bedeutung sie hat. Nichts desto trotz: Liebe ist wichtig. Viele Protagonisten haben ein Love Interest, verlieben sich irgendwann auf ihrem Weg, die Welt zu retten. Auch die Liebe zu Familienmitgliedern spielt immer wieder eine Rolle. Klar, für viele ist es ein zentraler Pfeiler ihres Lebens. Und damit kommen wir auch schon zum ersten Bereich.

Was wird überhaupt als „Liebe“ bezeichnet?

Beim Wort „Liebe“ werden viele zuerst an „romantische Liebe“ denken. Immerhin ist es die Art von „Liebe“, mit der wir medial am meisten zu tun hat und wo wir die Worte „Ich liebe dich“ am häufigsten hören. Allerdings sehen wir in unserer heutigen Welt auch verschiedene andere Dinge als „Liebe“ und bezeichnen sie in der deutschen Sprache damit auch gleich.

Ein paar Leute kennen vielleicht die altgriechischen Worte, die zwischen verschiedenen Formen der „Liebe“ unterschieden haben: Eros, Agape, Philia und Storge. Eros ist die romantische Liebe, die normalerweise auch einen sexuellen Aspekt beinhaltet. Agape ist eine bewundernde, aber auch entfernte Liebe und wurde als Wort oft im christlichen Sinne für die „Liebe von/zu Gott“ genutzt. Philia ist eine freundschaftliche oder brüderliche Liebe, während Storge eine familiäre Liebe beschreibt, speziell von Eltern zu Kind.

Interessant in der Hinsicht finde ich auch die Änderung von Disney in den letzten Jahren. Immerhin hing das Studio immer sehr an „der wahren Liebe Kuss“. Doch dann kamen Frozen und Maleficent und haben diesen Trope dekonstruiert. Geschwisterliche und mütterliche Liebe (zumindest, wenn man nicht die Femslash-Shipping Brille auf hat) waren nun wahre Liebe, vielleicht sogar „wahrere Liebe“ als die romantische zu jemanden, den man kaum kannte.

Wahre Liebe und Mononormativität

Das bringt mich auch zu einem anderen Konzept, dessen Existenz durchaus interessant sein kann, auch wenn ich es als kritisch ansehe: Wahre Liebe. Wird in der Welt „wahrer Liebe“ eine besondere Bedeutung zugeschrieben? Gerade in Fantasy könnte dies auch einen Einfluss auf bestimmte Zauber haben – selbst wenn es nicht unbedingt Flüche lösen muss. Dabei sollte euch allerdings auch bewusst sein, dass „wahre Liebe“ als Konzept schnell sehr mononormativ wird.

Was direkt ein anderes Thema aufbringt, das selten behandelt wird – nicht zuletzt, da viele Autoren ihrerseits eine mononormative Weltsicht haben. Wie steht die Welt zu Mono-, wie zu Polyamourie? Es ist immer leicht davon auszugehen, dass die Weltsicht ist, dass zumindest romantisch nur eine Person gleichzeitig geliebt werden kann. Immerhin sind wir in diesem Glauben erzogen worden. Doch darf man nicht vergessen, dass dies eine an sich sehr neue und sehr zentraleuropäische Ansicht ist. Insofern: Wie sieht es in eurer Welt aus?

Und was ist mit wechselnden Partnern? Wird darüber geurteilt, inwiefern diese Liebe dann „wahr“ war oder nicht?

Seelenverwandtschaft

Etwas, das man in diversen Fantasy-Geschichten und gerade auf Wattpad im Bereich der Werwölfe und Gestaltwandler allgemein findet, sind die „Mate“ Geschichten. Aka die Geschichten rund um Seelenverwandte. Wie das ganze anfing? Ich weiß es nicht. Und ja, ich könnte einen ganzen Essay darüber schreiben, welche toxischen Implikationen mit diesem Trope daher kommen, da „Seelenverwandtschaft“ gerne als Ausrede genutzt wird, um eine Person an einen sehr toxischen, meist männlichen Partner zu binden.

Doch auch so, gibt es nachwievor die Vorstellung, dass es diesen „einen Menschen“ gibt, für den man durch Schicksal, Gott oder Götter bestimmt ist. Sei es ein Seelenverwandter, sei es halt jemand, der aus einem anderen Grund perfekt passender Mensch. Und auch hier ist die Frage: Wie sieht so etwas in eurer Welt aus? Gibt es so einen Glauben? Gibt es vielleicht sogar Leute, die glauben, diesen Menschen wissenschaftlich oder magisch bestimmen zu können?

Heirat und Familiengründung

Kommen wir nun zu einem Thema, dass diesen Monat ja auch bei #WIPschreiben von mir eingebracht wurde:Wie sieht es mit Heiraten aus? Wie häufig sind Liebesheiraten? Denn während es Liebesheiraten natürlich praktisch schon immer gab, waren und sind auch andere Gründe für eine Ehe nicht selten. Diese können politisch sein oder finanziell motiviert. Eventuell wird auch einfach geheiratet, wen ein Heiratsvermittler vorschlägt, und darauf gehofft, dass es passt. Wie sieht das in eurer Welt aus? Wer heiratet wen aus welchem Grund?

Und wie ist das mit „Stand“ und anderen Gruppengrenzen? Immerhin sind bis heute „standesübergreifende Ehen“ schnell misstrauisch betrachtet. Will der Partner aus dem „niederen Stand“ nur Geld und Ansehen? Und auch andere Gruppen sehen ungerne, wenn übergreifend geheiratet wird. Hochzeiten zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern sind nicht immer einfach. Ehen zwischen Menschen verschiedener Hautfarben waren lange Zeit sogar verboten. Auch diverse Religionen sehen es nicht gern, wenn jemand einen Partner aus einer anderen Religion heiratet und geben solchen Ehen keinen Segen, sofern nicht der Partner konvertiert.

Dazu kommt auch: Wie eng sind Heirat und das „Kinderkriegen“ in eurer Welt miteinander verbunden? Wie wichtig ist das eine für das andere? Wie werden dahingehend Kinder behandelt, die unehelich geboren wurden? Und was ist …

LGBTQ*

Was ist mit homoromantischen Beziehungen? Vollkommen unabhängig davon ob diese auch homosexuell sind: Wie werden sie gesellschaftlich betrachtet? Gibt es Konstellationen in denen diese akzeptiert werden und andere, in denen das nicht der Fall ist? Dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten? Dürfen sie Kinder adoptieren? Inwiefern ist das durch geschichtliche, inwiefern durch religiöse Entwicklungen beeinflusst?

Und was ist mit anderen Gender? Natürlich muss man hier erst einmal sagen: Nicht jede fiktionale Welt muss auf derselben binären Genderwahrnehmung aufbauen. Zur Hölle: Haben wir fiktionale Lebewesen, können diese ein Geschlecht bis unendlich viele Geschlechter in ihrer körperlichen Wahrnehmung haben. Ich meine: Was ist Groots Gender, wenn man bedenkt, dass die wenigsten Pflanzen binär sind?

Und wie spielt Gender und Genderwahrnehmung bei der Partnerwahl in eurer Welt rein? Sollte es ein drittes Gender geben: Dürfen Personen, die sich diesem zuordnen oder diesem zugeordnet werden heiraten? Ist das verpönt, akzeptiert oder wird sogar gefördert, da diese Personen als besonders gelten?

Kurzum

Was wird in eurer Welt als Liebe bezeichnet? Gibt es ein Wort für alle Formen der Liebe oder wie bei den alten Griechen verschiedene Darstellungen? Wie eng sind Liebe und Ehe miteinander verknüpft? Gibt es akzeptierte und weniger akzeptierte Formen der Liebe?

Aber auch: Wenn es Magie oder höhere Technik gibt, wie beeinflusst diese dahingehend die Wahrnehmung?

Macht euch darüber und wie diese Dinge in eurer Welt ablaufen Gedanken. Umso mehr, wenn ihr eine romantische Plotline in eurer Geschichte habt – immerhin geht damit auch ein Social Script einher (ein Thema, über das ich noch einen eigenen Eintrag schreiben werde) und so etwas beeinflusst auch das Denken eurer Protagonisten in einer romantischen Situation.

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