Cryptowährungen und NFTs

Letzte Woche haben wir über den klassischen Investitionsmarkt gesprochen. Doch jeder, der sich irgendwie im Internet aufhält, weiß auch, dass es einen neuen Investitionsmarkt gibt: Cryptowährungen und NFTs. Und darüber wollen wir heute sprechen.

Die Idee einer dezentralen Währung

Um den Idealismus hinter Cryptowährungen zu verstehen – denn ja, zumindest ursprünglich stand da ein gewisser Idealismus hinter – muss erst einmal das Problem erklärt werden, das viele mit dem aktuellen Währungssystem verstehen. Das grundlegende Problem, das viele mit dem aktuellen Währungssystem sehen, ist, dass sie zentral von Staaten oder Banken kontrolliert werden und dahingehend zum einen Anfällig für Manipulation und zum anderen auch für Verfall in Folge von politischen Problemen sind.

Schauen wir uns beispielsweise den Euro an, so wird sein Wert in erster Linie durch die Europäische Zentralbank (EZB) kontrolliert. Diese strebt eine permanente leichte Inflation (Wertsenkung) von 2% an. Darauf hat praktisch niemand, außer die EZB, die auch die Menge an Euro-Noten im Umlauf kontrolliert, Einfluss auf den Wert des Euros. Nehmen wir dazu, dass auch die EZB, wie die meisten Finanzinstitute, an teilweise riskanten Investitionen teilnimmt, wird klar, warum man hier ein Problem sehen kann.

Ähnlich sieht es aus, wenn die Kontrolle über die Währung beim Staat, kann es ebenfalls instabil werden. Oft sorgt politische Instabilität zu einer Instabilität der Währung und führt beispielsweise in einigen Fällen zu einer Hyperinflation, die das Geld effektiv wertlos macht.

Deswegen gibt es in vielen Kreisen – gerade auch anarchistischen Kreisen – der Wunsch nach einer dezentralen Währung, die eben nicht von einer zentralen Organisation kontrolliert wird. Und darüber haben sich im Laufe der Zeit diverse Ideen von Online-Währungen durchgesetzt. Dann wurde eine Technologie entwickelt, die dies sicherer machen sollte.

Blockchain-Technologie

Ein Wort, dass ihr in Bezug auf Cryptowährungen immer wieder hören werdet, ist das Wort „Blockchain“. Blockchain ist die Grundlage der allermeisten Cryptowährungen und die Technologie, die Crypto sicher machen soll. Gleichzeitig ist sie allerdings auch einer der Dreh- und Angelpunkte für eine der zentralen Kritiken.

Was also ist eine Blockchain? Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei einer Blockchain um eine Reihe von Blöcken, die aneinander gekettet sind. In diesen einzelnen Blöcken wird Information – in der Regel Information über eine Transaktion – festgehalten und diese mithilfe eines sogenannten Hashs verifiziert. Jeder Block kennt den Hashs des hervorgehenden Blocks, so dass erkannt werden kann, wenn in einem Block Informationen illegal verändert wurden – dann passen die Hashs nicht mehr aufeinander. In der Regel validieren Blockchains eine Reihe von Transaktionen desselben Objekts. Dabei kann ein einzelner Block je nachdem welche Technologie verwendet wird, eine unterschiedliche Anzahl an Transaktionen beinhalten.

Was ist ein Hash?

Ein Hash ist eine Zahl, die aus anderen Informationen mittels digitaler Cryptographie errechnet wird. Dafür können eine Vielzahl von digitalen Cryptofunktionen zum Einsatz kommen. Wichtig dabei ist, dass es nicht ohne weiteres Möglich ist, vom Hash aus zurückzurechnen, welche Eingaben hineingegeben wurden, sowie dass auch kleine Unterschiede in den Eingaben große Unterschiede beim errechneten Hash ergeben. Ein Hash kann in verschiedenen Zahlenformaten errechnet werden – im Rahmen von Cryptowährungen sind sie jedoch fast immer binär.

Statt diese Blockchains nun – wie bspw. bei Überweisungen von Banken üblich – in einer zentralen Datenbank zu speichern, werden sie in der Regel auf einem verteilten Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) gespeichert, so dass gleich mehrere Teilnehmer des Netzwerkes die gegebenen Transaktionen validieren können und so eine weitere Absicherung zusätzlich zu den Hashs geben können.

Diese Technologie steht im Zentrum der Cryptowährungen – wird aber teilweise auch an anderen Investitionsmärkten verwendet (bspw. an Teilen des Energiemarkts).

Proof-of-Work

Was ist aber nun, wenn wir uns in diesem Netzwerk befinden und innerhalb des P2P-Netzwerk dieselbe Blockchain jedoch mit leicht unterschiedlichen Informationen herumfliegt? Vielleicht hat irgendein Teilnehmer im Netzwerk dieses Verteilte System ausgenutzt und eine Transaktion hinzugefügt die sagt: „Und das wurde dann alles mir übergeben“. Was machen wir, um dagegen vorzugehen?

Nun, hierfür benutzen Blockchains zwei Protokolle, um dagegen abzusichern. Das erste baut auf dem zweiten auf und sagt effektiv nur: „Traue immer der längeren Blockchain.“ Sprich: Ist im Netzwerk eine Blockchain unterwegs, die (Zahlen zur Vereinfachung klein gehalten) vier Blöcke beinhaltet und eine andere, die sieben Blöcke beinhaltet, so vertraut das Netzwerk der Blockchain mit sieben Blöcken.

Dies geschieht darüber, dass die Blöcke auf eine andere Art verifiziert werden. Nämlich dadurch, dass jeder Block zusätzlich zu seinen Transaktionen noch eine bestimmte Zahl beinhaltet. Ziel der Zahl ist es, den (binären) Hash so zu verändern, dass dieser mit 30 Nullen anfängt. Da die Hashs zufällig erscheinen, kann diese Zahl nur durch Ausprobieren gefunden werden – und das braucht Zeit und Rechenleistung. Deswegen dauert es, weitere Blöcke hinzuzufügen.

Will nun eine einzelne Person also dafür sorgen, dass seine gefälschte Blockchain länger ist, als alle anderen, muss diese Person schneller diese Zahlen zum verifizieren der Blöcke finden, als der Rest des Netzwerkes zusammen. Dies ist nur möglich, wenn diese Person allein an die 50% der Rechenleistung des Netzwerkes besitzt. Da dies unwahrscheinlich ist, kann dieses Protokoll gegen solche Fälschungen vorgehen. Dies ist der sogenannte „Proof-of-Work“.

Der Aufstieg von Bitcoin

Wie schon gesagt, ist die Idee von dezentralen digitalen Währungen recht alt – sie geisterte schon in den 1990er Jahren durch das Internet. Es gab sogar schon vor dem Jahr 2000 ein paar Versuche, solche Währungen anzulegen, die allerdings mit unterschiedlichen Sicherheitsproblemen zu kämpfen hatten. Die Idee digitale Kryptographie zu verwenden, um diese Währungen abzusichern, wurde bereits 1992 von den Kryptographen Cynthia Dwork und Moni Naor vorgeschlagen, doch dank der damals geringen Rechenleistung von Computern, war es noch nicht ohne weiteres Möglich, ein solches Netzwerk aufzubauen.

Springen wir also zum Jahr 2008, als die Webseite bitcoin.org online ging, allerdings noch ohne viele Informationen. Erst im Oktober des Jahres wurde ein wissenschaftlicher Aufsatz mit dem Titel „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ über eine Mailingliste verschickt – verfasst von einem Satoshi Nakamoto, der real nicht zu existieren schien. (Bis heute ist nicht geklärt, wer sich hinter dem Alias verbirgt!)

Im Jahr 2009 wurde dann über SourceForge ein Open-Source Client verteilt, der es ermöglichte, Bitcoins herzustellen und Transaktionen zu machen – eben über das bestehende System die Hashs zu finden, die mit 30 Nullen anfingen. So wurden die ersten Bitcoins hergestellt und damit gehandelt. Ursprünglich zu einem nicht vorhandenen Wert, der erst im Jahr 2011 auf $30 pro Bitcoin stieg.

Allerdings wurde Bitcoin mit der Zeit bekannter und dadurch, dass es bekannter wurde und neue Bitcoins geschaffen wurden, kauften sich auch mehr Leute die Bitcoins und das zu immer höheren Preisen, da der Preis erneut Angebot und Nachfrage folgte. So lag im Jahr 2013 der Preis auf einmal bei $1100 pro Bitcoin. Heute ist er bei über $36 000 pro Bitcoin!

Wichtig bei Bitcoin: Jeder, der einen neuen Block errechnet, wird mit Bitcoin belohnt. So entstehen also neue Coins. Allerdings ist die maximale Menge an Bitcoins, die erzeugt werden kann, bei 21 000 000.

Die neuen Cryptowährungen

Spätestens 2013, als der Wert der Bitcoin plötzlich so explodierte und dies auch in den Medien berichtet wurde, entstand mehr Interesse an Bitcoin, aber auch dem Konzept Cryptowährungen. Während es bereits vor dem Jahr einige Leute gab, die das Prinzip der Bitcoin imitierten, so wuchs die Zahl nach 2013 extrem an. Immer neue Cryptowährungen kamen auf den Markt – einige Erfolgreicher, als andere.

Der Reiz der neuen Währungen ist leicht zu erklären: Kommt eine neue Währung auf den Markt, so ist ihr Wert erst einmal niedrig, das heißt es ist billig sie zu kaufen. Viele der Cryptowährungen explodieren allerdings schnell im Preis, weswegen sich die Investition in neue Währungen oftmals lohnen kann.

Dazu kommt natürlich, dass verschiedene Währungen auch versuchen spezielle Fehler, die sie bei Bitcoin oder auch anderen Währungen sehen zu begleichen. So dauert der „Proof-of-Work“ bei Bitcoin bspw. sehr lange (ca. 10 Minuten pro Berechnung), weshalb einige andere Währungen dafür schnellere Algorithmen verwenden. Auch haben verschiedene Leute in verschiedenen Währungen Sicherheitslücken oder zumindest Anfälligkeiten gefunden, die sie versuchen in ihren eigenen Währungen zu beheben.

Allerdings gibt es bei diesen neuen Währungen auch schwarze Schafe, die gezielt versuchen Leute um ihr Geld zu bringen. Diese bieten neue Währungen – oft mit Popkultur-Referenzen, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen – an und lassen diese für einige Tage an Wert steigen und Leute investieren, nur um dann sämtliches investiertes Geld zu liquidieren und Webseite und Mining-Werkzeuge offline zu nehmen. (Dieses Vorgehen wird als „Rug Pull“ bezeichnet.)

Crypto-Exchange und Crypto-Wallets

An dieser Stelle sollte natürlich erwähnt werden, dass sich mittlerweile ein reger Online-Markt, fast wie die Börse, rund um diese digitalen Währungen entstanden. In diesem Zusammenhang sollte man eventuell zwei verschiedene Begriffe verstehen – selbst wenn sie vermeintlich selbsterklärend sein sollten.

Das eine ist die Crypto-Exchange. Das sind effektiv Handelsseiten, auf denen man sowohl Cryptowährungen gegen andere Cryptowährungen handeln kann, aber auf denen man auch Sachen mit Cryptowährungen Kaufen und Verkaufen kann. Zu den bekanntesten dieser Seiten gehören Kraken, Binance, UpBit und Binance.

Die Crypto-Wallet ist der „Ort“, an dem jemand, der Cryptowährungen benutzt, diese aufbewahrt. Also ein digitales Portemonnaie. Dabei kann eine Wallet unterschiedliche Währunen beinhalten. Grundlegend unterscheidet man zwischen einer Cold Wallet und einer Hot Wallet. Eine Cold Wallet ist offline auf einem Medium, ähnlich eines USB-Sticks. Das hat den Vorteil, dass diese Wallet sicher gegen Hacking ist. Der Nachteil ist natürlich, dass man sie – wie jedes physische Medium – verlieren kann. Eine Hot Wallet ist dagegen eine Wallet, die mit dem Internet verbunden ist. Diese kann man nicht einfach verlieren, aber sie kann theoretisch gehackt werden.

Was sind NFTs?

Vor ein paar Jahren ist im Crypto-Umfeld allerdings noch eine Sache erschienen, die nun vor allem in den letzten Monaten vermehrt zu Gesprächen geführt hat: NFTs, Non-Fungible Tokens. Übersetzt: Nicht-Ersetzbare Marken.

Effektiv gewährt ein NFT dem Besitzer einen Nachweis, dass er irgendein digitales Gut besitzt. Dahinter kann sich allerhand verbergen: Am häufigsten sehen wir dahingehend Bilder, aber technisch gesehen könnte ein NFT auch für ein PDF oder ein MP3 oder ein Gegenstand in einem Videospiel stehen.

Wichtig dabei ist: Das NFT beinhaltet nicht das digitale Gut selbst. Stattdessen verweist es auf das digitale Gut, bspw. in Form einer URL, und gibt dann den aktuellen Inhaber des NFTs als eben solchen aus.

Der große Unterschied zwischen NFTs und anderen Cryptowährungen ist, dass eine Bitcoin genau so viel Wert ist, wie eine andere Bitcoin. NFTs allerdings dagegen einzigartig sind und damit jedes NFT einen unterschiedlichen Wert hat.

Die meisten NFTs werden aktuell auf der Webseite OpenSea gehandelt und versteigert.

Die Probleme mit Crypto und NFTs

Wer allerdings auch nur irgendetwas über den Cryptomarkt weiß, weiß auch, dass dieser an vielen Stellen in der Kritik steht. Diese Kritik kommt natürlich zum einen von Institutionen, wie eben der EZB, die ein Problem darin sehen, auf einen mittlerweile doch großen Teil des Finanzmarktes keinen Einfluss zu haben. Allerdings gibt es auch Kritiker*innen, die sehr wohl gute Gründe haben, Cryptowährungen und NFTs zu kritisieren.

Die Umweltkosten

Einer der größten Kritikpunkte, die sowohl an Cryptowährungen, als auch an NFTs bestehen, sind die massiven Umweltkosten, die diese mit sich bringen. Der Grund dafür liegt im System selbst: Cryptowährungen und NFTs werden erstellt und abgesichert, indem diese bestimmten Hashes gefunden werden, die mit den dreißig Nullen (in manchen Fällen mehr, in manchen weniger) gefunden werden. Dies ist effektiv nur über so genanntes Brute Force Vorgehen möglich – also indem man solange Zahlen ausprobiert, bis man die eine findet, die eben diese Nullen erzeugt. Dieses lange Ausprobieren verbraucht allerdings Rechenkraft – und Rechenkraft verbraucht Strom und in einer Welt, wo viel Strom noch immer über fossile Brennstoffe gewonnen wird, hat das Erstellen von neuen Cryptomünzen, als auch jede Überweisung mit Cryptowährungen mit einem großen CO2 Fußabdruck verbunden ist. Und dies ist natürlich kritisch zu betrachten.

Die verlorenen Grafikkarten und Konsolen

Ist euch aufgefallen, dass es in den letzten Jahren immer schwerer geworden ist, die neuen Grafikkarten zu kaufen und diese auch immer teurer geworden sind? Auch die Playstation 5 und die X-Box Series S sind teilweise extrem schwer zu bekommen und sind überall ausverkauft.

Der Grund dafür? Crypto. Denn Grafikkarten (die auch in den neuen Konsolen verbaut sind) eignen sich besonders gut, um diese Berechnungen um die Null-Hashes zu finden, durchzuführen. Deswegen werden sie von solchen Menschen, die ihr Geld dadurch verdienen, Crypoberechnungen durchzuführen, in großen Mengen aufgekauft und finden sich nun in großen Farmen, wo sie dauerhaft versuchen, Zahlen zu erraten.

Während man nun darüber diskutieren kann, ob dies einfach nur ein übliches Problem des Marktes ist, kann man den Ärger der Leute, die gerne Videospiele spielen würden, schon verstehen.

Illegaler Handel und Geldwäsche

Einer der großen Vorteile von Cryptowährungen und dem Handel damit ist, dass er praktisch komplett anonym ist. Statt zwischen Personen wird zwischen verschiedenen Wallets gehandelt. Es ist sehr schwer nachzuvollziehen, wer eigentlich genau an dem Handel teilnimmt.

Dies ist natürlich optimal für alles, was auf dem Schwarzmarkt stattfindet. So wird Crypto verwendet, um allerhand illegale Sachen zu handeln. Sicher, wir können noch lange darüber diskutieren, ob die Illegalität von Drogen wirklich sinnvoll ist, doch es sind nicht nur Drogen die gehandelt werden. Denn tatsächlich werden Cryptowährungen auch genutzt, um Waffen im großen Maßstab zu handeln. Auch Menschenhandel und der Handel mit Kinderpornos findet mittlerweile größtenteils über Cryptowährungen statt. Dadurch ist es umso schwerer, gegen diese Dinge vorzugehen.

Mehr noch: Durch die Anonymität von Wallets und der Tatsache, das eine Person beliebig viele Wallets haben kann, ist es leicht, damit Geldwäsche zu betreiben. Das zu waschende Geld wird in Crypto/NFTs investiert von der einen Wallet in die andere geschoben, liquidiert und schon ist es nicht länger möglich nachzuweisen, woher das Geld ursprünglich kam.

Das Problem mit NFTs

Neben diesen Problemen, gibt es auch noch ein weiteres Problem mit NFTs im speziellen. Nämlich der Diebstahl von Kunst. Denn ja, viele NFTs sind nun einmal digitale Kunstwerke.

Gerne profilieren sich NFTs damit, für Künstler*innen eine gute Möglichkeit zu sein, ihre Kunst zu Geld zu machen, doch dies geht weit an der Realität vorbei. Zum einen ist es so, dass in der Regel Sammelbare NFTs sich besser verkaufen, zum anderen aber auch so, dass es viel Geld kostet (mehrere hundert Dollar), ein einzelnes NFT zu minten. Dieses Geld haben viele Künstler*innen nicht – vor allem nicht unter der Grundlage, dass sie nicht wissen, ob ihr Kunstwerk für entsprechend mehr Geld verkauft wird.

Dazu kommt allerdings noch, dass andere Leute sehr wohl das Geld haben. Und so kommt es leider immer und immer wieder vor, dass digitale Kunstwerke von Künstler*innen ohne deren Wissen zu NFTs gemintet und dann auf OpenSea verkauft werden. Zwar kann ein*e Künstler*in sich an OpenSea wenden, um dagegen vorzugehen, jedoch muss si*er dies für jedes Kunstwerk einzeln machen und das dauert.

Davon abgesehen gibt es sogar einige, die dreist genug sind, Kunstwerke von verstorbenen Künstler*innen so zu verkaufen.

Das Pyramidensystem

Darüber hinaus gibt es allerdings ein noch viel tiefergehendes Problem, das den gesamten Cryptomarkt betrifft: Er hat erstaunlich viele Eigenschaften eines Pyramidensystems oder Ponzi-Schemas.

Zur kurzen Erklärung des Begriffs: Von einem Pyramidensystem spricht man dann, wenn jemand ein Produkt an eine gewisse Anzahl von anderen Personen verkauft und diese dazu anhält, es weiterzuverkaufen, wobei der ursprüngliche „Inumlaufbringer“ des Produktes von jedem Verkauf ein Stück abbekommt. Häufig geht das dann in weitere Ebenen, so dass die Leute, die vom ursprünglichen Menschen etwas gekauft haben, es weiterverkaufen, damit diese „Kund*innen“ es ebenfalls weiterverkaufen können – und jedes Mal bekommt die Ebene drüber etwas ab. So entsteht die Form einer Pyramide.

Und der Cryptomarkt hat einige Anzeichen davon einem ähnlichen Schema zu folgen, selbst wenn eben auf einem dezentralen System. Denn auch der Cryptomarkt wächst nur dadurch, dass immer wieder neue Leute dazu gebracht werden, Cryptowährungen/NFTs zu kaufen, und damit mehr Geld in das System zu stecken, wovon vor allem die Leute profitieren, die bereits viel Währungen/NFTs besitzen, da diese dadurch im Wert steigen.

Tatsächlich wissen wir über den Cryptomarkt, dass nur sehr wenige wirklich aus diesem Profitieren. Das sind in erster Linie jene, die sehr früh in den Markt gekommen sind und daher Währungen zu billigen Preisen bekommen haben, jene, die selbst Münzen „minen“ (was auch ein großes Startguthaben gebraucht) und jene, die tatsächlich mit viel Geld in den Markt kommen und sich Spekulation erlauben können. Die einfachen Leute, die jetzt in den Markt kommen, verlieren häufiger Geld, als dass sie gewinnen.

Die Crypto-Blase

Neben den genannten Problemen sehen allerdings viele Wirtschaftswissenschaftler*innen auch eine andere Gefahr in Crypto: Die Gefahr, dass es sich um eine Blase handeln könnte. Denn wenn auch – wie letzte Wochen bereits erklärt – es vor dem Platzen immer schwer ist, genau zu sagen, ob es sich um eine Blase handelt, so zeigt der Handel mit Cryptowährungen doch viele Anzeichen einer Blase.

Namentlich, dass dieser Handel innerhalb kurzer Zeit extrem zugenommen hat, dass Crypto für die meisten als Spekulationsobjekt benutzt wird, dass Crypto dabei aber keinen entsprechenden Gegenwert hat (wie eben der Anteil einer Firma in eine Aktie gebunden ist) und dass es nur wenige Anwendungen für Crypto in der realen Welt gibt. Dabei ist gerade letzteres ein großer Punkt: Man kann aktuell sehr wenig reale Dinge mit Cryptowährungen kaufen – vor allem abseits des Schwarzmarktes. Sie existieren in erster Linie innerhalb ihrer eigenen Sphäre.

Aktuell gibt es einen regelrechten Hype um diese Cryptowährungen. Die Leute glauben daran, dass diese praktisch endlos im Wert steigen werden – weil tatsächlich über die vergangenen neun Jahre dieser Markt massiv im Wert gestiegen ist. Doch wie wir alle wissen: Endloses Wachstum ist nicht möglich.

Die Tatsache ist, dass der aktuell hohe Wert von Crypto vor allem eben dem Hype bedingt ist. Weil an so vielen Stellen von dem hohen Wert gesprochen wird, glauben viele an den hohen Wert und daran, dass er steigen wird. Es kann allerdings sein – gerade in Anbetracht, dass eben nichts diese Währungen absichert – dass irgendetwas sehr plötzlich diesen Glauben bricht und es dadurch zu einem großen Exodus aus dem Cryptomarkt kommt, der diesen Wert massiv senken, also zum Teil auch Wert vernichten wird. Und an dieser Stelle ist es schwer, die Konsequenzen davon abgesehen. Es wird davon ausgegangen, dass aktuell knapp 7% des Geldwertes der Welt in Crypto gebunden sind – ob und wie viel davon bspw. von Banken und Hedgefounds kommt, lässt sich nicht sagen.

Im besten Fall könnte das Platzen der Cryptoblase einfach nur dafür sorgen, dass ein paar Milliardäre auf einmal nur noch Millionäre sind. Im schlimmsten Fall könnte es jedoch zu einer weltweiten Finanzkrise führen.

Fazit

Cryptowährungen bauen auf der durchaus anarchistischen Idee auf, dass Währungen nicht durch eine zentrale Macht, wie eine Zentralbank oder einen Staat, kontrolliert werden sollten. Viel eher sollten die Menschen, die am Markt teilnehmen, gemeinsam über den Wert von Währungen bestimmen können. Dies funktioniert im Rahmen von Cryptowährungen darüber, dass Blockchains über ein großes P2P-Netzwerk verteilt werden. Das macht sie immun gegen politische Einflussnahme.

Eine der ersten und bekanntesten Cryptowährungen war Bitcoin. Es gibt allerdings auch eine Vielzahl anderer Währungen, die seit dem entstanden sind.

Ein großer Kritikpunkt an Cryptowährungen und auch NFTs ist es, dass der Mechanismus, der diesen Währungen ihre Sicherheit gibt, leider sehr viel Energie verbraucht – und daher negative Auswirkungen auf das Klima hat. Es gibt allerdings auch andere Kritikpunkte, wie bspw. dass aktuelle Grafikkarten fast komplett im Cryptomining gebunden sind, dass Crypto illegalen Handel aller Art vereinfacht und auch, dass es viele Anzeichen eines Pyramidensystems hat.

Aktuell ist eine große Befürchtung, die viele Wirtschaftswissenschaftler*innen haben, dass es sich bei Crypto um eine Blase handelt, die damit implodieren könnte. Da wir nicht genau wissen, wer alles Geld in Crypto gebunden hat, könnte dies große Auswirkungen auf die reale Welt haben.


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