Investitionen und die Börse

In letzter Zeit wird sehr viel über Cryptowährungen gesprochen – aber auch über Investitionen allgemein. Manche Wirtschaftsspezialisten warnen aktuell außerdem auch vor der Gefahr, dass es eine Blase gibt, die platzen könnte. Aber was bedeutet es eigentlich? Darum soll es diese Woche, wo ich euch die Börse und den Investitionsmarkt erkläre, und nächste Woche, in der es um Cryptowährungen gehen soll, gehen.

Disclaimer: Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert und im Rahmen des Studiums mich weitergehend mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Ein Großteil der Informationen entstammen meiner Vorlesung „Finanzierungswesen“.

Warum Investitionen?

Fangen wir mit einer grundlegenden Frage an: Warum investieren Menschen Geld und wie wird Geld mit welchem Ziel investiert?

Nun, wichtig ist: Das moderne Investitionsmodell ist definitiv kapitalistisch und ein Teil des kapitalistischen Systems. Denn die grundlegende Idee ist, dass Investoren unter anderem in das investieren können, was Marx als „die Produktionsmittel“ bezeichnet hat. Es ermöglicht ihnen Firmen und Technologie innerhalb einer Firma zum Beispiel zu besitzen, beziehungsweise Anteile davon.

Prinzipiell gibt es eigentlich zwei Gründe zu investieren: Entweder man investiert, um sein Geld abzusichern, oder man investiert, um seinen Geldwert wachsen zu lassen. Dies wird auch als „man lässt das Geld für sich arbeiten“ bezeichnet.

Wer sein Geld einfach absichern will, will den Wert absichern, den man hat – bspw. gegen Hyperinflationen. Wer aus diesem Grund investiert, investiert häufig in sichere Anlagen, wie Gold, die ihren Wert halten, allerdings auch nicht im Wert steigen.

Wer sein Geld für sich arbeiten lassen möchte, muss ein gewisses Risiko eingehen. Dazu gleich mehr. In diesem Sinne investiert man häufig in Anteile an Firmen, manchmal aber auch in andere Wertanlagen, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben, ihren Wert zu erhöhen, allerdings auch ein Risiko, Wert zu verlieren. Wird der Wert erhöht, kann man dadurch Geld verdienen.

Die Geschichte der Börse

Ein nicht unerheblicher Teil an Investitionen passiert über die Börse. Diese Börse erlaubt den Teilnehmenden, sich Anteile an Firmen zu kaufen, so genannte Aktien. Damit gibt man den Firmen Geld, um ihre Geschäfte durchzuführen. Denn immerhin braucht eine Firma dafür häufig finanzielle Mittel – und die Börse soll eine Möglichkeit schaffen, an diese finanziellen Mittel zu kommen. Spezifisch soll sie, zumindest in der Theorie, allen erlauben, sich an diesen Geschäftsprozessen zu beteiligen.

Tatsächlich ist es ein wenig schwer zu sagen, was der Ursprung des Systems ist. Denn tatsächlich war es bereits im Mittelalter sowohl in Frankreich, als auch in Italien so, dass Händler einfachen Menschen Anteile an ihrem Geschäft verkauft haben und im Gegenzug die Leute an ihren Gewinnen beteiligt haben.

Den großen Anfang gab es allerdings unter dem Merkantilismus mit der „Dutch East India Company“, die im großen Rahmen eine vorher festgelegte Anzahl von Anteilen an der Firma verkauft hat. Interessanter Weise haben sich in diesem Rahmen auch viele der Aspekte etabliert, die mittlerweile zu einem festen Teil des Finanzmarkts etabliert.

Im frühen Kapitalismus, als die großen Handelsfirmen aus der Hand des Adels und der Königshäuser gelöst wurden, hat sich das Verkaufen von Anteilen immer weiter als Grundlage der Finanzierung etabliert. Dabei war allerdings die Ironie häufig, dass die Firmen häufig durch diesen Anteilsverkauf wieder in die Hände des (ehemaligen) Adels kamen, da diese das Reichtum behalten haben und damit mehr investieren konnten. Doch je mehr sich dieses Finanzierungsmodell etablierte, etablierten sich auch Börsen, an denen dieser Handel zentralisiert wurden.

Ein paar Begrifflichkeiten

Lasst mich ein paar Begrifflichkeiten erklären, die im Rahmen von Investitionen oder der Börse häufig durch die Gegend geschmissen werden, aber für den einfachen Menschen häufig nicht begreiflich sind. Dies ist übrigens mit Absicht so gemacht, um eine Barriere aufzubauen, die einfache Anlegende davon abhalten soll, sich selbst um ihre Anlagen zu kümmern.

  • Aktie: Der wohl bekannteste Begriff aus diesem Kontext ist, die Aktie selbst. Eine Aktie ist ein Anteil an einem Unternehmen. Üblicherweise sind Unternehmen in irgendwo zwischen 90 Millionen und 4,4 Milliarden Aktien aufgeteilt, von denen Anleger eine oder auch mehrere kaufen können. Der Wert einer Aktie wird über die Börse nach der Regel von Angebot und Nachfrage bestimmt. Je gefragter eine Aktie ist, desto weiter steigt sie im Wert. Genau so kann sie am Wert verlieren, wenn die Nachfrage sinkt.
  • Derivat: Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, in das Geld investiert wird und dessen Wert von einem unterliegenden Wert abhängt. Eine Aktie ist ein Beispiel für eine Art von Derivat – ihr Wert hängt vom unterliegenden Wert des Unternehmens ab. Andere Beispiele von Derivaten sind Futures, Optionen, Swaps und Zertifikate. Da diese jedoch in erster Linie zwischen Firmen gehandelt werden, nehme ich mir heraus, auf diese nicht weiter einzugehen.
  • Portfolio: Ein Portfolio ist eine Zusammenstellung von mehreren Derivaten – am häufigsten mehrerer Aktien. Diese werden von Anlegenden zusammengruppiert, um das Gesamtrisiko ihrer Anlage zu senken. So können beispielsweise Portfolios aus den Top-Firmen eines Landes zusammengestellt werden oder den Top-Firmen eines Marktes (beides jedoch nicht die sichersten Investitionen). Genau so kann ein Portfolio allerdings vollkommen individuell zusammengestellt werden.
  • Rendite: Als Rendite wird der Wertzuwachs oder auch der Wertverlust (in dem Fall eine negative Rendite) eines Derivats bezeichnet. Kauft man Beispielsweise ein Derivat für 100€ und dieses ist ein Jahr später 105€ wert, so beträgt die Rendite 5€. Sie wird allerdings üblicherweise in Prozent angegeben, also in unserem Beispiel +5%.
  • Volatilität: Die Volatilität einer Aktie ist das Risiko, das in der Anlage einer Aktie besteht. Das bedeutet, je häufiger und je stärker der Wert einer Aktie sich ändert, desto volatiler ist eine Aktie. Hat eine Aktie zu Zeitpunkt 1 einen Wert von 100€, zum Zeitpunkt 2 einen Wert von 98€ und zum Zeitpunkt 3 einen Wert von 105€ ist sie weniger Volatil, als eine Aktie, die zu Zeitpunkt 1 einen Wert von 100€, zum Zeitpunkt 2 einen Wert von 120€ und zum Zeitpunkt 3 einen Wert von 85€ hat.

Shareholder und Stakeholder

Ein Abschnitt, der einen eigenen Absatz bedarf, ist eine Grundlage, des neoliberalen Kapitalismus, der durch die Börsen herbeigeführt wurde: Die Unterscheidung von den Shareholdern und den Stakeholdern einer Firma.

Stakeholder sind alle Leute, die vom Erfolg einer Firma beeinflusst werden. Das sind beispielsweise alle Mitarbeitenden, aber auch alle Firmen, die im Handel mit dieser einen Firma stehen, sowie andere Unternehmen, die Dienstleistungen für die Firma vollbringen. Im weitesten Sinne kann aber auch der Staat, in dem eine Firma agiert, als ein Stakeholder betrachtet werden, beeinflusst jede einzelne Firma selbst wenn teilweise nur auf kleine Art und Weise doch den gesamten Markt im Staat.

Shareholder sind derweil alle Menschen, die Anteile an einer Firma besitzen – meistens, aber nicht immer in Form von Aktien (das ist eben davon abhängig, ob ein Unternehmen börsennotiert ist oder nicht).

Einer der großen Wechsel im neoliberalen Kapitalismus ist, dass der Wert der Stakeholder heruntergesetzt wurde und derweil der Wert der Shareholder hinaufgesetzt. Hat eine Firma also zwischen zwei Optionen zu entscheiden, von denen die eine gut für Stakeholder, die andere gut für Shareholder wäre, dann wird sie sich immer für die zweite Option entscheiden. Zu Gunsten der Shareholder.

Bewertung von Finanzinstrumenten

Eine weitere Sache, die euch über den Weg laufen wird, wenn ihr euch mit Investitionen beschäftigt, sind Bewertungen von Finanzinstrumenten und Firmen. Diese sind üblicherweise AAA, AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Dabei sind AAA Firmen und Finanzinstrumente, die als sichere Investition gelten, während die C-Ratings als recht unsicher gelten.

Das heißt, das alles, was ein A-Rating hat, hat recht gute Chancen an Wert zu gewinnen oder zumindest nicht an Wert zu verlieren. B-Ratings können in beide Richtungen ausfallen. C-Ratings haben eine hohe Chance, Wert zu vernichten. Diese Ratings sind als Hinweise für Investoren gedacht, um ihnen zu helfen, sich zu entscheiden, ob eine Investition sich lohnt.

Diese Ratings werden üblicherweise von ein paar Firmen übernommen, von denen die größte Standards & Poor ist.

Shorting

Ein wichtiger Begriff, der euch im Zusammenhang mit dem Finanzmarkt häufiger über den Weg laufen wird, ist „Shorts“, „Shorting“ und „Short Squeeze“. Das ist wahrscheinlich die Frage, die mir am häufigsten gestellt wurde: Was bedeutet „Short“. Und ja, das ist eine sehr gute Frage, denn Shorts sind in der heutigen Finanzindustrie ein wichtiges Finanzinstrument.

Eine Aktie (oder ein anderes Finanzinstrument) zu „shorten“ bedeutet effektiv, dass man gegen diese Aktie „wettet“, man also darauf wettet, dass sie an Wert verliert. Daher ist das Vorgehen folgendes:

  1. Man leiht sich von jemanden eine Aktie (oder mehrere), die aktuell einen guten Wert hat, mit dem Versprechen sie zu Zeitpunkt X zurückzugeben.
  2. Man verkauft diese Aktie zu dem aktuell hohen Wert.
  3. Zu Zeitpunkt X kauft man die Aktie (oder Aktien) wieder am Markt ein. Ist der Preis der Aktie gesunken, hat man einen Gewinn in der Höhe des Wertes zu Beginn – dem Wert zum Zeitpunkt X gemacht.

In diesem Zusammenhang gibt es dann auch noch das Phänomen des Short Squeeze. Dies entsteht, wenn eine Aktie, auf die viele Investoren eine Short-Position bezogen haben, unerwartet im Wert steigt. In diesem Fall werden die Leute mit einer Short-Position natürlich einen Verlust machen, weil voraussichtlich der Wert zum Zeitpunkt X über dem Anfangswert liegen wird. Daher wollen sie möglichst schnell – bevor der Preis weiter steigen kann – die geliehenen Aktien zurückkaufen. Dadurch allerdings steigt die Nachfrage am Markt, und der Wert steigt weiter, was weitere Investoren in Short-Positionen zum Handeln zwingt, so dass der Wertanstieg immer und immer steiler wird.

Wie Wert geschaffen und vernichtet wird

Was in Bezug auf die Börse wichtig zu verstehen ist, ist, wie Wert geschaffen, aber auch vernichtet werden kann. Wichtig dafür ist sich vor Augen zu führen, dass der Börsenwert ein reiner Papierwert und kein tatsächlicher Wert ist.

Eine Firma verkauft ihre Anteile an der Börse. Wie bereits gesagt: Normalerweise werden Millionen von Anteilen verkauft, aber um das Beispiel greifbarer zu machen, sagen wir, die Firma verkauft genau 100 Anteile. Als sie an der Börse einsteigt, wird der Wert eines Anteils auf 10€ dotiert – der Gesamtwert der Firma also auf 1000€. Diesen Wert hat die Firma, auch wenn noch niemand eine Aktie gekauft hat.

Jetzt geht die Firma aber an die Börse und die Aktie ist sehr beliebt. Mehr als 100 Leute wollen die Aktien kaufen und überbieten sich deswegen gegenseitig, so dass die Aktien am Ende für 25€ das Stück verkauft werden. Der Wert der Firma ist damit auf 2500€ gestiegen und in diesem Fall hat auch die Firma das Geld bekommen, da sie ja die ursprünglichen Aktien verkauft hat. Die Firma hat also 2500€ bekommen, es wurden allerdings 1500€ Wert geschaffen.

Jetzt aber passiert etwas. Die Firma macht irgendeinen Fehler und kann ihre Produkte über längere Zeit nicht liefern. Leute verlieren das Vertrauen daran, dass diese Firma überhaupt Umsätze machen kann, immerhin hat sie ja keine Produkte, die sie verkaufen kann. Deswegen wollen mehr Leute die Aktien verkaufen, als nun daran interessiert sind. Deswegen fällt der Wert der einzelnen Aktien auf einmal auf 5€, der Wert der Firma also auf 500€. Es wurden also 2000€ an Wert vernichtet.

Blasenbildung

Eine Vernichtung von Wert passiert häufig, wenn sich am Markt eine Blase bildet. Von einer Blase spricht man dann, wenn eine Aktie (oder ein anderes Finanzinstrument) weit über Wert gehandelt wird und mehr Leute versuchen auf eine Aktie aufzuspringen. Dadurch steigt der Wert immer und immer weiter, ohne dass sich das unterliegende Wertgegenstück verändert. Irgendwann fällt auf, dass dieses etwas über Wert gehandelt wird und auf einmal wollen alle verkaufen und Wert wird vernichtet. Um ein paar Beispiele zu nennen …

Tulip Mania

Eine der ersten Blasen, die wir historisch dokumentiert haben, ist „Tulip Mania“, also die Tulpenmanie, die – wie könnte es auch anders sein? – in den Niederlanden stattgefunden hat.

Was ist passiert? Nun, als die Tulpen in die Niederlande kamen, fanden die Niederländer*innen die Tulpen sehr schön. Bald schon wurden schöne Züchtungen der Pflanzen gemacht, die alle haben wollten. Deswegen stieg der Preis der Tulpen. In diesem Rahmen wurde sogar bereits mit Futures gehandelt – dem Versprechen eine Tulpe zu einem späteren Zeitpunkt zu verkaufen. Der Wert der Tulpen stieg so enorm, dass einzelne Zwiebeln von bestimmten Arten teilweise so viel Wert waren, wie ein Haus. Das war natürlich nicht aufrecht zu erhalten. Irgendwann wurde es den Niederländer*innen auch klar und der Wert der Tulpen verschwand praktisch über Nacht. Nur schlecht für all die Leute, die wortwörtlich ihre Häuser verkauft hatten, um sich damit Tulpen zu kaufen.

Der 1929 Börsenkollaps

Eine weitere Blase entstand in den 1920ern an der amerikanischen Börse. Dies ist wohl der bekannteste Börsenkollaps und im Rahmen von Blasen tatsächlich sehr untypisch, da hier die Blase keine spezifische Branche betraf, sondern den Börsenmarkt allgemein.

Der Hintergrund hier war wie folgt: Der zweite Weltkrieg war vorbei und die Menschen waren sehr optimistisch, dass es in der Zukunft besser werden würde. Deswegen zogen viele Menschen in die Städte. Die Wirtschaft boomte. Zu der Zeit merkten davon auch die Arbeitenden was, hatten daher genug Geld, um selbst zu investieren. Da man davon ausging, dass der Boom immer und immer weiter gehen könnte, wurde mehr und mehr Geld investiert – wodurch gleich eine Vielzahl amerikanischer Firmen über ihrem Wert gehandelt wurde. Dann wurde nach und nach klar, dass die Firmen jedoch nicht diesen Wert produzieren konnten, zu dem sie gehandelt wurden. Dies galt vor allem für die Stahlindustrie. Der Markt kam bereits Anfang des Jahres zum Stocken, kollabierte dann Ende des Jahres jedoch komplett, was zu der bisher größten Wirtschaftskrise geführt hat. Durch die zunehmende Globalisierung hatte diese auch starke Effekte auf den Rest der Welt – führte unter anderen auch in Deutschland zu einem Aufstieg der NSDAP.

Die 2008 Wirtschaftskrise

Die Wirtschaftskrise von 2007/2008 wurde durch eine Immobilienblase ausgelöst. Diese war jedoch ein wenig komplizierter als „Häuser sind im Wert zu sehr gestiegen“. Denn tatsächlich waren es nicht die Häuser, die spezifisch so stark im Wert gestiegen sind, sondern Hypothekenbesicherte Wertpapiere.

Was passiert ist, war folgendes: In den USA gehört es ja zum „American Dream“, ein Haus zu besitzen. Aber die wenigsten Leute können ein Haus einfach so kaufen. Deswegen nehmen sie bei einer Bank eine Hypothek auf. Diese sagt folgendes: Die Bank gibt den Aufnehmenden Geld, um ein Haus zu kaufen. Dieses Geld zahlen die Leute dann nach und nach (plus Zinsen) ab. Können sie es nicht abbezahlen, dann kriegt die Bank das Haus. Prinzipiell für die Bank also sehr Risikolos, gerade, da Häuser ja erfahrungsgemäß immer im Wert steigen. Mit diesen Hypotheken wurde zwischen den Finanzinstituten dann gehandelt, wodurch diese (meistens mit AAA-Wertung) im Wert noch weiter stiegen. Immerhin waren sie sicher: Sie warfen jeden Monat Geld ab und im schlimmsten Fall hatte man ein Haus.

Das Problem war, dass Markler Prämien dafür bekamen, Hypotheken zu vermitteln – und gleichzeitig die Banken den Marklern vertrauten, wenn diese Hypotheken beantragten. So hatten die Markler ein Interesse daran, so viele Hypotheken zu vermitteln, wie möglich. Auch an Leute, die sich gar kein Haus leisten konnten und die Hypotheken nicht würden abbezahlen können. Dadurch, dass aber praktisch jeder eine Hypothek bekam und ein Haus kaufen konnte, stiegen die Hauswerte noch schneller an. Bis eben dieser Fehler auffiel, und auf einmal alle Banken Hypotheken hatten, die gar keinen Wert hatten. Denn abbezahlen konnten die Leute die Hypotheken nicht und die Häuser waren nicht das Geld wert, für das sie gekauft worden waren. Und da die Banken nun einmal auch das Geld anderer Firmen besitzen und so viel Geld verloren haben, verloren sie auch das Geld verschiedener anderer Firmen durch diesen Fehler. Und dadurch kam es zu einer Krise.

Der Wertverlust wurde am Ende durch Steuergelder beglichen.

Aktuelle Blasen

Was natürlich auffällig ist: Die meisten Blasen werden von der Allgemeinheit erst anerkannt, nachdem sie geplatzt sind. Dennoch gibt es meistens einige gute Marktbeobachter, denen auffällt, wenn etwas über dem wahrscheinlichen Wert (also dem tatsächlichen Gewinnpotential) gehandelt wird. Natürlich ist es dabei pure Spekulation, ob es sich wirklich um Blasen handelt. Mit Sicherheit weiß man es erst, wenn sie Platzt.

Ein paar mögliche aktuelle Blasen sind:

  • Die Tech-Blase: Viele Wirtschaftswissenschaftler*innen gehen aktuell davon aus, dass die Tech-Firmen aus Silicon Valley zu hoch gehandelt werden. Ein sehr akutes Beispiel ist Tesla. Das Verhältnis von den Gewinnen des Unternehmens steht in keinem Verhältnis zu dem Börsenwert. Die Tatsache, dass diese Firmen oft sehr volatile Börsenkurse haben, kann ein weiterer Hinweis dafür sein.
  • Die Immobilienblase: Auch aktuell haben wir sehr wahrscheinlich wieder eine Immobilienblase, wie man am zunehmend steigenden Wert von Immobilien bemerkt, die häufig rein als Spekulationsobjekte benutzt werden.
  • Die Schuldenblase: Am US-amerikanischen Finanzmarkt wird aktuell mit den offenen „Student Loans“ gehandelt. Die Logik dahinter ist eine sehr ähnliche, wie bei den Hypothekenbesicherte Wertpapieren in der 2007/2008-Krise: Diese werfen permanent Wert ab und können praktisch nicht verfallen. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass viele sie dennoch nicht abbezahlen können – und es dadurch ggf. zu Liquiditätsproblemen der Finanzinstitute kommen kann.
  • Die Cryptoblase: Ein weiterer Aspekt, wo sich viele Wirtschaftswissenschaftler*innen sicher sind, dass eine Blase entsteht, ist der Crypto-Markt. Dazu kommen wir allerdings nächste Woche im Detail.

Fazit

Ich denke, wer diesen Artikel aufmerksam liest, wird ein grundlegendes Problem feststellen: In vielen Fällen sind die Investitionen, die einen Gewinn abwerfen sollen (im Vergleich zu Investitionen bspw. in Gold), in erster Linie ein Glücksspiel. Denn es ist sehr schwer zu durchschauen, wie viel Wert eigentlich in einer Aktie oder einem anderen Derivat steckt – da letzten Endes der Preis an den Finanzmärkten vor allem durch die allgemeine Wahrnehmung bestimmt wird – und menschliche Wahrnehmung ist eben fehleranfällig. So lassen sich viele Leute von dem Hype um irgendeine Investition mitreißen, wie es beispielsweise bei der Tulpenmanie oder eben auch bei dem Wirtschaftsboom in den 1920ern geschehen ist. Und nein, auch die Menschen, die beruflich am Finanzmarkt arbeiten, sind davor nicht gefeit. Das macht den Finanzmarkt gesamt sehr volatil und dadurch eben zu einer Art Glücksspiel. Nur leider ein Glücksspiel, bei dem viele andere Leute mit drin hängen, auch wenn sie selbst nicht investieren. Denn wenn eine Firma Geld verliert, dann spüren das nicht nur die Shareholder, sondern auch die Stakeholder – und das involviert Mitarbeitende, andere Firmen und sogar den Staat.


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