Ein Leben mehr – Der Vampir der Mythen und Popkultur

Vor einer ganzen Weile habe ich einen Beitrag über Werwölfe veröffentlicht, in dem ich bereits andeutete auch Beiträge über einige andere Wesen schreiben zu wollen. Diese anderen Beiträge haben eine ganze Weile auf sich warten lassen. Ich habe sie zugegebenermaßen vor mir hergeschoben. Jetzt aber ist es soweit. Heute geht es weiter mit den Vampiren.

Vampire sind interessante mythologische Wesen, denn gibt sie praktisch überall. Beinahe jede Kultur hat irgendeine Form von Blutsauger oder ein anderes Wesen, das sich von den Lebensenergien von Menschen und Tieren ernährt. Doch fangen wir, bevor es zu den eigentlichen Inhalten geht, erst einmal mit einer grundlegenden Frage an: Woher kommt das Wort Vampir?

Die aktuelle Herleitung im English Dictionary gibt an, dass das Wort seinen Ursprung in der serbischen Sprache hat. Tatsächlich gibt es dort das Wort Vampir. Dieses leitet sich wahrscheinlich von dem russischen Wort Upir ab und wurde als „Vampir“ im 18. Jahrhundert in den englischen, deutschen und auch französischen Sprachgebrauch übernommen.

Eine Eingrenzung

Das größte Problem, wenn wir über Vampire sprechen, ist die Frage, was überhaupt ein Vampir ist. Wie bereits eingangs gesagt hat beinahe jede Kultur ein Wesen, das von menschlichen Energien oder Körperflüssigkeiten lebt. Sind alles Vampire? Wo ist der Unterschied zwischen einem Vampir und einem Zombie oder Ghul? Um nicht über tausende verschiedene Wesen zu sprechen, also eine kleine Abgrenzung:

In diesem Beitrag definiere ich „Vampire“ als Wesen, die von humanoider Gestalt sind, zu irgendeinem Zeitpunkt einmal Menschen waren und auf das Trinken von Blut oder den Konsum von menschlichen Energien angewiesen sind, um zu überleben. Dies bedeutet auch, dass bestimmte Vampire oder vampirische Wesen, wie der Cupacabra, erst einmal ausgeschlossen sind. Ebenso werde ich zombieartige Wesen wie den Draugr nicht als Vampir zählen, auch wenn dieser einige vampirische Eigenschaften besitzt.

Der osteuropäische Vampir

Gibt es ein Land auf dieser Welt, das mehr mit Vampiren assoziiert wird als Rumänien? Der einzige Ort, der in unserer Kultur eine ähnlich enge Bindung zu den Blutsaugern hat, ist New Orleans. Und New Orleans ist sicher kein Land. Der Rumänienbezug ist natürlich unter anderem Bram Stoker und seinem Graf Dracula geschuldet, doch tatsächlich haben die bekanntesten und klassischsten Vampirlegenden in Osteuropa – unter anderem Rumänien – ihren Ursprung.

Hier gibt es einige Legenden, die sich sehr ähneln. Einige Aspekte findet man in jeder dieser Geschichten. Meistens spielen sie in einem Dorf oder einer kleinen Stadt. Nicht selten ist vor kurzem jemand gestorben und eine seltsame Krankheit breitet sich in diesem Dorf aus. Menschen fühlen sich müde. Tiere sterben. Und manchmal berichten Angehörige ihre Verstorbenen nachts in den Straßen gesehen zu haben. Wird das Grab des Verstorbenen geöffnet, so zeigen sich hier die deutlichen Merkmale eines Vampirs. Die Haare sind gewachsen, so auch die Nägel, die Zähne treten deutlich hervor. Auch scheint die Leiche kaum verwest zu sein. Um den Vampir an weiteren Gräueltaten zu hindern, wird oft ein Stück Holz durch sein Herz gejagt. In manchen Fällen wurde jedoch der Kopf abgeschlagen oder der Körper verbrannt. Eine Kombination war natürlich ebenfalls möglich.

Natürlich wissen wir heute, dass die beschriebenen Eigenschaften der Leiche vollkommen normal sind. Doch hatte die Panik erst einmal Besitz von einer Gruppe Menschen ergriffen, erschien es nur logisch solche drastischen Maßnahmen zu ergreifen. Dies geschah übrigens auch in anderen Teilen Europas. Selbst in Großbritannien wurden noch zu Zeiten der Industrialisierung Vampire gepfählt.

Dennoch sind es die osteuropäischen Vampire, die einen besonders großen Einfluss auf die heutige Popkultur haben. Einige davon sind vielen bekannt. Vor allem das Wort Strigoi sollte dem einen oder anderen Fantasy-Leser bereits über den Weg gelaufen sein. Nicht zuletzt da dieses auch in Dracula auftaucht. Es gab jedoch viele andere Vampirwesen, deren Legenden sehr ähnlich waren. Beispielsweise den Upir, die Mora oder den Mollo. Auch von Dhampiren, Kindern von Menschen und Untoten wurde berichtet.

Vampire aus aller Welt

Entfernen wir uns jedoch aus Osteuropa, wird es immer schwieriger einen Vampir von anderen Untoten zu unterscheiden. So gibt es zum Beispiel in Spanien und den spanischen und portugiesischen Kolonialgebieten Varianten der Bruxa oder Bruja. Diese kann man als Hexen beschreiben, doch in einigen lokalen Varianten haben sie ebenfalls Eigenschaften von Vampiren und sind beispielsweise auf den Konsum von Blut angewiesen.

Ein interessantes Beispiel wäre jedoch auch der Aswang aus dem philippinischen Raum. Der Aswang ist besonders interessant, da seine moderne Darstellung in der philippinischen Popkultur auch durch westliche Einflüsse mit verändert wurde. Parallel zu den Vampir-Romanzen in unseren modernen Medien gibt es dort Aswang-Romanzen, die ähnliche Tropes verwenden. Ein großer Unterschied zwischen den Aswang und unserem Vampir ist, dass der Aswang das Tageslicht problemlos ertragen kann.

Eine ebenfalls an den üblichen Vampir erinnernde Legende ist die des Sukuyan in der Karibik. Dieser ist am Tag ein Lebender, bei Nacht jedoch untot. Um sich am Leben zu erhalten muss er Blut trinken. Dankbarerweise kann man ihn mit einigen Hausmitteln abwehren, wie zum Beispiel bestimmten Zeichen an den Türen oder einem Besen. Dabei ist es natürlich schwer zu sagen, inwieweit sich hier europäische Legenden mit den lokalen Legenden vermischt haben.

Natürlich könnte ich noch lange unterschiedliche Vampire aufzählen. Ich möchte euch jedoch stattdessen auf die Webseite Vampire Underworld verweisen, die eine sehr umfassende Vampir-Liste führt. (Auch wenn diese Liste einige Zombies beinhaltet.)

Inkubus und Sukkubus

An dieser Stelle müssen wir auch über eine besondere Unterart der Vampire sprechen: Inkubus und Sukkubus. Oder einfacher: Sex-Vampire. Wenn auch von diesen gibt es eine ganze Menge. Meist sind diese Geschichten sehr ähnlich. Das Opfer wacht nachts auf, ist unfähig sich zu bewegen, während der Vampir auf ihm oder ihr sitzt. Der Vampir nimmt sexuelle Handlungen vor und saugt so Energie von seinem Opfer ab.

An dieser Stelle kann man sich streiten, ob diese Wesen ebenfalls Vampire sind. Immerhin sind die meisten dieser Wesen nicht untot, sondern sind eine komplett eigene Wesensart – nicht selten eine Form von Dämonen. Dadurch, dass der Vampirmythos jedoch oft bestimmte sexuelle Aspekte beinhaltet, fügen sich Inkubi und Sukkubi wunderbar in das bestehende Bild ein.

Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sie in der Popkultur beinah immer zu den Vampiren gezählt werden. Sie seien daher hier als Teil der Vampire genannt.

Typische Eigenschaften eines Vampirs

Kommen wir zu den typischen Eigenschaften eines Vampirs. Was macht einen Vampir aus? Einige Eigenschaften hatte ich bereits zu Anfang genannt: Der Vampir hat zumindest ein grob humanoides Erscheinungsbild. Manchmal ist dieses monströser, manchmal ist es bildhübsch. Hübsche Vampire verführen. Monströse Vampire jagen. Die meisten Vampire sind untot. Sie waren Menschen, die nach ihrem Tod zum Vampir wurden. In Legenden geschieht dies meistens, weil sie nicht fromm gelebt haben, weil sie verflucht wurden, weil sie nicht getauft waren oder weil sie einen vorzeitigen grausamen Tod erlitten haben. In manchen Fällen werden sie jedoch auch von einem Vampir ihrerseits zum Vampir gemacht. Dabei können sich Vampire aus Mythen und Aberglaube jedoch beinahe immer sexuell fortpflanzen.

Der Vampir braucht außerdem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten, um zu überleben. Der genannte Aswang kann sich beispielsweise auch von Fruchtwasser ernähren. In manchen Fällen ernährt sich der Vampir jedoch auch von menschlicher Energie. Diese kann er entweder rein durch körperliche Nähe oder durch beispielsweise sexuelle Handlungen absaugen.

In überraschend vielen Legenden ist es möglich, den Vampir mittels eines bestimmten Holzes zu erkennen oder gar zu töten. Was bei uns die Kiefer ist, ist in anderen Gegenden beispielsweise das Holz von Mangobäumen oder Banane.

Die Anfänge des modernen Vampirs

Nachdem wir also ein wenig über die Mythen und Legenden, auf denen der Vampir aufbaut, geredet haben, müssen wir auch über den modernen Vampir sprechen. Entgegen dem was viele zu wissen glauben, hat die Relevanz des Vampirs nicht erst mit Dracula begonnen. Tatsächlich hatte der Vampir seine ersten größeren Auftritte in den Gedichten der frühen Romantik. Auch Goethe hat über die Vampire geschrieben. Das erste nennenswerte Vampirbuch war auch nicht Dracula, sondern Der Vampyr von John William Polidori, welches 1819 erschien.

Da dies die Ära der Penny Dreadfuls war, erschienen auch in diesem Format diverse Gothic Horror Geschichten, die Vampire als ihre Hauptmonster nutzten. Hier sei auch eine wichtige andere Geschichte genannt: Camilla von Sheridan Le Fanu, das 1871 erschien. Camilla handelte von einer lesbischen Vampira und betrachtete die namensgebende Camilla mit weitaus mehr Sympathie, als die vieler anderer Vampirgeschichten taten.

Erst 1897 erschien Dracula, das heute eines der einflussreichsten Vampirbücher ist. Dracula schaffte es den damaligen Zeitgeist sehr gut einzufangen, weshalb es sich bereits in der viktorianischen Zeit großer Beliebtheit erfreute. Damit war der Weg für den Vampir in die Moderne frei.

Der Vampir als Kreatur des Horrorgenre

Im frühen 20. Jahrhundert macht ein neues Medium seine ersten Gehversuche. Der Film war geboren. Nachdem die ersten Probleme überwunden waren und die ersten richtigen Filme gemacht wurden, begannen die Menschen schnell mit verschiedenen Genres zu experimentieren. Auch die ersten Horror Filme wurden gedreht. Natürlich erschien es dabei nur als naheliegend einen Klassiker wie Dracula filmisch umzusetzen. Dies geschah jedoch mit einigen Problemen. Denn der Regisseur Murnau, der sich damals an der ersten Dracula Verfilmung versuchen wollte, bekam die Rechte nicht. Davon ließ er sich jedoch nicht abhalten. Und so erschien der erste Dracula Film unter dem Titel Nosferatu 1922 in den deutschen Lichtspielhäusern. Der Name Nosferatu, den Murnau damals benutzte, um die Rechtsfrage zu umgehen, ist bis heute synonym für diverse Vampire geworden.

Doch das war nur der Anfang. Es dauerte nicht lang, bis der erste richtige Dracula Film von Universal herausgebracht wurde. In der Verfilmung von 1931 stellte Lugosi den Grafen das erste Mal unter seinem richtigen Namen dem Publikum vor. Bald schon wurde Dracula und mit ihm der Vampir zu einem Standard des Horror Genre. In diesem sollte der Vampir auch vorerst bleiben, denn in den nächsten zwei Jahrzehnten waren die meisten Vampirfilme dem Horror Genre zuzuordnen. Hier wurde dafür sehr viel experimentiert. Wahrscheinlich ist es einem dieser Filme zu verdanken, dass wir mittlerweile Vampire und Werwölfe als Gegner des jeweils anderen sehen – selbst, wenn zur damaligen Zeit viele Vampire und Werwölfe beide auf der Seite des Bösen standen.

Viele der Eigenschaften, die wir heute in der Popkultur mit Vampiren verbinden, entstammen diesen Filmen. Vielleicht haben die Filme diese Eigenschaften nicht erfunden, doch der vampirische Kanon, wenn wir wollen, wurde hier zusammengestellt. Und somit wurde es bald zum Standard, dass Vampire auf jeden Fall im Sonnenlicht verbrennen, das Blut von Jungfrauen am liebsten trinken und außerdem eine unglaubliche Angst vor Knoblauch haben. Natürlich tauchten diese Eigenheiten bereits in früheren Mythen auf, doch hier wurden sie das erste Mal so zusammengestellt und in einem neuen „Standardvampir“ vereint.

Der dramatische Vampir

Seien wir einmal ehrlich: Die ganze Zeit den Vampir nur als Monster zu verwenden, ist auch ziemlich langweilig. Immerhin sind Vampire ja unsterblich. Was man damit nicht so alles machen könnte?! Wie nimmt ein Mensch, der einmal zum Vampir geworden ist, diese Verwandlung wahr? Und natürlich: Was passiert, wenn sich ein Vampir unsterblich (ha!) in eine menschliche Frau verliebt?

Mit wahrscheinlich diesen oder ähnlichen Gedanken begann die Ära des dramatischen Vampirs. Gut, dazwischen gab es auch einige eher lustige, ja, parodische Darstellungen von Vampiren, doch in den 70er Jahren begann der Vampir seine Rolle als der tragische Held einer Geschichte. Hier die Verfilmung von Camilla oder der Kulthit Dark Shadows genannt.

Um diese Zeit entstand auch ein gewisses Buch, das vielleicht dem einen oder anderen bekannt sein dürfte. In 1976 erschien ein Buch mit dem Titel Interview mit einem Vampir. Es war der erste Band einer Reihe und diese Reihe sollte sowohl das Vampir-Subgenre, als auch Urban Fantasy allgemein maßgeblich beeinflussen. Auch hier wurden erneut bestimmte Tropen verfestigt. So etablierte dieses Buch mehr als irgendein anderes, dass Vampire durch den Austausch von Blut geschaffen wurden. Auch dass Vampire verschiedene Fähigkeiten haben könnten, wurde in diesem Buch etabliert. Dies legte den Grundstein für den wirklich modernen Vampir.

Der moderne Vampir

Was sich seit dem Erscheinen von Interview mit einem Vampir herauskristallisiert hat, ist, dass verschiedene Autor*innen den Vampir unterschiedlich einsetzen. In der eigenen Geschichte mag der Vampir ein tragischer Held sein, in der nächsten vielleicht das Monster aus einer längst vergessenen Zeit und in der wieder nächsten des Love Interest einer Heldin. Dies ist wahrscheinlich die größte Stärke des Vampires als Wesen: Er ist vielseitig einsetzbar.

Warum ich das alles erzähle? Nun, vornehmlich um euch alle daran zu erinnern, dass der romantische Vampir nicht erst mit Twilight seinen Anfang nahm. Denn die verschiedenen Aspekte des Vampirs haben sich über mehr als zwei Jahrhunderte entwickeln können und standen je nach Ära und Geschichte mal mehr und mal weniger im Vordergrund. Ja, keine Sorge, wir reden schon noch über Twilight.

Erst einmal möchte ich jedoch über etwas anderes reden.

Vampire, Sex und Verbotenes

Ich habe bereits gesagt, dass Camilla sehr wichtig ist. Denn Camilla drückt etwas aus, das im Zentrum des Vampirmythos oder eher des modernen Vampirmythos steht. Denn Sexualität und Vampire sind zwei Dinge, die einfach zusammengehören. Dabei ist es beinahe egal, ob wir von Homosexualität oder Sexualität im Allgemeinen sprechen. Nur eine Sache gehört absolut dazu: der Reiz des Verbotenen.

Der Vampir als sexuelle Metapher ist nicht schwer zu verstehen: Immerhin drückt in der normalen Vampirgeschichte irgendwer irgendwem einen Teil von sich in den Körper und dann werden Körperflüssigkeiten ausgetauscht. Genau deswegen war der Vampir bereits in der viktorianischen Ära ein Klassiker dafür über Sex zu schreiben, obwohl man eigentlich gar nicht über Sex schreiben sollte. Doch mit Vampiren und ihrem Bild konnte man es umgehen, direkt über Sex zu schreiben, während dennoch jeder verstand.

Dabei lassen sich zumindest in den frühen Geschichten verschiedene Wertung von Sexualität ablesen. Denn bereits in den frühen Vampirgeschichten gab es durchaus die ein oder andere Romance oder natürlich mehr oder minder erotische Geschichte. Dabei sagt die Darstellung des Vampirs sehr viel über die Einstellung des Autors zum Thema Sexualität aus. Nicht zwangsweise, jedoch häufig war es so, dass ein monströser Vampir auch mit einer Warnung vor der Gefahr vor „Sexualität“ und einem deutlichen Anhalten dazu, die eigenen Triebe zu unterdrücken, verbunden war. Über die Darstellung von Frauen in Dracula wurde schon manch ein Essay geschrieben.

Vampire – the Masquerade

Ausnahmsweise komme ich auch dazu, über eine meiner anderen Leidenschaften zu sprechen: dem Rollenspiel. Denn an dieser Stelle kommen wir zu Vampire – the Masquerade und dem dazugehörigen World of Darkness Universum. Für jene die es nicht kennen: Bei der World of Darkness handelt es sich um ein Rollenspiel Regelwerk, das unter anderem klassische Movie Monster abbildet. Der Spieler kann hier unter anderem Vampire, Werwölfe, Mumien, Magier, Zombies und einiges andere spielen. Vampire – the Masquerade ist dabei das Regelwerk, das sich voll und ganz um die Vampire dreht.

Interessant ist Vampire – the Masquerade vor allem für eine Sache: dem Mikrokosmos der verschiedenen Vampirtypen. Denn in der Welt der Dunkelheit also der World of Darkness, ist es so, dass Vampire sich in verschiedene Clans mit verschiedenen Eigenheiten einteilen. Beispielsweise heißt einer der Clans Nosferatu und wird vor allen Dingen von den monströsen Vampiren, die viel mit Träumen und Albträumen arbeiten, dargestellt. Ein anderer Clan ist der Clan der Toreador, bei denen es sich vor allen Dingen um die Kunstliebhaber und gequälten Seelen unter den Vampiren handelt.

Zwar ist es in der World of Darkness so, dass fast alle Wesen in irgendeiner Form zumindest Monster sind. Dennoch findet man hier ganz unterschiedliche Tropen, Klischees und Stereotype, die sich über die Jahrzehnte hinweg herauskristallisiert haben. Dies sieht man auch an den neuen Clans der New World of Darkness, die sich etwas von den vorherigen Clans unterscheiden.

Vampirarten

Lasst uns an dieser Stelle einmal kurz über die verschiedenen Arten von Vampiren sprechen. Dies meine ich sowohl in Bezug auf die Fähigkeiten, als auch darauf welche Rolle sie in ihren Geschichten einnehmen und inwieweit diese Dinge einander beeinflussen.

Der Vampir als Monster: Monströse Vampire haben nicht immer, jedoch sehr oft ein monströses Aussehen. Manchmal bedeutet dies, dass sie sehr alt dargestellt werden und Krallen haben, sowie sehr betonte Zähne. Manchmal heißt es auch, dass sie aussehen wie ein Gargoyle. Viele von ihnen können sich in Fledermäuse verwandeln oder in Wölfe. Inwieweit das Sonnenlicht sie beeinflusst, lässt sich sehr schwer verallgemeinern. Dafür kommt hier immer mal wieder ein anderer alter Mythos mit ins Spiel: die Angst vor fließendem Wasser. Manchmal können diese Vampire auch kein fremdes Haus betreten. Jedenfalls nicht ohne hereingebeten zu werden. Auch beherrschen sie manchmal irgendeine Form von Magie.

Der neutrale Vampir: Diese Vampire tauchen oft in Geschichten auf, in denen es sowohl gute als auch böse Vampire gibt. Dies bedeutet, dass die meisten Vampire genauso neutral sind wie Menschen. Diese Vampire sind meistens zumindest sehr schnell und sehr stark. Inwieweit sie weitere Kräfte haben hängt sehr vom Buch ab. Sie sehen jedoch meistens wie normale Menschen aus. Auch Einschränkungen sind sehr variabel.

Der Action Vampir: Dies ist eine besondere Untergattung des Vampirs. Sie sind meistens die Helden oder Bösewichte in Actionfilmen. Das bedeutet, sie sind sehr, sehr schnell und haben übernatürliches Geschick. Meistens können sie sehr hochspringen und sehr tief fallen ohne Schaden zu nehmen. Ihre bevorzugten Waffen sind wahrscheinlich Katanas oder richtig coole Pistolen. Eventuell können sie auch fliegen. Meistens leben sie in einer sehr etablierten vampirischen Gesellschaft mit sehr klaren Regeln. Zumindest ein Teil dieser Gesellschaft sieht Menschen als Nutzvieh an. Di*er Protagonist*in meistens nicht, selbst wenn si*er ein Vampir ist.

Der romantische Vampir: Der romantische Vampir muss nicht immer in einer Romanze auftauchen. Eventuell steht er auch nur für romantische Ideale. Er sieht definitiv menschlich aus. Wahrscheinlich ist er sogar hübsch. Seine Unsterblichkeit ist wahrscheinlich tragisch. Inwieweit wird jedoch nicht immer erzählt. Auch er muss Blut trinken, versucht, dies jedoch zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, fühlt er sich zumindest sehr schlecht deswegen. Seine Fähigkeiten können sehr vielfältig sein. Manchmal ist er auch einfach nur stark und schnell, in anderen Fällen beherrscht er sogar Magie.

Ich bin mir sicher, zu jedem dieser Vampire fallen euch Beispiele ein.

Wie wird man Vampir?

Eines der Dinge, die sich am stärksten gewandelt haben, ist wohl die Geburt eines Vampirs. Wie schon gesagt, war es in vielen frühen Mythen so, dass zum Vampir wurde, wer ungetauft beerdigt wurde, ein unfrommes Leben geführt hat oder verflucht worden ist. Natürlich gab es auch damals schon Geschichten, in denen die Gebissenen zum neuen Vampir wurden. Meistens aber hatte der Vampirismus andere Ursachen.

Dass dieser irgendwann als Übertragungsmöglichkeit des Vampirismus so beliebt wurde, hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass Vampire nun einmal verbotene Sexualität symbolisierten. Dahingehend kann der Biss als Übertragung einiges bedeuten. Sexualkrankheit? Geht. Eine metaphorische Strafe, für das Mädchen, das sich beißen „lässt“, geht natürlich auch. Victim blaming gab es auch schon damals. Genauso kann in die Geschichten, in denen Vampire eher positiv kanontierten wird, hineingelesen werden, dass sich das Opfer für den Vampir aufgibt und damit Teil von ihm wird. Das heißt natürlich, wenn das Opfer überhaupt eine Wahl hat.

Dann kam jedoch die Blutstaufe. Dabei saugt der Vampir das Opfer beinahe leer und füttert es dann mit dem Blut, das durch die Adern des Vampirs gefiltert wurde. Diese Variante behebt vor allen Dingen ein Problem: Vampirüberpopulation. Vor allem, wenn es weitere Drawbacks hat, jemanden in einem Vampir zu verwandeln. Gleichzeitig wird diese Version auch als romantischer gelesen. Immerhin muss der Vampir auch ein Teil von sich aufgeben und die Blutstaufe ist oftmals sehr intim dargestellt.

Die Sache mit Twilight

Denkt euch hier ein schweres Seufzen. Denn ja, ich muss wohl über Twilight sprechen. Dabei weiß ich nicht unbedingt warum. Immerhin war Twilight letzten Endes nicht wirklich einflussreich, wenn es um die Darstellung des Vampirs in der Popkultur geht. Denn entgegen der empörten Rufe verschiedenster Vampir-Fans, die immer wieder betonen müssen, dass ihre Vampire „nicht glitzern“, war es doch nicht so, dass Stephanie Meyers Vampire diese Eigenschaft irgendwie in der Literatur verbreitet hätten.

Ja, die Vampire in Twilight glitzern. Ja und? Das sorgt ja nicht dafür, dass jetzt auf einmal Dracula glitzern würde. Glaubt es oder nicht: Ja, auch diejenigen, die sich an Twilight erfreut haben, wussten, dass Vampire klassischerweise nicht glitzern. Tatsächlich hatte Twilight alles in allem einen sehr geringen Einfluss auf den Vampir-Mythos in unserer Gesellschaft. Denn ja, Vampire als die romantischen Helden einer Geschichte … die gab es bereits mehr als 100 Jahre vor Twilight. Und ja, auch damals war es bereits gruselig, dass ein 300 Jahre alter Vampir mit irgendeinem Mädel rund um die 20 geflirtet hat. Übrigens: auch Lucy in Dracula war erst 19 Jahre alt. Und Buffy dürfen wir natürlich auch nicht vergessen.

Was ich damit sagen will: Der ganze Hass auf Twilight nervt einfach nur noch. Es ist über 10 Jahre her, dass diese Filme herausgekommen sind. Es reicht. Ja, natürlich haben die Bücher einige problematische Aspekte. Aber wisst ihr was? Das hatte Buffy – the Vampire Slayer auch. Und Buffy gilt als Klassiker. Beinahe so, als würde der Hass auf Twilight an etwas anderem liegen. Lindsey Ellis hat darüber ein wunderbares Video gemacht.

In Bezug auf die Betrachtung des Vampirs in der Popkultur, lässt sich bezüglich Twilight nur eine Sache sagen: Twilight hat den Vampir für eine Weile wieder etwas beliebter gemacht. Und ja, eventuell waren es speziell die romantischen Vampire, die dadurch am meisten profitiert haben. Diese wurden jedoch nicht in Twilight erst geboren. Sie erlebten durch Twilight allerhöchstens eine Renaissance.

Was ist ein Vampir?

Damit komme ich schließlich zu der allem zugrunde liegenden Frage. Was ist ein Vampir? Was ist ein Vampir in der modernen Popkultur? Was darf ich Vampir nennen, und was nicht? Die Antwort ist: Letzten Endes ist alles ein Vampir, von dem der Autor sagt, dass es ein Vampir ist. Sicher, die meisten Leser werden eine gewisse automatische Erwartung haben: Eben, dass der Vampir zumindest Blut trinkt. Na ja, und wahrscheinlich, dass der Vampir unsterblich ist und eine hübsche Gestalt annehmen kann. Davon einmal abgesehen, gibt es mittlerweile sehr wenig Gemeinsamkeiten, die man in der Popkultur zwischen verschiedenen Vampiren finden kann.

Manche Vampire vertragen das Sonnenlicht nicht, andere dagegen schon. Manche Vampire müssen ihr Opfer töten, bei anderen reicht nur ein kleiner Schluck vom Blut. Manche Vampire können sich in Tiere verwandeln, andere nicht. Manche Vampire sehen kaum aus wie Menschen, andere sind mehr als deutlich menschlich. Manche Vampire können Gedanken lesen, können fliegen, können Magie wirken oder haben andere übernatürliche Fähigkeiten, während viele Vampire einfach nur sehr stark sind und selbst das kann nicht von allen Vampiren gesagt werden. Und ja manche Vampire glitzern halt. Die meisten jedoch nicht.

Letzten Endes ist der Vampir das, was man haben möchte. Der Vampir ist, was man aus ihm macht. In meinen Augen ist dies genau die Stärke des Vampirs: Es gibt einfach für jede*n Autor*in und für jede*n Leser*in den richtigen Vampir. Entsprechend: Lest die Vampire, die euch gefallen. Experimentiert. Habt ein wenig Spaß mit Untoten … Nein, nicht die Art von Spaß!

Meine Vampire

Aktuell schreibe ich an einem Vampir Roman mit dem Titel 7 Nächte bis Bukarest. Dieser ist ein Remake meines allerersten Romans (wenn man es denn so nennen möchte.) Weder hatte Red Tears damals die Länge eines richtigen Romans, noch hat 7 Nächte viel mit der damaligen Geschichte gemein. Während ich mal seinerzeit klassische Vampire à la Ann Rice verwendet habe, habe ich mir für diesen Roman etwas anderes ausgedacht.

Wie einige sicher schon gemerkt haben, arbeite ich gerne mit Mythen und Legenden. Daher bau ich die Vampire in 7 Nächte auf mythologischen Vampiren auf. Dies bedeutet auch, dass es verschiedenste Arten von Vampiren gibt. Manche von diesen arbeiten zusammen, während andere miteinander verfeindet sind, und wieder andere eher die Einsamkeit bevorzugen. Die wichtigsten Vampire in der Geschichte sind Lugat. Dies ist eine Vampirart aus den Balkanstaaten. Interessant an den Lugat ist für mich, dass sie in den ersten 30 Jahre nach ihrer Verwandlung nicht in die Sonne gehen können danach jedoch schon. Damit stellen sie eine Mischung aus zwei verschiedenen Vampirphilosophien dar. Es tauchen jedoch auch andere Vampire vornehmlich aus der Mittel-, Süd- und osteuropäischen Mythologie auf. Und ja, natürlich spiele ich mit diesen Mythologien auch etwas herum, besonders, da es von einigen Legenden unterschiedliche Versionen gibt.

Abschließend

Die Idee von vampirischen Wesen, die Blut oder Energie von den Menschen saugen, ist wahrscheinlich so alt, wie die Menschheit selbst. Dabei standen die Vampire im Laufe der Zeit für die unterschiedlichsten Dinge. Drücken sie früher einmal die Angst vor der Nacht und dem Tod aus, sind sie heute viel mehr zu einer Faszination geworden. Vampire sind überall. Selbst auf den Frühstücksflocken. Vampire sind eine Metapher für viele Dinge. Für Sexualität. Für ein ungerechtes System. Für Klassismus. Für die Angst und Faszination, die vom Tod ausgeht.

Was macht für euch einen Vampir aus? Wenn ihr selbst über Vampire schreibt: Wie sind eure Vampire so drauf? Was ist eure liebste Vampirgeschichte? Wer ist euer liebster Vampir? Welche Eigenschaften gehören unbedingt zu einem Vampir dazu?

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