Mad Max Fury Road: Eine Soundtrackanalyse

Heute geht es nun endlich mit Mad Max Fury Road weiter und speziell mit dem Sountrack des Films. Zur Übersicht habe ich hierzu auch am Montag bereits einen Beitrag geschrieben, in dem ich ein paar Grundlagen von Filmsoundtracks erklärt habe. Damit ich es hier nicht mehr tun muss. Insofern: Es wird ein kürzerer Beitrag, aber ich wünsche euch dennoch viel Spaß.

Das Streichquartett

Bevor ich über die instrumentelle Zuordnung spreche, einmal klar die Anmerkung: Der Soundtrack von Mad Max Fury Road ist zu großen Teilen im Computer entstanden. Einzig E-Gitarre und Schlagzeug sind tatsächlich aufgenommen worden. Allerdings können viele Programme mittlerweile glaubwürdig Instrumente nachahmen (immerhin entstehen viele Soundtracks mittlerweile im Computer), so dass man diese Zuordnungen dennoch erkennen kann.

Und das wichtigste/zentralste bei Mad Max in diesem Kontext ist die Zuordnung der Hauptgruppe. Denn eine Sache ist auffällig: Die gesamte Hauptgruppe (Max, Furiosa, die Frauen, Nux) wird durch Streichinstrumente dargestellt. Auf eine Sache in dem Bezug, bin ich ja bereits letztes Mal eingegangen: Ich bin mir sehr sicher, dass Furiosa durch ein Cello dargestellt wird – und Max durch einen Kontrabass. Ein Instrument, das vornehmlich genutzt wird, um andere Streicher zu ergänzen und ihren Klang abzurunden, auch wenn es solo spielen kann.

Allerdings spielen hier auch die Frauen mit rein. Bei ihnen ist das Instrument am leichtesten zu erkennen: Violinen.

Diese Zuordnung ist hier interessant, da sie der Heldengruppe eine gemeinsame Identität gibt und sie musikalisch miteinander verbindet. Dies ist umso mehr interessant, da wir so etwas verhältnismäßig eher selten in Filmen sehen.

Nux zwischen den Stühlen

Immortan Joe und seine Söhne werden derweil durch Blechblasinstrumente dargestellt. Ich gebe zu: Bei Bläsern fehlt mir ein wenig die Erfahrung, um diese einzeln zuzuordnen, weshalb ich nicht sicher sagen kann, wer welches Instrument hat. Die Zuordnung zu Bläsern ist allerdings deutlich herauszuhören. Diese sind vornehmlich tief und bedrohlich.

Die Identität der War Boys als Gruppe ist derweil recht leicht zu erkennen, da die Musik im Film diegetisch ist: Schlagzeug (vor allem Trommeln) und die E-Gitarre.

Und hier kommt Nux ins Spiel: Denn Nux Handlung werden von mehreren Instrumenten begleitet. Schlagzeug, ein Blasinstrument (ich glaube, es ist ein Horn) und ein Streichinstrument (relativ sicher eine Bratsche). Damit hat er mehr Instrumente, als jeder andere Charakter – aber auch das hat einen Grund. Denn nach und nach fallen bei ihm Schlagzeug und Blasinstrument raus. Es bleibt nur noch die Bratsche. Damit unterstreicht der Soundtrack seine Position als jemand, der am Anfang Teil der War Boys (Schlagzeug) und Immortan Joe treu (Blasinstrument) ist, aber das Potential für mehr hat (Bratsche). Und dieses Potential gewinnt am Ende. Das Schlagzeug kehrt einzig einmal zu ihm zurück. Als er sich opfert. „Witness me.“ Wahrscheinlich, weil er damit den Tod eines War Boys stirbt.

„Survive“

Max‘ Charaktertheme heißt „Survive“, „Überleben“. Wir hören es direkt zu Beginn des Films, als Max in der Landschaft steht und eben davon spricht, dass es von einem Instinkt beherrscht wird: „Überleben.“ Und hier ist der Soundtrack unglaublich wichtig, um den Film zu ergänzen. Denn das Theme „Survive“ kommt immer und immer wieder vor, wenn Max eben nicht das richtige tut. Er will davonfahren? Untermalt mit „Survive“. Er lehnt das Angebot ab, mit den Frauen in die Ebenen der Stille zu fahren? Ebenfalls untermalt mit „Survive“. Der Soundtrack hilft hier zu kommunizieren, wie sehr dieser Instinkt auch später im Film seine Entscheidungen beeinflusst. Er ist solange davongelaufen, hat solange für nichts weiter gekämpft, als zu überleben, dass es weiterhin immer wieder ein Instinkt ist, der in den Vordergrund rückt.

„Redemption“

Das Gegenstück zu „Survive“ ist, wenn man so möchte, „Redemption“. Furiosas Theme. Dieses ist in doppelter Hinsicht interessant. Denn es spiegelt das Thema der Frauen, „We are Not Things“, wieder, baut damit auf einer Variation davon auf. Auch kommt es erst recht spät im Film vor, da es zwar deutlich Furiosas Thema ist, aber sie erst an diesen Punkt gelangen muss.

Ich habe in dem Eintrag zu Furiosa bereits darüber gesprochen, dass zuerst ihre Motivation ist, Rache an Joe zu üben. Erst nach einer Weile (speziell Agarads Tod) wandelt sich ihre Intention mehr und mehr dazu, eben nach „Redemption“ zu suchen. Das spiegelt sich im Soundtrack wieder. Dieser geht von etwas, das weit mehr durch Trommeln gestützt ist und ein wenig dieselben Themas wie Nux‘ reflektiert, halt erst zu der Ergänzung mit Max und dann zu „Redemption“ über, das wiederum Hommages an das Thema der Vouvalini beinhaltet.

Dabei spiegeln sich allerdings Ausschnitte aus „Redemption“ in einzelnen von Max späteren Szenen wieder.

Heimat

Damit möchte ich noch über das Thema „Heimat“ sprechen, da auch dies im Soundtrack vorkommt. Denn dieses Thema ist mit den Vouvalini verbunden – immerhin sind sie das Zuhause zu dem Furiosa als Protagonistin zurückzukehren versucht. Das Stück der Voivalini ist ebenfalls (oh Wunder) komplett mit Streichern gespielt – allerdings hier und da von Glockenspiel untermalt. Wir hören es bei der Ankunft bei den Vouvalini und teilweise wiederholt im Hintergrund, während sie dort rasten.

Dieses Thema ist auch Teil der Hauptmelodie aus „My name is Max“, das spielt, während sie zur Zitadelle zurückfahren. Dieses Stück wird außerdem von einer abgewandelten Version von „Redemption“ unterstützt.

Valhalla

Zuletzt habe ich noch eine Sache, bei der ich nicht sicher bin, wie ich sie einordnen soll. Und zwar gibt es tatsächlich einen anderen Einsatz von Streichern, der nicht mit der Protagonistengruppe zusammenhängt: Valhalla. Sprich: Das Stück, das spielt, wann auch immer sich ein War Boy mit „Witness Me“ in den Tod stürzt. Dies benutzt eine Mischung aus Streichern und Blasinstrumenten. Warum?

Sicher bin ich nicht. Jemand schlug mir vor, dass die Streicher allgemein für „Hoffnung“ stehen und damit in diesen Szenen für die Hoffnung der War Boys, dass sie ein besseres Leben nach dem Tod haben. Wobei es natürlich auch ein langweiligere, weniger analytische Interpretation gibt: Das Thema wurde für Nux inszeniert, aber in anderen Szenen auch leicht abgewandelt eingesetzt.

Fazit

Was dieses kurze Gerambel sagen will: Der Mad Max Fury Road Soundtrack hat erstaunlich viel Tiefe drin, wenn man richtig hinhört. Es lohnt sich definitiv den Film einmal mit Kopfhörern anzusehen und darauf zu achten. Denn natürlich sei auch gesagt: Was hier steht ist fast durchweg meine Beobachtung und meine Interpretation davon.

Dennoch: Der Einsatz der Instrumente ist auffällig – und gerade die Nutzung in den Themas deutlich merkbar. Insofern: Ja, geiler unterbewerteter Soundtrack.