Die Kunst der Filmsoundtracks

Bevor ich diese Woche über Mad Max: Fury Road weiterspreche, möchte ich heute ein wenig Vorarbeit leisten und über Soundtracks sprechen. Ein Thema, das ich besser in einem Video bearbeiten sollte, hätte ich nur irgendein Talent ein solches zu schneiden. Insofern: Stellt euch die Musik einfach vor oder hört sie euch auf YouTube und Spotify an.

Denn heute möchte ich über ein paar Konzepte in Soundtracks sprechen – und über ein paar Komponisten. Es sei dazu gesagt: Während ich selbst sehr lange Klavier gespielt habe, bin ich kein Musiker. Ich finde die „Wissenschaft“ dahinter jedoch sehr interessant!

Theming

Wir kennen alle „Themen“ als Überbegriff im Schreiben, nicht? Geschichten arbeiten Themen auf. Charaktere haben ein Thema. Und genau so haben in Filmen Charaktere, Subplots und dergleichen musikalische Themen. Diese müssen nicht besonders komplex rein. Während es oftmals ein ganzes Stück gibt, dass als Thema eines Charakters fungiert, sind es oft bestimmte Abschnitte daraus, die immer wieder aufgegriffen werden. In einigen Fällen sehr kurze Tonfolgen. Diese können, müssen aber nicht, dabei auch oft über dieselben oder ähnliche Instrumente gespielt werden.

Diese Zuordnung fällt vielen Zuschauern oftmals nicht bewusst auf, hilft aber im unterbewussten den Film zusammenzuhalten und Szenen zu verbinden. Zumal Menschen oftmals gut darin sind unterbewusst diese Dinge aufzunehmen und daher die Assoziationen finden. Analysiert man Soundtracks, kann man interessante Zusammenhänge so finden.

Ein schönes Beispiel findet ihr auf dem YouTube Kanal von Sideways erklärt: Miles Theme in „Spider-Man Into the Spider-verse“.

Instrumentale Zuordnung

Kennt ihr „Peter und der Wolf“ als musikalisches Stück? Wenn ja, wisst ihr sicher, dass dort jede Figur durch ein bestimmtes Instrument dargestellt wird. Peter wird von Violinen dargestellt, der Vogel von einer Querflöte, die Katze von einer Klarinette, der Großvater von einem Fargott und der Wolf durch die Hörner. „Peter und der Wolf“ ist dabei ohnehin ein schönes Beispiel für Theming.

Diese Theorie, die Zuordnung von Instrumenten, findet man auch in einigen Soundtracks immer wieder. Dies muss nicht zwangsweise eine Zuordnung von einem Instrument zu einem Charakter sein. Stattdessen kann auch eine Instrumenten-Gruppe einen Charakter übernehmen oder eine Gruppe von Charakteren durch ein Instrument dargestellt werden. Letzteres kann auch genutzt werden, um die Gruppendynamik musikalisch zu untermalen. Ein Beispiel wären Jack und Davy Jones in Fluch der Karibik. Jack, der mehrfach (aber nicht immer) von einem Schiffersklavier und Davy, der durch die Orgel dargestellt wird.

Je nachdem, wer den Soundtrack komponiert, kann es sein, dass neben der Tonlage auch historische oder kulturelle Aspekte eines Instruments beachtet werden, um musikalisch die Identität einer Figur zu untermauern. All das erklärt Sideways sehr gut am Soundtrack von Black Panther.

Kultur und Atmosphäre

Abseits von speziell charakterlichen Aspekten finde ich es ebenfalls interessant, wenn Soundtracks genutzt werden, um die Kultur einer Filmwelt zu untermauern. Selbst wenn dabei der Weg zwischen respektvoller Umsetzung und respektloser kultureller Aneignung sehr dünn sein kann. Einmal ganz davon abgesehen, dass es genug Filme gibt, die darauf bauen, dass „fremd“ einfach nur „fremd“ klingt – eine sehr unschöne Einstellung.

Dabei müssen Soundtracks natürlich nicht zwangsweise Musik nutzen, die sich bestimmten Kulturen zuordnen lässt. Auch die Wahl der Instrumente allgemein, die Mischung und das musikalische Genre kann zum Weltenbau beitragen. Hierfür ist Mad Max Fury Road wirklich ein interessantes Beispiel, dass klassische Instrumente mit deutlichem, nicht versteckten Synth mixt.

Auch zum Thema Kultur in Soundtracks hat Sideways ein schönes Video gemacht. Hier redet er über Sprache und Kultur in Disney Songs und Soundtracks.

Der Luxus der Filme

An dieser Stelle lässt sich natürlich eine Sache feststellen: Filme haben einen gewissen Vorteil gegenüber Serien und Spielen. Denn Filme mit einer Laufzeit zwischen meist 90 und 180 Minuten, haben die Möglichkeit für jede Szene ein eigenes Musikstück zu haben. Derweil nutzen Medien wie Spiele und Serien eine Mischung an Themes für Charaktere, Umgebungen und Szenenarten, die immer wieder vorkommen, und schneiden diese Szenen zu. Dabei haben länger laufende Serien zumindest oftmals den Vorteil, dass sie jede Staffel ein paar neue Themes spendiert bekommen.

Dies sorgt allerdings dafür, dass in diversen Serien sich eben die Musik weniger gut einfügt, wie bei Filmen. Man arbeitet sozusagen mit Stock Musik. Ja, diese wurde für die Serie, aber eben nicht für die Szene geschrieben. Und manchmal, gerade bei älteren US-Fassungen von Anime und Cartoons, waren die Songs nicht einmal für die Serie, sondern bloß für das Übersetzungsstudio geschrieben worden. (Nicht, dass man durch vorläufige Musik manchmal auch seltsame Zusammenhänge zwischen Filmen findet.)

Dennoch haben Filme dahingehend oft den Vorteil, dass ihre Länge solche Dinge eher erlaubt.

Von Film- und Schreibsoundtracks

Da der Beitrag sonst etwas kurz ist, möchte ich noch ein wenig über eine andere Sache sprechen. Denn persönlich habe ich mehr als einmal eine Sache festgestellt: Je mehr ein Film mit Theming und diesen Aspekten arbeitet, desto schwerer fällt es mir, diesen Soundtrack im Hintergrund beim Schreiben zu hören. Gleichzeitig ist es umgekehrt so, dass ich weniger gethemete Soundtracks dabei gern höre.

Und damit kommen wir zu einem Thema, das ich hier auch ein wenig ansprechen wollte: Oft, wenn ich höre, dass Leute „Geiler Soundtrack!“ rufen, meinen sie, dass der Soundtrack eingängig war. Es sind Soundtracks gemeint, die man sich abseits des Films auch immer wieder gerne anhört. Beim Schreiben, Zeichnen oder einfach so im Hintergrund. Dabei wird gerne immer und immer wieder Hans Zimmer genannt. Und ja, Hans Zimmer macht eingängige Soundtracks – doch sind diese oftmals sehr austauschbar, da sie eben zwar hier und da ein wenig mit Instrumenten arbeiten, jedoch oft ähnliche Themes zwischen gänzlich unterschiedlichen Filmen nutzen, die er komponiert. Seine Thriller-Soundtracks klingen einander genau so ähnlich, wie seine Abenteuer-Soundtracks.

Das hat mich (neben dem Bedürfnis ein paar Sachen zu erklären, ehe ich im Bezug zu Mad Max darüber spreche) auch ein wenig dazu veranlasst, diesen Beitrag zu schreiben. Soundtrack ist mehr, als das Gefallen und die Möglichkeit, es so zu hören. Soundtracks haben die Aufgabe, einen Film zu unterstützen und zusammenzubinden. Deswegen kann ein Soundtrack geile Musik haben und dennoch als Soundtrack nur „okay“ sein, während ein richtig guter Soundtrack Musik haben kann, die ohne Film wenig Spaß macht.

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Das Beitragsbild ist von Pixabay