Der Crux mit den „intelligenten“ Charakteren

Heute möchte ich mit euch über Schreibtipps und übliche Fehler sprechen, wenn es um das Schreiben von Charakteren, spezifisch „intelligenten“ Charakteren geht. Denn gerade in diesem Zusammenhang sehe ich immer wieder bestimmte Probleme aufkommen und denke, es ist an der Zeit diese anzusprechen.

Einleitung

Charaktere haben Stärken und Schwächen. Das ist allgemeines Verständnis. Während häufig diese Stärken eher in Gebieten sind, die sich leichter zeigen lassen – das heißt vor allem im physischen Gebieten – so können sie natürlich auch geistig sein. Tatsächlich ist es nicht selten, dass bei einer Gruppe von Figuren wenigstens ein Charakter dabei ist, der vor allem durch Intelligenz und Bildung besticht. Denkt an Hermine Granger in Harry Potter, an Sokka in Avatar – The Last Airbender und ähnliche Vertreter.

In manchen Filmen und Serien dürfen diese intelligenten Charaktere sogar auch die Hauptrolle spielen. Sherlock Holmes ist hierfür ein gutes Beispiel, doch natürlich gibt es auch andere mit eigenen Problemen, die sie manchmal mit sich bringen. Doch dazu gleich mehr.

Fakt ist: Intelligenz und was damit zusammenhängt, kann eine Stärke sein. Doch es gibt ein kleines Problem: Häufig sind intelligente Charaktere nicht besonders intelligent geschrieben oder befolgen eine sehr enge Definition von Intelligenz. Oder sie sind auf eine sehr unglaubwürdige Art und Weise intelligent. Und genau darüber möchte ich heute mit euch sprechen: Wie schreibt man glaubwürdige intelligente Figuren und welche Fehler sollte man vermeiden?

Was zählt als Intelligenz?

Fangen wir erst einmal mit einer Frage an, die leicht zu einer Grundsatzdefinition werden kann: Was ist überhaupt Intelligenz? Wenn man nach gängigen IQ-Tests geht, beschreibt Intelligenz die Fähigkeit logische Zusammenhänge zu verstehen, sich Dinge merken zu können, mathematische Sachen zu berechnen, Muster zu erkennen und sich Dinge räumlich vorstellen zu können. Ein Genie braucht es jedoch nicht, um zu merken, dass dies sehr einseitig ist und vornehmlich ein Talent für naturwissenschaftliche Themen abdeckt. Dazu kommt das Problem, dass unsere übliche Vorstellung von Intelligenz, wie durch IQ-Tests auch demonstriert, oftmals saneistisch, ableistisch und rassistisch ist. Gerade der Zusammenhang zwischen Rassismus und IQ-Tests hat eine lange, traurige Geschichte. Allgemein stehen IQ-Tests schon lange in der Kritik, da sie nie entwickelt wurden, um Intelligenz zu messen, und mehr über ein paar spezifische Talente und Schulbildung, als Intelligenz aussagen.

Und dies ist allgemein ein Thema, dass sich häufig fortsetzt: Nicht selten werden Intelligenz und Bildung miteinander gleichgesetzt. Viele „intelligente“ Charaktere sind einfach nur gut darin, Wissen aus Büchern oder dem Unterricht wiederzugeben – siehe bspw. Hermine. Diese scheint ein Talent dafür zu haben, sich Dinge zu merken, die sie liest, aber vornehmlich ist eben genau das, was sie tut: Informationen wiedergeben. Und auch das haben viele andere Charaktere mit ihr gemein: Da wird Buchwissen wiedergegeben und das war’s.

Die alternative ist ein Charakter mit einem besonderen, meist wissenschaftlichem Talent. Häufig, gerade in modernen Geschichten, ein Charakter, der echt gut mit Computern kann und ohne auch nur eine Maus zu benutzen sich „mal eben“ beim Pentagon einhackt. Alternativ aber auch irgendwelche Genies, die komplexe Maschinen und Automaten aus ein wenig Müll bauen können. Was durchaus eine gewisse Intelligenz erfordert, jedoch nicht unbedingt realistisch ist.

Deutlich seltener sind sogenannte „street smarte“ Charaktere und Figuren, die emotionale Intelligenz beweisen. „Street Smart“ bedeutet so viel, wie einen „gesunden Menschenverstand“ haben. Charaktere hiermit sind meistens gut darin Situationen einzuschätzen, Chancen abzuschätzen und einfache, statt spezifische Probleme zu lösen. Derweil sind Charaktere mit emotionaler Intelligenz gut darin andere Menschen einzuschätzen, sich in diese einzufühlen, aber auch diese zu manipulieren. Während ersteres durchaus in Abenteuer-Protagonisten, die jedoch nicht als wirklich „intelligent“ dargestellt werden, vorkommt, ist zweiteres etwas, das unter Protagonist*innen eher selten ist.

Spezialgebiete

Das erste richtige Problem, was besteht, wenn wir uns anschauen in welchen Bereichen ein Charakter nun talentiert oder gebildet sind. Denn in diversen Geschichten ist die Antwort auf diese Frage „alles“. Oder besser: „Alles, was für die Story gerade relevant ist“. Etwas, das noch ein zweites Problem mit sich bringt. Dazu später. Erst einmal: Die wenigsten Leute, auch die wenigsten „intelligenten“ Leute sind in allen Dingen gut. Ja, es kann sein, dass man ein weit gefächertes Allgemeinwissen – und dadurch eventuell in vielen Gebieten auch eine Meinung hat. Aber das heißt eben nicht, dass man eine Fachperson darin ist.

Die meisten Leute haben ein Spezialgebiet oder zwei. Diese können weit einsetzbar sein. Klar, wenn ein Charakter ein mathematisches Genie ist und komplexe Formeln im Kopf lösen kann, dann kann er eventuell auch Physikern, Chemikern und Informatikern helfen, indem er menschlicher Taschenrechner spielt. Oder einfach ein Auge auf Formeln hat. Das geht. Aber bspw. wird er deswegen nicht befähigt sein, irgendwelche Grundprobleme der Physik zu lösen oder mal eben auch noch ein Hackingprogramm zu schreiben, dass sich mal eben ins Pentagon einhackt.

Dazu kommt, dass viele Gebiete sich am laufenden Band verändern. Die Dinge sind nicht gleichbleibend. Wissenschaft befindet sich in einem permanenten Zustand der Veränderung. Ja, auch so Dinge wie bspw. Geschichtswissenschaft, die täglich durch andere Wissenschaften neue Informationen zur Verfügung gestellt bekommt. Was zu einem weiteren Punkt führt: Viel Forschung heutzutage ist intersektional. Das heißt sind mehrere Fachbereiche und Experten daran beteiligt und ein einzelnes Genie, das alles allein schmeißt, ist nicht glaubwürdig.

Kurzum: Gebt euren intelligenten Charakteren Spezialgebiete. Ja, sie dürfen auch noch anderes Wissen haben und andere Hobbys (ist sogar ein Plus), aber sie werden nicht einfach jedes Problem lösen können, nur weil sie mal darüber gelesen haben. Diverse Dinge erfordern praktische Erfahrung, die selbst, wenn ein Charakter eine gute Vorstellung davon hat, was bspw. chemisch bei einem Versuch passiert, nicht einfach aus einem Buch kommen kann. Und praktische Erfahrung erfordert nun einmal Zeit und Übung. Das ist der Flaschenhals, der selbst bei vermeintlich breit begabten Menschen zur Notwendigkeit der Spezialisierung führt.

Intelligenz und andere Eigenschaften

Es gibt eine üble Reihe von Klischees, die mit intelligenten Charakteren einhergehen. Effektiv haben diverse Geschichten die Vorstellung, dass Intelligenz auch irgendeine andere Eigenschaft einher geht. Zum Beispiel:

  • Intelligente Charaktere sind immer introvertiert.
  • Intelligente Charaktere können nicht mit anderen Menschen umgehen.
  • Intelligente Charaktere nutzen immer große Worte.
  • Intelligente Charaktere haben irgendeine Form von Autismus.
  • Intelligente Charaktere achten nicht auf ihr Äußeres.
  • Intelligente Charaktere haben keine hohe Meinung von anderen Menschen.
  • Intelligente Charaktere arbeiten lieber allein.
  • Intelligente Charaktere haben keine Ahnung von Mode.

Anders gesagt: Intelligente Charaktere sind sozial seltsam, wissen nicht, wie sie mit anderen Menschen umgehen sollen, mögen andere Menschen eh nicht, haben eventuell leicht autistische Züge und laufen mit offenem Hemd, ungekämmten Haaren, ohne Make-Up und Ketchup-Flecken auf der Hose rum. Das ist das Klischee des Genies, das mit dem Kopf in den Wolken hängt.

Per se: Nun, ich kenne gleich zwei Physikprofessoren, auf die dieses Klischee zutrifft. Ich kann also nicht behaupten, dass es nicht geniale Menschen gibt, die so drauf sind. Aber hier ist die Sache: Nicht alle sind so drauf und dadurch, dass wir in Medien zu oft einseitigen Darstellungen neigen, lassen wir uns auch im realen Leben gerne von intelligenten Menschen hinters Licht führen.

Ja, ein wenig kommt die Neigung zu solchen Darstellungen aus der Vorstellung, dass ein Charakter Stärken und Schwächen haben soll. Und wenn ein Charakter intelligent und hübsch ist, dann hat er zu viele Stärken. Deswegen soll das „hübsch sein“ (oder alternativ das „intelligent sein“) nicht gezeigt werden, wenn es da ist. Doch es ist gleichzeitig ein übles Klischee.

Und noch übler, noch verletzender, wird es, wenn es mit autistischen Zügen oder dem, was Medien gerne als „Autismus“ darstellen, gepaart wird. Diese Klischees, des sozial komplett unfähigen, naivlich-kindischen autistischem Genies ist vor allem für eine Gruppe schädlich: Autist*innen. Denn weder sind alle Autist*innen im so dargestellten Weg sozial unfähig, noch kindlich-naiv, noch haben Autist*innen automatisch irgendwelche Hoch- oder Inselbegabungen.

Sprich: Solche Klischees sind bestenfalls unnötig, schlimmstenfalls verletzend. Lasst eure intelligenten Charaktere lieber einmal irren und Fehler machen – etwas, das auch hyperintelligente Leute im realen Leben tun – als ihnen solche klischeebehafteten, vorgeschobenen Schwächen zu geben. Besonders, wenn sie trotz sozialem Fehlverhalten sonst dennoch jeder mögen würde …

Intelligenz gibt keine moralische Rechtfertigung

Was mich zu einem anderen Thema bringt und dieses Thema ist etwas, dass ich nicht nur als schlecht geschrieben ansehe, sondern auch als brandgefährlich. Es ist auch ein Thema, wo ich nicht umher komme, mir über die Motivation von Autor*innen Gedanken zu machen. Und dennoch ist es häufig: Viele intelligente Charaktere sind nicht nur mies im sozialen Umgang mit anderen, sie sind auch noch stolz drauf und verachten andere Menschen. Und dann handeln sie auf unverantwortliche Art und Weise und der Plot wendet sich den Konsument*innen zu und sagt: „Na ja, aber liegen sie falsch? Immerhin ist dieser Charakter sehr intelligent!“

Denkt euch BBC Sherlock. Denkt euch Rick, ohne Morty. Denkt euch einige andere Beispiele dieser Art. Denkt euch aber auch diverse Figuren die innerhalb ihrer Geschichten damit betraut werden, große, moralische Entscheidungen zu treffen, weil sie ja so intelligent sind und höhere Intelligenz auch eine höhere moralische Fähigkeit verspricht – so die Logik.

Es ist ein Thema, über das ich hier eigentlich nicht so lang sprechen möchte, da es wenn fast einen eigenen Weblog-Beitrag verdient (für den ich zur Zeit aber nicht den Kopf habe). Dennoch: Diese Darstellung eines intelligenten Charakters, der auf Basis seiner Intelligenz über der gegebenen Moral steht, sich selbst über diese stellt oder von anderen in die Position berufen wird, über diese zu richten. Da „Intelligenz“ meist rationale, mathematische (aka IQ-Test konforme) Fähigkeit meint, anstatt emotionale, empathische Intelligenz, ist das egal in welcher Perspektive sehr, sehr heikel. Und darüber sollte man, wenn man es nutzt, vorher idealerweise reflektieren. Just saying.

Aufgabe in der Geschichte

Und damit kommen wir zu den zwei Punkten, an denen die meisten vermeintlich intelligenten Charaktere für mich scheitern. Denn zwei Dinge sind problematisch bei vielen, so so vielen intelligenten Charakteren, selbst wenn wir von moralischen oder realistischen Fragen absieht. Und das sind zum einen die Konsequenz von Charakteren mit bestimmter Intelligenz und zum anderen die eigentliche Aufgabe von ihnen.

Denn gerade zweiteres kann eine Geschichte gesamt leider schnell kaputt machen, sobald das Gefühl entsteht, dass ein Charakter nur eine Aufgabe hat: Exposition. Und leider ist genau dies nicht selten ein Grund für Autor*innen intelligente Charaktere in eine Geschichte einzubauen. Denkt euch Hermine in Harry Potter, denkt euch Koushiro in Digimon Adventure. Diese Figuren verwenden einen nicht unerheblichen Teil ihres Dialoges darauf, den Plot oder Hintergrundinformationen an andere Charaktere oder etwaig dem Zuschauer zu erklären. Im schlimmsten Fall auf eine Art, dass genau dies offensichtlich wird, da sie häufig so viel wissen und doch bestimmte Dinge nicht wissen dürfen. Warum nicht? Weil sonst der Plot nicht passieren könnte.

Für mich gibt es kein besseres Beispiel dafür, als Hermine Granger. Sie wird mehr als einmal genutzt, um hier einen Zauber beizusteuern, der den Plot weiterbringt und hier wie ein Lexikon handlungsrelevante Informationen wiedergeben zu können. Aber gleichzeitig weiß und kann sie nie etwas, das den Plot oder das Mystery behindern kann. Sie kann Dumbledores halben Lebenslauf zitieren, aber Flamel ist ihr entfallen. Sie kennt die Geschichte von Hogwarts in und auswendig, aber muss für „Die Kammer des Schreckens“ erst einmal nachfragen. Sie kann Alhomora im ersten Jahr, Jahre voraus, aber im dritten Band, wo es echt nützlich wäre, den Tarnumhang zu sich zu rufen, hat sie von „Accio“ noch nie gehört. Und das kann eine*n Leser*in schnell herausreißen, wenn man es bemerkt. Denn auf einmal wird klar, dass der vermeintlich intelligente oder besser „belesene“ Charakter nur so belesen ist, wie er sein darf. Wenn die anderen Charaktere Grundinformationen brauchen, damit Leser*innen mehr über den Weltenbau erfahren, ist Hermine zur Stelle. Doch sobald die Informationen plotrelevant werden, leidet sie bis zum kritischen Moment unter Amnesie.

Intelligentes Handeln

Das andere, was intelligente Charaktere häufig unglaubwürdig macht, ist ein Mangel an intelligentem Handeln. Und eins vorweg: Das heißt nicht, dass ein intelligenter Charakter zu 100% immer „intelligent“ handeln muss. Absolut nicht. Das wäre auch unglaubwürdig. Doch häufig genug ist die „Intelligenz“ eines Charakters dadurch definiert, dass er intelligente Sachen sagt, Dinge weiß, ab und an cool auf einem Laptop herumtippert und damit Dinge praktisch oder buchstäblich magisch löst und … ja, das war’s.

Dennoch gehen sie an Problemstellungen unüberlegt und ziellos heran oder vergessen im schlimmsten Fall auch Informationen, die etwaiges vom Plot eingeplantes Scheitern verhindern würde. Oftmals ist die Ausrede halt, dass die Charaktere halt Buchwissen haben, ihnen aber eben die „Street Smarts“ fehlt – doch letzten Endes wirkt es immer wie faules oder unüberlegtes Schreiben, sofern die Charaktere nicht einen emotionalen Grund für dieses Handeln bekommen. (Jeder versteht, dass ein Charakter nicht ganz rational handelt, wenn ein geliebter Mensch gerade zur Geisel genommen wurde o.ä.)

Eins der wohl dahingehend bekanntesten Beispiele, ist das gesamte Finale der „Game of Thrones“ Serie, gerade, weil hier das Handeln der Charaktere auch „Out of Character“ erscheint, da sie vorher anders gehandelt hätten. Nun aber vergessen sie wichtige Details – wie bspw. die eiserne Flotte, die sehr wohl fähig ist Drachen aus dem Himmel zu schießen – fallen auf simple Tricks und Lügen herein und treffen Entscheidungen auf einmal auf der Grundlage von Idealismus, anstelle von Logik, selbst wenn sie es bis dahin nie getan haben. Und das trifft für jeden, der beinahe durchweg als taktisch klug beschriebenen und bis zu einem gewissen Punkt auch so dargestellten Charaktere zu. Danaerys, Tyrion, Jon …

Aber auch hier ist Harry Potter ein gutes Beispiel, denn hier gibt es einen Charakter, der durchweg entgegen dessen, wie intelligent, wohlwollend und empathisch er angeblich ist, auf eine Art handelt, die dies in Frage stellt: Albus Dumbledore. Sein Handeln ergibt selten Sinn. Er kennt Petunias und Vernons Einstellung zu Magie, aber anstatt ein ruhiges Gespräch mit ihnen zu suchen (und ggf. finanzielle Unterstützung zu versprechen), lässt er Harry mit einem Brief bei ihnen. Er sieht den ganzen Kontext von Sirius Handeln, kommt aber trotz seiner Weisheit nicht drauf, was gelaufen ist. Er lässt sich von Quirell reinlegen. Er kommt nie auf die Sache mit dem Basilisken. Er erkennt über ein Jahr lang nicht, dass jemand einen guten Freund von ihm entführt und durch einen Spion mit Vielsafttrank ersetzt hat. All so etwas macht es schwer zu glauben, dass Dumbledore intelligent oder – wie die Bücher es ausdrücken – „weise“ ist. Denn er handelt selten so.

tl;dr

Intelligenz ist per se ein nicht unkritisches Konzept, da unsere Vorstellung von Intelligenz auf sehr einseitigen Idealen aufbaut und auch durch ableistische, saneistische und rassistische Ideen geprägt wurde. Wenn wir von „intelligenten“ Charakteren sprechen, meinen wir meistens Charaktere, die sehr viel Wissen angehäuft haben (also „Book Smart“ sind) oder die ein besonderes Talent im naturwissenschaftlichen Bereich, eventuell auch im Umgang mit Computern haben. Es lohnt sich allerdings als Autor*in auch, andere Arten von Intelligenz (wie bspw. emotionale Intelligenz oder eine gute Intuition) in Erwägung zu ziehen.

Darüber hinaus ist es wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass es selten Universalgenies gibt. Auch unter jenen bekannten wissenschaftlichen Genies ist es so, dass diese üblicherweise ein Spezialgebiet haben. Dies heißt nicht, dass sie nicht anderswo auch ein erweitertes Grundwissen (gerade im Vergleich zu jemandem, der nicht in der Wissenschaft arbeitet) haben, aber sie sind keine Spezialisten und können als Physiker nicht auf einmal komplexe chemische Dinge leisten.

Als Autor*in ist es ebenfalls wichtig sich dessen bewusst zu sein, dass es eine Reihe problematischer Tropes im Kontext mit der Darstellung intelligenter Figuren gibt. Auch wenn diese Tropes oft aus der Angst kommen, einen Charakter zu „übermächtig“ werden zu lassen: Einige Darstellungen intelligenter Charaktere, gerade wenn diese mit autistisch kodierten Eigenschaften versehen werden, haben erneut saneistische oder ableistische Untertöne.

Zuletzt seien Autor*innen gewarnt: Stellt sicher, dass euer „intelligenter“ Charakter auch eine Aufgabe im Plot hat, die nicht vom „großen Buch, das alles weiß“ übernommen werden kann. Bedenkt außerdem immer, was der Charakter (logisch gesehen) weiß und beachtet es, wenn ihr euren Plot plant. Denn nichts bricht die „Suspension of Disbelief“ leichter, als ein Charakter, der Informationen vergisst, bis der Plot ihnen erlaubt, diese einzubringen.

Es gäbe hier noch viele andere Dinge, die ich gerne besprechen würde. Bspw. die unterschiedlichen Darstellungen von intelligenten weiblichen und intelligenten männlichen Figuren. Doch der Beitrag ist bereits sehr lang. Daher belasse ich es vorerst hierbei und behalte mir das Thema für ein anderes Mal vor.


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