Pacing & Handlungsaufbau

Ein Thema, mit dem sich scheinbar viele Autor*innen schwer tun, ist der Aufbau und das Pacing einer Geschichte. Immerhin ist es eins der Themen, die sich am häufigsten von diesem Blog gewünscht wurde.

Der Crux mit dem Aufbau

Eine der wichtigsten Grundlagen für den Erfolg und die Spannung einer Geschichte ist ihr Aufbau und eng damit zusammenhängend das Pacing. Wann passiert was in der Geschichte? Wie lang dauern einzelne Abschnitte an? All das sind wichtige Fragen, die man sich als Autor*in stellen muss und die meist auch etwas Planung bedürfen.

Allerdings ist genau das ein Punkt, mit dem sich gerade in Deutschland scheinbar viele Autor*innen schwer tun. Oft genug habe ich deutsche Romane gelesen, bei denen der eigentliche Plothook erst um Seite 100 herum in die Geschichte kommt. Bis dahin schleicht die Handlung nur irgendwie vor sich hin. Das wird dann umso schlimmer, wenn sich im Finale die Ereignisse zu sehr überschlagen und es schwer wird der Handlung zu folgen.

Entsprechend sind es eben treibende Fragen: Wie macht man es besser? Wie baut man eine Geschichte auf? Wie pacet man eine Geschichte? Und … Was ist überhaupt Pacing?

Was ist Pacing?

Pacing kommt aus dem englischen und leitet sich dort von dem Wort „Pace“ ab. „Pace“ Bedeutet so viel wie Geschwindigkeit, meistens in Bezug auf die Laufgeschwindigkeit, mit der man sich zu Fuß fortbewegt.

Der Begriff Pacing wurde in der Filmtheorie allerdings eingesetzt, um etwas anderes zu beschreiben: Pacing im Bezug auf Filme sagt, wie häufig in einer Szene geschnitten wird. Prinzipiell gibt es also zum Beispiel Dialogszenen, die meistens ein sehr langsames Pacing (also wenige Schnitte) haben, und dagegen Actionszenen, die ein schnelles Pacing (also viele Schnitte haben).

Da die englischsprachige Autor*innenszene eng mit der Screenwritingszene verzahnt ist, wurde dieses Konzept auf Geschichten übertragen. Hier bezieht sich das Pacing nicht mehr auf Schnitte – die es natürlich beim gedruckten Wort nicht gibt – sondern auf die Menge an Ereignissen oder Storybeats, die sich innerhalb eines bestimmten Zeitraums, bspw. eines Kapitels, ereignen.

Das Pacing gut aufzubauen hilft, um Spannung zu schaffen. Denn prinzipiell kann über langsames Pacing Spannung nach und nach aufgebaut werden, während sie in Szenen mit schnellem Pacing zu einem Höhepunkt kommt und sich dann lösen kann. Diesen Ablauf zu beherrschen ist ein wichtiges Werkzeug im Autor*innenwerkzeugkasten.

Klassische Akt-Strukturen

Doch reden wir über die Art von Geschichtsaufbau, die wir alle in der Schule gelernt haben: Die Akt-Strukturen. Denn diese sind ein paar grundlegende Muster, um Geschichten aufzubauen, die auf häufig als Basis für moderne Schreibtheorie verstanden werden – wenngleich nicht ganz in ihrer klassischen Form. Vor allem sind sie, womit die meisten Leute vertraut sind.

Die Akt-Strukturen haben alle ihren Ursprung im Theater. Hier war ein Akt meistens ein Aufzug. Das heißt: Ein Akt wurde auf demselben Szenenbild gespielt, das sich dann zwischen den Akten änderte.

Es sei dazu gesagt, dass die Akt-Strukturen nicht einander ausschließen. Es ist problemlos möglich, dasselbe Stück von seinem Aufbau her als 3-Akt, 4-Akt oder 5-Akt zu lesen.

3-Akt-Struktur

Die klassischste Akt-Struktur, die wir kennen, ist die 3-Akt-Struktur. Diese wurde vor allem im englischen Theater immer wieder verwendet. Deswegen ist sie auch bis heute im englischsprachigen Raum die Grundlage für einen großen Teil der Schreibtheorie. Es sei angemerkt, dass in dieser Aktstruktur der 2. Akt länger als die anderen beiden Akte ist.

Im 1. Akt werden hier die Figuren und ihr Setting, wie vielleicht auch bereits einzelne Figurenbezogene Konflikte eingeführt. Im klassischen Theater hieß das auch viel Exposition, da man anders auf der Bühne die Information nicht vermitteln konnte. Der 1. Akt endet im klassischen Drama mit dem ersten Plotpunkt, beziehungsweise dem auslösenden Moment. Sprich: Dem Ereignis, dass den zentralen Konflikt des Stücks in Gang setzt.

Der 2. Akt arbeitet mit diesem Konflikt. Die Figuren werden hinein verwickelt und versuchen Lösungen zu finden. Es gibt einen Mittelpunkt, der wahrscheinlich irgendeine überraschende Wendung mit sich bringt (vielleicht ein Plan, der nicht funktioniert). Schließlich kommt es am Ende des zweiten Akts zum Klimax.

Der 3. Akt fängt mit dem Klimax an, der auch noch in diesen Akt mit hinein dauert. Sicher die Hälfte des dritten Akts beschäftigt sich mit dem Klimax und seinen Folgen. Etwas Konflikte werden aufgeklärt/gelöst und die Handlung kommt zum Ende.

5-Akt-Struktur

Die 5-Akt-Struktur ist die Struktur, mit der die Leser*innen dieses Blogs wahrscheinlich am besten vertraut sind. Denn es ist die Struktur ist die in deutschen Stücken am häufigsten verwendete weshalb sie meistens auch im Deutschunterricht sehr ausführlich behandelt wird. Sie wurde allerdings auch häufig von William Shakespeare eingesetzt. Anders als bei der 3-Akt-Struktur sind die verschiedenen Akte hier gleichlang.

Der 1. Akt wird hier meistens als „Exposition“ bezeichnet. Denn genau das passiert in diesem Akt. Es wird mit Exposition Figuren und Setting vermittelt und der Zuschauer in die Welt des Stücks eingeführt. Auch dieser 1. Akt endet mit dem auslösenden Moment.

Im 2. Akt kommt die steigende Handlung. Die Figuren verstricken sich immer weiter in den Konflikt. Dies geht auch im 3. Akt weiter, der irgendwann in seiner zweiten Hälfte den Klimax, den Punkt höchster Spannung hat.

Im 4. Akt fällt die Handlung dann wieder. Es wird auf eine Lösung des Konflikts hingearbeitet. Häufig gibt es einen retardierenden Moment, der ein alternatives Ende andeutet, jedoch damit das Publikum nur in die Irre führt.

Im 5. Akt kommt es dann endlich zur Auflösung der Handlung/Lösung des Konfliktes und das Stück endet.

4-Akt-Struktur

Die europäische 4-Akt-Struktur ist eng an die 3-Akt-Struktur angelehnt, wie man auch der Grafik entnehmen kann. Ihr größter Unterschied ist, dass sie den 2. Akt in zwei Akte aufteilt. Diese Version des Aufbaus wird allerdings verhältnismäßig selten verwendet.

Der 1. Akt hat keinen großen Unterschied zu den anderen beiden Variante: Erneut handelt es sich um eine Einführung. Figuren und Setting werden dargestellt. Es gibt wahrscheinlich einiges an Exposition. Der Akt endet mit dem ersten Plotpunkt: Dem auslösenden Moment.

Der 2. Akt behandelt die Reaktion der Figuren auf den auslösenden Moment. Es kommt zu einem Konflikt, den sie versuchen zu lösen. Wahrscheinlich endet das ganze in einem Mittelpunkt der Geschichte, der wahrscheinlich einen fehlgeschlagenen Versuch den Konflikt zu lösen beinhaltet.

Der 3. Akt setzt danach an. Die Handlung steigt weiter. Die Figuren werden weiter in den Konflikt verstrickt und gehen ihn gerade heraus an. Dabei endet dieser Akt mit einem zweiten Plotpunkt, der häufig den Wendepunkt der Geschichte darstellt.

Der 4. Akt beinhaltet in dieser Struktur den Klimax und die folgende Auflösung der Handlung.

Andere Akt-Strukturen

Es sei der Vollständigkeit halber gesagt, dass alle drei genannten Strukturen auf das europäische Theater aufbauen. Schauen wir uns außerhalb von (Mittel-)Europa um, finden wir auch andere Konzepte Geschichten und Theaterstücke aufzubauen. Darauf werde ich in diesem Beitrag allerdings nicht eingehen, da es den Rahmen sprengen würde.

Das Problem klassischer Aktstrukturen für Romane

Wie schon gesagt sind diese Aktstrukturen, wie sie hier dargestellt sind, für das Theater gedacht, sprich für das klassische Drama. Dieses hat einige Besonderheiten, eben dadurch, dass es auf einer Bühne mit nur eingeschränkten Möglichkeiten dargestellt wird. Dies erfordert zum Beispiel den gezielten Einsatz von Exposition, um die Figuren und das Setting darzustellen, da dies auf der Bühne anders nur eingeschränkt möglich ist.

In Romanen, wie auch im Filmischen, ist diese Menge an Exposition jedoch eher unschön und es gibt mehr Möglichkeiten, die Informationen fließend in die Handlung einzubringen. Ein solcher Aufbau in einem Roman oder Film wirkt meistens langweilig und redundant. Noch dazu wird dadurch die Zeit bis zum auslösenden Moment in die Länge gezogen.

Deswegen haben sich verschiedene andere Herangehensweisen an das Aufbauproblem gefunden, von denen zwar viele mit der Drei-Akt-Struktur als Basis arbeiten, sie allerdings für ihr etwaiges Medium angepasst haben.

Aufbau von Serien

Doch bevor wir uns mit den Ansätzen, die hieraus entstanden sind, beschäftigen, schauen wir uns einmal an, wie das Problem mit dem Pacing in Bezug auf Serien gelöst wird. Denn diese haben das Problem, dass sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer*innen über mehrere Folgen und damit eine deutlich längere Laufzeit halten müssen – jedenfalls, wenn sie eine fortlaufende Handlung haben.

In der Regel ist die Handlung in Arcs unterteilt, also Handlungsbögen. Hierzu sei gesagt, dass bei vielen Serien in Zeiten Netflix ein Handlungsbogen meist einer Staffel entspricht. Innerhalb dieser Arc wird meistens eine abgewandelte Form der 3-Akt-Struktur verwendet: Es gibt eine kurze Einführung, dann kommt der Hook, häufig in Form einer besonders spannenden/emotionalen Sequenz, sozusagen einem Mini-Höhepunkt. Ab hier haben wir noch einmal ein wenig Ruhe für die Einführung der Figuren. Dann kommen wir jedoch zur steigenden Handlung, die natürlich im Klimax endet, wo wieder einmal die Spannung ihren Höhepunkt erreicht. Danach gibt es eine oft kurze (meistens nicht mehr als eine halbe Episode lange) abfallende Handlung, die zum Ende des Arcs führt.

Dieser Aufbau wiederholt sich zwischen den Staffeln/Arcs immer wieder, wobei meist erwartet wird, dass jede Staffel/jedes Arc die/das Vorherige übertrumpft. Dies führt also zu einer zunehmenden Steigerung. Diese ist allerdings meistens nicht endlos haltbar, was zu einem Problem für besonders lang laufende Serien (wie bspw. Supernatural) wird.

Das 8-Sequenzen-Modell

Bevor ich auf das Herzstück dieses Beitrags eingehe, möchte ich allerdings noch auf ein bestimmtes Modell aus dem Screenwriting eingehen, das dort weit verbreitet ist. Auch dieses lässt sich für den Aufbau von Romanen nutzen, ist dort allerdings weniger verwendet, als das Beat-Sheet, das ich euch gleich vorstellen werde. Dieses Modell ist das 8-Sequenzen-Modell.

Eine Sequenz ist dabei eine Sammlung von Szenen, in denen die Spannung immer weiter ansteigt, ehe sie durch einen kleinen Mini-Höhepunkt innerhalb der Sequenz wieder ein Stück aufgelöst wird. Das 8-Sequenzen-Modell baut dabei auf der 3-Akt-Struktur auf mit der Faustregel, dass der erste und der dritte Akt je 2 Sequenzen umfassen, während der zweite Akt vier Sequenzen umfasst.

Die Sequenzen sind dabei folgende:

  • 1. Sequenz: Etabliert die Hauptfigur/en und ihre Welt. Endet mit dem Inciting Incident.
  • 2. Sequenz: Bringt die Hauptfigur/en in ein Dilemma und hält sie darin fest. Es muss ein Weg gefunden werden, dem Dilemma zu entkommen, aber wenn die Sequenz endet, ist/sind die Hauptfigur/en im Dilemma gefangen.
  • 3. Sequenz: In dieser Sequenz wird eine erste Herausforderung eingebracht und die Einsätze der Figuren erhöhen sich.
  • 4. Sequenz: Es kommt zu einem ersten Zwischenfinale, das mit einem überraschenden, oft dramatischen Wendepunkt endet.
  • 5. Sequenz: Hier gibt es häufig einen kleinen in sich abgeschlossenen Subplot, während die unterliegende Spannung ansteigt.
  • 6. Sequenz: Die Hauptfigur/en wird/werden zurück in den Hauptplot geworfen. Sie arbeiten auf ihr Ziel zu, doch dieses scheint nun umso schwerer zu erreichen zu sein.
  • 7. Sequenz: Es wird neue Spannung aufgebaut und ein weiteres Hindernis ergibt sich auf der Reise der Hauptfigur/en. Die Sequenz endet mit einer Wendung, die sich auf die Ziele der Figur/en auswirkt.
  • 8. Sequenz: Nach dem Twist wird die Spannung aufgelöst. Es kommt zu einem Ende der Geschichte.

Arbeit mit Beat-Sheets

Das war soweit sehr viel Theorie darüber, wie es das Theater und der Film macht, warum das für Romane nicht funktioniert und wie Serien mit dem Problem umgehen. Aber was macht man nun als Autor*in, wenn man einen spannenden Aufbau haben möchte?

Nun, die einfache Antwort ist: Man orientiert sich an einem Beat-Sheet. Denn diese sind besser für eine solche Form der Geschichtserzählung ausgelegt.

Was ist ein Story-Beat?

Um zu verstehen, was ein Beat-Sheet ist und was es macht, muss man erst einmal den wichtigsten Bestandteil eines solchen Spickblatts verstehen: Den Story-Beat. Was hat es also mit diesen auf sich?

Nun, ein Story-Beat ist ein Moment in der Geschichte – allerdings nicht irgendein Moment in der Geschichte, sondern ein Moment, der den Verlauf der Geschichte maßgeblich verändert. Dies kann auf unterschiedliche Arten geschehen. Beispiele für Story-Beats wären:

  • Der auslösende Moment/der Moment, der die Handlung in Gang bringt
  • Die Hauptfigur erfährt irgendetwas, das ihre Weltsicht verändert
  • Die Hauptfigur ändert gezielt etwas an ihrem Verhalten
  • Eine andere Figur offenbart etwas
  • Eine andere Figur fällt der Hauptfigur in den Rücken
  • Ein*e Gegner*in wird besiegt

Natürlich kann es komplett unterschiedliche Story-Beats geben, zumal diese auch sehr unterschiedlich je nach dem Genre der Geschichte ausfallen können. Was in einem Thriller die Entführung einer wichtigen Figur ist, kann in einer Romanze ein Liebesgeständnis sein.

Es gibt über die groben Story-Beats hinaus auch noch Scene-Beats, also die Wendepunkte der einzelnen Szenen. Diese gehen aber über den Umgang dieses Beitrags hinaus. Im kommenden wird immer über die Story-Beats gesprochen werden.

Was ist ein Beat-Sheet?

Wir haben hoffentlich nun in etwa verstanden, was ein einzelner Beat ist. Daraus ergibt sich die Frage: Was ist ein Beat-Sheet und wie kann ich es dafür einsetzen, um meine Geschichte besser zu pacen?

Nun, an sich ist es relativ einfach: Wenn du deine Geschichte auf die 12-18 wichtigsten Stichpunkte reduzieren würdest, dann hättest du effektiv das Beat-Sheet deiner Geschichte. Denn das werden automatisch die wichtigen Wendepunkte, die die Handlung irgendwie verändern oder voranbringen sein. Diese Reduktion der Handlung auf diese Beats hilft einem natürlich aber nicht beim Pacing der Geschichte.

Dafür gibt es allerdings vorgefertigte Beat-Sheets. Diese kommen eigentlich aus der Film-Welt, lassen sich allerdings problemlos auch auf Romane anwenden. Dabei handelt es sich um grobe Vorlagen für Geschichten, in denen die Beats in vagen Worten umschrieben sind – zusammen mit den Stellen, an denen diese Beats am besten auftauchen. Oft in Prozent des Textes (oder für Filme in Minuten Laufzeit) angegeben.

Diese Beat-Sheets sind nur sehr grobe Vorlagen, können aber benutzt werden um auf ihnen aufbauend eine Handlung zu plotten.


Und ja, das bedeutet auch eine Sache: Beat-Sheets sind für Plotter, nicht für Pantser. Denn sie erfordern, dass man die Handlung vorplant. Um einen solchen Aufbaut mit Plantsing hinzubekommen, ist es oft erforderlich, die fertige Handlung in ihre Beats aufzuteilen und dann noch einmal die Handlung entsprechend umzuschreiben, um sich besser an den Beats zu orientieren.

Save the cat

Es gibt kein Beat-Sheet, das im englischsprachigen Raum bekannter ist, als „Save the Cat“. Dieses kommt aus dem gleichnamigen Buch von Blake Snyder, das eine Anleitung für Drehbuchautor*innen darstellt. Dabei ist „Save the Cat“ sehr generisch aufgebaut, so dass es sich auf viele Arten von Geschichten anwenden lässt. Das Beat-Sheet baut auf der 3-Akt-Struktur auf und hat 15 Beats, die ich euch im folgenden einmal erklären will.

  1. Opening Image (1%) – Das erste, was eure Leser*innen lesen. Ein eingängiges Bild, das ein Gefühl für die Stimmung der Geschichte gibt.
  2. Themenstatement (zwischen 3 & 5%) – Das Thema der Geschichte wird eingebracht. Dies kann in einem hervorgehobenen Satz, aber auch in einem Nebensatz passieren.
  3. Einführung (1-10%) – Die Leser*innen werden mit der/den Hauptfigur/en und ihrem Leben vertraut gemacht.
  4. Auslöser (zwischen 10 und 12%) – Etwas durchbricht den Status Quo vom Leben der Hauptfigur/en. Sie werden gezwungen umzudenken und sich auf den neuen Status Quo einzulassen. Dies kann von ihrer Seite aus freiwillig passieren, sie können aber auch dazu gezwungen werden.
  5. Debatte (12-25%) – Die Hauptfigur/en hat/haben Zweifel daran, ihr „Abenteuer“ anzutreten, und versucht dem ganzen zu entgehen.
  6. Durchbrechen zum zweiten Akt (25%) – Freiwillig oder nicht: Die Hauptfigur/en beginnt/beginnen ihr „Abenteuer“.
  7. Einsetzen der B-Story (30%) – Während die Hauptfigur/en ihr Abenteuer begonnen hat/haben, ergibt sich ein Umstand, der dieses verkompliziert in Form einer B-Story. In vielen Geschichten drehen sich diese um Charakterbeziehungen, häufig in Form von Romanzen.
  8. Fun and Games (30-50%) – Die etwaige Gefahr/der zentrale Konflikt sind noch weit entfernt. Stattdessen passieren andere Dinge, die den Hauptfiguren erlauben, ihre Fähigkeiten und ihren Charakter etwas besser zur Schau zu stellen.
  9. Mittelpunkt (50%) – Der Mittelpunkt ist der Wendepunkt in der Geschichte. Hier geschieht etwas, dass die Hauptfigur/en zum Konflikt zurückbringt und diesen Konflikt der/den Figur/en unmittelbar erscheinen lässt.
  10. Die Antagonisten holen auf (50-65%) – Der Konflikt ist für die Figur/en unmittelbar und holt auf. Häufig in Form von Antagonist*innen, die sich ihr/ihnen näheren und sie unter Druck setzen. In einer Geschichte ohne direkte Antagonist*innen kann dies aber auch ein Konflikt zwischen den Charakteren sein.
  11. Alles ist verloren (65%) – An dieser Stelle verliert/verlieren die Hauptfigur/en irgendetwas, das für sie wichtig ist. Das kann der Tod einer wichtigen Figur sein, aber auch die Eskalation eines Streites. Es ist kaum vorstellbar, dass die Figuren von hier zurückkehren können.
  12. Die dunkle Nacht (65-75%) – Die Hauptfigur/en hat/haben die Hoffnung verloren. Sie weiß/wissen nicht mehr weiter.
  13. Durchbruch zum dritten Akt (75%) – Die Hauptfigur/en fängt/fangen sich und fassen einen neuen Entschluss, doch noch einmal zu versuchen alles zu retten. Damit beginnt der dritte Akt.
  14. Finale (75-100%) – Das eigentliche Finale der Geschichte. Die Hauptfigur/en gehen auf ihren letzten sprichwörtlichen Kampf. Dabei kommt all das zum Einsatz, was sie bisher in der Geschichte gelernt haben. (Häufig in Actiongeschichten ist das Finale in vier Elemente unterteilt: Das Versammeln des Teams, die Ausführung eines Plans, überraschende Wendung, Schöpfen neuer Kräfte, die Ausführung eines neuen Plans.)
  15. Final Image (100%) – Der Konflikt kann aufgelöst werden. Es gibt ein letztes Bild, das im Kontrast zum Eröffnungsbild steht, mit dem ihr eure Leser*innen das Buch beenden lässt.

Es sei dazu gesagt, dass diese Prozentangaben nur zur groben Orientierung dienen. Es gibt genug Geschichten, die diese nicht genau befolgen. Es hilft allerdings, sie grob einzuhalten, um die Spannung in der Geschichte zu halten.

Allgemeine Tipps

Ich weiß, dass das alles ein wenig viel Informationen auf einmal sind. Um die Theorie ein wenig besser zu verstehen, hilft es, sich ein paar Analysen dazu anzusehen: Auf der Seite zu „Save the Cat“ wurden verschiedene Filme nach dem Modell analysiert. Außerdem hat Lindsay Ellis ein Video, in dem sie das 8-Sequenzen-Modell erklärt. Ich habe zudem einen zu diesem Beitrag zugehörigen Artikel geschrieben, in dem ich die verschiedenen Modelle an Mad Max: Fury Road erkläre.

Ich habe allerdings auch noch ein paar allgemeine Tipps für euch:

Zum einen ist ein wichtiger Tipp, den „auslösenden Moment“ wirklich innerhalb der ersten 15% der Geschichte einzubringen. Geht die „Einführung“ (sprich, das Set-Up von Figuren und Welt) länger als diese 15% wird das Buch schnell langweilig, da den Leser*innen nicht ganz klar ist, worauf das alles hinauslaufen soll.

Es ist außerdem hilfreich, ein Gefühl dafür zu bekommen, ruhige Szenen mit spannenden Szenen richtig abzuwechseln. Denn zu viel von dem einen oder dem anderen zu haben kann das Buch oft in Ungleichgewicht bringen. Zu viel Ruhe ohne Konflikt kann langweilig werden, zu viel Spannung kann jedoch auch ihre Wirkung ohne die Atempausen dazwischen verlieren.

Beim Schreiben von Reihen kann es übrigens tatsächlich helfen, sich an der Pacing-Grundlage aus dem Fernsehserienschreiben zu orientieren. Das hilft um die Spannung auch über mehrere Bücher hinweg zu erhalten.

Es gibt übrigens auch noch andere Beat-Sheets, außer „Save the Cat“. Zum Beispiel diesen von Jami Gold, der speziell für Romanzen ausgelegt ist.

Fazit

Pacing ist eine der größten Herausforderungen für Autor*innen, denn häufig steht und fällt die Spannung in einer Geschichte mit dem richtigen Pacing. Hierbei ist es gerade dann eine Herausforderung, wenn der einzige Kontaktpunkt, den man in seinem Leben zum Aufbau von Geschichten hatte, der Schulunterricht war, wo der „auslösende Moment“ mit 20-30% durch die Geschichte sehr spät aufgeführt wird.

Dankbarerweise haben sich viele Leute viele Gedanken zum Thema Pacing gemacht, so dass man im Internet einige Hilfen dazu findet. Leider sind die meisten davon allerdings auf Englisch.

Wichtig zum Thema Pacing ist es allerdings auch, die verschiedenen Elemente einer Geschichte zu verstehen und den Unterschied zwischen Beats, Szenen und Sequenzen zu kennen, da diese Einheiten helfen können, die Geschichte vernünftig aufzuteilen.

Ein wichtiges Handwerkzeug ist das Beat-Sheet, das helfen kann eine Geschichte auf eine Art zu strukturieren, die spannend ist. Es gibt verschiedene Beat-Sheets auch für unterschiedliche Genre. Das am häufigsten verwendete ist jedoch das Beat-Sheet aus „Save the Cat“ von Blake Snyder. Ein Buch, das sich für Autor*innen jeder Art ohnehin sehr lohnt.


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