8 letzte queerfeindliche Tropes

Im letzten und vorletzten Monat haben wir bereits über verschiedene queerfeindliche Tropes, die in Filmen, Serien, Videospielen und Büchern vorkommen. Heute geht es ein letztes Mal um solche Tropes mit weiteren acht queerfeindlichen Tropes.

Kampflesben

Letzten Monat haben wir über ein großes Problem in der lesbischen Repräsentation in den Medien gesprochen: Die Tatsache, dass häufig dargestellte Lesben beide sehr femme sind und es keine Butchlesben in den Medien gibt. Das gilt allerdings nur halb, nämlich vorrangig dann, wenn die Lesben tatsächlich in einer Beziehung landen und diese romantisch dargestellt wird.

Allerdings gibt es noch das andere Extrem, das sich auch immer wieder in verschiedenen Filmen – gerade älteren Actionfilmen – findet: Die Kampflesbe. Diese ist extrem butch und schlägt nicht selten in den „Strong Independent Woman“ Stereotyp mit hinein. Allerdings auf die negativste Auslegung des Tropes. Denn die Kampflesbe ist natürlich Männerhasserin. Wie könnte es auch anders sein?

Dazu kommt natürlich, dass die Kampflesbe Single ist. Denn natürlich können wir nicht wirklich eine lesbische Beziehung in so einer Geschichte darstellen. Außerdem wissen wir ja alle, dass homosexuelle Menschen eh keine Beziehung finden – so zumindest die Logik wenn dieser Trope vorkommt.

Sprich: Ein super toxischer Trope, der sehr viele negative Vorurteile gegenüber Lesben in sich vereint.

Nicht-menschliche Nicht-Binäre

Kommen wir zu einem Trope, den ich bereits in meinem Blog zum Thema „Schreiben von nicht-binären Figuren“ angesprochen habe. Dennoch gehört er definitiv in diese Sammlung queerfeindlicher Tropes mit hinein, selbst wenn es häufig ein Trope ist, der gut gemeint ist und häufig die negativen Implikationen einfach nicht bedacht hat.

Das ist, wenn eine Geschichte im Genre Fantasy oder SciFi nicht-binäre Figuren hat, diese aber durchweg nicht-menschlich sind. Sprich: Sie sind irgendeine andere Spezies, Aliens oder Roboter in irgendeiner Form. Sie sind auf jeden Fall keine Menschen.

Warum ist das ein Problem? Nun, da gibt es zwei Gründe. Zum ersten der offensichtliche Grund: Es othert nicht-binäre Figuren. Sie werden als etwas Anderes, als etwas Fremdes dargestellt. Als etwas, das auch definitiv keine Menschen sein können. Effektiv impliziert die Darstellung: Ja, nicht-binäre Figuren können existieren, aber nur als Fremdkörper, nicht als Menschen.

Zum zweiten hat es häufig den Beigeschmack von Biologismus. Denn nicht selten sind diese Aliens oder fremden Spezies (und Roboter natürlich sowieso) nicht nur von ihrem Gender her nicht-binär, sondern haben auch nicht-binäre körperliche Eigenschaften. Das impliziert eben, dass nicht-binär nur dann möglich ist, wenn der Körper auch entsprechend gebaut ist.

Polyam = Cheating

Es gibt eine Unterkategorie von Romanzen, die ein wenig verwunderlich ist. Denn hier sehen wir eine funktionierende polyamore Beziehung. Sei es, dass ein Partner noch einen zweiten Partner hat, sei es, dass eine offene Beziehung gelebt wird. Kommunikation läuft. Es ist einvernehmlich. Coole Sache. Finde ich gut. Sollte man zumindest denken.

Dann aber fängt entweder einer der Partner oder irgendeine andere Figur auf einmal an, das ganze als Betrug, also Cheating, darzustellen und die ganze Geschichte eskaliert zu einem Eifersuchtsdrama. Weil … Nun, weil halt. Weil wir in einer mononormativen Gesellschaft leben und es halt nicht sein kann, dass Menschen in einer glücklichen polyamoren oder offenen Beziehung leben.

Auch hier ist es denke ich nicht schwer zu sehen, warum dieser Trope toxisch ist. Es wird etwas dargestellt, das für viele Menschen funktioniert, doch die Darstellung behauptet, es würde nicht funktionieren können und am Ende nur in Eifersucht enden. Das ist eben toxisch und mononormativ. Und Himmel, ich will einfach mehr Bücher mit funktionierenden Polyam-Beziehungen sehen.

Das ganze Leben ist queer

Sprechen wir über einen Trope, bei dem ich eigentlich denken sollte, dass er für unsere Bubble nicht wirklich interessant ist – immerhin sollten wir darüber stehen. Doch ab und an bekomme ich auch mit, dass er innerhalb unserer Bubble immer mal wieder vorkommt. Also sprechen wir darüber.

Das beste Beispiel, was ich für diesen Trope finden kann, ist „Der bewegte Mann“. Nicht nur, das Waltraud ein absolutes Klischee eines schwulen Manns ist, nein, Schwulsein ist auch so ziemlich Waltrauds einziger Lebensinhalt. Waltraud kennt keine anderen Gesprächsthemen, außer seine Queerness. Alles dreht sich bei Waltraud ums Queersein. Es ist seine einzige Charaktereigenschaft.

Erneut sollte eigentlich offensichtlich sein, warum das eine recht toxische Darstellung ist. Denn auch queere Menschen haben ein Leben außerhalb ihrer Queerness. Natürlich spielt Queerness immer wieder in vielen Lebensbereichen mit eine Rolle, aber letzten Endes haben queere Menschen noch andere Lebensinhalte als ihre Queerness. Ihren Jobs, ihre Hobbys, ihre Leidenschaften … Also gebt queeren Menschen auch noch andere Interessen.

Nur angepasste Queers

Das genaue Gegenteil ist aber hier genau so problematisch, wenngleich auf weniger offensichtliche Art und Weise. Das Gegenteil sind eben queere Figuren, die einfach nur in jeder Hinsicht komplett wie cisheterosexuelle Menschen sind. Am besten verheiratet, mit guten Jobs und dann noch eineinhalb Kinder mit dazu.

Dies ist natürlich akzeptabler für die cisheterosexuelle Mehrheitsgesellschaft. Immerhin unterscheiden sich diese Menschen dann in keinem offensichtlichen Grund von dieser Mehrheitsgesellschaft und sind komplett angepasst. Aber genau ist halt eben das Problem.

Denn dies impliziert, dass queere Menschen sich anpassen müssen, um von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert zu werden. Das ist auch ein Problem, denn nicht alle queeren Menschen haben Bock, sich entsprechend anzupassen. Queer Culture ist queer Culture und für viele queere Menschen auch ein wichtiger Teil eines Lebens. Queere Beziehungen sind auch prinzipiell nicht komplett identisch mit heterosexuellen Beziehungen sind, da sie eben anders vom Patriarchat geprägt sind, als hetero Beziehungen.

Der emotionslose Asexuelle

Im ersten Beitrag haben wir bereits über das Thema gesprochen, dass häufiger Asexualität als Krankheit dargestellt. Allerdings ist es nicht der einzige negative Trope in Bezug auf Asexuelle – selbst wenn es tatsächlich weniger asexuelle Tropes gibt, als zu anderen queeren Identitäten. Immerhin gibt es eben unglaublich wenig Asexuelle Repräsentation.

Doch es gibt einen anderen Trope, der noch mit asexuellen Menschen vorkommt: Nämlich, dass asexuelle Personen emotionslose Roboter sind. Das kann in einer sehr direkten Darstellung daher kommen – nämlich in dem Sinne, dass die einzigen asexuellen Figuren in einer Geschichte tatsächlich Roboter sind.

Aber mehr noch ist es bei diesem Trope so, dass es eben eine asexuelle Figur gibt und diese eben als sehr emotionslos dargestellt wird. Gerne ist diese Figur das wandelnde „Lexikon“ in einer Gruppe. Nicht selten kommen auch noch autistische Kodierungen mit dazu, was das ganze doppelt problematisch macht. Es ist einfach ein unschöner Trope.

Der gezwungene Crossdresser

Haben wir einen Trope, dessen Problematik auf dem ersten Blick vielleicht nicht offensichtlich ist. Allerdings ist es auch ein Trope, der Bezug zu Transsein hat und leider auch gerne ins Lächerliche gezogen wird.

Dieser Trope ist der „gezwungene Crossdresser“, jedenfalls nennen wir es mal so. Effektiv ist das Konzept immer dasselbe: Eine Figur (meistens ein Mann) ist gezwungen sich aus irgendeinem Grund sich entsprechend eines anderen Geschlechts (also dem gegensätzlichen Geschlecht der binären Weltvorstellung) zu verkleiden. Heißt: Meistens müssen sich Männer als Frauen verkleiden. Vielleicht, weil sie irgendwie verfolgt werden, und sich so verstecken müssen, vielleicht, weil sie Polizisten sind, die versuchen einen Fall aufzuklären.

Aber dann kommt eine Menge Comedy, die komplett darauf beruht, dass Männer in Frauenkleidung irgendwie lustig seien. Das macht es eben problematisch, sowohl in Bezug auf Transsein, als auch in Bezug auf Transvestiten und Menschen, die aus anderen Gründen sich gerne entsprechend kleiden. Natürlich sind trans Frauen keine verkleideten Männer, sondern einfach Frauen, aber das ist etwas, das viele Menschen noch immer nicht auf die Reihe bekommen. Entsprechend ist es ein Trope, der vor allem trans Frauen gefährdet.

Die einzige Art, diesen Trope unproblematisch darzustellen, ist es zum einen nicht als lustig darzustellen, und zum anderen eventuell damit zu enden, dass die Figuren dadurch Erkenntnisse über sich selbst erlangen.

Queercoded Villains

Kommen wir zum letzten Trope in dieser Auflistung und Reihe. Dieses Mal zu dem liebsten Trope von Disney Animation Studios. Ein Trope, der relativ häufig schon besprochen wurde und deswegen hier natürlich nicht fehlen.

Das Bild ist leicht: In der ganzen Geschichte gibt es keine einzige queere Figur. Allerdings ist di*er Antagonist*in in verschiedener Hinsicht queer kodiert. In diesem Fall heißt es, dass di*er Antagonist*in aggressiv queeren Klischees entsprechen, die oftmals per se schon als problematisch angesehen werden können.

Doppelt problematisch ist es allerdings dadurch, dass die einzige vermeintlich queere Person in der Geschichte eben di*er Antagonist*in ist. Deswegen ist es eben ein Problem. Gerade auch weil diese Darstellung, die sich über Jahrzehnte hinweg gezogen hat, dazu geführt hat, bestimmte queere Eigenschaften zu Vilifizieren. Leider hat es auch dazu geführt, dass viele diesen Trope unterbewusst verwenden, einfach weil er sich so eingebürgert hat und viele Kindheiten geprägt hat.

Fazit

Wir haben über die letzten drei Monate hinweg nun gesamt 24 queerfeindliche Tropes besprochen. Natürlich gab es noch ein paar andere Tropes, die man dahingehend erwähnen könnte, doch das hier waren zumindest jene, die am häufigsten auf Twitter als störend genannt worden sind. Vielleicht machen wir nächstes Jahr noch mit ein paar mehr Tropes weiter.

Alles in allem gibt es eine Menge Probleme, wenn es um die Darstellung und auch die Nicht-Darstellung queerer Figuren geht. Viele davon haben sich einfach über viele Jahre hinweg eingebürgert und sind so normalisiert, dass viele nicht darüber nachdenken, wenn sie eingesetzt werden. Oftmals geschieht es nicht in böser Absicht, sondern aus persönlicher Unreflektiertheit.

Entsprechend lohnt es sich noch einmal vor Augen zu führen, dass es diese Tropes gibt und dass sie eben doch immer wieder vorkommen. Passt einfach darauf auf, dass ihr diese Tropes möglichst nicht verwendet – jedenfalls nicht unreflektiert.


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