Das MCU ist nicht perfekt! Teil 2: Der weiße, männliche Held

Letzte Woche habe ich mich über die Beziehungen im MCU beschwert, diese Woche beschwere ich mich über die Helden. Denn ja, auch wenn das MCU ein paar richtig sympathische Helden bietet, so stört mich doch eine Sache: Zu viele von ihnen sind sich zu ähnlich. Und auch wenn die Hoffnung bleibt, dass es mit Phase 4 endlich endet und die gesamte Aufteilung etwas diverser wird, so ist sie es aktuell nicht.

Weiße Männer, so viele weiße Männer

Anfangen tut es mit einer Sache: Wir haben soweit im MCU 21 Filme. Von diesen Filmen waren soweit 5 Ensemble-Filme (die Guardians und die Avengers), die verbleibenden 16 Standalone Heldenfeatures. Von diesen 16 hatten 2,5 einen namensgebenden Hauptcharakter, der kein weißer, heterosexueller Mann war. Diese 2,5 sind Captain Marvel, Black Panther und der „the Wasp“ Teil von Ant-Man and the Wasp.

Die anderen 13,5 Filme drehen sich um weiße Männer, die etwaig weibliche oder PoC-Sidekicks haben – jedoch dennoch einen weißen, männlichen Hauptcharakter. Und nicht nur das: Auch die Ensemble-Filme konzentrieren sich zentral auf die weißen, männlichen Charaktere. Peter Quill steht im Mittelpunkt der Guardians-Filme. Bei den Avengers-Filmen, eventuell mit Ausnahme von Infinity War, stehen Tony und Steve im Vordergrund.

Und ja, das ist gelinde gesagt dämlich. Es macht die Filme eintönig und sorgt dafür, dass vielen, vielen Leuten etwas fehlt … Etwas, das für sie wichtig wäre. Repräsentation, eine Möglichkeit zu sehen, dass sie als das, was sie sind, ebenfalls ein Held sein können!

Derselbe Charaktertyp

Allerdings endet es nicht damit, dass die wichtigsten Charaktere alle weiße Männer sind. Sie sind sich auch sonst nicht unähnlich. Schauen wir sie und ihre Konflikte uns doch einmal an:

  • Tony: Ein weißer, reicher (und damit privilegierter) Mann mit großem Ego, der immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen hat, leidet noch immer unter der Missachtung seines toten Vaters. Er muss lernen, sein Ego zu überwinden und sein eigenes Leben notfalls aufs Spiel zu setzen, nachdem eine Minority-Mentor-Figur für ihn stirbt.
  • Thor: Ein weißer, reicher Mann mit großem Ego und immer bereit für einen ironischen Spruch will seinen Vater beeindrucken. Er muss jedoch lernen, sein Ego zu überwinden und notfalls bereit sein sich für andere zu Opfern, um sein volles Potential zu erreichen.
  • Peter Quill: Ein weißer Mann mit zu großem Ego und immer einem sarkastischen Spruch auf den Lippen leidet unter dem Missbrauch durch seinen Ziehvater und darunter, nie seinen richtigen Vater kennengelernt zu haben. Er muss lernen sein Ego zu überwinden und sein Leben notfalls für andere aufs Spiel zu setzen.
  • Stephen Strange: Ein weißer, reicher Mann, immer mit einem zynischen Spruch auf den Lippen muss lernen sein Ego zu überwinden. Auch er kann sein wahres Potential erst erreichen, nachdem er sein eigenes Leben riskiert – getriggert vom Tod einer Mentorfigur.

Technisch gesehen lässt sich auch Ant-Man und Spider-Man mit reinbringen. Auch sie sind weiß und zeichnen sich durch sarkastische Sprüche aus und durch ihre Daddy-Issues. Wenngleich diese eher auf Ziehväter bezogen sind.

Dennoch: Wir sehen unter den Helden denselben Charakterzug immer wieder. So gesehen ist von den weißen Helden sogar Steve Rodgers der einzige, der komplett in eine andere Kerbe schlägt.

Diversity Sidekicks

„Aber ist es denn so schlimm“, mag jetzt der ein oder andere sagen, „weil im Supporting Cast gibt es relativ viel Diversität!“ Und ja, dass mag natürlich durchaus sein. Doch wie schon daraus hervorgeht: Supporting Cast. Diverse Helden haben einen PoC als Sidekick. Tony hat Rhodey, Steve hat Sam, Thor hat mittlerweile Valkyrie, Peter hat Ned, Stephen hat Wong, Scott hat Luis, ja, selbst Carol hat mehr oder minder zwei Sidekicks of Color.

Und ja, das ist ein Problem. Denn nicht nur, dass die Charaktere – und ihre Beziehungen zu den Helden – oft unterentwickelt sind, es sagt auch, dass der Platz eines nicht-weißen Charakter nur der eines Supporters ist. Das ihre Aufgabe ist, einen weißen Mann (bzw. in Carols Fall eine weiße Frau) zu unterstützen. Soweit ist Black Panther der einzige nicht-weiße Superheld. Black Panther ist genau so der einzige Film, bei dem weit weniger weiße Charaktere beteiligt waren, als nicht-weiße.

Das ist ein Problem. Es ist wirklich ein Problem. Weil die Nachricht, die es vermittelt – absichtlich oder nicht – eine schlechte ist. Dabei ist es halt albern. Denn nicht zuletzt wird diese Entscheidung, die Entscheidung immer ähnliche weiße männliche Helden in Hauptrollen zu nutzen, durch Absatz geprägt. Weiße, männliche Helden, sagt man, sind sicher. Doch sie sind es nicht.

LGBT-was?

Und dann ist da natürlich noch das große Thema: Im Marvel Cinematic Universe gibt es soweit keinen einzigen, explizit schwulen, lesbischen, bisexuellen, asexuellen oder gar transgender Charakter. Keinen einzigen. Ja, in den Netflix- und Fernsehserien gibt es Charaktere, die zumindest dem LGB-Spektrum angehören. Aber in den Filmen? Niemanden.

Sicher, in Thor Ragnarök gab es eine Szene, in der Valkyrie als bisexuell bestätigt worden wäre. Doch diese Szene wurde herausgeschnitten. Es gibt diverse Gerüchte rund um Carol. Doch keine der beiden ist je offiziell, auf dem Bildschirm bestätigt worden. Auch wenn Valkyrie per Word of God bisexuell ist, im Film gibt es nichts.

Und auch das ist ein Problem. Denn es sagt uns, wie schon im letzten Eintrag geschrieben, dass es selbst in einem Universum mit Aliens, Göttern, sprechenden Waschbären und Co. keinen Platz für uns gibt.

Dasselbe gilt übrigens, ganz nebenbei für andere Minorities.

Privilegien

Und dann gibt es da noch eine andere Sache: Die genannten Charaktere oben sind zu großen Teilen sehr privilegiert. Speziell Tony und Thor haben enorm viele Privilegien durch ihr familiäres Reichtum, durch ihre Begabungen. Doch wie nutzen sie es? Versuchen sie den Menschen zu helfen? Nein, zum Kämpfen. Sie nutzen es beide zum Kämpfen.

Vor allem bei Tony fällt es auf. Er ist reich. Er hat Mittel. Er könnte diese für Hilfe nutzen. Er hat den Ark-Reaktor. Er könnte mal eben die gesamte Energiepolitik revolutionieren. Doch was macht er? Er baut Waffen. Nur dass er sie allein einsetzt. Selbst. Um Konflikte mit Gewalt zu „lösen“. Egal wie wenig diese Gewalt auf Dauer bringt. Mit dem Ark-Reaktor könnte er so viele Konflikte auf der Erde verhindern. Aber nein, lieber baut er hunderte Iron Man Anzüge. Iron Man Anzüge, die dienen um Gewalt zu nutzen.

Und ja, auch das ist ein Problem. Der einzige Held, dessen Privilegien je hinterfragt werden ist ironischerweise T’Challa. Er hinterfragt seine Privilegien und entschließt sich am Ende von Black Panther diese zu nutzen nicht für Gewalt, sondern um die Welt ohne Gewalt ein bisschen besser zu machen.

Das MCU braucht mehr Diversität

Generell braucht das MCU mehr Diversität. Es braucht viel, viel mehr Diversität. Es braucht mehr PoC als Helden. Helden, die einen Film tragen und nicht nur ein Sidekick sind. Es braucht erst einmal irgendwelche Helden, die nicht cishetero sind. Aber selbst unter den weißen, männlichen Helden braucht es mehr Diversität. Sie können nicht alle dieselbe Art von Charakter sein. Gebt uns unterschiedliche Konflikte, unterschiedliche Figuren.

Und gebt uns auch einmal Charakterkonflikte, die am Ende nicht mithilfe eines Kampfes gelöst werden können. Einfach mehr unterschiedliche Dinge, als wir sie aktuell haben. Denn ja, sonst werde ich des MCU irgendwann müde. Nicht an Superhelden, aber an den immer selben Konflikten.

Wir brauchen mehr Diversität. Disney sollte gesehen haben, an Black Panther, der in den USA allein über eine Milliarde eingenommen hat, dass es sich lohnt. An Captain Marvel – ein Film, der zumindest ein eher ungewöhnliches Finale hatte. Mehr davon. Weniger … Nun.