Das Filmjahr 2018 – Ein subjektiver Rückblick

Ich habe einen Blog. Ich habe dieses Jahr tatsächlich mal wieder aktuelle Filme gesehen. Also kann ich auch eine Bewertung des Filmjahrs 2018 schreiben, das laut einigen Nerds ja sehr lau gewesen sein soll. Etwas, womit ich nicht wirklich übereinstimmen kann, denn ich hatte dieses Jahr im Kino (und daheim und im Flugzeug von und nach Japan) mit den neuen Filmen durchaus meinen Spaß.

Normalerweise habe ich in den meisten Jahren gerne meine Top 10 Filme des Jahres aufgezählt – doch ganz so passend wirkt es auf mich dieses Jahr nicht. Daher möchte ich es einmal anders machen: Ich werde über meine Top-Filme sprechen, meine Flop-Filme, die Überraschungen des Jahres (also Filmen, von denen ich nichts erwartet habe, die aber irgendwomit begeistern konnten) und den Enttäuschungen (also Filme, von denen ich viel erwartet habe, die aber eben nicht begeistern konnten) und warum diese Filme in der jeweiligen Kategorie gelandet sind.

Bereit?

Meine Top-Filme des Jahres 2018

Platz 1 dieses Jahr geht an Black Panther, der aktuell gemeinsam mit Guardians of the Galaxy Vol. 2 auf der obersten Platz meiner Marvel-Filmen sitzt. Der Film konnte einfach auf so viele Arten begeistern. Es gibt kaum einen anderen Marvel-Film, in dem ich so viele Charaktere mag. Shuri hebt den Film in meinen Augen sowieso um zehn Plätze an. Die Ästhetik des Films im Afro Futurism ist einfach nur cool. Und dann hat der Film es geschafft, was so wenige Marvelfilme schaffen: Einen interessanten, überzeugenden Bösewicht zu präsentieren. Vor allem einen Bösewicht, der eigentlich der Held in anderer Farbe war – jedoch auf eine Art, die im Film Sinn machte. Dazu ein wundervoller Soundtrack. Hach, was will ich mehr?

Platz 2 geht an einen weiteren Superhelden-Film und zwar den animierten Marvelfilm dieses Jahres, der erst zum Jahresende herauskam. Natürlich rede ich von Spider-Man: Into the Spiderverse. Ein sehr anderer Animationsfilm und endlich ein Spider-Man Film, der uns nicht nur Miles, sondern auch noch Spider-Gwen gibt. Was will ich mehr? Die Animation war wundervoll, der Film hatte Humor und viel Gefühl und ein sehr dichtes Pacing. Er hat einfach Spaß gemacht.

Und dann noch Platz 3, der an Paddington 2 geht. Es sei dazu gesagt, dass ich den ersten Paddington selbst erst am Anfang des Jahres gesehen hatte, da er mir von den Clips, die ich kannte, ein wenig zu albern erschien. Ich habe mich jedoch eines besseren belehren lassen. Der Film war wundervoll und so hatte ich die Chance ergriffen den zweiten Film auf dem Rückflug aus Japan anzusehen. Und was soll ich sagen? Wie auch der erste Teil schafft der Film es wunderbar seine Metapher darzustellen, ist rührend, ein wenig whimsical und zudem einfach nur herzig. Definitiv ein toller Familienfilm.

Meine Flop-Filme des Jahres 2018

Meine Flop-Filme sind letzten Endes die Filme, bei denen ich nicht viel erwartet habe und die mir dennoch nicht gefallen haben. Das heißt nicht einmal zwangsweise, dass sie wirklich schlecht sind, nur, dass sie mir nicht zugesagt haben.

Hier hätten wir in unbestimmter Reihenfolge einmal Ready Player One. Als ich das Buch seinerzeit las fand ich es ja toll, wurde mir aber erst später dessen bewusst, dass es voller unterschwelligem Rassismus und Sexismus steckt – einmal ganz davon abgesehen, dass es letzten Endes einfach nur Nerd-Wishfulfillment ist, aber auf eine sehr toxische Art und Weise. Hier werden die Nerd-Kulturgüter der 80er – wohlgemerkt die an weiße, männliche Kinder und Jugendliche adressierte Kulturgüter der 80er – glorifiziert, alles andere ist scheiße, aber Trivia-Wissen in diesen Dingen bringt Punkte ein. Der Protagonist ist ein creepy Stalker und am Ende sind sie toll dafür, die Ökonomie der Welt zu zerstören. Zwar hat der Film viele Dinge, die im Buch schlimm sind, ein wenig heruntergedreht und besser gemacht, doch ist auch der Film letzten Endes voll mit ähnlich problematischen Themen, einem Plot, der noch weniger Sinn ergibt und dazu CGI, die sehr, sehr weit im Uncanny Valley liegt.

Jurassic World: The Fallen Kingdom wäre dann mein zweiter absoluter Flop-Film des Jahres? Was soll ich sagen? Ich mochte den ersten Film der neuen Reihe schon nicht. Sei es, weil die Dinos keine Federn hatten. Weil ich nicht mochte, wie die weiblichen Charaktere behandelt wurden. Weil ich dieses „Böse Dinos essen alles, wenn sie die Chance haben“ Ding nicht mag. Und weil ich das Format der Jurassic Park Filme allgemein sehr unglaubwürdig finde und nach fünf Filmen nicht länger ein Auge zudrücken mag. Der Film war mehr vom selben, gespickt mit ein paar wirklich, wirklich lächerlichen Plottwists, die von mir nur ein genervtes Stöhnen zu hören bekommen haben und mehr mag ich wirklich nicht dazu sagen.

Wenn ich jetzt noch einen dritten Film nennen sollte, bei dem ich nicht erwartet habe, dass er mir gefällt und der mir tatsächlich nicht gefallen hat, müsste ich einen Film nennen, den ich rein qualitativ absolut für gut halte – er hat mir halt nur persönlich nicht gefallen, weil er mir zu artsy war. Und das war Annihilation. Was soll ich mehr dazu sagen? Es war nicht meine Art von Film, aber während ich ihn generell auch nicht so hoch halten würde, wie einige Kritiker, muss ich halt schon sagen, dass er ein guter, gut gemachter Film war, der einfach nicht meinem Geschmack entsprach.

Enttäuschungen des Jahres

Damit kommen wir zu dem wahrscheinlich interessanteren Thema: Meine Enttäuschungen des Jahres. Denn das sind Filme, an die ich doch mittlere bis große Erwartungen haben, die mich am Ende jedoch bitterlich enttäuscht zurückgelassen haben. Na ja, in einem Fall habe ich nicht einmal zu viel erwartet und sogar das bisschen wurde enttäuscht.

Als erstes sei hier Avengers: Infinity War genannt. An sich kann ich hier wenig sagen, was nicht Mickey Neumann schon gesagt hat: Der Film geht furchtbar mit den Guardians um und wie der Film bereit ist, zu behaupten, dass das Gefühl, dass Thanos für Gamorra empfindet, wirklich Liebe sei, ist einfach grausam. Dazu war der Film all das, was zu befürchten war: Überfüllt, effektiv eine lange Aneinanderreihung von Actionsequenzen, die zwar cool aussahen, aber relativ inhaltsleer waren und zudem in sich oftmals nicht wirklich kohärent. Es gab viele Momente wo Drehbuch, Stuntteam oder war auch immer die Actionsequenzen letzten Endes designt hat, für die Charaktere logische Möglichkeiten übersehen hat. Und Himmel Herr Gott, es geht mir so auf den Wecker, wie das MCU mit den Romanzen umgeht. Aber das ist ein Thema, das noch einmal einen eigenen Eintrag bekommen wird. Generell werde ich wahrscheinlich ein Review zu dem Film schreiben.

Dann ist da Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald. Ein Film, von dem ich nicht zu viel erwartet habe. Ich mochte den ersten Teil größtenteils, aber dann fing es hier bereits im Vorspiel zum Film an, als wir erfuhren, dass Nagini eine koreanische Frau und Dumbledore in dem Film nicht offen schwul sein würde … Doch die wenigen Erwartungen, die ich hatte, wurden im Film noch weiter enttäuscht. Die Story ist komplett inkohärent und furchtbar gepacet. Es gibt massenhaft ungeschickte Exposition. Die Tierwesen, die für mich im ersten Teil das Herz des Films waren, waren größtenteils nur noch Setdressing, Newts Beziehung und Händchen mit den Tieren nur noch ein Hintergrundaspekt, der mehr und mehr verdrängt wurde, um Newt mehr zum klassischen Filmhelden werden zu lassen. Die Charaktere handeln an vielen Stellen komplett anders, als man es nach dem ersten Teil erwarten würde, waren also „Out of Character“ und ganz nebenbei war die CGI wirklich, wirklich schlecht und sah an einigen Stellen tatsächlich komplett unfertig aus. Und das ist ohne auf die Probleme einzugehen, die der Film bezüglich respektvoller Repräsentation hat. Die Schauspieler sind weiterhin großartig, aber da die Charaktere nur noch Hüllen ihrer selbst sind, hat das für mich wenig herausreißen können. Der Film hat mich einfach nur sehr traurig gemacht.

Der letzte Film in dieser Kategorie ist ein wenig ein anderer, doch wahrscheinlich irgendwie auch meine größte Enttäuschung dieses Jahr: Sicario – Day of Soldado. Der erste Teil war jetzt nicht mein liebster Film, doch es war ein interessanter Film über die Arbeit gegen das organisierte Verbrechen, der vielleicht nicht komplett ausgeglichen war, aber zumindest nicht komplett lächerlich wurde, wenn es um die Darstellung der Drogenkartelle ging.

Leider merkt man im zweiten Teil davon wenig. Der Film hat nicht die geringste Nuance und schaut sich eher wie ein Trumpland Propagandafilm. Jetzt machen die Drogenkartelle gemeinsame Sache mit islamischen Terroristen (ohne, dass dies je erklärt wird) und die einzigen Grautöne, die wir sehen, sind dadurch, dass amerikanische Sesselfurzer vielleicht auch nicht so geil sind – also mehr so im Sinne von bayscher Filmästhetik. Ganz nebenbei macht der Film auch noch den Fehler Sicario selbst zum Hauptcharakter zu machen, der allerdings aufgrund seiner abgestumpften Verbitterung für große Teile des Publikums keine gute Identifikationsfigur sein wird. Ich weiß nicht, was ich von dem Film erwartet habe, doch an sich hatte er mich bereits bei dem islamistischen Anschlag zu Beginn verloren.

Überraschungen

Kommen wir zuletzt zu dem positivsten Teil: Den positiven Überraschungen des Jahres. Und davon hatte ich so viele, dass ich in dieser Sektion sogar fünf Filme nenne, da ich mich einfach nicht auf drei Beschränken konnte.

Fangen wir hier mit einem Netflix-Film an, der mir einfach in die Wiedergabeliste gesprungen ist: Next Gen. Ein Film, der in mancherlei Hinsicht ein wenig an Baymax erinnert, mich aber sehr positiv überrascht hat: Der Humor hat genau ins Schwarze getroffen bei mir (vor allem die sprechenden Türen, die mich sehr an Japan erinnert haben) und der emotionale Aspekt hat ebenfalls funktioniert. Außerdem war es durchaus eine nette Abwechselung in einem vermeintlich Technologie-Feindlichen Film doch so etwas wie Graustufen zu sehen, so dass es am Ende nicht: „Technologie = Schlecht“, sondern: „Technologie, wen exklusiv genutzt und zu wenig hinterfragt kann problematisch sein“ wurde.

Dann ein Film, bei dem ich mir nicht sicher war, ob er hier überhaupt in den Kinos lief: Searching. Ich hatte durch amerikanische Reviewer viel davon gehört und war begeistert im Ausland den Film sehen zu können. Das Framing des Films über den Computerbildschirm ist großartig, der Film ist spannend und nebenbei will ich ihn dringend noch einmal schauen, weshalb ich mich sehr auf die DVD-Veröffentlichung freue. Gerade dank der Eastereggs, die es da offenbar noch gibt.

Als drittes hätten wir Bumblebee. Oder auch: Der Transformers-Film, der nicht von Michael Bay ist, einen weiblichen Protagonisten, eine Drehbuchautorin und nebenbei so etwas wie Herz hat. Oder einfacher gesagt: Der Transformers-Film, der sich nicht schämt, ein Transformers-Film zu sein. Ich hatte Hoffnungen, aber keine großen Erwartungen an den Film, war jedoch kurz vor Weihnachten im Kino und er war wunderbar. Obwohl der Film ähnlichen Storybeats folgt, wie die alten Transformer, funktioniert er anders als die anderen Filme auf jeder Ebene. Vor allem auf der emotionalen Ebene. Außerdem waren die Designs der Transformer wesentlich besser, die Animation sah fertiger aus und hatte mehr Gewicht. (Oder auch: Schaut euch den Film noch an!)

Zu guter Letzt habe ich noch zwei Filme, die ich gar nicht erwartet habe, da sie mein absolutes Horror-Genre sind: Romcoms. Ein Genre, dass mir die Chick-Flicks der 90er dank sexistischer Stereotype kaputt gemacht haben.

Hier hätten wir zum einen Crazy Rich Asians, den ich dankbarerweise in Edinburgh schauen konnte. Zugegebenermaßen fand ich gar nicht mal die Romanze hier interessant, aber der Comedy-Teil hat definitiv funktioniert (nicht zuletzt dank Awkwafina, die mir auch in Ocean’s 8 sehr gefallen hat) und die Charakterinteraktionen allgemein, speziell auch die Freundschaften zwischen den weiblichen Charakteren, haben mir sehr gefallen.

Und dann der Film, von dem ich bis zwei Tage bevor wir drinne waren nichts wusste: Destination Wedding. Ich sah den Trailer durch Zufall auf YouTube und habe Seki einfach überredet reinzugehen, weil ich Keanu Reeves mal in einer anderen Rolle sehen wollte. Der Film war amüsant, extrem intelligent geschrieben (sämtlicher Dialog findet praktisch zwischen den beiden Protagonisten statt), kaum romantisch, aber doch in der Entwicklung der zentralen Beziehung überraschend nachvollziehbar. Ich habe es außerdem genossen, wie unperfekt alles war. Die Charaktere waren unperfekt, der Sex war unperfekt, es war alles so furchtbar, furchtbar normal. Oder anders gesagt: Der Film war genau so, wie ich es nicht erwartet hätte. Top. 🙂

 

Beitragsbild von Runner1616 via WikiCommons, unter CC3.0 Lizenz