Wo fängt der neue Absatz an?

Ich dachte, es wäre einmal wieder Zeit für einen sehr kurzen Schreib-Beitrag, nachdem ich länger keine mehr der Art bereitgestellt habe. Ich habe bereits etwas zu Filterworten und Inquit-Formeln geschrieben. Heute geht es um mein Lieblingsthema: Absätze.

Kommen wir damit erst einmal zu einer Aussage, die einige überraschen könnte: Absätze. sind etwas, das im Deutschen mehr oder minder geregelt sind. Ja, die Regeln sind nicht absolut und vielleicht sollte man sie eher als Richtlinien bezeichnen, doch sie gibt es. Hart genug, als dass ich sogar einen Deutschlehrer hatte, der dies als Fehler angestrichen hat, und ein (uraltes) Deutschbuch, das darüber schrieb.

Wo gehört ein Absatz hin?

Ich bin mir dessen bewusst, dass dies vielen nicht so ging. Zwar haben viele Leute, da es in Büchern meist halt korrekt ist, grob im Gefühl, wohin ein Absatz (nicht) gehört, doch konkrete Richtlinien? Das führt dazu, dass es Texte gibt, wo prinzipiell jeder zweite Satz einen neuen Absatz anfängt, und Texte, in denen es einfach gar keine oder zumindest viel zu wenige Absätze gibt. Beides macht das Lesen oft schwer.

Generell habe ich folgende Regeln (Richtlinien?) für den Absatzwechsel gelernt: Es fängt ein neuer Absatz an, wenn …

  1. … die handelnde Person wechselt.
  2. … von einer inneren Betrachtung auf eine äußere gewechselt wird.
  3. … das Thema des Absatzes wechselt.

Gehen wir diese Aspekte alle einmal durch.

Wechsel der handelnden Person

Dies sollte am ehesten selbsterklärend sein. A macht was. Absatzwechsel. B macht was. Absatzwechsel. C macht was. Ausnahme sind, wenn es Nebensätze zur Überleitung gibt, wo meiner Erfahrung nach beides funktionieren kann, da es weniger Verwirrung verursacht, keinen Absatz zu setzen.

Das gilt natürlich auch für Dialoge. Wechselt die sprechende Person – unabhängig davon, ob dies durch Handlung oder Inquit-Formeln ausgeschmückt wird – gibt es einen neuen Absatz. Dies sorgt für bessere Übersicht.

Innere und äußere Betrachtung

An sich ist auch dieses Thema gar nicht so schwer. Es gilt vor allem für den Wechsel zwischen einem Absatz, der sich entweder im Inneren eines Charakters abspielt – wie bspw. die Gedanken und Gefühle zu einer Situation – zu Dingen, die außen stattfinden. So zum Beispiel wenn es von Gedanken oder Plänen zu konkreter Handlung wechselt. Dasselbe gilt, wenn von einem Erklär-Abschnitt zur eigentlichen Handlung wieder gewechselt wird. (Zum Beispiel im Zusammenhang mit Weltenbau.)

Auch hier ist es nicht immer fest. Manchmal ist es sinnvoll die äußere Handlung des Redens mit Gedanken des Charakters zu vermixen, ohne neue Absätze zu machen.

Themenwechsel

Ein weiterer Aspekt, vor allem in Erzählabschnitten, kann ein Themenwechsel sein. Sei es, dass der Erzähler gerade ein wenig Weltenbauaspekte erklärt und bspw. von Infrastruktur zu Architektur wechselt. Sei es, dass das Thema einer Beschreibung wechselt, bspw. weil erst Charakter A, dann Charakter B beschrieben wird.

Beispiele

Soweit, so gut. Das ist jetzt alles etwas trocken. Daher dachte ich, es wäre angebracht, einige Beispiele zu nehmen. Diese sind eiskalt aus Mosaik entnommen.

Er sah auf, musterte sie. „Ah.“ Er zögerte. „Pakhet.“ Einmal blickte er sich um, schüttelte dann den Kopf. „Nein. Nicht besonders lang.“ [Handelnde Person wechselt.]
„Gut.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Das ist der Wagen?“ [Handelnde Person wechselt.]
„Ja“, erwiderte er. „VW T6. Standard Transporter. Drei Jahre alt. Gehörte vorher offenbar einem Malereibetrieb.“

Aus Mosaik | Menschen [30.03.2011 – D02 – Reperaturservice]

Sie selbst hatte etwas mehr als fünfzehn Meter Vorsprung. [Wechsel von äußerer zur inneren Perspektive – aka, Handlung zu Gedanken hier.]
Verdammt, sie mussten bloß aus der Taschendimension herauskommen, dann wären sie in Sicherheit. Es war schwer zu schätzen, wie weit sie vom Ausgang entfernt waren. Vielleicht noch fünfzig Meter, vielleicht hundert. [Wechsel zurück.]
Sie lief weiter, konnte jedoch nicht anders, als sich wieder umzudrehen, um nach Heidenstein zu sehen. Er fiel weiter zurück. Verdammt.

Aus Mosaik | Menschen [23.05.2011 – D10 – Untot]

Fakt war: Im reinen, waffenlosen Nahkampf und ohne einander zu verletzen, war er ihr allein durch die Masse weit überlegen. Sie hasste es. Und sie würde einen Weg finden, auch ihn auf den Boden zu bringen. [Themenwechsel/Fokuswechsel]
Man sagte, dass gute Martial Artists fähig waren auch weit größere Gegner zu Boden zu befördern. Das mochte wahr sein, doch galt es nur, wenn der Gegner generell unerfahren im Nahkampf war, keine Techniken kannte, Würfe zu kontern. [Themenwechsel]
Crash hatte fraglos nicht in einer asiatischen Schule gelernt. Sie konnte seinen Stil nicht genau einordnen, schätzte aber, dass er eine Mischung aus Dambe und irgendeinem asiatischen Stil war. Dennoch war seine Art sich zu bewegen die eines ausgebildeten Kämpfers, nicht die eines einfachen Schlägers.

Aus Mosaik | Menschen [06.06.2011 – C03 – Nahkampf]

An der Stelle wäre es eventuell auch noch anzumerken, dass falsche Zeilenumbrücke spätestens in Dialogen schnell zu Verwirrung führen können, sofern nicht jeder Charakter einen extremen Sprachtick hat. Schaut euch mal dieses Stück an:

„Wenn du neue Leute anstellst, dann kannst du dir auch Urlaub erlauben“, meinte sie. „Ich sollte ein guter Chef sein. Ein Ansprechpartner. Außerdem brauch ich mehr Geld.“ „Weißt du, was ich glaube?“ Sie musterte ihn mit einem matten Lächeln. „Ich glaube, du bist ein elendiger Workaholic.“ Er steckte den Lötkolben zurück und schenkte ihr einen kurzen Blick, wartete dann, dass das Handy abkühlte. „Damit hast du vielleicht nicht Unrecht.“ Er lächelte und zuckte mit den Schultern. „Du machst dir nicht etwa Sorgen, oder?“

Wie leicht fällt es euch hier beim ersten Lesen zu entziffern, wer was davon sagt? Wahrscheinlich nicht so leicht.

Anderes Beispiel mit absichtlich falsch gesetzten Absätzen:

„Wieso isst du nicht eigentlich auch Eis?“, fragte er. „Weil Süßes nichts für mich ist.“
Sie warf ihm einen kurzen Blick zu. „Nicht jeder hat den Luxus, das Fett magisch verschwinden zu lassen.“
„Als ob an dir auch nur ein Gramm Fett wäre“, murmelte er.
Sie lächelte, zuckte mit den Schultern und nippte an ihrem Eiskaffee.
„Davon abgesehen mag ich Süßes nicht.“
„Wie kann man Süßes nicht mögen?“
Wieder einmal spielte der Junge, der – wie praktisch immer, wenn sie sich trafen – die Gestalt des hellhäutigen, schwarzhaarigen Jungen von siebzehn oder achtzehn angenommen hatte, empört.

Die Leerzeile

Zuletzt vielleicht noch einmal die Frage: Und wohin kommt die Leerzeile? Denn dies ist natürlich wieder eine eigene Frage, vor allem wenn man das gewisse Onlineproblem bedenkt: Je nach Formatierung einer Webseite, wirkt ein Text ohne Leerzeilen sehr massiv, weswegen viele Leerzeilen zwischen Absätzen benutzen. Aber in einem Prosatext? Was macht man da?

Auch hier gibt es zwei Faustregeln: Wechsel der Perspektive oder Szenenwechsel – speziell wenn dieser keinen Übergang hat. Wobei Wechsel der Perspektive an sich nur bei Personalerzählern gilt, nicht bei einem allwissenden Erzähler. (Nicht, dass es von diesen viele gibt.)

Was den „ohne Übergang“-Teil angeht: Erneut ist es Geschmackssache. Manche machen es auch mit Übergang, andere nicht. (Ich gehöre zur zweiteren Faktion.) Gemeint ist damit meistens, wenn es einen Orts- oder Zeitwechsel und damit einen klaren Szenenwechsel gibt. Wird über auch nur einen Absatz beschrieben, wie der Charakter von A nach B kommt oder was er zwischen Zeit X und Zeit Y getan hat, ist die Leerzeile Geschmackssache. Ist dieser Übergang nicht da, sollte aber definitiv eine Leerzeile hin, damit der Leser nicht verwirrt ist, warum der Charakter nicht länger in Köln und es nicht länger Mittag ist.

Fazit

Wie gesagt: Vieles davon sind letzten Endes vornehmlich Richtlinien, als feste Regeln. Dennoch ist es sinnvoll sich daran zu orientieren, da Texte mit zu vielen oder zu wenigen Zeilenumbrüchen schwer zu lesen sind. Dies gilt übrigens besonders für Dialoge, wie ich oben am Beispiel hoffentlich gezeigt habe. Deshalb: Tut euch und euren Lesern einen Gefallen und versucht ein wenig darauf zu achten!

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Das Beitragsbild ist von Pixabay