Urbane Legenden: Von Hoia Baciu zu Mothman

In den letzten Wochen habe ich mich mal wieder intensiver mit Urban Legends auseinandergesetzt. Und weil ich vor beginn von Pride Month mir noch etwas für diese Woche im Blog ausdenken muss, hie eine Art Top-Liste. (Nein, diese werden keine Angewohnheit, ich versprech’s!)

Einleitung: Was sind Urban Legends?

Vielleicht kurz Eingangs die Frage. Was sind Urban Legends oder „Urbane Legenden“? Ein wenig kann man sich über die Details streiten, doch prinzipiell sind es Mythen der neuen Zeit, die sich halt durch die moderne Gesellschaftsstruktur verbreitet haben. Manche von ihnen haben, wie bspw. Slenderman, ihre Ursprünge in Creepypasta, manche haben sich aus Gerüchten oder älteren Mythen entwickelt. Dabei gibt es allerhand von diesen Mythen. Manche eher im realen Leben angesiedelt (wie die Alligatoren in der Kanalisation), andere paranormaler Natur.

In diesem Eintrag werde ich mich eher den Legenden der zweiteren Art widmen und euch von ein paar Geschichten erzählen, die mich besonders faszinieren. Also: Macht das Licht aus, macht gruselige Musik an und habt Spaß!

Der Hoia Baciu

Auch wenn er immer wieder so genannt wird: Nein, er heißt nicht „der Hoia Baciu Wald“ – da Baciu bereits „Wald“ bedeutet. Doch angeblich handelt es sich hierbei um eins der verspuktesten und seltsamsten Fleckchen in Deutschland.

Der Hoia Baciu ist ein Wald in Rumänien, dem schon lange einige Geschichten nachgesagt werden. So habe sich einmal ein Kind hier verlaufen und galt bereits als tot, ehe es einige Jahre später zurückkehrte und um keinen Tag gealtert war. Regelmäßig werden über dem Wald UFOs und seltsame Lichter gesehen. Wer sich nachts hier aufhält, wird Stimmen hören. Und dann gibt es „den Kreis“. Eine vollkommen kreisrunde Lichtung im Wald. Diese ist angeblich das Zentrum der mysteriösen Ereignisse.

Von dieser Legende habe ich das erste Mal über Destination Truth gehört. Und ja, es ist verflucht gruselig. Sicher, diverse Aspekte lassen sich erklären, wenn man sich die Lage des Waldes auf Google Maps betrachtet … Dennoch ist es ein Ort, um den sich viele spannende Legenden ranken!

Black Eyed Children

Diese Geschichte werden sicher einige von euch kennen, hat sie doch auch in Hollywood mehr als einmal Erwähnung gefunden. Seid vorsichtig! Denn auch, wenn diese Legende ihre Wurzeln den USA hat, so wurden angeblich auch in Deutschland schon schwarzäugige Kinder gesehen.

Diese Legende spielt sich immer wieder auf dieselbe Art ab. Es ist Nacht oder vielleicht ein besonders düsterer, nebeliger Tag. Jemand ist allein unterwegs oder allein zuhause, als einige Kinder herkommen. Diese Kinder, die den Blick immer gen Boden gerichtet halten, bitten ihr „Opfer“, dass sie in den Wagen eingesteigen können oder nach kurz ins Haus eintreten dürfen. Sie hätten sich verlaufen, müssten telefonieren. Das „Opfer“ bemerkt in enormer Furcht, dass die Augen der Kinder gänzlich schwarz sind. Wer vernünftig ist flieht oder schlägt die Tür zu … Wir haben nie von jemanden gehört, der ihnen geöffnet hat. Doch es wird sicher jemanden geben, oder?

Es ist ein Klassiker unter den urbanen Legenden – und das, obwohl der Anfang dieser Legende mittlerweile lang als Fiktion bestätigt wurde. Dennoch hat sich dieser kleine Mythos gehalten. Wahrscheinlich kein Wunder: Gruselige Kinder kommen immer gut an, was sich in der weiten Verbreitung des Mythos zeigt.

Der Zombiezug / Hexenzug

Diese kleine Legende hat ihren Ursprung in Südafrika und ist einmal etwas sehr anderes. Denn Geisterzüge kennt jeder – Zombiezüge dagegen …?

Eine Person wandert des Nachts durch die südafrikanische Wildnis, als sie die Geräusche eines Zuges hört. Eventuell ohne, dass überhaupt Gleise in der Nähe sind. Wenn der Wanderer Glück hat, fährt der Zug einfach an ihm vorbei. Hat er jedoch Pech, so hält er an. Ein Schaffner wird ihm eine Fahrt an das Ziel anbieten und fragen ob er ein Einzelticket oder eins für Hin- und Rückfahrt will. Sagt der Wanderer Hin- und Rückfahrt, so hat er Glück. Zwar wird er von Zombies verprügelt und vom Zug geworfen, doch lässt man ihm am Leben. Sagt er jedoch „Einzelticket“, so wird die Hexe, die den Zug beschworen hat, ihn töten und für den Rest seines Lebens dort arbeiten lassen.

Diese Legende ist etwas, auf das ich bei der Recherche für Mosaik gestoßen bin. Sie ist etwas ungewöhnliches, was man selten in urbanen Legenden findet. Dabei ist sie allerdings schon etwas älter. Die Legende geht wahrscheinlich auf die Kolonialzeit zurück, was ihr wahrscheinlich ein wenig mehr Kontext gibt. Denn auf einmal bekommt das ganze eine andere Bedeutung, die heute bei dieser Legende selten noch bedacht wird.

Das Aufzugspiel

Kommen wir zu einer Legende, die eng mit einer jener Internet-Challenges verknüpft ist. Vielleicht hat der ein oder andere schon davon gehört. Es geht um Geister in Aufzügen und einen Weg in eine andere Welt.

Für diese Challenge brauchst du ein Gebäude mit mindestens 10 Stockwerken und einem Aufzug. Steige im Erdgeschoss in diesen Aufzug ein. Fange nur an, wenn niemand anderes im Aufzug ist. Drücke den Knopf für den vierten Stock. Steige dort nicht aus. Fahre stattdessen in den zweiten Stock, dann in den sechsten, dann zurück in den zweiten, in den zehnten und schließlich in den fünften. Hier kann es sein, dass eine junge Frau einsteigt. Sprich sie auf keinen Fall an! Schau sie nicht direkt an. Drücke den Knopf für das Erdgeschoss. Sollte der Aufzug stattdessen nach oben fahren: Es läuft gut. Mach weiter. Fährt er tatsächlich ins Erdgeschoss: Steig aus und schau dich auf keinen Fall um. Bist du jedoch nach oben gefahren, wird die Frau dich fragen: „Wohin gehst du?“ Antworte ihr nicht, sondern steig einfach aus. Du wirst feststellen, dass du in einer anderen Welt bist.

Diese Challenge, die aus dem koreanischen Netz kommt, ist wahrscheinlich durch Eliza Lamb bekannt geworden. Einige haben damals spekuliert, dass sie das Spiel gespielt hat, ehe sie verunglückte. Leider hat der Fall in der paranormalen Community viel zu viel Aufmerksamkeit bekommen – anstatt als Unglück oder Verbrechen betrachtet zu werden. Trotzdem finde ich diese Geschichte, rein als Legende betrachtet, überaus spannend.

Mothman

Widmen wir uns wieder einer weit bekannten Legende, die mir als Kind furchtbare Angst gemacht hat. Viele werden diese sicherlich kennen, da sie immerhin in zwei Hollywoodverfilmungen aufgegriffen wurden.

Diese Geschichte beginnt im wunderbar benannten Ort „Point Pleasant“ in West Virginia. Sie spielt zwischen November 1966 und Dezember 1967. Eigentlich begann es recht unschuldig: Ein paar Jugendliche sahen eine menschliche Gestalt über ihren Wagen fliegen. Dann, ein paar Tage später, sah ein junges Paar eine ähnliche Gestalt. Dabei war es diese zweite Sichtung, die besonders aufsehen erregte. Denn dieses junge Paar beschrieb rote Augen und ein seltsames Puder, das sie verbrannt hat. Während die Sichtung sich nicht nachweisen ließ, so waren die Verbrennungen fraglos real und chemischer Natur. Die Zeitschriften griffen die Geschichte auf und auf einmal vermehrten sich die Sichtungen des Wesens, das schnell als „Mothman“ bezeichnet wurde. Bis sie auf einmal endeten – ein Jahr später – nachdem die Silver Bridge in Point Pleasant einstürzte. Kurz vorher wurde Mothman angeblich an der Brücke gesehen. Hatte er nur warnen wollen?

Es gibt massenhaft sinnvolle Erklärungen für Mothman. Massenhysterie ist wohl die einfachste. Denn das junge Paar mit den Verbrennungen hatte sich in einem ehemaligen TNT-Lager getroffen. Die Vermutung, dass dort irgendwo Chemikalien in der Luft waren, ist nicht allzu abwegig. So oder so: Mothman hält sich als Legende bis heute. Auch abseits von Point Pleasant haben seither Menschen behauptet, diese Figur gesehen und von ihr Warnungen erhalten zu haben.

Die Treppen im Wald

Diese Geschichte ist eine, über die ich im Rahmen der „Missing 411“ gehört habe – ein Thema, das im Sinne von „Creepy Stuff“ eigentlich beinahe einen eigenen Eintrag verdient hätte. Doch rein vom Konzept her liebe ich diese Geschichte.

Nationalparks können alles mögliche sein – doch nicht selten sind es Waldgebiete. Nun sehen diese meist ähnlich aus: Viel Wald, ein paar Wege, nur, dass nicht jeder Wanderer auf eben diesen Wegen bleibt. Und manchmal, ja, manchmal wenn man durch den Wald wandert, wird man eine Treppe finden. Eine Treppe, die einfach da steht. Mitten im nirgendwo. Manchmal ist es eine Wendeltreppe, manchmal eine Wende, die aussieht, als wäre sie samt Belag aus einem Herrenhaus ausgebaut worden. Doch da ist sie, mitten im Wald. Je näher man kommt, desto stärker wird dieses summende Geräusch. Besser man dreht um, denn sonst …

Diese Geschichte hat den Ursprung in einem Reddit-Post von jemanden, der angeblich in einem Nationalpark arbeitet und häufiger über solche Treppen gestolpert ist. Wie viel glauben man dem schenken will, sei dahingestellt. Dennoch fand ich diese Geschichte besonders spannend, da sie einfach etwas anderes als Geister und Monster ist. Einfach nur eine Treppe. Unschuldig, oder?

Dabei hat mich diese Geschichte genug inspiriert, als dass ich vor zwei Jahren zu Halloween eine kleine Kurzgeschichte dazu geschrieben habe: Die Treppe. Ihr findet sie auf Wattpad und Animexx.

Nachwort

Das sind ein paar meiner Lieblinge im Bereich der urbanen Legenden. Doch es gibt so viele schöne Geschichten dieser Art. Wenn euch das Thema interessiert, sagt mir doch auf Twitter Bescheid, denn ich könnte mir gut vorstellen, auch in Zukunft darüber zu schreiben. Speziell, da Oktober und damit die Halloween-Zeit nicht mehr allzuweit weg ist.

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Das Beitragsbild wurde von Richie Diesterheft aufgenommen und unter der CC2.0 Lizenz geteilt worden. Ich habe das Bild nachbearbeitet und zugeschnitten.