Urban Fantasy Review: Zoo City

Jetzt habe ich den Blog schon eine Weile und noch nicht das gemacht, was ich die ganze Zeit habe machen wollen: Diverses Urban Fantasy reviewn. Damit fange ich heute dann einmal an mit dem ersten Buch, das ich mir in der Hinsicht geholt habe: Zoo City von Lauren Beukes.

CN: Transfeindlichkeit/Misgendering wird besprochen

Und wundert euch nicht: Diese Reviews werden einen etwas anderen Aufbau haben, als die Reviews zu den weniger diversen Urban Fantasy Reihen. Gut? Gut!

Worum geht’s?

Es ist 2011. Vor ein paar Jahren hat sich die Welt geändert. Auf einmal erschienen vor Menschen, die Schlimmes getan haben – was ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich – Tiere. Tiere, an die sie fortan gebunden waren. Das war der Anfang der Betierten. Betierte sind an ihr Tier gebunden. Trennung vom Tier kann Tod bedeuten. Eine positive Seite hat das Tier jedoch: Es verleiht dem Menschen eine magische Gabe.

Auch Zinzi hat ein solches Tier. Ein Faultier namens Faultier. Seit sie aus dem Gefängnis in Johannisburg raus ist, versucht sie sich als Detektivin durchzuschlagen. Etwas, wobei ihre Gabe hilft: Sie kann Verlorenes wiederfinden. Vor allem Dinge, die dem Besitzer, der sie beauftragt, wichtig waren. Nur eine Sache weigert sie sich zu suchen: Verlorene Menschen.

Leider ist es schwer, sich als Betierte durchzuschlagen, zumal sie noch immer Schulden bei der Drogenmafia hat. Und als ihr eine Menge Geld geboten wird, um das Popsternchen Songweza wiederzufinden, hat sie kaum eine andere Wahl …

Inhalt

Zoo City ist definitiv ein spannend geschriebenes Buch, wenngleich nicht gänzlich ohne Fehler. Ich selbst konnte auf jeden Fall mitfiebern. Die Informationen im Fall kommen Stück für Stück und sind größtenteils gut aufgebaut. Die sich parallel entwickelnde Geschichte rund um Zinzi und ihren Freund Benoit, ein Flüchtling, der zu Beginn des Buches erfährt, dass seine tot geglaubte Familie überlebt hat.

Diese menschlichen Aspekte sind definitiv die Stärken des Buches. Die Charaktere wirken interessant, sympathisch, aber auch sehr, sehr fehlerhaft. Auch die Beschreibung des Tierverhaltens ist interessant – zumal die Tiere hier sich komplett tierisch verhalten und des Sprechens nicht mächtig sind.

Wo das Buch leider schwächelt, ist gegen Ende. Die Aufklärung wirkt deutlich gehetzt, die finale Konfrontation unzufriedenstellend. Nachdem sich die Handlung bis dahin langsam entwickelt hat, passiert alles auf einmal und einige Storyarks werden nur mit wenigen Sätzen beendet. Auf mich ergab sich der Eindruck, dass entweder eine Deadline zu nahe kam oder das Buch hatte geküzrt werden müssen.

Diversität

Zoo City ist Urban Fantasy, das 2011 in Südafrika spielt. Zinzi, die Protagonistin, ist eine junge, BWoC. Ihr fehlt seit dem Vorfall, der sie ins Gefängnis gebracht hat, ein Teil ihres Ohres. Sie lebt, da sie betiert ist und es für Menschen mit Tieren schwer ist, eine Wohnung zu bekommen, in einer Art Ghetto in Johannisburg – um sie herum viele Menschen, die ebenfalls nirgendwo reinpassen. Ein Teil von ihnen mit Tieren, ein Teil von ihnen Ausländer (aus südafrikanischer Sicht gesehen), teilweise ohne Bleibeerlaubnis, ein anderer Teil LGBTQ*-Menschen.

Aufgrund des Settings kommen vor allem viele BPoC in tragenden Rollen vor, wobei das Buch interessanterweise meistens darauf verzichtet, Hautfarben groß zu erwähnen. Eine interessante Herangehensweise, auch wenn es für mich manchmal zu Verwirrung gesorgt hat, da ich meist davon ausgegangen bin, dass Charaktere BPoC waren und entsprechend von der plötzlichen Erwähnung rosiger Wangen oder blonder Haare irritiert wurde.

Es sei allerdings auch gewarnt, dass das Buch, auch wenn ein paar LGBTQ*-Charaktere vorkommen, der Umgang mit diesen nicht optimal ist. Ja, im Buch sterben sehr viele Figuren. Dennoch ist es auffällig, dass die meisten LGBTQ*-Charaktere sterben. Besonders negativ ist mir eine Transfrau aufgefallen, die in Zinzis Wohnblog lebt. Zinzi, als Ich-Erzählerin, misgendert diese Frau zu Beginn des Buches, was mir negativ aufstieß. Was mir jedoch noch ärger auf den Margen geschlagen ist, ist der Tod dieser Frau. Denn viel Charakter bekommt sie nicht, ehe sie grausam ermordet wird. Die Tatsache, dass Zinzi sich im Folge des Todes auf einmal am Misgendering stört, ließ sie zudem als Charakter inkonsistent wirken.

Generell wirkt dieser Plotstrang ein wenig, als wäre im Lektorat etwas herausgefallen. Denn auch ein paar andere Stellen, in Bezug auf diese Frau wirken, als hätte Zinzi in irgendeiner Version des Romans noch mehr mit ihr interagiert. Dies ist jedoch pure Vermutung.

Weltenbau

Was mich an diesem Buch wirklich begeistert hat, war der Weltenbau. In dieser Hinsicht trifft das Buch alle meine Schwächen. Es gibt Fake-Emails, die die Welt erweitern, Zeitungsartikel, wissenschaftliche Arbeiten, Reviews zu einer Doku, die in der Welt des Buchs existiert … Alles Dinge, um den Stand der Welt weiter auszuarbeiten. Ich liebe es!

Während für viele Harry Potter die Kindheits-Fantasy-Buchreihe war, war es für mich „His Dark Materials“. Eine Buchreihe, in der alle Menschen tierische Begleiter haben. Etwas, das eine deutliche Inspiration für Zoo City war. Es gibt sogar ein paar Referenzen in diesen erweiterten Fachartikeln. Unter anderem gibt es wohl eine Dokumentation in dieser Welt darüber, ob Philip Pullman die Zukunft vorher gesagt hat, als er seine Reihe schrieb. Immerhin erschien diese in der Welt nur kurze Zeit, bevor die Tiere auftauchten.

Was mir dahingehend auch gefallen hat, war, den Umgang der Welt mit den Tieren zu sehen. Bspw. dass Gefängnisse ziemlich schnell ausbauen mussten, um Tiere aller Arten unterbringen und ernähren zu können – denn auch wenn die Tiere eine vom Menschen abhängige Lebenserwartung haben, können sie verhungern. Oder wie bestimmte Tiere einen auch einschränken können, da sie schwerer zu transportieren sind.

Ansonsten gefällt es mir, dass es ein komplett anderer Weltenbau ist, als üblicherweise in Urban Fantasy. Hier gibt es keine Vampire, Werwölfe, Magier, sondern eben nur Tiere und die Mishavi, die diese bringen. Auch das Setting Südafrika ist spannend, da wird es in westlichen Büchern selten zu sehen bekommen. (Für mich einer der Hauptgründe, das Buch haben zu wollen, spielt doch mein eigenes Projekt Mosaik ebenfalls im Südafrika von 2011.)

Fazit

Es hat mir deutlich Spaß gemacht Zoo City zu lesen. Das Buch war spannend geschrieben, die Charaktere gut ausgearbeitet, die Welt interessant. Das Setting habe ich als angenehme Abwechselung zu den in Urban Fantasy so häufigen US-amerikanischen Großstädten empfunden. Allerdings hat das Buch auch seine Fehler, zu denen ich nennenswert das überhastete Ende, aber eben auch den Umgang mit LGBTQ*-Figuren zählen würde. Bei letzteren hatte ich nicht den Eindruck, dass dieser in Homo- oder Transfeindlichkeit, sondern eher in mangelnder Aufklärung und unüberlegten Verwenden von Tropes lag, was jedoch wie immer den bitteren Nachgeschmack in keinster Weise versüßt. Zu kritisieren ist es aufs Schärfste.

Es fällt mir entsprechend schwer eine uneingeschränkte Empfehlung für das Buch auszusprechen. Daher: Wer gerne eine spannende Urban Fantasy Geschichte in einem selten erforschten Setting lesen will und sich nicht zu sehr an problematischen Tropes in Bezug auf LGBTQ* stört, wird seinen Spaß an diesem Buch haben. Umso mehr, wenn ihr ebenso Fans der His Dark Materials Reihe seid. Wer sich an den Tropes jedoch stört, sollte auf den Kauf eher verzichten.

Zuletzt noch die Anmerkung für Leute, die an etwaigen Lese-Challenges teilnehmen: Lauren Beukes ist eine südafrikanische Autorin, die in Südafrika geboren ist und bis heute dort lebt. Sie ist allerdings eine weiße Südafrikanerin, das Buch entsprechend auch nicht Own Voices.