Review: Star vs the Forces of Evil

Diese Woche reviewe ich eine Serie, die mir die letzten Jahre sehr versüßt hat: Star vs the Forces of Evil, im Deutschen Star gegen die Mächte des Bösen. Die Serie ist eine Mischung von Urban Fantasy und Portal Fantasy und lief in den USA auf Disney XD. Auf Deutsch wurden bisher die ersten drei Staffeln – ebenfalls auf Disney XD – ausgestrahlt. Die Serie ist am 19.05. in den USA abgeschlossen worden. Daher dieses Review.

CN: Rassismus, Sexismus

Worum geht es?

Star Butterfly ist die Thronfolgerin im magischen Reich Mewni, das seit jeher von einer Königin regiert wird. Leider ist Star nicht die optimale Thronfolgerin, jedenfalls in den Augen ihrer Mutter: Sie ist ein Wildfang, verbringt Tage damit sich mit Monstern zu prügeln und hat kaum Selbstbeherrschung. Am Tag, als sie ihren Zauberstab bekommt, führt Star eine kleine Katastrophe herbei. Als letzte Chance steckt Königin Moon daher ihre Tochter zum Austausch auf einer Erdenschule. Während des Austauschjahrs soll sie da bei der mexikanischstämmigen Familie Diaz leben. Und während Star davon zu Anfang nicht begeistert ist, findet sie in Marco Diaz, dem Sohn der Familie, schnell einen besten Freund.

Allerdings ist dies nicht die einzige Folge, die das Austauschjahr auf Star hat. Denn Ludo und seine Monster, gegen die Star seit jüngstem Alter gekämpft hat, sind ihr gefolgt um den Zauberstab zu stehlen. Doch je mehr sie ihren Freunden von der Erde über die Geschichte der Mewmans und Monster erzählt, desto mehr Ungereimtheiten und Ungerechtigkeiten fallen ihr auf. Kann es sein, dass die Mewmans seit jeher die Monster unterdrückt haben?

Charaktere

Star vs the Forces of Evil hat eine Vielzahl interessanter und unterschiedlicher Charaktere. Sicher, ein paar davon – wie Marcos Eltern und ein Teil der Klassenkameraden – sind eher Gagcharaktere, während viele andere mehr Ausarbeitung bekommen haben, als man erwarten würde. Vor allem aber gibt es für die zentralen Charaktere durchweg einige Entwicklung und Hintergründe.

Das fängt bei unseren Protagonisten Star und Marco an. Vor allem Star fängt als sehr sorgloser, oftmals unbedachter Charakter an. Sie macht Dummheiten, bereut wenig und dergleichen – ist allerdings anders als viele andere Figuren nicht bereit, Geschichten über andere zu glauben. Dies wird zu einem zentralen Punkt in ihren Character-Ark, da sie Vorurteile nicht einfach übernimmt. Vor allem aber wächst sie enorm. Sie muss die Erwachsene sein für einen großen Teil der letzten Staffel.

Auch Marco hat einige Entwicklung – und ganz nebenbei liebe ich ihn dafür, dass er seine Liebe zum Crossdressing entdeckt. Er fängt sehr ängstlich an, mit sehr viel Anxiety und entwickelt sich zu einem selbstständigen, verantwortungsvollen Charakter. Selbst wenn er, wie es halt durchaus realistisch ist, seine Anxiety nie ganz ablegt.

Am meisten hat mich allerdings überrascht, dass Tom, Stars Exfreund, der zwischendurch auch wieder ihr Freund wird, einige Charakterentwicklung bekommt. Denn Tom hat – als Dämon – einige Probleme seine Emotionen unter Kontrolle zu haben, ist sehr possessiv Star gegenüber und neigt zu Wutanfällen. Und … er arbeitet an sich und entwickelt sich zu einem der durchdachtesten Charaktere der Serie.

Aber auch die Erwachsenen Charaktere sind hier erstaunlich gut ausgearbeitet. Vor allem Königin Moon, Stars Mutter, und die ehemalige Königin Eclipsa.

Humor

Als die Serie anfing, habe ich sie vor allem geschaut, weil sie eine Magical Girl Parodie war. In vielerlei Hinsicht, nahm die Show damals Magical Girl Serien, insbesondere Sailor Moon, und Disney Prinzessinnen aufs Korn. Das war genau mein Humor und ja, ich habe in Staffel 1 sehr darüber gelacht.

Der Humor bleibt der Serie erhalten – allerdings muss man sagen, dass es in einigen späteren Folgen auch eine enorme Tondifferenz gibt. Soweit, dass es störend wird. Dies kommt vor allem durch einige der Comic Relief Figuren zustande, die nicht immer ganz in die Show passen wollen. Denn während sie in der hyperaktiven ersten Staffel noch recht heimisch waren, ist es in Staffel 3 teilweise schwer und in Staffel 4 beinahe unmöglich, sie mit dem Plot zu vereinbaren.

Das gilt besonders für Unicorn Head. Während sie absolut zum Ton und Humor der ersten Staffel passte, war dies leider in Staffel 3 und 4 nicht mehr gegeben. Sie fühlte sich unnötig an. Besonders die Differenz in Atmosphäre und Ton, sobald sie vorkam, war halt stark bemerkbar.

Insofern: Die Show hat guten Humor, dieser passt jedoch später im Verlauf nicht immer zum Rest der Story.

Weltenbau

Reden wir einmal über den Weltenbau der Show – was schwer ist, ohne andere Themen, die gleich noch kommen, und ohne Spoiler anzusprecchen. Denn dies ist ein Thema, das in den ersten beiden Staffeln nur oberflächlich vorkommt. Wir lernen zwar von Anfang an das ein oder andere über Mewni und die anderen Dimensionen, jedoch wirkt es oft nur zufällig und nebensächlich. Erst als Mewni in Staffel 3 zum Zentrum der Handlung wird, ändert sich das und man lernt einiges über die Geschichte der Welt, aber auch darüber, wie Magie funktioniert.

Sobald es aber reinkommt ist es gut – richtig gut. Wir erfahren, was es mit der Geschichte Mewnis auf sich hat, erfahren auch das ein oder andere über andere Dimensionen. Lernen Dinge über Magie und wie dieser Funktioniert, darüber wie Dimensionen verbunden sind und und und. Es ist definitiv spannend mehr zu erfahren. Und wie seit Gravity Falls üblich, gibt es noch mehr Material in Form eines ergänzenden Buches, das vor allem auch die Geschichte der ehemaligen Königinnen.

Romantik, Gender & Queerness

Ich packe diese drei Themen einmal in einen Bereich, denn in allen drei Themen macht diese Show deutliche Fortschritte gegenüber anderen Disney-Serien. Zuerst einmal geht die Serie von der Mononormativität, die allgemein so gegenwärtig ist, fort. Denn Star liebt zwischendurch zwei Jungen gleichzeitig. Nein, sie ist nicht in einer Beziehung mit beiden, aber sie liebt beide – und beide wissen davon.

Marco derweil entdeckt bereits in der ersten Staffel das Crossdressing für sich und dies ist etwas, das mehrfach aufgebracht wird. Inklusive dessen, dass er sich so Wissen über Make-Up aneignet. Und obwohl Star durchaus tomboyish ist, hasst sie nicht alle weiblichen Dinge – sie hasst es nur, etwas zu tun, nur weil es von ihr erwartet wird. Wobei dies nicht immer unseren Normen entspricht. Immerhin ist Stars Welt matriarchalisch. Was auch heißt, das selbst die größten Kriegerinnen weiblich sind.

Und auch in Sachen Queerness macht die Serie ein wenig mehr – wenngleich nur ein wenig – als bisher bei Disney üblich. Wir sehen relativ früh schon homoromantische Paare im Hintergrund und ein weiblicher Charakter wird später in einer lesbischen Beziehung gezeigt. Allerdings wird auch bei Star und Marco – vor allem aber bei Star – stark angedeutet, dass sie bi- oder vielleicht auch pansexuell ist. Persönlich habe ich am Ende deutlich auf eine Triade gehofft, da es durchaus Andeutungen gab, doch das war wahrscheinlich doch ein wenig zu fortschrittlich für Disney.

Allegorie

Und damit kommen wir zum größten Alleinstellungsmerkmal der Show: Star vs the Forces of Evil ist eine Serie, die in erster Linie eine Rassismus-Allegorie ist. Während dies in der ersten Staffel nur am Rande eingebracht wird, ist spätestens in Staffel 3 die Allegorie kaum noch versteckt. Denn ja, zentral ist es so, dass die Mewmans als Kolonisten nach Mewni kamen, die Monster vertrieben – da sie anders als die Monster Magie besaßen – und diese danach systematisch unterdrückten. Monster wurden in Reservoirs und Ghettos gesperrt und machen einen Großteil der Gefängnispopulation aus. Wie gesagt, subtil ist etwas anderes.

Ich hatte darüber ja bereits in meinem Eintrag zum Thema „Unterdrückungsmetaphern“ gesprochen. Es ist natürlich nicht gänzlich glücklich Gruppen (speziell indigene und schwarze Amerikaner) in dieser Metapher als wortwörtlich Monster darzustellen, das muss man einfach sagen. Allerdings sind diese Monster zu großen Teilen sympathisch dargestellt – und ihre Unterdrückung durch den Plot verurteilt.

Generell muss ich wirklich sagen, dass es rein von der Umsetzung wirklich die beste Unterdrückungsmetapher ist, mit der ich konfrontiert wurde, da Mewni als Welt viele Aspekte von realen Rassismus gut herüberbringt. Namentlich, wie sehr es mit Machtstrukturen zusammenhängt und Gefahren herbeifantasiert wurden, aber auch, dass die „Mewmans“ entscheiden, wer als Mewman und wer als Monster gilt. Denn die Dämonenfamilie aus der Hölle? Absolut akzeptiert. Immerhin haben sie auch Geld und Einfluss. Einfache Froschmenschen? Nein. Keine Chance. Gefährliche Monster. Gleichzeitig gibt es eben auch Monster, vor denen man wirklich Angst haben muss, weil halt keine Gruppe als ganzes gänzlich gut oder böse ist.

Vor allem aber finde ich in der Serie – die sich in Staffeln 3 und 4 wirklich zentral mit dem Thema beschäftigt – gut, dass es eben keine einfache Lösung gibt. Das ist, was die Serie so großartig macht. Denn Star will den Rassimus beenden. Doch ob sie das schafft? Nun, ich will nicht zu viele Spoiler in der Sektion dalassen.

Fazit

Star vs the Forces of Evil ist definitiv einer meiner liebsten Cartoons. Die Serie hat einfach alles, was ich zu schätzen weiß: Humor, gutes Storytelling, gute Charaktere, ein wenig Kommentar über Gender, zumindest ein wenig Queerness und dazu noch eine gute und wichtige Message. Wer Spaß mit Animation hat, wird sicher auch an dieser Serie Spaß haben.

Besondere Empfehlung gibt es allerdings für Eltern, es mit Kindern im Grundschulalter zu schauen – am besten gemeinsam, da es bei einigen Folgen sicher auch Gesprächsbedarf gibt. Genau deswegen finde ich diese Show so gut. Schließlich ist es wichtig, mit Kindern über bestimmte Themen zu sprechen.

Kurzum: Großartige Serie. Volle Empfehlung von mir!

Hat euch dieser Beitrag gefallen? Wenn ja, unterstützt mich doch eventuell mit einem Ko-Fi oder über Patreon. und/oder teilt den Artikel mit euren Freunden. Danke! ☺️