Weltenbau 101: Kultur und Leben im Meer

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Die meisten meiner Artikel soweit handeln von Kultur sehr allgemein oder speziell von humanoiden Wesen, die in einer Welt leben, die wenigstens grob mit unserer vergleichbar ist: Leben an Land, eine oder mehrere Klimazonen, Schwerter, Feuer, Waffen. Na ja, das oder SciFi. Doch was sollte beachtet werden, wenn das eben nicht länger der Fall ist und die Kultur oder Zivilisation über die man schreibt unterwasser lebt?

Von Atlantis und Meerjungfrauen

Ich werde heute nicht wirklich darauf eingehen, wie Wesen, die unterwasser leben, wohl aussehen würden. Es gibt dazu Modelle und ja, es werden wahrscheinlicher Monster im Sinne von del Toro, Lovecraft oder Mignola sein, als hübsche Meermenschen irgendeiner Art. Sprich: Eigentlich ist es keine Arielle. Und eigentlich wäre es großartig sich ein wenig mit der Biologie auseinander zu setzen. Aber heute geht es nicht um Biologie, heute geht es um Kultur.

Und für Kultur müssen wir uns erst einmal ein paar Grundvoraussetzungen bewusst werden: Welche Aspekte, die menschliche Kulturen geprägt haben, sind unterwasser nicht gegeben oder sehr anders? Folgende fallen mir ein: Feuer, Pflanzen, die wir anbauen, Tiere, Bewegung im 3dimensionalen Raum, Baustoffe schweben ggf., Wasser überträgt Schall anders, Wasser hat höheren Widerstand als Luft.

Also denken wir darüber nach, was diese Aspekte für einen Unterschied machen würden.

Welt ohne Feuer

Eine Sache, die bei einer Unterwasserkultur interessant wäre, ist, wie diese sich ohne Feuer entwickelt hat. Denn Feuer war für die menschliche Kultur sozusagen ein „Game Changer“. Es half uns Essen zu kochen. Es half uns warm zu bleiben. Und natürlich ist es auch die Grundlage für diverses Handwerk. Ohne Feuer kein Metall, ohne Feuer keine Waffen, ohne Feuer keine Fahrzeuge … Aber selbst Dinge, wie Instrumente werden oft unter dem Einsatz von Feuer oder so generierter Hitze geformt.

Das ist ein Punkt, der häufig mit einem Schulterzucken abgetan wird. Viele – sehr viele – fantastische Welten, die Meerfolk haben, geben diesen metallene Waffen, Rüstung und andere Dinge, ohne dass es hinterfragt oder eine Lösung dafür geboten wird, wie diese hergestellt wurden. Vor allem da wir nicht vergessen dürfen, dass selbst wenn man bspw. die Hitze von Vulkanen dafür hernimmt, das Wasser Metall direkt wieder abkühlt.

Doch natürlich sind Waffen nicht die einzige Folge des Feuermangels. Zugegebenermaßen brauchen Meermenschen ohnehin schon irgendeinen besseren Schutz vor Kälte, als wir es haben. Im Meer variieren Temperaturen mehr und Wasser durchdringt nun einmal Kleidung. Feuer wäre eine gute Möglichkeit der Wärme zu helfen, aber … nun, es funktioniert halt nicht so einfach. Genauso muss über die Ernährung ohne Möglichkeiten zu kochen nachgedacht werden und was dies eventuell für Folgen für Meermenschen und ihre Kultur hätte. Dasselbe gilt natürlich auch für die Frage rund um Licht und Beleuchtung. Brauchen Meermenschen das? Wenn ja: Wie wird es ohne Feuer gemacht? Wie denkt die Kultur über Dunkelheit? Haben sie sich dieser vielleicht soweit angepasst, dass sie Licht unangenehm finden?

Bewegung im Wasser

Ein großer anderer Aspekt ist die Bewegung im Wasser, sowie die Dichte im Wasser. Erneut müssen wir uns bewusst werden, wie stark es uns beeinflusst hat, dass wir uns per se als Menschen über den Boden bewegen müssen – und was für einen Unterschied daher die Domestizierung von Pferden und später die Erfindung von Lokomotive, Autos, Flugzeug gemacht haben.

Im Wasser sieht das ganze natürlich anders aus: Prinzipiell alles bewegt sich im dreidimensionalen Raum. Etwaige Meermenschen. Fische und andere Lebewesen. Selbst totes Material schwebt oft in der Gegend rum – je nach Dichte.

Hier ist die Frage, was das für die Kultur von Meerwesen bedeutet. Denn es gibt einige Aspekte die dabei interessant sein können: Haben sie bspw. genauere Worte für Richtungen, als wir? Denken sie dreidimensionaler? Verstehen sie dadurch Entfernungen anders? Wie sieht es mit ihrer Aufmerksamkeit aus, wenn man bedenkt, dass etwaige Angriffe aus weit mehr unterschiedlichen Richtungen kommen können? Wie schlafen sie überhaupt, wenn man auch hier bedenkt, dass Schlafen meistens bedeutet irgendwo im Wasser zu schweben?

Aber eine andere Frage ist auch, wie ihre Baukunst aussieht. Denn immerhin bleibt ein Teil des Materials nicht am Boden, wenn sie damit bauen. Natürlich: Stein geht immer, doch auch hier ist die Frage, wie dieses Gebaut wird. Denn auch wenn Zement Feuchtigkeit erträgt, wenn es getrocknet war und nass wird … dafür muss es erst mal trocknen. Allerdings ist das nicht die einzige Frage …

Ernährung und Landwirtschaft

Anstatt zu fragen, wie die Meermenschen bauen, wäre es auch möglich zu fragen, ob sie überhaupt irgendwie Bauen. Denn dahingehend muss eine andere Frage beantwortet werden: Betreiben sie Landwirtschaft? Wenn ja: Was pflanzen sie an und wie wird die Landwirtschaft betrieben? Denn sicher: Algen ließen sich anpflanzen und farmen. Genau so Muscheln und ähnliche Wesen. Mit Fischen würde es allerdings wieder – dank der Dreidimensionalität – schwer sie an einer Stelle wirklich zu halten und großzuziehen.

Die Frage ist vor allem wichtig, da es ohne Landwirtschaft wenig Grund gibt, sich fest an einer Stelle niederzulassen. Landwirtschaft war der Grund, warum wir Menschen sesshaft geworden sind, da ohne Landwirtschaft es nun einmal leichter ist normadisch zu leben und von einem Ort, an dem man viel Nahrung findet, zum nächsten zu ziehen. In dem Falle würde es wohl mehr Sinn machen, Möglichkeiten zu suchen, sich an bestehenden Orten möglichst sicher einzurichten. Bspw. in Höhlen, aber auch anderswo.

Sprache und Kunst

Eine der nächsten Fragen wäre auch die der Sprache. Wir Menschen neigen dazu, diese immer lautbasiert zu gestalten. Bei Wesen, die Unterwasser leben, sollte allerdings dahingehend erst einmal folgende Frage beantwortet werden: Atmen diese Wasser oder müssen sie, wie Meeressäuger, an die Wasseroberfläche? Denn ist zweiteres der Fall, werden Geräusche auf eine Art erzeugt werden, bei denen keine Luft ausgeatmet werden muss. Sollten sie Kiemen haben und Wasser atmen, ist auch die Frage, wie dort kommuniziert wird. Denn Luft ist leichter als Erzeugungsmedium für Laute, selbst wenn Wasser diese besser trägt – weshalb Fische bspw. oft ihre Schwimmblase nutzen, um Laute zu erzeugen.

Es gibt zudem Beobachtungen, nach denen menschliche Sprache je nach dem Klima und Umgebung, in dem sie sich entwickelt, anders klingt. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass verschiedene Umgebungen verschiedene Laute unterschiedlich gut tragen. Viele Kulturen, die stark vom Meer geprägt wurden, haben vokallastige Sprachen. Die Theorie sagt, dass es sein mag, weil Wasser Vokale weiter trägt. Vielleicht zeichnet sich das auch bei Meerwesen ab?

Auch eine Frage, wie sonst die Kunst ausgedrückt wird, ist eine Überlegung wert. Geschichten wird es wahrscheinlich geben. Gibt es auch visuelle Kunst? Dies könnte im Rahmen von Steinzeichnungen, Kunstwerken und dergleichen passieren. Und was ist mit Musik? Denn ja, wir kennen die singenden Sirenen, die an Walgesang angelehnt sind. Doch ist es bei euren Wasserwesen ebenfalls so?

Abschluss

Auch wenn wir oft nicht darüber nachdenken, beeinflussen sehr viele simple Dinge unser Leben und unsere Kultur, die eben nur möglich sind, weil wir an Land und in einer bestimmten Atmosphäre leben. Entsprechend lohnt es sich darüber nachzudenken, inwieweit Dinge für Kulturen mit komplett anderen Grundvoraussetzungen anders wären. Dies gilt insbesondere bei Meerwesen, deren Voraussetzungen sehr unterschiedlich wären.

Entsprechend: Wenn ihr Unterwasserkulturen habt, denkt darüber nach, inwieweit diese mit den genannten Problemstellungen umgehen und wie sie sich daher kulturelle entwickelt haben. Davon abgesehen sind Fragen interessant, wie sie die Welt überwasser sehen und ob sie diese betreten können.

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