Das MCU ist nicht perfekt! Teil 3: Was machen die normalen Menschen?

Kommen wir zum letzten meiner Einträge zu den Dingen, die mich am MCU stören. Bisher habe ich über die Helden geredet und ihre Beziehungen. Doch es gibt noch eine andere Sache, die mich stört – und das sind eben die Dinge, die hinter den Helden verschwinden. Und ja, das ist tatsächlich eine Sache, die schon diverse Leute angesprochen haben.

Denn ja. Im MCU sind bei weitem nicht alle Leute Superhelden. Doch was mit diesen anderen Leuten passiert … Das scheint das MCU nicht wirklich zu interessieren.

Phase 1

Das ganze war in Phase 1 noch ein wenig anders. In Phase 1 sahen wir andere Menschen, während Iron Man gegen Iron Monger kämpfte. Wir sahen, wie die Leute versuchten Thors Hammer aus dem Krater zu ziehen. Wir sahen auch normale Menschen während den Kriegszeiten in Captain America. Da waren generell andere Menschen in dieser Welt.

So richtig merkte man es in Avengers. In Avengers ist vor allem während der Schlacht in New York sehr viel Aufmerksamkeit auf die Zivilisten gerichtet. Die Hälfte der Sequenzen dreht sich darum, Zivilisten zu retten. Da werden Leute aus Bussen geborgen, Chitauri-Bomben unschädlich gemacht. Wir sehen Leute ungläubig an Fenstern stehen. Wir sehen Leute fliehen. Wir sehen die Avengers – nun, zumindest Captain America – mit der Polizei interagieren.

Und am Ende des Films sehen wir die Reaktionen der Menschen darauf, dass Superhelden nun ein Teil ihrer Welt sind. Eine spannende Geschichte. Ein Set-Up, aus dem man viel hätte machen können. Aber … Es wurde nichts daraus gemacht.

Was für andere Menschen?

Denn kaum beginnt Phase 2 scheinen die Zivilisten relativ unwichtig zu sein. Gerade in Winter Soldier fällt es auf. Klar, da arbeiten Leute bei SHIELD, aber das sind SHIELD mitarbeiter. In Washington gibt es von den Normalos kaum eine Reaktion auf … Nun, auf irgendetwas, das passiert. Keine normalen Polizisten. Keine Menschen außerhalb von SHIELD. Niemand scheint da zu sein. Niemand … Nun, scheint wirklich involviert.

Dasselbe in Thor: The Dark World. Ja, wir haben die Kids am Anfang. Aber sonst? Wenig. Und in den Filmen in Phase 4 wurde es noch weniger. Ja, sicher, da laufen Statisten rum, aber diese sind kaum mehr als Hintergrundzierde. Sie existieren halt – aber abseits von Thor: Ragnarök und dem ersten Guardians scheint es immer unwichtiger geworden zu sein, diese Leute zu beschützen. Ja, mehr noch: Ihre Existenz wird kaum anerkannt.

Und das macht die Welt so, so, so unglaubwürdig und lässt das Privileg unser Helden erst so richtig raushängen. Denn ja, eine Welt beherbergt auch Menschen jenseits von Superhelden, Geheimdienstmitarbeitern und Politikern – doch davon merken wir wenig.

Wie werden Menschen mit Kräften gesehen?

Wie denken die normalen Menschen über die Avengers? Wie denken die normalen Bewohner der Galaxie über die Guardians? Was hat sich seit dem Ende von Avengers geändert? Denn ja, dort sehen wir die Reaktionen – doch seither ist soviel mehr geschehen. Was hat die Geschichte mit den Helicarriern in Winter Soldier ausgelöst? Was waren die Folgen? Wie haben die Nachrichten darüber berichtet? Wieso erfahren wir es nicht?

Aber mehr noch: Wir wissen, dass es im MCU auch andere Leute, die zumindest geringe Superkräfte haben gibt. Wenn sonst nichts, scheint zumindest das zu gewissen Teilen dem Kanon der Filme zu entsprechen: Was machen die Menschen? Wie reagiert die Umwelt darauf? Gibt es dahingehend Kults? Was ist mit den anderen Leuten, die unter „The Ancient One“ trainiert haben?

All das wären Fragen, die zu beantworten interessant wäre. Es könnte auch zu Konflikten führen, die sich nicht mit Gewalt lösen lassen. Wie schon gesagt: Die Art von Konflikten, die das MCU dringend braucht, um nicht zu eintönig zu werden.

Netflix-Verse

Das ist auch der Punkt, wo es mich so stört, dass das Netflix-Universum, bzw. das Serienuniversum allgemein so wenig einbezogen wird. Denn hier werden diese Aspekte angesprochen. Hier sehen wir, wie sich die Schlacht in New York auf New Yorker ausgewirkt hat. Wir erfahren dass natürlich auch Menschen Familienmitglieder und Freunde verloren haben. Ja, teilweise auch durch die Handlung der Avenger selbst.

Wir sehen, wie es ist in diesem Universum für Leute, die Kräfte haben, aber eigentlich nur ein normales Leben wollen, zu existieren. Wir sehen, wie Menschen damit umgehen, sich vor diesen Dingen fürchten zu müssen. Nun, zumindest in den ersten Staffeln des Netflix-Universums, ehe man sich wohl entschloss, dass man nicht länger Bezug auf die Avengers nehmen wollte.

Doch das hier, das war der interessante Teil – zumindest für mich. Denn genau diese menschlichen Geschichten finde ich interessant. Und ja, dasselbe gilt auch für die anderen Shows, wie bspw. Agents of SHIELD (das ich irgendwann aufgegeben habe, weil es so heteronormativ war – ja, ich habe gehört es würde später besser in der Hinsicht).

Politik

Was ich mich halt auch Frage und was in den Filmen nie behandelt wird: Wie beeinflusst das genaue Wissen, dass es Aliens gibt, die die Erde jederzeit angreifen könnten, die Politik? Wie wirkt es sich auf Konflikte zwischen Ländern aus? Was ist mit den Doomsday Preppern? Was ist mit Religionen? Auch das wären fabelhafte Grundlagen für eine Geschichte. Doch erneut: Von der Politik hören wir höchstens wieder, wenn die Bösewichte versuchen sie zu beeinflussen. Und in Black Panther. Weil Black Panther in so vielen Aspekten die Ausnahme unter den Marvel-Filmen ist.

Ein anderes Problem ist eben auch das, was Patrick (H) Williams in seinem zweiten Video zu den Marvelfilmen angesprochen hat: Jedenfalls die Russo-Filme tun teilweise durchaus so, als würden sie sich mit den Themen beschäftigen wollen. Aber dann nehmen sie doch den einfachen Weg. Winter Solider: Kann Captain America es mit sich vereinbaren für eine Regierung zu arbeiten, die so agiert? Oh, Moment, ist schon egal, denn es ist Hydra, die dahinter stecken und Hydra ist natürlich Böse! Civil War: Oh. Steve und Tony haben einen philosophischen Konflikt über Selbstjustiz und den Umgang mit der Politik … Wobei, nein. Schon egal. Jetzt streiten sie über Bucky.

Interaktion mit Menschen

Was mir zu sagen bleibt: Ich wünsche mir, dass wir ab Phase 4 wieder mehr sehen, wie die Figuren mit normalen Menschen interagieren, normale Menschen beschützen und dahingehend auch die normalen Menschen reagieren. Gerade auch, nach der ganzen Thanos-Snap Geschichte: Wie ist es für die Menschen? Was denken sie darüber?

Vor allem möchte ich in der Hinsicht einfach mehr Weltenbau sehen. Ihr kennt mich (oder auch nicht). Wer in den Blog schaut, weiß, dass Weltenbau für mich eine wichtige Sache ist. Und ja, zum Weltenbau gehört nun einmal auch, die normalen Menschen zu zeigen.

Ich weiß nicht wie ihr das seht. Aber ich persönlich möchte generell wieder mehr Charakterbezug – und dem zu gute kann ich auch notfalls gut auf die große Actionsequenz verzichten, wenn es dafür mehr Menschlichkeit gibt.

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