How to Horror – So wird’s gruselig

Es ist Oktober und damit der gruseligste Monat im Jahr. Daher lasst uns heute über Schreibtipps zum gruseligsten aller Genre sprechen. Heute geht es um Horror und um ein paar Tipps zum Thema: Guten Horror schreiben.

Was ist Horror?

Die erste Frage, die wir uns stellen müssen, ist absehbar: Was ist Horror überhaupt?

Nun, Horror ist ein Genre, das grundlegend der Phantastik verordnet wird, und das darauf abzielt, die Konsument*innen Angst einzujagen und sie sich gruseln zu lassen. Dies passiert entweder durch paranormale Elemente oder auch durch sehr diesweltliche Dinge, vor denen man sich fürchten kann, wie bspw. durch Serienmörder*innen.

Neben Thrillern ist Horror damit das einzige Genre, das komplett darauf abzielt, die Leserschaft sich hilflos und machtlos fühlen zu lassen. Während die meisten anderen Genre eher darauf abzielen, in irgendeiner Form eine Fantasie zu erfüllen, ist Horror das genaue Gegenteil: Statt einem Traum stellt es einen Albtraum dar.

Damit bringt das Genre allerdings auch andere Anforderungen mit sich, als viele der anderen Genre es tun. In diesem Beitrag gibt es ein paar Tipps dazu, wie ihr euren Horror verbessern könnt.

Die Arten von Horror

Fangen wir mit einer grundlegenden Einordnung an. Stephen King beschreibt in seinen Schreibratgebern drei Arten oder drei Stufen von Horror, die helfen können, euren eigenen Horror zu definieren. Diese sind:

  1. The Gross-Out (der Ekel): Diese Art von Horror baut vor allem auf den Ekelfaktor auf und dadurch, visuell (oder in Form seiner Beschreibungen) abstoßend zu sein. Dies können einfach widerliche Sachen, wie Spinnen oder Würmer sein, aber bspw. auch Gore, also das zeigen von Innereien und zerhackten Menschenleichen. Diese Art von Horror ist sehr direkt und nicht besonders subtil.
  2. The Horror (der Horror): Die zweite Art von Horror, die King beschreibt, ist der tatsächliche Horror. Dieser kommt auf, wenn die Figuren und damit auch die Leser*innen durch etwas konfrontiert werden, dass nicht ihrer Realitätswahrnehmung entspricht. Dies können übernatürliche Monster und Geister sein, aber natürlich auch Mörder*innen, die sich durch ihre Brutalität schon weit von dem Menschlichen entfernt haben.
  3. The Terror (die Panik): Die letzte Art des Horrors ist die Panik und Anspannung, die durch das Ungesehene kommt. Diese Art von Horror ist etwas, das nicht im Buch selbst beschrieben wird, von dem aber doch erwartet wird, dass es da ist. Es ist das Monster, dass sich die Lesenden selbst ausmalen, wenn es im Gebüsch raschelt und die Hauptfigur meint in der Ferne einen Schatten zu sehen. Diese Art von Horror ist meistens die intensivste Art, da sie sich komplett im Kopf der Lesenden abspielt, also auch häufig genau dem entspricht, was die Lesenden selbst am meisten fürchten.

Die Grundlage von Horror

Was Horror-Autor*innen verstehen müssen, ist der grundlegende Kreislauf des Horrors. Dies ist etwas, das zu viele Filme und auch Horror-Videospiele heute nicht ordentlich machen. Statt mit den Erwartungen der Lesenden zu spielen, kommt ein Jump Scare nach dem anderen und die Konsument*innen werden einfach mit gruseligen oder ekeligen Bildern konfrontiert, bis sie komplett dagegen abstumpfen.

Dieser grundlegende Kreislauf, der dabei ignoriert wird, ist der Wechsel von „Tension“ (Spannung) und „Release“ (Auslösung). Dabei beschreibt die „Tension“ den langsamen Aufbau der Spannung, der dadurch erzeugt wird, dass Lesende erwarten, dass etwas passiert. Diese kann für eine Weile hingezogen werden, ehe sie durch den „Release“ aufgelöst wird. Der „Release“ ist dabei, dass tatsächlich etwas Gruseliges passiert.

Wie King schon schreibt, ist der wirkliche Grusel im Kopf der Lesenden. Sprich: Anzudeuten, dass ein Monster oder ein Geist oder auch ein Serienmörder im Schatten lauern könnte, ist wesentlich gruseliger, als ein*e Protagonist*in, di*er die ganze Zeit von einem solchen aktiv verfolgt wird, ohne dass sich die Lesenden etwas ausmalen können.

Deswegen ist es wichtig, diesen Kreislauf im Kopf zu behalten. Auch eine Weile, in der nichts passiert, nicht einmal Andeutungen, kann als „Tension“ effektiv sein, wenn die Lesenden bereits darauf eingestellt sind, dass etwas passieren wird.

The Uncanny

Ein zentrales Element, dass immer wieder in Horror benutzt wird, ist „The Uncanny“, was sich nur schwer übersetzen lässt. Gerne wird es als „das Unheimliche“ übersetzt, aber ganz genau trifft diese Übersetzung nicht die Bedeutung des englischen Wortes.

Das Wort „uncanny“ kennen viele wahrscheinlich aus dem Kontext des „Uncanny Valley“. Vom „Uncanny Valley“ wird sowohl bei Robotern, als auch in der Animation gesprochen, wenn etwas nahe menschlich, aber nicht komplett menschlich wirkt. Unsere Gehirne haben wenig Probleme mit Figuren oder Robotern, die überhaupt nicht menschlich aussehen und auch nicht mit Animationen oder Robotern, die komplett menschlich wirken. Doch kurz vor dem „komplett menschlich“ gibt es ein Tal, bei dem unsere Gehirne sich sehr am Dargestellten stören und dies uns als gruselig vorkommt.

Denselben Effekt gibt es auch bei anderen Dingen. Eben dann, wenn etwas eigentlich vertraut ist, aber irgendwelche Kleinigkeiten nicht stimmen. Ein Beispiel, das wir in Horror häufiger sehen: Kinder, die sich nicht wie Kinder verhalten, sondern viel ernster und erwachsener im Auftreten sind und mit ausdruckslosem Blick ihr Gegenüber ansehen.

Dies kann sich auch auf Kleinigkeiten beziehen. Irgendein Gegenstand, bei dem irgendetwas anders ist, als erwartet. Ein Raum, der keine Fenster hat. Ein Baum, der nicht nach oben wächst. Halt Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollen.

Horror-Protagonist*innen

Ein wichtiger Aspekt von Horror, ist die richtigen Protagonist*innen zu haben. Denn idealerweise will man in Horror keine zu fähigen Protagonist*innen haben. Schließlich ist ein Monster nicht wirklich gruselig, wenn der Held es einfach zermalmen oder zerschießen kann.

Da Horror sehr darauf aufbaut, dass man sich in die Schuhe der Hauptfigur versetzt, ist es häufig am effektivsten, eine Hauptfigur zu haben, die eigentlich ein recht normaler Mensch ist. Jemand, der keine großartige Kampfausbildung hat und auch ansonsten nicht besonders ist. Gerade ein sehr verletzlicher Mensch ist hier oft sehr effektiv. Die meisten Lesenden könnten sich nicht gegen ein Monster verteidigen, also macht es Sinn, wenn die Hauptfigur es auch nicht kann.

Hat man allerdings eine fähigere Hauptfigur, so muss man dafür sorgen, dass was auch immer den Horror auslöst kein einfach für sie zu überwinden wäre. Vielleicht ist das Monster gegenüber Kugeln und purer Gewalt komplett unempfindlich oder es sind einfach zu viele Monster, um sie einfach so nieder zu mähen. Oder aber auch: Die eigentliche Gefahr befindet sich im Kopf der Hauptfigur. (Wichtig hierbei wäre es allerdings, nicht in den Saneismus abzurutschen). Entmachtet man eine eigentlich mächtige Hauptfigur kann dies allerdings für noch beängstigenderen Horror sorgen.

Besonders interessant ist eine Hauptfigur, deren Realitätswahrnehmung konfrontiert wird. Wahrer, anhaltender Horror kommt von dem Gefühl, dass die Welt eben nicht länger rational, sinnvoll und berechenbar ist, dass man selbst keine Kontrolle darüber hat und auch nicht vorhersehen kann, was passiert, dass die eigene Realität eben nicht wirklich die Realität ist. Versetzt man eine Hauptfigur in diese Rolle, kann man auch die Lesenden in dieses Gefühl versetzen.

Das Setting

Ein auch interessanter Aspekt von gutem Horror, ist das Setting, das bei vielen fast ein eigener Charakter wird. Viele Horrorsettings lassen sich in eine von drei Kategorien einsortieren: Entmachtende Settings, Orte des Grauens und das Uncanny.

Entmachtende Orte, sind Orte, die den Figuren einen Teil ihrer Kräfte rauben, beziehungsweise sie verwundbar machen. Klassiker dafür wären das Meer oder auch das Weltall – Orte, wo Menschen nicht ohne weiteres überleben können. Aber auch der Wald kann bereits entmachtend sein, da Menschen dort nicht weit sehen können und oft Hilfe weit entfernt ist. In einfachster Form kann allerdings auch Dunkelheit bereits entmachtend sein. Immerhin verlassen sich die meisten sehenden Menschen stark auf ihre Augen, mehr als auf irgendeine andere Form der Wahrnehmung. Entsprechend kann das Nehmen dieses Sinnes sehr entmachtend sein.

Orte des Grauens sind Orte, die direkt durch irgendetwas in ihrer Identität oder ihrer Geschichte als gruselig oder gar grauenvoll gelten. Das können beispielsweise Orte sein, an denen Verbrechen geschehen sind, oder Schlachtfelder aus vergangenen Kriegen. Dies sind auch häufig Orte, die sowieso mit Geistergeschichten in Verbindung gebracht werden. Auch ein Schlachthof kann eine solche Atmosphäre erzeugen.

Zuletzt haben wir auch bei Orten das Uncanny. Darüber haben wir bereits oben gesprochen, doch auch hier noch einmal kurz: Uncanny ist etwas, das eigentlich vertraut ist, bei dem jedoch irgendein Detail einfach nicht stimmt. Ein Horror-Klischee für das Uncanny ist das moderne Gebäude mit den flackernden Lampen. Denn Kleinigkeiten, die nicht so sind, wie wir es erwarten, erfüllen uns ebenfalls mit einem Umwohlsein, das Horror unterstützen kann.

Atmosphäre

Ein weiteres sehr wichtiges Thema in Bezug auf Horror, ist die Atmosphäre. Diese ist wichtig, um die „Tension“ aufkommen zu lassen, die für das richtige Horror-Erlebnis wichtig ist. Wir alle haben wahrscheinlich eine genaue Vorstellung, wie sich diese Atmosphäre bei einem Film anfühlt – ja, selbst bei einem Hörspiel können wir es uns gut vorstellen. Immerhin kennen wir die Streicher, die langsam im Hintergrund lauter werden. Auch die düstere visuelle Atmosphäre ist uns bekannt.

Wie macht man es nun aber im Geschriebenen? Immerhin hat so eine Geschichte keine Streicher als Hintergrundbeschallung, die der Leserschaft sagt, dass es nun gruselig wird.

Nun, der Tipp, der hier immer wieder kommt: Geht auf alle Sinne der Hauptfigur ein. Schreibt darüber, was sie sieht und nicht sieht. Schreibt darüber, was sie hört oder vielleicht auch eben nicht hört (wenn es plötzlich sehr ruhig ist, kann das auch gruselig sein). Geht auch darauf ein, was sie riecht und spürt. Auch auf die innere Wahrnehmung, wie beispielsweise den eigenen Herzschlag oder Atem, könnt ihr eingehen. All das könnt ihr nutzen, um Atmosphäre aufzubauen.

Außerdem helfen, gerade bei den im „Release“ vorkommenden gruseligen Ereignissen, mit bestimmten, sehr intensiven Worten dieses Ereignis zu beschreiben. Auch Vergleiche können hier helfen, die Atmosphäre zu untermalen.

Realitätsnähe und ihre Auswirkungen

Sprechen wir noch über ein Thema, das vielleicht kein Tipp, aber eine allgemeine Beobachtung zum Thema Horror ist. Es gibt unterschiedliche Arten über Horror zu schreiben. Horror kann sich auch in einer phantastischen Welt abspielen. Die meisten Horror-Filme spielen allerdings in unserer realen Welt und dafür gibt es einen guten Grund.

Spielt Horror in einer anderen Welt, so gibt es eine Barriere zwischen den Ereignissen des Films und der Leserschaft. Immerhin ist damit der Horror etwas, das eben nicht in unserer Welt stattfindet, das uns damit nicht gefährden kann. Dasselbe gilt, wenn Horror in einer anderen Zeit – also beispielsweise im Mittelalter – spielt. Auch hier gibt es eine Barriere zwischen der Lebensrealität der Leserschaft und der im Buch dargestellten Realität. Das heißt nicht, dass es schlechter Horror ist, nur, dass es für die Leserschaft einfacher ist, den Horror am Ende des Buches hinter sich zu lassen.

Spielt Horror dagegen in unserer Welt und unserer Zeit ist diese Barriere nicht da. Das erzeugt den Eindruck, dass es etwas ist, das uns passieren könnte. Es wird fast automatisch eine größere Nähe zu den Figuren aufgebaut, weil sie ein Leben ähnlich wie das unsere Leben können. Das lässt den Horror näher an die Leserschaft heran und kann, wenn gut gemacht, ein Gefühl der Unsicherheit im realen Leben hervorrufen.

Fazit

Horror unterscheidet sich in vielen Merkmalen von anderen Genre, vor allem von anderen Genre der Phantastik. Denn während Fantasy und SciFi häufig auf die ein oder andere Art Wunschphantasien zum Ausdruck bringen, macht Horror das genaue Gegenteil. Es entmachtet die Figuren und damit indirekt auch die Leserschaft und führt ihnen Szenarien vor Augen, die die meisten wohl nicht selbst erleben wollen. Damit stellt Horror auch andere Anforderungen an die Autor*innen.

Dabei ist ein wichtiger Faktor, dass die Hauptfigur in einer Horrorgeschichte zumeist machtlos fremden Kräften ausgeliefert ist. Dies ist entweder der Fall, weil es sich allgemein um eine machtlose Figur handelt oder weil eine mächtige Figur entmachtet wird durch die gegnerischen Kräfte der Geschichte.

In diesem Sinne ist es auch häufig so, dass sich Horror in einem Setting abspielt, dass die Figuren auf irgendeine Art entmachtet, indem es ihnen von sich aus schon schwerer macht, dort zu überleben. Alternativ können es jedoch auch Settings sind, die von sich aus Grauen hervorrufen oder unheimliche Komponenten haben.

Oftmals ist Horror in unserer Welt angesiedelt, da es so eine geringere Barriere zwischen Leserschaft und Figuren gibt, es damit auch leichter ist, sich in die Situation hineinzudenken. Denn Horror will eine gewisse Nähe zur Leserschaft herstellen, um sie auch nach dem Lesen noch zu verfolgen.


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