Schreiben über das Schreiben

Ein kleiner gesonderter Beitrag, der nicht ganz in den Themenmonat passt – aber vielleicht doch ein wenig. Stephanie Müller hat eine kleine Blog-Parade ins Leben gerufen zum Thema #SchreibenÜberDasSchreiben. Autor*innen schreiben dazu, warum sie eigentlich schreiben und wie das Schreiben bei ihnen abläuft. Ihr findet die Informationen dazu in Steffis Blog. Aber nun zu Seki und mir – wobei ich auch ein wenig über ein paar eigene Projekte schreiben werde.

Wie ich mit dem Schreiben angefangen habe

Fangen wir vielleicht mit einer Sache an, die nicht gänzlich unwichtig ist: Wie habe ich mit dem Schreiben angefangen und warum? Denn Tatsache ist: Ich schreibe für den größten Teil meines Lebens. Als ich angefangen habe war ich ca. 11. Was nicht heißt, dass ich davor nicht schon einmal kleine Geschichten über anthropomorphe Tiere voller Rechtschreibfehler geschrieben habe. Und genau diese Rechtschreibfehler waren mein Einstieg ins Schreiben. Denn als ich in der Grundschule war, wurde bei mir eine Rechtschreibschwäche festgestellt. Was meine Mutter (mein Kindheit war nicht die beste) jedoch nicht akzeptieren wollte. Also wurde ich gezwungen Rechtschreibung zu üben und zu üben. Mit ätzenden Diktaten. Obwohl eine Lehrerin feststellte, dass dieser Druck meine Rechtschreibung noch schlimmer machte.

Da kam eine Freundin von mir ins Bild, die dieses Problem nicht hatte und mit der ich viel über Digimon gesprochen habe – die Serie, die für so viel in meinem Leben verantwortlich ist. Und diese Freundin meinte, ich solle doch die Ideen, die ich ihr so erzählt habe, von wegen Digimon, mal aufschreiben. Also eine Fanfiction. Und sie würde dran drüberschauen, wegen der Rechtschreibung. Na ja, und so fing es dann an. Erst mit Fanfictions, später auch mit eigenen Geschichten. Und die Orthographie ist tatsächlich deutlich besser geworden. Selbst wenn ich mich immer wieder dran erinnern muss, wann ein Wort mit m und wann mit n endet – und dass „fiel“ nicht dasselbe ist, wie „viel“.

Was schreiben wir?

Damit die Frage, mit der Steffis kleine Liste beginnt: Was schreiben wir? Nun, vornehmlich schreiben wir Urban Fantasy – jedenfalls wenn wir gemeinsam schreiben. Generell bin ich, Alex, ein Fan des Genres und schreibe viel in dem Genre. Unsere beiden gemeinsamen Projekte findet ihr auch hier auf der Seite: Der Roman „Der Schleier der Welt“ (Band 1 einer Reihe) und die Webserie „Mosaik“. Beides Urban Fantasy. Dabei gibt es zu beiden Geschichten jedoch auch eine Reihe von Kurzgeschichten und bei „Der Schleier der Welt“ auch zwei Novellen mit ca. 15 000 Wörtern.

Schreibe ich allein, schreibe ich auch gerne Cyberpunk-Kurzgeschichten, da mir das Genre einfach am Herzen liegt. Und, nun, wie soll ich es anders sagen: Porn. Bevorzugt Kink-Porn. Es ist einfach meine Art einfach etwas herunter zu schreiben.

Wie schreiben wir?

Da die Frage letztens mal in einer Twitterdiskussion aufkam und sie eigentlich ganz interessant ist, vielleicht ein Thema, das nicht im Fragebogen steht: Wie wir vorgehen. Denn es gibt natürlich verschiedene Varianten zu zweit zu schreiben. Und unsere ist eine interessante Mischung aus plotten und pantsen. (Auch wenn ich eigentlich überzeugter Plotter bin.)

Kurzum: Wir denken uns gemeinsam einen groben Ablauf aus. Ausnahme sind die Mystery-getriebenen Geschichten, wie „Der Schleier der Welt“ (und ein späterer Band der Reihe). Dort denkt sich Seki vorrangig den Ablauf aus – selbst wenn wir eine Art Beat-Sheet vorher anfertigen, damit es etwas organisierter ablaufen kann. Allerdings funktioniert Mystery besser, wenn der Charakter wirklich keine Chance hat zu wissen, was vor sich geht. So oder so: Grob haben wir einen Ablauf und Stichpunkte, was der Status Quo für Welt und Charaktere am Anfang ist und wohin wir wollen.

Dann spielen wir. Ja, wir spielen. Im Sinne eines Pen & Paper Rollenspiels. Der Hauptgrund dafür: Wir haben immer Action. Und diese ist weitaus interessanter, wenn sie sich nicht komplett planen lässt, weil Würfel auch eine Meinung haben. Außerdem spielen wir Dialoge durch, um sie lebendiger zu machen. Das ist dann übrigens auch der Punkt, an dem die Charaktere beschließen, dass unsere Planung scheiße sei, weswegen sie dagegen rebellieren.

Haben wir damit einen Band abgeschlossen, setze ich mich hin und schreibe das gespielte runter. Dabei sortiere ich gegebenenfalls ein paar Szenen um, kürze die Dialoge hier und da und schneide ab und an auch Szenen heraus, die einfach zu viel sind.

Wie ich schreibe

Schreibe ich allein, fange ich an einen komplexen Plan zu erstellen. Wie gesagt, ich liebe es Stories zu planen. Mache ich das in drei Schritten: Grobe Struktur, Kapitelstruktur und dann Szenen und Beats. Dafür nutze ich die meiste Zeit kleine Notizbücher, weshalb ich zu Weihnachten davon immer viele geschenkt bekomme.

Dann schreibe ich und schaue hilflos zu, wie sich die Charaktere rechts und links dagegen stellen und doch wieder machen, was sie wollen. Autorenleben in seiner reinsten Form.

Das Schreibwerkzeug

Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich auf meinen Schulblöcken im Mathe- und Religionsunterricht geschrieben. Dann habe ich an den Wochenenden zuhause das ganze abgetippt und dabei schon nach meinen besten Möglichkeiten Rechtschreibkorrektur betrieben. Ein paar der Blöcke habe ich bis heute aufgehoben. Da ich von früher Kindheit an Zugriff auf Computer hatte, habe ich zwar nie 10-Finger-System gelernt, kann aber ziemlich schnell tippen. Auch wenn ich nur 6 Finger nutze.

Dann fing ich mit meiner Ausbildung an und besorgte mir vom ersten Gehalt einen Laptop. Seither habe ich den Block-Schritt immer übersprungen und schreibe direkt an meinem Laptop. Egal ob im Bus, im Zug, im Coffee Shop oder im Bett.

Die perfekte Schreibsession

Am besten schreibe ich im Coffee Shop. Besonders in meinem liebsten Coffee Shop. Dort trinke ich dann einen Chai Latte, komme nicht ins Internet, weil sie technische Probleme haben und habe damit alle Zeit der Welt, um wirklich zu Schreiben. Denn ja, mein großer Feind beim Schreiben ist die Prokrastination. Wenn ich da hocke und einfach lieber „nur noch ein YouTube Video“ schaue. Oder „nur noch einen Quest“ im Spiel erfülle. Oder „nur noch einen Tweet“ schreibe. Halt alles – nur nicht mit dem Schreiben anfangen.

Deswegen: Am besten geht es, wenn ich irgendwo bin, wo ich kein Internet habe. Dann kann ich auch in Ruhe arbeiten und komme relativ schnell voran. Wobei ich eine Software allerdings gerne dafür nutze – die es wiederum online leichter gibt: Write or Die von Dr. Wicked. Das Tool kam heraus, als ich das erste Mal am NaNoWriMo teilnahm. Ich liebe es seither.

Was motiviert mich zum Schreiben?

Mich motiviert vor allem eine Sache zum Schreiben: Meine Charaktere. Andere Leute haben Kinder, ich habe meine Figuren – na ja, und Ratten. Und bald einen Hund. Aber eben auch meine Kinder, äh, Charaktere. Ich liebe diese fiktionalen Menschchen und Werwölfe und Götter einfach sehr und möchte ihre Geschichte erzählen. Das ist der Hauptmotivationsgrund zum Schreiben. Allerdings nicht ganz der einzige.

Denn da ist auch noch der Faktor der Repräsentation. Wer sich hier im Blog umschaut, wird feststellen, dass diese mir sehr wichtig ist. Gerade, weil ich sie als Kind nicht hatte. Daher möchte ich selbst diverse Geschichten schreiben. Ja, sie werden nie so groß wie Harry Potter sein – aber ich möchte mir nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Es ist mir einfach wichtig, das zu schreiben, was mir selbst im Literaturmarkt fehlt. (Was übrigens auch für Genre und Setting gilt.)

Bin ich Mitglied einer Schreibgruppe?

Leider nicht. Ich schreibe halt mit Seki zusammen und habe natürlich auch viele Freunde online, mit denen ich mich über das Schreiben austausche – allerdings habe ich weiterhin Probleme mit Social Anxiety, weshalb ich bspw. zur örtlichen Schreibgruppe mich nie hingetraut habe. Obwohl mich schon andere Teilnehmer gefragt haben. Hach ja. Ist alles nicht so leicht. Irgendwann schaffe ich das schon. Ganz bestimmt!

Zumindest habe ich soweit sehr viel Spaß mit den Litcamps und freue mich regelmäßig auf die neuen!

Die Tags kommen auf Twitter – aber natürlich könnt ihr euch denke ich einfach, wie ich, einfach die Challenge schnappen.