Aus die Maus, oder nicht? Der Fluch der Disney Remakes

Dieses Jahr geht Disney nicht nur mit drei Marvel-Filmen und dem dritten Teil der neuen Star Wars Trilogie an den Start, sondern bringt auch drei, beziehungsweise sogar vier Live Action Remakes von Disney-Klassikern heraus. Und langsam, ja, langsam habe ich davon echt genug – und ich weiß, dass ich damit nicht allein bin.

Es ist schwer zu sagen, womit diese Live Action Remakes genau anfingen. War es Tim Burtons Alice im Wunderland oder war es Maleficent? Zweiterer ist zumindest der erste Film der herauskam, dessen nächster Film nur ein Jahr entfernt war. Also vielleicht war es wirklich diese Neuerzählung von Sleeping Beauty. Wer weiß? Nur eins ist sicher: Für mich war es so ziemlich der einzige Film von den Remakes, der mir irgendwie zugesagt hat.

Was Maleficent richtig machte

Maleficent hatte einen guten Ansatz. Denn anstatt einfach Sleeping Beauty neu aufzulegen, erzählte man die Geschichte aus einer anderen Perspektive. Der Perspektive von Maleficent oder Malefiz, wie sie im Deutschen heißt. Anstatt, dass sich die Geschichte darum dreht, wie Aurora und Prinz Philipp zusammenfinden, obwohl das Mädchen von der bösen Fee verflucht wurde, dreht sich die Handlung mehr oder minder um eine Vergewaltigung.

Denn ja, Maleficent als Film nutzt dort eine nicht schwer zu verstehende Metapher. Als Auroras Vater sie mit einer Droge ausschaltet, um ihre Flügel zu stehlen, ist dies Symbolismus für eine Vergewaltigung mit der Hilfe von KO-Tropfen. Der Zuschauer wird daraufhin in Maleficents Perspektive versetzt. Der Film dreht sich vor allem darum, dass diese Aurora, die Tochter ihres Vergewaltigers hassen will und es doch nicht kann.

Je nachdem wie man es liest, nimmt Maleficent eine Mutterrolle für Aurora ein oder gar noch eine andere. Jedenfalls wenn man wie ich eine dicke Girls Love Shippingbrille trägt. So oder so ist es jedoch Maleficents Liebe zu Aurora, die deren Fluch bricht. Kurzum: Der Film erzählt durch die andere Perspektive und deutlich mehr Weltenbau eine gänzlich andere Geschichte, als der alte Disneyfilm.

Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Ähnlich anders aufgezogen haben auch 2010 Alice im Wunderland und The Sorcerer’s Apprentice ihre Handlung. Beide basierten auf etwaigen Disneyfilmen, haben jedoch deutlich eine eigene Handlung aus ihren Vorlagen gezogen, anstatt diese stumpf neu zu verfilmen – halt als Realfilme. Doch was soll ich sagen? Diese neuen Ideen gingen Disney schnell verloren.

Cinderella, Das Dschungelbuch und vor allem Die Schöne und das Biest folgen in erster Linie denselben Storybeats, wie es ihre animierten Vorlagen taten. Sicher, hier und da wird ein wenig etwas ergänzt, dort noch ein wenig problematische Inhalte entfernt oder wenigstens kaschiert, doch alles in allem sind es dieselben Filme, nur in einem neuen Kleid. Eigene Ideen? Gibt es wenig.

Und wenn man sich die Trailer zu Aladdin und Der König der Löwen anschaut, liegt soweit die Annahme nahe, dass sich das in näherer Zukunft auch nicht ändern wird. Gerade Der König der Löwen wirkt, wie einige Fans schon angemerkt haben, wie eine beinahe Einstellung für Einstellung Übersetzung des alten Films von 2D-Animation in einen realistischeren 3D-Stil.

Vielleicht muss man Fan sein

Natürlich bin ich eventuell auch kritischer gegenüber den Filmen, als diejenigen, die positivere Gefühle mit den alten Filmen verbinden. Denn ja, positiv ist meine Einstellung zu den meisten alten Disneyfilmen nicht. Disney hat lange Zeit Filme mit sehr konservativen Frauenrollen gemacht, die außerdem en masse kulturelle Aneignung verwendet haben, ohne sich Gedanken um rassistische Klischees zu machen.

Generell ist Disney mir vor allem als das Studio mit Bösewichten, die ihre Bösewichte gerne als PoC oder queer (oder beides) codieren, in Erinnerung. Vor allem in der Disney Renaissance, wo man es eigentlich schon besser hätte wissen können, besser hätte wissen sollen. Wenigsten haben sie aktuell kein Pocahontas Remake angekündigt. Vielleicht sollte man sich über die kleinen Dinge freuen.

Schaut man sich die Filme an, die ausgewählt wurden, so findet man bei vielen die Probleme. Das Dschungelbuch hat mir König Louis ein großes Problem. Die Schöne und das Biest stand schon immer für die nicht besonders gesunde Beziehung (die das Märchen genauso propagieren sollte) in der Kritik. Aladdin für die kulturelle Aneignung. Und über die Probleme von Dumbo hat Mickey Neumann ein schönes Video gemacht.

Remake-Probleme

Auch die Remakes haben soweit einiges an Kritik eingesammelt. Vor allem Die Schöne und das Biest hat dort einiges abbekommen. Zum einen weil Emma Watson keine besonders gute Gesangsperformance geleistet hat. Zum anderen, weil diverse Änderungen es verschlimmbessert haben. Zum dritten, weil Disney groß damit Werbung betrieb, dass in dieser Fassung Le Fou schwul sei – etwas, dass im Film nur sehr, sehr vage angedeutet wurde.

Auch das Aladdin-Remake steht jetzt bereits in der Kritik. Denn auch wenn man sich bemüht hat, arabische Schauspieler für die Hauptrollen zu wählen, so ist einigen unangenehm aufgefallen, dass diese zu guten Teilen „White Passing“ sind. Etwas, das bei einzelnen Figuren nicht so schlimm gewesen wäre, aber dadurch dramatisch wird, dass es für fast alle zutrifft. Nimmt man noch dazu, dass man laut einigen Berichten für Hintergrundfiguren weiße Schauspieler in Brownface besetzt hat, sieht das Ganze nicht besonders gut aus.

Und dann ist da noch das Mulan-Remake, das immer und immer weiter verzögert wird. Nein, so wurde uns schon gesagt, Shang wird sich ganz klar in Mulan verlieben und sicher nicht in Ping. Wäre ja noch komischer, wäre das Love Interest in einem Disneyfilm möglicherweise bisexuell. Wo kämen wir dahin? Und auch andere Kritik gab es an den Informationen, die wir soweit haben.

Man hätte es auch anders machen können

Die Sache ist, dass es auch anders möglich gewesen wäre. Disney weiß sehr wohl um die üblichen Kritikpunkte an diesen Filmen sind. Disney weiß auch, dass man diese Filme natürlich neu umschreiben kann – wie sie es mit Maleficent, mit Sorcerer’s Apprentice, Alice im Wunderland und ja auch Christorpher Robin gemacht haben. An sich wäre es nicht schwer gewesen.

Statt Die Schöne und das Biest klassisch neu aufzulegen, wäre eine Erzählung aus einer anderen Perspektive möglich gewesen. Vielleicht einem der Angestellten im Schloss. Oder wegen meiner auch des Biests, das immerhin mit elf Jahren verflucht wurde. Etwas, das nicht wirklich fair zu sein scheint.

Auch ein König der Löwen Remake, das durch die Perspektive der Hyänen auf die Quasi-Segregation des geweihten Landes lenkt, oder ein Mulan-Remake mit einem Ping, der sich als trans outet, wäre möglich und sicher interessant gewesen. Oder auch nur ein Mulan-Remake, das deutlicher auf Shangs Zweifel bezüglich seiner Sexualität eingeht. Doch das wäre natürlich riskanter als ein einfaches Remake.

Mehr und mehr

Natürlich mache ich mir nichts vor: Einer der Hauptgründe für diese Remakes ist, dass man die Rechte an den Filmen behalten will und daher neue Dinge damit macht. Diese beinahe eins zu eins Remakes sind dabei einfacher, weniger aufwendig, als eine komplett neue Auflage mit neuer Geschichte. Wenn man bedenkt, dass vor allem diese klaren Remakes zudem mehr Geld reinbringen, ist es kaum verwunderlich, dass Disney dieses Modell verwendet.

Dennoch wäre es schön gewesen, hätte man mehr daraus gemacht. Denn auch wenn Maleficent kein perfekter Film war: Ich mag ihn. Die Macher haben sich hier eindeutig Gedanken über ihre Vorlage gemacht. Die anderen Remakes dagegen? Nun, selbst wenn ich die entsprechenden Filme mögen würde, könnte ich genauso gut die alten Filme ansehen. Dort ist der Gesang wenigstens besser.

Davon abgesehen bleibe ich jedoch generell lieber bei den neuen Disney-Filmen. Moana, Zootopia, Big Hero 6 … Damit fühle ich mich selbst deutlich wohler.

Das Beitragsbild wurde von Freddo in Disney’s Magic Kingdom aufgenommen und unter der CC4.0 Lizenz bereit gestellt worden.