Was heißt eigentlich …? Kleine Übersicht queerer Begriffe

Nachdem ich auf Twitter festgestellt habe, dass zwischen den Pride Month Einträgen und ein paar anderen Diskussionen immer wieder Verwirrung über die Bedeutung von Begriffen aus dem LGBTQ* Bereich aufkamen, habe ich mir gedacht: Eine kleine Übersicht ist vielleicht nicht schlecht. Daher: Begriffe, Definitionen und Links zum Weiterlesen in einem Beitrag gesammelt.

Ich erhebe keine Ansprüche komplett vollständig zu sein – ergänze aber gerne etwas, das fehlt, wenn ihr mich darauf aufmerksam macht.

Vorweg

Eine kurze Anmerkung zum Anfang: Ich versuche hier nur eine Übersicht über die allgemeinen Begriffe und die gängigen Definitionen zu geben. Letzten Endes ist es aber jeder*m selbst zu überlassen, mit welchem Label si*er sich sich identifiziert. Bitte zwingt Leuten keine Label auf. Okay?

Die Abkürzung

Während man sich streiten kann, ob es jetzt gut ist oder nicht, LGBTQ* als Begriff zu verwenden, anstatt einfach „queer“ zu sagen: Es hat sich etabliert. Daher eine kleine Übersicht etwaiger darin vorkommender Buchstaben und ihrer Bedeutung.

L – Lesbisch
G – Gay (schwul)
B – Bisexuell
T – Transgender (transgeschlechtlich)
Q – Queer
Q – Questioning (sich nicht sicher sein/sich ausprobieren)
I – Inter*
A – Asexuell
A – Ally
P – Pansexual
* – Alles weitere

Ich selbst nutze hier im Blog meistens LGBTQ*, da LGBT eben der etablierte Begriff ist, das Q für Queer und das Sternchen gemeinsam dann „andere Formen der Queerness“ ergänzen. Queer heißt dabei effektiv: „Alles, was nicht cis-mono-hetero-allo ist.“ Diese sehr lange Abkürzung wurde (also LGBTQQIAAP*) steht auch aus verschiedenen Gründen oftmals in der Kritik.

Das Sternchen ist übrigens – sowohl hier, als auch im Rahmen des Gendersternchens (Freund*innen) – ein Auffangzeichen, frei nach dem Motto „ergänze beliebiges“. Man kennt es ja auch aus der Informatik.

Hetero, homo und dazwischen

Kommen wir zu den Allosexualitäten. Hier der erste Begriff: Allo bedeutet „nicht asexuell“. Doch dazu gleich mehr.

Heterosexuell – Person fühlt sich sexuell von Menschen eines anderen Geschlechts angezogen.
Heteroromantisch – Person fühlt sich romantisch von Menschen eines anderen Geschlechts angezogen.
Homosexuell – Person fühlt sich sexuell von Menschen desselben Geschlechtes angezogen.
Homoromantisch – Person fühlt sich romantisch von Menschen desselben Geschlechtes angezogen.
Bisexuell – Person fühlt sich sexuell von Menschen desselben und mindestens eines anderen Geschlechtes angezogen.
Biromantisch – Person fühlt sich romantisch von Menschen desselben und mindestens eines anderen Geschlechtes angezogen.
Pansexuell – Person fühlt sich sexuell von Menschen unabhängig des Geschlechts angezogen.
Panromantisch – Person fühlt sich romantisch von Menschen unabhängig des Geschlechts angezogen.
Schwul – Homosexualität zwischen männlichen Personen
Lesbisch – Homosexualität zwischen weiblichen Personen

Ja, ich unterscheide zwischen sexueller und romantischer Anziehung, da diese oft, jedoch nicht immer übereinstimmt. Es gibt auch panromantisch-heterosexuelle Menschen zum Beispiel.

Es sei zudem kurz gesagt: Sexuelle Anziehung zu verspüren heißt nicht unbedingt, dass man dann auch Sex hat. Leute können bi- oder pansexuell sein, obwohl sie nur mit Personen eines Geschlechtes Sex hatten.

Manche Leute nutzen übrigens auch die Begriffe „androphil“ (fühlt sich von Männern angezogen) und „gynephil“ (fühlt sich von Frauen angezogen), um ihre sexuelle Ausrichtung zu bezeichnen, speziell wenn sie nicht selbst innerhalb des binären Spektrums sind. Problem ist eben, dass die homo/hetero Begriffe sehr darauf ausgelegt ist, das die Person selbst nicht binär ist. Leider haben die Begriffe jedoch weder eine romantisch/sexuell Unterscheidung, noch gibt es einen entsprechenden Begriff für „fühlt sich von nicht-binären Personen angezogen“.

Das asexuelle Spektrum

Kommen wir zum asexuellen und aromantischen Spektrum. Ja, es ist ein Spektrum. Und ja, Menschen aus diesem Spektrum sind ebenfalls queer. Außerdem noch einmal die Erinnerung: Das Gegenteil von asexuell ist allosexuell. Das Gegenteil von aromantisch ist alloromantisch. Wenn allo allein steht, heißt es für gewöhnlich „weder asexuell, noch aromantisch“.

Asexuell – Person fühlt sich nicht sexuell von anderen Menschen angezogen.
Aromantisch – Person fühlt sich nicht romantisch von anderen Menschen angezogen.
Aroace – Kurz für „aromantisch & asexuell“.
Demisexuell – Person fühlt sich prinzipiell nicht sexuell von anderen Menschen angezogen, bis eine bestimmte Grundlage geschaffen ist (bspw. eine Vertrauensbasis existiert, man sich näher kennt, man miteinander geredet hat oder anderes).
Demiromantisch – Person fühlt sich prinzipiell nicht romantisch von anderen Menschen angezogen, bis eine bestimmte Grundlage geschaffen ist (bspw. eine Vertrauensbasis existiert, man sich näher kennt, man miteinander geredet hat oder anderes).
Grey-Asexuell (auch Grau-Asexuell) – Person liegt irgendwo auf dem Spektrum zwischen allo- und asexuell.
Grey-Aromantisch (auch Grau-Romantisch) – Person liegt auf dem Spektrum zwischen allo- und aromantisch.

Auch hier sei wieder hervorgehoben: Nur weil jemand keinen Sex hat, ist diese Person nicht asexuell. Gleichzeitig gibt es ebenfalls asexuelle Menschen, die Sex haben. Und ja, asexuelle Menschen können sogar Spaß an Sex haben. Erneut: Sex ist nicht gleichbedeutend mit dem verspüren von sexueller Anziehung.

Ebenso können aromantische Menschen dennoch in einer Beziehung sein.

Geschlechter

Kommen wir zum Thema Geschlechter – und den damit verbundenen queeren Identitäten und Worten/Ausdrücken, die damit zusammenhängen.

Afab – Assigned Female at Birth – Bei Geburt wurde das Geschlecht als „weiblich“ eingetragen.
Amab – Assigned Male at Birth – Bei Geburt wurde das Geschlecht als „männlich“ eingetragen.
Cis/cisgeschlechtlich – Das bei Geburt zugewiesene Geschlecht stimmt mit der Selbstwahrnehmung überein. Anmerkung: Cis ist ein Adjektiv. Also: Ein cis Mann. Eine cis Frau.
Trans/transgeschlechtlich – Das bei Geburt zugewiesene Geschlecht stimmt nicht mit der Selbstwahrnehmung überein. Anmerkung:Auch trans ist ein Adjektiv. Also: Ein trans Mann. Eine trans Frau. Nicht: Eine Transfrau!
Inter*/Intersex – Das Geschlecht lässt sich nicht klar bestimmen, da die Person mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren wurde oder eine Diskrepanz zwischen den verschiedenen Geschlechtsmarkern besteht.
Dya/Dyadisch
– Das Geschlecht lässt sich klar bestimmen. Der Körper der Person lässt sich klar einem Geschlecht zuordnen.
Enby/non-binary/nicht-binär – Geschlechtsidentitäten abseits der männlich/weiblich binären Darstellung unser Gesellschaft.
Agender – Person fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig.
Genderfluid – Die Geschlechtsidentität ist nicht beständig und wechselt.
Demigirl – Eine Person, die sich zum Teil, aber nicht gänzlich/immer als weiblich identifiziert.
Demiboy – Eine Person, die sich zum Teil, aber nicht gänzlich/immer als männlich identifiziert.
Misgendering – Eine Person mit dem falschen Geschlecht ansprechen/das falsche Pronomen benutzen.
Deadnaming – Den Geburtsnamen einer trans Person zu nutzen, anstelle des gewählten Namens.

Es gibt noch mehr nicht-binäre Identitäten. Ihr findet eine englischsprachige Übersicht hier.

Ein paar Dinge, die ich hier noch klar machen möchte: Das „biologische Geschlecht“ ist ein Mythos und bei weitem nicht so klar umrissen, wie viele gerne tun. Es gibt Geschlechtsorgane, es gibt Chromosome, es gibt Hormonlevel und noch einiges mehr. Diese Aspekte müssen nicht übereinstimmen und tun es oftmals nicht – auch ohne, dass es bemerkt wird. Übrigens wurde auch diversen inter* Personen ein binäres Geschlecht bei Geburt zugewiesen – etwaig inklusive medizinischer Eingriffe bereits im frühen Kindheitsalter.

Außerdem noch eine wichtige Sache: Menschen, die sich gerne wie das andere Geschlecht kleiden/geben sind deswegen nicht automatisch trans. Es gibt viele Gründe, dies zu tun. Manche mögen es einfach, manche tun es aus gesellschaftlichen Gründen, manche haben einen entsprechenden Fetisch und andere tun es als Kunstform (Dragqueens/Dragkings). Gleichzeitig ist eine trans Person, die sich nicht übermäßig entsprechend ihres Geschlechts kleidet, deswegen nicht weniger trans.

Ach, und zuletzt noch, da ich das mehrfach gefragt wurde: „transsexuell“ ist der veraltete Begriff für „transgeschlechtlich“. Da das Leben als trans Person nun einmal nichts mit Sexualität zu tun hat – sondern eigentlich mit der eigenen Identität.

Polyamor

Kommen wir zu einem Bereich, bei dem immer wieder gestritten wird, ob er denn nun dazugehört. Für mich tut er das definitiv – denn auch polyamore Beziehungen weichen vom gesellschaftlichen Standard ab.

Polyamorie beschreibt dabei eine Beziehung, an der mehr als zwei Partner beteiligt sind. Dabei muss jedoch nicht jeder Partner in der Beziehung polyamor sein.

Polyamorie – (Meist romantische) Liebe zu mehr als einer Person gleichzeitig.
Polyamor sein – Mehr als eine Person gleichzeitig lieben.
Metamour – Ein anderer Partner eines Partners. (Also bspw. die feste Freundin des festen Freundes, mit der man selbst keine Beziehung hat.)
Polycule/Polykül – Ein Beziehungsnetzwerk zwischen mehr als zwei Personen, das auch oftmals über eine Gruppe hinausgeht. Also inklusive Metamours von Metamours und deren Partner …
Beziehungsanarchie/Relationship Anarchy – Eine philosophische Einstellung bei der es jeder Person in einer Beziehung freisteht, mit anderen Personen Sex zu haben oder eine Beziehung einzugehen. (Anmerkung: Nicht jede Poly-Beziehung ist beziehungsanarchisch.)
Triade – Eine geschlossene Beziehung zwischen drei Personen, die allesamt miteinander in einer Beziehung sind.
V/Vee – Eine Beziehung in der eine Person zu zwei anderen Personen eine feste Beziehung hat, diese jedoch nicht miteinander in einer Beziehung sind.
Compersion – Das Gegenteil von Eifersucht (sich freuen, dass ein Partner auch mit jemand anderen Glücklich ist).

Auch hier gibt es eine schöne Übersicht im Englischen mit weiteren Begriffen. Ich empfehle euch außerdem diesen Eintrag aus der „[Writing] About Us“ Reihe. (Anmerkung dazu: Writing About Us ist übrigens noch immer offen. Ich würde mich sehr freuen, weitere Beiträge er erhalten!)

Inklusive Community

Eine Sache, die ich an dieser Stelle einmal ansprechen möchte, auch wenn sie nicht mit Queerness per se zu tun hat, ist, dass natürlich zur queeren Community auch Menschen anderer marginalisierter Gruppen gehören. Es gibt queere BIPoC (black/indigenous/People of Color), queere disabled und queere neurodiverse Personen. Das eine schließt das andere nicht aus. Also seid offen und schließt niemanden aus. Unsere Community sollte inklusiv sein.

Queermisia

Da dieser Ausdruck auch mehrfach zu Verwirrung geführt hat, noch eine kleine Erklärung zum Wort Queermisia/Homomisia/Transmisia etc. Das Wort „Misia“ bedeutet „Hass“ – und ich, wie auch andere, nutzen das Wort statt Queerphobie/Homophobie/Transphobie, da „phobie“ impliziert, dass die Menschen Angst vor queeren/homosexuellen/trans Menschen haben. Das haben sie natürlich nicht. Sie haben nur einen irrationalen Hass.

Es sei außerdem noch einmal das Wort TERF erklärt. Dies bedeutet „trans exclusionary radical feminist“. Es beschreibt damit also Feminist*innen, die trans Personen aus ihrem Feminismus ausschließen – oft auch transmisisches Verhalten zeigen, ja, teilweise sogar trans Personen tätig angreifen. Was das Wort nicht ist, ist ein Slur, sogerne sich TERFs auch die Opferkarte heraussuchen.

Abschluss

Viel mehr will ich nicht mehr schreiben. Ich hoffe, der Eintrag hat eine Übersicht gegeben. Sollte ich irgendetwas falsch bezeichnet haben – oder sollte etwas fehlen – sagt doch einfach Bescheid, ja? Ich ändere es dann gerne ab!

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Das Beitragsbild wurde von Sidnei Siqueira aufgenommen und unter der CC4.0 geteilt. Es wurde von mir nachbearbeitet.