„Was?“, fragte sie. – Einmaleins der Inquit-Formeln

Diese Woche gibt es einmal keinen Weltenbau-Eintrag, sondern dafür einen weiteren, einfachen Schreibtipp. Dieses Mal zu einem recht kleinen Thema: Inquit-Formeln. Sprich: Den kleinen Einschüben, die wir für die wörtliche Rede benutzen, à la „sagte er“, „fragte sie“, „flüsterte xier“ und so weiter.

Warum dieses Thema? Nun, weil es drei Bereiche gibt, in denen ich auf Bezug auf die Inquit-Formeln immer wieder Probleme sehe. Und ja, auch weil ich die Schuld an diesen Problemen oft an den Schulen sehe, die Inquit-Formeln kaum behandeln. Doch alles der Reihe nach.

Die richtige Interpunktion bei Inquit-Formeln

Fangen wir bei der richtigen Interpunktion an. Ein Thema, das an den meisten Schulen übergangen wird. Zwar habe ich es durch meine Deutschlehrerin gelernt – allerdings erst, als sie meine ersten schriftstellerischen Gehversuche betreut hat. Wo liegen die Fehler? Nun, oft sieht man folgende, falsche Verwendungen von Interpunktion in Inquit-Formeln:

„Nur noch fünf Minuten.“, murmelte Anne.

„Jetzt steh endlich auf“ erwiderte Birgit.

„Lass sie doch“, meinte Christian, „Ich gehe einfach vor.“

„Das wirst du nicht tun.“ Sagte Dominik.

„Wenn sie nicht aufstehen will“, meint Emilia. „Müssen wir halt ohne sie losgehen.“

Ja, das Beispiel ist konstruiert, enthält aber die fünf häufigsten Fehler, die ich in Bezug auf Inquit-Formeln sehe. Gehen wir die fünf Sätze einmal Stück für Stück durch.

„Nur noch fünf Minuten.“, murmelte Anne.

Hier liegt der Fehler in dem Punkt, nach Minuten. Die Inquit-Formel und die wörtliche Rede sind ein Teil desselben Satzes. Wenn man so möchte, ist die wörtliche Rede hierbei ein Nebensatz. Mitten in einen Nebensatz kommt natürlich kein Punkt. Dafür ist bereits das Komma hinter den Anführungsstrichen da. Korrekt müsste es heißen:

„Nur noch fünf Minuten“, murmelte Anne.

Kommen wir zum nächsten Beispiel:

„Jetzt steh endlich auf“ erwiderte Birgit.

Ähnliches Problem. Der Nebensatz ist hier nicht mit einem Komma abgetrennt. Korrekt sollte es heißen:

„Jetzt steh endlich auf“, erwiderte Birgit.

Ähnliches gilt übrigens für diesen Satz:

„Das wirst du nicht tun.“ Sagte Dominik.

Auch hier: Punkt weg, Komma rein, natürlich wird die Inquit-Formel daher auch nicht groß geschrieben. Sprich:

„Das wirst du nicht tun“, sagte Dominik.

Die letzten beiden Sätze haben beide ein ähnliches Problem.

„Lass sie doch“, meinte Christian, „Ich gehe einfach vor.“

„Wenn sie nicht aufstehen will“, meinte Emilia. „Müssen wir halt ohne sie losgehen.“

Bezüglich der Inquit-Formeln gilt, dass die wörtliche Rede nach der Formel (natürlich) fortgesetzt werden kann. Allerdings hängt es von dem Aufbau der wörtlichen Rede ab, auf welchem Satzzeichen die Inquit-Formel endet. Faustregel: Steht in der wörtlichen Rede vor der Inquit-Formel ein vollständiger Satz, der auf einem Punkt enden würde, endet die Inquit-Formel auf einem Punkt. Unterbricht die Inquit-Formel aber einen Satz in der wörtlichen Rede – zum Beispiel zwischen Haupt- und Nebensatz – endet sie auf einem Komma.

Schauen wir uns also an, wie die beiden Aussagen im Dialog ohne die Inquit-Formel aussehen würden.

„Lass sie doch. Ich gehe einfach vor.“

„Wenn sie nicht aufstehen will, müssen wir halt ohne sie losgehen.“

Demnach ergibt sich für die Sätze mit Inquit-Formel:

„Lass sie doch“, meinte Christian. „Ich gehe einfach vor.“

und

„Wenn sie nicht aufstehen will“, meinte Emilia, „müssen wir halt ohne sie losgehen.“

„Said is (not) dead“

Kommen wir zu dem nächsten Abschnitt. Im Englischen gibt es einen Spruch, der Kindern oft in der Schule beigebracht wird: „Said is dead.“ Übersetzt: „Sagte ist tot.“ Dieser Spruch soll Kindern eintrichtern die Worte in Inquit-Formeln zu variieren, anstatt immer „sagte er“, „sagte sie“, „sagte xier“ zu schreiben. Stattdessen soll eine wilde Mischung verwendet werden. Dinge wie „meinte er“, „flüsterte sie“, „murmelte xier“, „schrie er“, „rief sie“, „grunzte xier“ usw.

Ich weiß nicht, wie es bei euch war, aber auch mir wurde das in der fünften, sechsten Klasse eingetrichtert. „Sagte“ sei schlechter Stil, hieß es dann immer. Wer sich allerdings mit Autorenratgebern – speziell solchen, die aus dem Englischen übersetzt wurden – auseinandersetzt, findet schnell das genaue Gegenteil: Im Zweifel besser „sagte“ verwenden. Warum ist das so?

Nun, es ist relativ einfach: Im Englischen ist „said“ ein unsichtbares Wort, weshalb die Wiederholung nicht stört, da sie kaum ein Leser bewusst wahrnimmt. Die Inquit-Formel dient meist einfach dazu, klar zu machen, wer derjenige ist, der spricht und wird ansonsten überlesen, sofern sie keine sonstigen Informationen enthält (dazu gleich noch etwas). Daher stören Alternativen zu „sagte“ oftmals mehr – da sie auffälliger sind.

Und ja, ich weiß, der erste Instinkt ist zu sagen: „Mich stört es aber schon, wenn da ständig ’sagte‘ steht.“ Wenn das auch eurer Instinkt ist, wie es auch meiner war, holt ein beliebiges, aus dem englischen übersetztes Jugendbuch heraus. Harry Potter oder die Rick Riordan Bücher zum Beispiel. Ihr werdet dort manchmal fünf bis acht „sagte XY“ auf einer Seite finden. Meist stört es tatsächlich nicht – obwohl ich das selbst unglaublich finde.

Die Inquit-Formeln, die keine sind

Aus dem „said is dead“ ist allerdings noch etwas anderes hervorgegangen: Manchmal versuchen Autoren allerhand andere Sätze, die keine Inquit-Formeln sind, als solche zu nutzen, um eben die Satzstruktur zu variieren. Eine kleine Sammlung von Verben, die so als Inquit-Verben verwendet werden, es aber nicht sind. (Die Beispielsätze sind frei erfunden, die Verben habe ich aber alle schon einmal so benutzt gesehen.)

„Ich habe dich so vermisst“, fiel Antonia Christian um den Hals.

„Du bist mir ja einer“, grinste John.

„Wie habt ihr mich gefunden?“, blinzelte Matthias.

„Ich weiß auch nicht mehr“, gab Karla auf.

Das zweite Beispiel „grinste“ klingt vielleicht noch halbwegs vernünftig, da man versteht, was gemeint ist (jemand spricht und grinst dabei). Die anderen Beispiele klingen jedoch wahrscheinlich seltsam, oder?

Das Problem hier ist, dass keins der Verben sich auf das Sprechen bezieht. Alle vier vermeintlichen Inquit-Formeln beziehen sich auf eine Handlung, die mit dem Sprechen einhergeht, nicht aber einen direkten Bezug zur Sprache haben. Antonia fällt Christian um den Hals, während sie „Ich habe dich so vermisst“ ruft. John grinst, während er etwas sagt. Matthias blinzelt, während er die Frage stellt. Und Karla verkündet, dass sie aufgibt, als sie eben das tut.

Entsprechend ist der Satzbau so nicht optimal. Alternative Vorschläge diese Sätz zu bauen wären …

Antonia fiel Christian um den Hals. „Ich habe dich so vermisst!“, rief sie.

John grinste schief. „Du bist mir ja einer.“

„Wie habt ihr mich gefunden?“ Erschöpft blinzelte Matthias die Polizisten an.

Karla sackte in sich zusammen. „Ich weiß auch nicht mehr“, murmelte sie.

Weniger ist mehr

Damit kommen wir zu meinem letzten Punkt und einer Sache, der ich mich selbst oftmals schuldig mache. Oder eher: Eine Sache, bei der ich zwischen zwei Extremen hin und her stolper. Denn eine weitere Faustregel bzgl. Inquitformeln ist, diese nicht zu häufig zu verwenden und stattdessen den Satzbau ein wenig zu variieren. Durch Regeln für Zeilenumbrüche ist schon klar, wer spricht, wenn ihr schreibt:

Markus zog eine Grimasse. „Schon wieder Kartoffelsalat?“

Da muss kein „fragte er entgeistert“ hinter. Ja, diese Inquit-Formel würde letzten Endes Informationen wiederholen. Denn dass Markus das fragt ist jedem klar und dass er entgeistert ist, wenn er eine Grimasse zieht, sollte ebenso selbstredend sein. Generell wird es oft als schöner und ausdrucksstärker empfunden, wenn solche Informationen aus anderen Beschreibungen und der Art, wie der Dialog formuliert ist, hervorgehen.

Ein anderes Beispiel:

Ohne es bemerkt zu haben war Lena aufgestanden. Ihre Hände zitterten vor Wut, bis sie auf den Tisch schlug. „Das reicht aber nicht!“

Man muss dazu nicht schreiben, dass sie das schreit oder ruft. Das geht aus dem Ausrufezeichen und der sonstigen Beschreibung einher.

Auch hier:

Vorsichtig lugte Florian um die Ecke. Die drei Typen waren noch immer da, suchten nach ihnen.

Rasch krabbelte er zu Thalia zurück, gestikulierte ihr dabei, sich selbst in Bewegung zu setzen. „Wir müssen hier weg.“

Hier könnte man ein „hauchte“ oder „flüsterte“ ergänzen – doch an sich ist es so recht klar, dass Florian hier nicht laut sprechen wird.

Zusammengefasst

Inquit-Formeln bleiben in meinen Augen ein Thema, bei dem nicht zuletzt dank fehlender oder falscher Lektionen im Deutsch- und Englischunterricht Fehler gemacht oder Formulierungen gewählt werden, die etwaige Leser irritieren. Wie natürlich bei vielen stilistischen Themen spielt – abseits von der Interpunktion – allerdings auch persönlicher Geschmack eine Rolle.

Ich hoffe dennoch, dass dieser Beitrag eventuell dem ein oder anderen helfen kann.