Weltenbau 101: Verbote und Tabus

In unserer Gesellschaft gibt es Dinge, die mal gesetzlich legal sind und mal nicht, die wir jedoch allgemeinhin als „verboten“ betrachten. Tabus. Diese gab es – wenngleich nicht unter diesem Namen – wahrscheinlich in jeder menschlichen Gesellschaft. Heute soll es um Tabus in eigenen Welten gehen und darum, wie diese zustande kamen.

In den letzten Monaten habe ich die Weltenbau Beiträge schmerzlich vernachlässigt. Dies versuche ich nun auszugleichen und wieder zumindest ein, zwei Mal im Monat etwas zum Thema zu schreiben.

Ausgesprochene Verbote

Es gibt Tabus, die sind in unserer Gesellschaft ausgesprochen. Sei es, dass sie gesetzlich verankert sind, sei es, dass sie beinahe überall in irgendwelchen lokalen Regeln (Schulregeln, Firmenregeln, Verträgen etc.) stehen. Viele davon sind notwendig, um ein gesellschaftliches Zusammenleben zu ermöglichen. Dazu gehören viele der Dinge, die im Strafgesetz verboten sind: Mord, Körperverletzung, Vergewaltigung, Diebstahl etc. Für die meisten ist es selbsterklärend, warum diese Dinge gesetzlich verboten sind.

Andere Dinge die Gesetzlich oder in Verträgen verankert sind, sind notwendig, um den Fortbestand von Firma oder Staat oder beispielsweise den reibungslosen Ablauf des Unterrichts in einer Schule zu garantieren. Beispielsweise, dass man Steuern zahlen muss, dass die Arbeiter*innen auch auf der Arbeit erscheinen oder dass man in der Schule keine laute Musik während dem Unterricht hören darf.

Und natürlich gibt es auch ein paar ausgesprochene Verbote, bei denen man sich drüber streiten kann, wie sinnvoll diese nun sind oder auch nicht. Ein Klassiker wären die Gesetze, die sich im Deutschen auf die „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ beziehen, also zum Beispiel, dass eine Person mit Brüsten, diese in der Öffentlichkeit nicht zeigen darf, ohne ein Bußgeld zu riskieren. Die Gründe hierfür haben wenig mit einer Notwendigkeit zu tun, sondern eher mit gesellschaftlichen Normen.

Unausgesprochene Verbote

Und gesellschaftliche Normen führen auch zu weniger festen, oftmals zu jenen Verboten, die weniger klar ausgesprochen sind. Teilweise Dinge, die sich „einfach nicht gehören“, teilweise Dinge, die aufgrund von Religion oder Aberglaube verboten sind und oftmals historische oder kulturelle Gründe haben.

Ein einfaches Verbot, das zwar Kindern gegenüber immer wieder gesagt wird, während es Eltern oftmals selbst immer wieder machen, ist das Fluchen. Es gibt an sich keinen guten Grund es nicht zu tun (wissenschaftlich gesehen gibt es sogar Gründe dafür), aber es gehört sich gesellschaftlich nicht und gilt in bestimmten Kreisen als verpönt. Dies ändert nichts daran, dass die meisten es machen, doch einen gewissen Ruf hat es schon. Dabei ist es jedoch unterschiedlich, wie verschiedene Länder oder auch Religionen es betrachten.

Aber es gibt noch andere Beispiele für diese Art von Umgangsformen, die für viele selbstverständlich sind. Ein weiteres Beispiel wäre, dass man Frauen nicht nach Gewicht oder Alter fragt, oder dass man nicht mit dem Finger auf andere Leute zeigen soll. Oder um aus unserer Gesellschaft rauszugehen, wäre es ein fremdländisches Beispiel, was viele vielleicht kennen, dass man in japanischen Häusern Hausschuhe trägt, anstatt Straßenschuhe – selbst in Häusern wie Schule oder auf der Arbeit.

Religiöse Verbote

Irgendwo zwischen den tatsächlich gesetzlichen und den gesellschaftlichen Verboten und Vorschriften, stehen religiöse Verbote. Auch diese sind meist historisch gewachsen, obwohl selten noch bekannt ist, wie diese eigentlich zustande kamen. Darüber kann allerhöchstens spekuliert werden. Diese Vorschriften sind meistens in den religiösen Schriften oder durch eine führende religiöse Instanz ausgesprochen, sind aber nur in Ländern gesetzlich verankert, die eine Staatsreligion haben – und auch da nicht zwingend.

Hier sollten die bekanntesten Beispiele sein, dass man weder im Islam, noch im Judentum Schwein essen soll und auch Schalentiere oder Meeresfrüchte, wie Muscheln oder Krebse, unter streng Gläubigen verboten sind. Interessant hierbei ist, dass obwohl beides auch in der Bibel steht – immerhin baut sie auf denselben Schriften auf – diese Verbote dagegen im Christentum nicht länger anerkannt und ausgelebt werden. Dies hat sich erneut historisch entwickelt – fraglos auch durch die Europäisierung des Christentums.

Dafür gibt es unter strengen Christentum auch einige Regeln, die als gegeben angesehen werden. Beispielsweise, dass man keinen Sex vor der Ehe haben soll, oder auch etwas simples, wie der wöchentliche Besuch einer Messe oder Andacht.

Auch gibt es in vielen Religionen Verbote und Brauchtümer rund um die Periode einer Person mit Uterus. Oftmals gilt die Menstruation als unrein, so dass es Personen während ihrer Menstruation bspw. häufig verboten ist, heilige Orte zu betreten. Manchmal ist es auch verboten worden, Personen, die menstruierten, währenddessen zu berühren oder ins eigene Haus einzuladen. Dies hängt erneut mit Aberglauben zusammen, ist jedoch in erstaunlich vielen Religionen in irgendeiner Form verbreitet gewesen.

In fast allen Religionen hängt das Ausleben dieser Regeln letzten Endes damit zusammen, wie streng man diese selbst betrachtet. In fast allen Religionen gibt es Menschen, die diese Regeln nicht so streng auslegen und kein Problem damit haben, verbotenes Essen zu sich zu nehmen, oder eben nicht so häufig Kirchen zu besuchen. Sofern sie gläubig sind, ist ein häufiger Grund, dass sie diese Regeln und Verbote als historischen Kontext ihrer Religion anerkennen, der auf das moderne Leben jedoch nur wenig Einfluss hat.

Soziale Normen

Abseits von klaren Verboten, gibt es noch jene Dinge, die in Gesellschaften rein durch soziale Norm nicht üblich sind und die ggf. ebenfalls weiche Strafen, wie sozialen Ausschluss mit sich ziehen können. Dazu sei gesagt, dass auch hier jede soziale Norm in einer anderen Gesellschaft als klares Verbot existieren kann.

Ein Beispiel für eine solche soziale Norm, die ggf. soziale Konsequenzen mit sich bringt, sind Jungen mit „mädchenhaften Interessen“. Dadurch, dass unsere Gesellschaft klar gegendert ist und Dinge, die von der Gesellschaft als „weiblich“ betrachtet werden, oft mit Schwäche verbunden sind, werden Jungs für entsprechende Interessen (wie bspw. das Spielen mit Puppen oder ein Interesse an Ballett) ausgelacht.

Einen ähnlichen sozialen Druck kann es auch in Bezug auf Kleidung geben, die sich gehört oder nicht. Im selben Maßstab, wie Jungen für „weibliche“ Interessen ausgelacht werden können, so ist es auch verpönt für einen Jungen Kleider tragen zu wollen. Gleichzeitig lastet auf Mädchen und Frauen viel Druck, wie „sexy“ ihre Kleidung je nach Umfeld, in dem sie sich bewegt, nun sein soll oder darf. Während in einigen Umfeldern sozialer Druck für ein Mädchen oder eine Frau besteht, sich sexy zu kleiden, gibt es in anderen Umfeldern Druck oder sogar ausgesprochene Verbote, dies zu lassen.

Gesetze und feste Verbote

Baut man nun eine eigene Welt, so sollte man sich fragen, was in dieser Welt fest verboten ist. Wie gesagt gibt es ein paar Dinge, die wahrscheinlich sind, da ein ausgesprochenes Verbot mit angedrohten Strafen das gesellschaftliche Zusammenleben erleichtern. Dazu gehört prinzipiell ein Verbot davon, andere Menschen absichtlich zu verletzen – außer eventuell im Rahmen von Selbstverteidigung.

Es sei angemerkt, dass auch wenn für uns es als selbstverständlich gilt, dass Diebstahl in irgendeiner Form verboten ist, so gab es Gesellschaften ohne eine solche konkrete Regel. In diesen Gesellschaften gab es kein Konzept von Eigentum, wodurch Diebstahl nicht existieren kann – immerhin umfasst dieser Eigentum von jemand anderen zu entwenden.

Ein weiteres Verbot, das es in vielen Gesellschaften gab, war das Verbot von Inzest – also sexuellen Beziehungen zwischen Blutsverwandten. Dennoch auch erneut kein Gesetz, das es überall gab.

Viele festgeschriebenen Verbote hängen oftmals auch mit der Sexualmoral zusammen. Dies wiederum hat viel damit zu tun, wie sexuell positiv oder negativ eine Gesellschaft ist. Entsprechend kann es hier viele Verbote geben, doch da diese keinen festen gesellschaftlichen Nutzen haben, hängen sie von dem Umgang der Gesellschaft mit Sexualität ab.

Und natürlich kann es auch in phantastischen Gesellschaften abhängig vom politischen und wirtschaftlichen System der Welt weitere festgeschriebenen Verbote geben, die mit Arbeitsmoral und Besitz zusammenhängen.

Gesellschaftliche und religiöse Tabus

Abseits von klaren Verboten kann es jedoch auch noch gesellschaftliche und religiöse Tabus geben. Dazu gehören eben bereits genannte Dinge, die oftmals mit gesellschaftlichen Idealen zu tun haben, können aber ursprünglich konkrete Gründe gehabt haben. Beispielsweise wird angenommen, dass der Grund, warum Schweinefleisch in den abrahamitischen Religionen verboten ist, damit zusammenhängt, dass es sehr schwer und ressourcenaufwändig gewesen wäre, diese im nahen Osten zu halten. Da dies gesellschaftlich schädlich gewesen wäre (da hungrige Schweine alles essen), war es verboten, was historisch vielleicht zu dem Verbot von Schweinefleisch geführt hat. Selbst wenn dies nur Spekulation ist. Auf ähnliche Art können sich jedoch auch in euren Welten Lebensmittelrestriktionen entwickelt haben.

Viele Verbote, die sich gesellschaftlich oder religiös durchsetzen, hängen auch mit dem Glauben zusammen, das bestimmte Dinge unsauber oder unrein sind. Dies kann sich dann mit andere Idealen und religiösen Glauben mischen.

Auch religiöse Bräuche können zu Tabus führen. In Japan ist es ein Brauch, dass bei einer Beerdigung für den Toten eine Schale Reis serviert wird, in die ein Paar Stäbchen gesteckt wird. Deswegen gilt es jedoch als schlechtes Omen seine eigenen Stäbchen in den Reis zu stecken und es gilt als Tabu jemanden Reis zu servieren, in dem die Stäbchen bereits stecken.

Ebenso sind historisch entwickelte Tabus möglich, die heute eigentlich weniger Sinn ergeben. Um bei Japan zu bleiben, entstand das Verbot, in Häusern Schuhe zu tragen daraus, dass traditionelle Häuser mit Tatami-Matten ausgelegt waren. Diese waren schwer zu reinigen und gingen leicht kaputt. Deswegen sollte man keine Schuhe – schon gar keine dreckigen und oft hart besohlten Straßenschuhe oder Holzsandalen – auf diesen tragen. Obwohl die wenigsten japanischen Häuser heute noch mit Tatami-Matten ausgelegt sind, ist dieses Verbot ins Brauchtum übergegangen.

Und natürlich gibt es beinahe überall Tabus, die mit purem Aberglauben zusammenhängen, ohne, dass es einen heute noch nachvollziehbaren Sinn ergibt. Ebenso können bestimmte Tabus nur für bestimmte Geschlechter gelten.

Reizfragen

Kommen wir damit wie immer zu den Reizfragen dieses Beitrags:

  • Welche Dinge sind in deiner Welt verboten?
  • Welche Verbote sind in Gesetzen verankert? Warum diese und nicht andere?
  • Welche Verbote sind Religiös begründet?
  • Welche Verbote haben sich historisch entwickelt und wie?
  • Gibt es Verbote, die nur für bestimmte Personengruppen gelten?
  • Welche Verbote sind mit Aberglauben oder Vorurteilen begründet?
  • Gibt es Dinge, die ursprünglich angesehen, aber dann verboten wurden?
  • Welche Strafen stehen darauf verbotene Dinge zu tun?
  • Was gilt gesellschaftlich als Tabu?
  • Wie werden nicht gesetzlich verankerte Verbote durchgesetzt?

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