Weltenbau 101: Kindheit

Weltenbau ist vor allem auch wichtig, weil verschiedene Aspekte der Welt sich auch in den dort lebenden Figuren widerspiegeln werden. Dies gilt vor allem, wenn wir uns Alltag und Familienleben ansehen, in diesem Sinne aber auch, wenn es um die Kindheit der Personen in eurer Welt geht.

Jeder war einst ein Kind

Eine Sache, die nicht nur alle Menschen, sondern auch die meisten Wesen in fantastischen Welten gemeinsam haben, ist, dass sie irgendwann einmal Kinder sind. Wie diese Kindheit genau aussieht und wie lang sie andauert mag unterschiedlich sein, doch ist Kindheit eine Sache, die perse alle gemeinsam haben.

Selbst im Tierreich finden wir es bei allen Tieren, dass sie je nach Art eine mehrwöchige bis mehrjährige Kindheit haben. Wir Menschen sind nur dahingehend eine Ausnahme, dass unsere Kindheit für unsere Lebenserwartung außergewöhnlich lange andauert. Dies ist letzten Endes, so seltsam es auch klingt, auf unseren aufrechten Gang zurückzuführen. Dadurch, dass unsere Hüften schmaler werden mussten, kommen menschliche Kinder in einem früheren Entwicklungsstadium auf die Welt. Ähnliches wäre auch von anderen humanoiden Wesen zu erwarten.

Die Kindheit ist dabei von einer gewissen Hilflosigkeit geprägt. Lange Zeit können Kinder sich selbst überhaupt nicht versorgen. Bis zu einem gewissen Alter sind sie komplett auf Fürsorge durch erwachsene (oder zumindest bereits selbstständige) Menschen angewiesen. Selbst danach sind Kinder noch schwach und meistens eher unkoordiniert, können sich daher selbst schlechter beschützen.

Entwicklungsstadien

Kinder durchlaufen mit der Zeit unterschiedliche Entwicklungsstadien, die sich wahrscheinlich so oder so ähnlich auch auf andere Wesen übertragen lassen, selbst wenn die Geschwindigkeit, mit der sie diese durchlaufen, variieren kann. Prinzipiell fangen Kinder als komplett hilflose Babys an, die bei Menschen – wie bei allen Säugetieren – auf die Milch der Mutter (oder einer anderen säugenden Person) angewiesen sind. Auch danach können sie häufig noch nicht richtig essen, lernen dies erst mit der Zeit.

Auch die koordinatorischen Fähigkeiten müssen sich erst mit der Zeit entwickeln. Babys sind sehr unkoordiniert. Kleinkinder entwickeln langsam Koordination, lernen in diesem Rahmen meistens auch erst zu krabbeln, dann zu laufen. Bis zu einem gewissen Alter fallen Kinder jedoch häufig noch hin und auch andere Fähigkeiten sind noch nicht soweit ausgeprägt – wie bspw. die Feinmotorik der Finger.

Allerdings darf auch die Entwicklung des Charakters nicht ignoriert werden. Kinder lernen erst nach und nach, dass es Konsequenzen gibt, und müssen auch lernen, empathisch mit anderen Menschen umzugehen.

Eine weitere Entwicklung, die Kinder und später Jugendliche durchlaufen, ist die Entwicklung der eigenen Geschlechtsidentität und später auch Sexualität.

Bei all diesen Punkten ist es wichtig sich zu fragen, wie die Kultur damit umgeht und was getan wird, um Kindern bei diesen Entwicklungen zu helfen. Wie wird damit umgegangen, wenn Kinder sich schneller oder langsamer entwickeln als normal? Und wer hilft bei welcher Entwicklung?

Fürsorge

Es ist in unserer westlichen Kultur stark normalisiert, dass Kinder zu ihrer Mutter gehören. Das geht bei uns soweit, dass nach wie vor Väter seltener das Hauptsorgerecht im Falle einer Scheidung bekommen, beinhaltet aber genau so, dass Frauen, die aufgrund eines Jobs sich nicht selbst um ihre Kinder kümmern, häufig dafür geshamet werden.

Dennoch ist dieses Erziehungsmodell nicht das einzige, was es auf der Welt gibt. Selbst in unserer Kultur ist die Familienkonstellation „Vater, Mutter, Kind“, mit dem Vater als Hauptverdiener und der Mutter als Hauptfürsorgerin vornehmlich ein kapitalistisches Modell. Während Menschen in unseren Weiten vornehmlich von der Landwirtschaft gelebt haben, war es sehr üblich, dass beide Eltern auf dem Feld arbeiteten, während es oft die Großeltern waren, die sich um die Kinder kümmerten.

In anderen Kulturen ist es so, dass alle Kinder von entweder der Gemeinschaft der Frauen oder eventuell der alten Leute in einem Dorf großgezogen werden. Selbst wer die Kinder am Ende stillt, kann unterschiedlich sein. Immerhin ist das Konzept von Ammen ebenso lange Zeit verbreitet gewesen.

In einer eigenen Welt kann es noch einmal ganz anders sein. Entsprechend lohnt es sich auch, diese Fragen zu stellen: Wer kümmert sich um Kinder? Ändert sich dies im Verlauf der Kindheit?

Aufgaben eines Kindes

Eine andere Frage, die sich stellt, ist, was die Aufgaben eines Kindes sind. Denn natürlich ist es vollkommen normal und üblich, dass ein Kind irgendwelche Aufgaben hat. In unserer Kultur ist es üblich, das Kinder ab einem gewissen Alter ihr Zimmer aufräumen müssen. Hat eine Familie Haustiere, so kann es auch eine Aufgabe des Kindes sein, sich mit um das Haustier zu kümmern. Auch einfache Aufgaben, wie Staubwischen, Staubsaugen oder im Winter Schnee räumen werden Kindern häufiger anvertraut.

In anderen Kulturen und vor allem in der Geschichte konnten diese Aufgaben noch weiter gehen. Es war generell üblich, das Kinder beim Haushalt oder beim Kochen geholfen haben. Wurden Tiere gehalten, war das Hüten und Säubern dieser Tiere oftmals auch eine Aufgabe, die an Kinder abgegeben wurde. Auch Dinge zu transportieren (bspw. Wasser holen, wo es von einem Brunnen geholt werden muss, oder Einkäufe) kann eine Aufgabe von Kindern sein. Auch bei der Ernte helfen und halfen Kinder oft schon sehr früh. Dabei ist und war es von Kultur zu Kultur unterschiedlich, inwieweit diese Aufgaben nach Geschlechtern getrennt wurden.

Natürlich gibt es in unserer Kultur auch noch die andere Erwartung, die an Kinder gestellt wird: Der Schulbesuch. Mittlerweile ist dies etwas, das in vielen Kulturen zumindest für eine Zeit die Kindheit und Jugend prägt.

Zu guter Letzt sollte nicht außen vor gelassen werden, dass in besonders kämpferischen Kulturen, auch das körperliche Training und Kampftraining zu den Aufgaben gehört, denen ein Kind sich häufig zu widmen hat. Wie ernst dieses aussieht und inwieweit es nach Geschlechtern aufgeteilt ist, kann erneut unterschiedlich sein.

Daher: Welche Aufgaben haben Kinder in eurer Welt? Wie eng wird es gesehen, dass Kinder diese Aufgaben erledigen? Sind diese Aufgaben gesellschaftlich nur erwartet oder vielleicht sogar gesetzlich vorgegeben? Haben Kinder unterschiedlicher Geschlechter verschiedene Aufgaben?

Kinderspiele

Wo es Pflichten gibt, gibt es meistens jedoch auch Vergnügen. In ihrer Freizeit haben Kinder meist ihre eigenen Arten, diese zu verbringen. In unserer modernen Gesellschaft ist dies natürlich oft auch mit durch Technologie geprägt, jedoch spielen entgegen gängiger Vorurteile auch heute die Kinder noch draußen.

Klassische Spiele, die es fast überall auf der Welt gibt, sind Fangen und Verstecken. Technisch gesehen kann man sogar sagen, dass es diese Spiele speziesübergreifend gibt, da wir sie in einigen Tierarten auch beobachten können – immerhin sind sie auch gutes Überlebenstraining. Selbiges gilt auch fürs einfache Rangeln. Dabei ist es jedoch kulturell unterschiedlich, wie weit Kinder gehen dürfen, ehe jemand einschreitet.

Natürlich finden sich auch in vielen Kulturen verschiedene Formen von Ball- und Geschicklichkeitsspielen.

Ebenso weit verbreitet, wenn nicht sogar universell bei Kindern, ist das Rollenspiel, in dem sie meistens versuchen Erwachsene zu imitieren. Dies ist ein sehr soziales Spiel, durch das Kinder unter anderem auch Verhaltensweisen lernen.

Auch die „Doktorspiele“, wie wir es nennen, bei denen Kinder ihre ihre eigenen Körper und die anderer Kinder erforschen, gibt es in vielen Kulturen. Sie entstammen einer Neugierde der Kinder über den eigenen Körper – selbst wenn viele Kulturen es nicht gerne sehen.

Zu guter Letzt gibt es noch jedwede Art von Kreativspielen. Kinder zeichnen, basteln und erzählen oftmals gerne und haben dies schon immer getan. Es sind aus dem Mittelalter noch immer Kinderzeichnungen erhalten, die denen moderner Kinder sehr ähnlich sind.

Daher: Wie spielen die Kinder in eurer Welt? Gibt es Spiele, die von Erwachsenen nicht gerne gesehen oder ab einem gewissen Punkt unterbunden werden? Was lernen Kinder durch ihre Spiele? Gibt es besondere Spiele, die sich in eurer Welt verbreitet haben?

Kindheitsrituale

Ein letzter Aspekt der Kindheit, den man jedoch nicht komplett vergessen sollte, sind die Rituale, die eine Kindheit begleiten. Damit sind Dinge gemeint, die sich selten, eventuell auch nur einmalig in einer Kindheit ereignen und die eng mit Religion oder Kultur in Verbindung stehen.

Ein Beispiel dafür aus unserer Kultur, wären Taufe und – je nach Glaubensausrichtung – Kommunion und Firmung, beziehungsweise Konfirmation. Auch die Einschulung kann als solches Ritual gesehen werden, da sie oft mit entsprechenden Feierlichkeiten verbunden ist. Ähnliches gilt für den Schulwechsel.

In anderen Kulturen gibt es andere Kulturen. Shishi-Go-San ist ein in Japan breit verbreitetes Ritual, bei dem Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren zu Tempeln oder Schreinen mitgenommen werden. Gerade diese Art von Brauchtum gibt es häufig: Kinder, die zu religiösen Städten in einem bestimmten Alter gebracht werden, um sie von Gottheiten segnen zu lassen oder zu beschützen. Diese Rituale werden häufig selbst dann durchgeführt, wenn kein wirklicher Glaube mehr an die Gottheiten vorhanden sind.

Ebenso häufig sind allerdings auch Rituale, die einen Schritt zum Erwachsenwerden darstellen. Dies können Rituale sein, bei denen oft Jungendliche in der Wildnis überleben müssen, oder können auch Schmerzen beeinhalten, wie bspw. durch eine Tätowierung. In weniger extremen Fällen können diese Rituale deutlich symbolischer sein.

Wie sieht das bei euch aus: Welche Rituale gehören in eurer Welt zu einer Kindheit dazu? Gibt es Rituale, die schon in der frühen Kindheit durchgeführt werden? Welche Rituale passieren im Verlauf der Kindheit? Gibt es ein Ritual, dass symbolisch Lebensabschnitte abschließt, bzw. beginnt?

Kindheit ist wichtig

Es lohnt sich Gedanken darum zu machen, wie die Kindheit in eurer Welt verläuft. Denn auch eure Protagonist*innen werden einmal Kinder gewesen sein. Entsprechend werden sie auch davon geprägt worden sein, was sie haben in ihrer Kindheit tun müssen, was sie gerne getan haben, wie Erwachsene mit ihnen umgegangen sind und welche Rituale sie durchführen mussten. Vielleicht ist eure*r Protagonist*in furchtbar gut oder schlecht in einem bestimmten Spiel gewesen. Vielleicht ist si*er gerne oder ungerne zur Schule gegangen. Vielleicht war si*er unglaublich beeindruckt vom ersten bewussten Tempelbesuch.

Zusätzlich zu den erwähnten Fragen, seien noch folgende Fragen hier ergänzt:

  • Bis zu welchem Alter zählt man in eurer Welt als Kind/Jugendliche*r?
  • Kriegen Kinder von ihrer Geburt an einen Namen? Behalten sie diesen Namen ihr Leben lang oder ändert er sich im Verlauf des Lebens?
  • Wie ernst werden Kinder in der Kultur eurer Welt allgemein genommen?
  • Welche Verantwortung dürfen oder müssen Kinder übernehmen?
  • Werden Kinder in eurer Welt bestraft? Wie weit gehen diese Bestrafungen?
  • Werden Kinder in eurer Welt belohnt? Welches Verhalten wird besonders belohnt?
  • Was für Verhalten wird von einem Kind im Umgang mit anderen Kindern und im Umgang mit Erwachsenen erwartet?
  • Was wird erwartet, dass Kinder bis zu welchem Alter lernen?
  • Wie wird damit umgegangen, wenn ein Kind langsamer oder schneller lernt als andere Kinder oder andere Aufgaben besser oder schlechter besteht?
  • Wird einem Kind ein Geschlecht von Geburt an zugewiesen?

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